Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
99 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Fernsehen
Eingestellt am 21. 01. 2005 19:53


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
tocotomic
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2003

Werke: 11
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Fernsehen

Mittlerweile sehe ich kaum noch fern.
Ich kriege davon immer starke Kopfschmerzen.
FrĂŒher habe ich viel getrunken, bis ich auch davon starke Kopfschmerzen bekam.
Mein Arzt sagte, daß die Kopfschmerzen von meinem Alkoholkonsum stammen und ich doch bitte schön, sollte ich meine Kopfschmerzen denn loswerden wollen, mit dem Trinken aufhören möchte.
Also hörte ich mit dem Trinken auf und mir wurde langweilig.
Mir fiel zum ersten Mal auf, wie schÀbig und karg meine Wohnung eingerichtet war.
Wie arm ich war.
Ich hatte ja noch nicht mal einen Fernseher!
Dabei war ich mir eigentlich absolut sicher gewesen, daß ich mal einen hatte.
Irgendwo hier mußte auch meine Ehefrau sein.
Ich war mir sicher, daß ich mal eine hatte.
Die Zeiten Ă€ndern sich und man kriegt es gar nicht mit, weil man FußballĂ€nderspiele in Kneipen angucken muß.
Das mußte es sein, ich hatte gar keinen Fernseher, ich bin einfach in Kneipen gegangen.
FrĂŒher!
Aber jetzt war mir das von meinem Arzt untersagt worden, ich konnte also nicht fernsehen.
Wenn man langsam wieder klar im Kopf wird, fÀllt einem meist auf wie unertrÀglich Stille eigentlich ist.

2 Tage spÀter lungerte ich morgens vor dem Saturn herum, wartete bis er aufmachte, um mir endlich einen eigenen Fernseher zu kaufen.
Bald öffnete mir ein junger VerkÀufer mit einem verschlafenen Blick und einem augenscheinlichen Cannabisproblem .
„ Kann ich ihnen helfen“ gĂ€hnte er.
„ Ja, ich hĂ€tte gerne einen Fernseher“ antwortete ich und der etwas zu entspannte VerkĂ€ufer schickte mich zu seinem Kollegen in den 3. Stock.

„ Hallo, kann ich ihnen helfen“
„ JA, ich wĂŒrde gerne einen Fernseher kaufen“
„ Mit Videotext“
„ Nein, nur ein Fernseher“
„ THX oder Dolby Digital?“
„ Fernseher“
„ Breitband oder Projektionsbildröhre?“
„ Fernseher!“
„ Sony oder Grundig“
„Ist das denn wichtig?“
Ich schien ihn gekrĂ€nkt zu haben, er wich einen Schritt zurĂŒck und sah mich sehr komisch an.
Doch einen Moment spĂ€ter siegte der Berufsethos ĂŒber seine Verachtung und er erlĂ€uterte mir die Vorteile eines ungefĂ€hr fußballfeldgroßen Grundig- Fernseher.
Der Apparat hatte ungefÀhr 8mal soviel Extras wie das Batmobil und sah doppelt so bedrohlich aus.
„ Und das alles fĂŒr nur 3999 Euro, ein SchnĂ€ppchen, sehen sie sich alleine mal die verchromte Vorderfront an. 16:9, Dolby Souround, 4 Chinch Stereo AusgĂ€nge und eine handliche Fernbedienung.“
„ Richten sie das Teil nicht auf mich“ sagte ich und wich zurĂŒck.
„ Oder der hier, etwas billiger, fĂŒr den kleinen Geldbeutel Sony Flat 101, nur 2599,hier der Blaupunkt, der richtet seine Bildröhre immer nach dem Aufenthaltsort der Fernbedienung, oder der Phillips hier, 1999, na das ist doch fast geschenkt... hallo, hallo!“

Ich war geflohen, hatte mir einen GĂŒlken- TV fĂŒr 299 gekauft, mit Fernbedienung, ohne Extras.
Es hĂ€tte mir einfach das Herz gebrochen, ihm einen seiner Lieblinge wegzunehmen. Er war so begeistert von diesen HAL-Ă€hnlichen Supercomputern, daß er bestimmt geweint hĂ€tte, wenn er sich von einem trennen mĂŒĂŸte.
Ich konnte einfach keine psychisch kranken Menschen weinen sehen.

Daheim angekommen schloß ich den Fernseher gleich an.
Zur meiner Überraschung stellte ich fest, daß der Fernseher wohl die FĂ€higkeit besaß, die KanĂ€le selbst einzustellen.
Man mußte nur „ Festhalten die Knopfen, wo rot“ und schon suchte der gute GĂŒlken mir innerhalb von 10 Minuten 42 KanĂ€le.
Ich hatte wohl Kabelanschluß.

„Nachmittags um halb 5, und alle kochen“ dachte ich mir bei der ersten Durchsicht der KanĂ€le. Auf sĂ€mtlichen öffentlich- rechtlichen und den Regionalsendern wurde gebruzzelt und Wein geschlĂŒrft.
Langweilig.
Zapp.
Auf dem Schweizer- Sender schipperten 4 Frauen mit schwarzen Abendkleidern auf einem wackligen Floß. Ihr Gesichter waren wie Katzen bemalt oder eher so wie verrĂŒckte Vorschulkindmamas sich an Fasching Katzen vorstellten.
Zapp.
Eine Frau die auf dem RĂŒcken eines nackten Mannes saß.
Zapp.
Ein psychisch kranker Mensch, mit trĂ€nennaßem Gesicht.
Zapp.
Werbung.
Eine charmante Frau wollte mir einen grĂŒnen Stein, der wohl entspannend wirkt, fĂŒr nur 69.95 verkaufen.
Zapp.
3 postpubertĂ€re, rumhĂŒpfende Partyjungs die lauthals proklamierten“ Schwule MĂ€dchen“ zu sein.
Kopfschmerzen.
Zapp.
Aus.

Ich legte mich ein bißchen schlafen, dann ging ich zum Saturn, tauschte den Fernseher um und ging in die kleine Kneipe ums Eck.

Dort bestelle ich mir ein Bier und warte bis die Sportschau anfÀngt.

Wenn man schon Kopfschmerzen hat, sollten sie sich wenigstens lohnen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Penny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2004

Werke: 4
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Penny eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tocotomic!
Find ich cool, ehrlich....mir scheint es, als ob du das Wort "psychisch kranker Mensch" zu oft benutzt hast und es wirkte beim dritten Mal wirklich ĂŒbertrieben und ob ein einfacher Mensch, der dein Protagonist ja sicher darstellen soll, einen solchen -ich sage mal- "hochgestochenen Ausdruck" benutzt? Ich weiß es nicht, wĂŒrde aber spontan mal nein sagen.
Ansonsten, herrlich einfach, man muss bis zum Schluß durchlesen und ich mag deinen Schreibstil sehr!!!
Könnte mir durchaus Fortsetzungen vorstellen. Herrlich erfrischend unter so vielen schweren BeitrÀgen so was zu lesen! Warte auf mehr.
Penny
__________________
Penny Lane

Bearbeiten/Löschen    


Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monfou Nouveau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo tocotomic!

Das Ganze geht eher in Richtung Satire oder Kabarett. Man liest es ohne Kopfschmerzen. Es ist nicht ĂŒberladen, wahrlich nicht. Ein Text, rasch gelesen und in KĂŒrze wohl auch aus dem Kopf des Lesers. Unterhaltung ohne tief zu schĂŒfen, stellenweise sehr witzig, treffend, auch sympathisch in der Haltung, aber auch ein bisschen wenig bissig. Was fĂŒr den kleinen Lesehunger zwischendurch. Was sicher seine Berechtigung hat. Es gibt keine Personnage, keinen Plot, dafĂŒr eine Pointe, es ist eher ein Sketch, vor allem was die Dialoge betrifft, verschlichtete Charaktere, keine wirklich verblĂŒffenden Wendungen in der Handlung.

Liebe GrĂŒĂŸe

Monfou

@Penny
Man sollte vielleicht einen Text nicht gegen andere angeblich "schwere" BeitrÀge ausspielen. Vielleicht schreiben andere nur in einer anderen Gewichtsklasse.

@Zeder

Du bist wieder blitzschnell. Noch wÀhrend ich kommentierte, landete der Text unter der Rubrik: Humor und Satire. Wo er wohl auch hingehört.

Bearbeiten/Löschen    


Penny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2004

Werke: 4
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Penny eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

@Monfou Nouveau: Also, wenn "schwer" nicht fĂŒr "Gewichtsklasse" steht, weiß ich auch nicht weiter!
"wenig bissig": dem kann ich nicht zustimmen. Warum sollte auch etwas wenig bissiges in der Humor & Satire Rubrik stehen, damit wĂ€ren die Hauptmerkmale ja nicht gegeben. Auch sehe ich einen Plot, ohne viel hineininterpretieren zu wollen, schließlich soll dies ja dem Leser selbst ĂŒberlassen sein. Nach wie vor bin ich ĂŒberzeugt von dieser Kurzgeschichte!

Penny
__________________
Penny Lane

Bearbeiten/Löschen    


Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monfou Nouveau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

@Penny
Da helfe ich gern weiter.
Ein Boxer einer bestimmten Gewichtsklasse tritt nicht gegen den Boxer einer anderen Gewichtsklasse an. Und so wĂŒrde ich einen Text der „Gewichtsklasse“ X auch nicht mit einem Text der „Gewichtsklasse“ Y vergleichen oder gar die ganze Gewichtsklasse unter Generalverdacht stellen (zu schwer).

Ich habe im Übrigen deinen Kommentar nicht in Zweifel gezogen. Gefallen hat mir zum Beispiel der so locker dahingesagte horrende Preis der Fernseher. Das war zum Schmunzeln. Da hat der Text gewiss seinen Witz. Aber dann wird dieser Einfall mit dem Preis auch ordentlich ausgebreitet.

Liebe GrĂŒĂŸe

Monfou

Zum VerstĂ€ndnis fĂŒr andere Leser: Der Beitrag stand zunĂ€chst unter "Kurzgeschichten" im entsprechend anderen Kontext und wurde von uns dort kommentiert, ehe er - zu Recht - nach Humor verschoben wurde.

Bearbeiten/Löschen    


Edgar Wibeau
Guest
Registriert: Not Yet

Geiz ist geil

Hallo, tocotomic!

Ein amĂŒsanter, wortgeizgeiler Text. Da wirken die in der KĂŒrze geradezu verschwenderisch oft auftauchenden psychisch Kranken schon beinahe wie ein Stilbruch.
BemĂ€ngeln könnte man auch die dĂŒrftige Recherche: Bang&Olufsen beim Saturn-Ramscher? Never ever!
Hier klicken

Gruß

Christian

Bearbeiten/Löschen    


tocotomic
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2003

Werke: 11
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Erstmal danke fĂŒr die Kritik an alle.

Ich hab den ersten " psychisch kranken" jetzt rausgenommen, das zweite und dritte Mal, daß die Wendung vorkommt habe ich aber drin gelassen, da das m.E. ein ganz guter " Witz" ist. Bang& Olufsen habe ich durch Blaupunkt ersetzt, witzig ist, daß dieser krasse Logikfehler den ungefĂ€hr 10 Lesern die den Text vorher gelesen haben nicht aufgefallen ist.

Vielen Dank nochmal, freue mich immer ĂŒber konstruktive Kritik.

Gruß
tocotomic

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!