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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Feuerwerk
Eingestellt am 17. 01. 2011 12:12


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rihaij
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2011

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Bitte beachten: es handelt sich um eine homoerotische Geschichte, also eine Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen (FxF). Wer daran Anstoss nimmt, sollte sie nicht lesen. Empfohlen ab 16

Da war sie wieder.
Die roten Haare fielen Ella immer als erstes an ihr auf. Es gab nicht so viele Frauen mit so schönen, eher glatten, roten Haaren. Noch viel weniger, mit diesem besonderen Rotton, der ein wenig ins Braun, eher schon ins Ockerfarbene ĂŒberging und Ella ein wenig an ein warmes Kaminfeuer erinnerte. Wenn die Sonne schien, leuchteten ihre Haare beinahe golden auf, schienen winzige Bernsteine darin zu funkeln.

In weichen Wellen fielen die offenen Haare bis zur Schulter hinab, umrahmten das hĂŒbsches Gesicht mit den Sommersprossen auf den Wangen. Nicht viele, nur ein paar, gerade mal, dass es auffiel. Viele Rothaarige hatten dutzende von Sommersprossen auf der blassen Haut. Sie nicht. Ihre Haut war auch nicht so hell und sah im Sommer normal gebrĂ€unt und nicht rot verbrannt aus.

Ella sah die roten Haare hinter dem Brotregal verschwinden und schob ihren Einkaufwagen rasch weiter. Wenn sie sich beeilte, erreichte sie das Ende der Regalreihe und wĂŒrde sie im anderen Gang ganz sehen können.

Ihr Herz hĂŒpfte ungehörig freudig, wĂ€hrend sie versuchte unauffĂ€llig und doch zĂŒgig an zwei anderen Kunden, einem Ă€lteren Ehepaar, vorbeizukommen, die noch unentschlossen vor dem Konservenregal standen und mit ihrem Einkaufswagen den Gang blockierten.

Warum mussten solche Leute aber auch immer ihren Wagen mitten im Gang parken? Es wĂ€re doch gar kein Problem, ihn einfach vor das Regal zu stellen und sich dann in Ruhe zu ĂŒberlegen, ob Erbsen und Möhrchen aus der Dose wirklich zu dem geplanten Braten passten oder man nicht besser TiefkĂŒhlkost nehmen sollte.

„Darf ich mal vorbei?“
Ella schob den störenden Wagen einfach energisch zur Seite, kassierte dafĂŒr einen pikierten Blick des Ă€lteren Herrn in dem hellbraunen Mantel, beachtete ihn aber nicht weiter. Es war ihr völlig egal, was er von ihr denken mochte.

GlĂŒck gehabt. Die junge Frau mit den roten Haaren packte gerade eine TĂŒte Aufbackbrötchen in ihren noch fast leeren Einkaufswagen, als Ella in den Gang einbog und hastig ihren Schwung abbremste.
Langsam holte sie tief Luft, trat an das Regal mit dem MĂŒsli heran und tat so, als ob sie sich eins aussuchen wĂŒrde, beobachtete dabei aber die junge Frau, die nun etwa vier Meter von ihr entfernt nachdenklich die angebotenen Marmeladen betrachtete.

Heute trug sie abermals die beigefarbene, schmal geschnittene Jacke, die ihr so gut stand. Ihre Jeans verschwand in langen, hellbraunen Stiefeln, die am oberen Rand mit dunklem Webpelz gefĂŒttert waren und ihre langen Beine betonten. Ein warmer, langer, eierschalenfarbener Schal lag um ihren schlanken Hals. Die Fransen mogelten sich am unteren Ende schon wieder so frech unter der Jacke hervor.

Jedes Mal, wenn sie sie so sah, war Ella in Gedanken versucht, ihr die Jacke zu öffnen, den Schal sorgfĂ€ltig nochmal um den Hals zu legen damit es ihr warm genug war und diese störenden Fransen da unten nicht mehr zu sehen waren. VerrĂŒckte WĂŒnsche. Vor allem deshalb, weil sie nicht mal ihren Namen kannte, noch wusste, wo sie wohnte und was noch viel schlimmer war: ob sie ĂŒberhaupt Ellas Interesse im Entferntesten teilte.

Seit gut fĂŒnf Monaten begegneten sie sich regelmĂ€ĂŸig in dem Supermarkt und jedes Mal verließ Ella erst dann den Laden, wenn die junge Frau ihr mindestens ein Mal ihr nettes LĂ€cheln geschenkt hatte.
Immerhin brauchte Ella da nie lange drauf warten, denn jedes Mal, wenn die rothaarige Schönheit sie erkannte, nickte sie ihr freundlich zu und lĂ€chelte dieses wundervolle, schöne LĂ€cheln, welches die Schmetterlinge in Ellas Bauch frei flattern ließ, FrĂŒhlingsgefĂŒhle auslöste und TrĂ€ume anregte.

Leider hatte sich Ella bislang nicht getraut, sie anzusprechen. Mehr als ein kurzes Kopfnicken, ein LĂ€cheln zurĂŒck, hatte sie nie hinbekommen. Dabei wĂŒrde sie so gerne mehr von ihr wissen.

Ella verliebte sich nicht so leicht. Bislang hatten es nur ein Mensch geschafft, ihr Herz zu erobern. Sonja war in ihre Parallelklasse gegangen, ein Jahr Ă€lter gewesen und sie hatten sich im Sportunterricht kennengelernt. Sie waren ein paar Mal ausgegangen und nach und nach hatte sich mehr ergeben. FĂŒr sie beide war es die erste Liebe gewesen. Ein Ausprobieren, Erkunden, eine vorsichtige AnnĂ€herung in aller Heimlichkeit, denn jede von ihnen fĂŒrchtete das Schimpfwort: „Lesbe!“ aus dem Mund ihrer MitschĂŒler wie den Untergang ihrer heilen Welt.
Zwei Jahre waren sie zusammen gewesen und hatten allen erfolgreich verheimlicht, was sie wirklich fĂŒreinander empfanden. Dann war es langsam, klammheimlich abgekĂŒhlt. Unmerklich hatte es angefangen. MissverstĂ€ndnisse, Kleinigkeiten, die sie oder Sonja verĂ€rgert hatten, ĂŒber die keine von ihnen direkt sprach, die im Grunde unwichtig waren, sich jedoch summierten und schließlich in einem großen, bösen Krach unversöhnlich endeten.

Danach war Ella vorsichtiger gewesen, hatte sich ganz auf ihren Schulabschluss, dann auf ihre Lehre als BuchhĂ€ndlerin konzentriert und doch immer irgendwie heimlich gehofft, sich irgendwann wieder auf eine Beziehung einlassen zu können. Der Schmerz und die UnfĂ€higkeit ihre Probleme mit Sonja effektiv zu lösen, hatte sie jedoch verschreckt und ĂŒbervorsichtig werden lassen. Unter diesen Voraussetzungen war es doppelt schwer, jemanden zu finden. Dabei sehnte sie sich gerade in diesen kalten, viel zu kurzen Tagen des kalten Winters nach Gesellschaft, nach jemandem, mit dem man Zeit verbringen, lachen, reden, sich warm aneinander kuscheln konnte.

Ellas Eltern wohnten in MĂŒnchen und sie war vor einem Jahr erst nach Hamburg gezogen, hatte bislang nur wenige Freunde gefunden. Heute an Silvester waren diese alle auf irgendwelchen Partys. NatĂŒrlich hatte Ella auch ein paar Einladungen bekommen, doch ihr war nicht so recht nach Feiern zumute und daher hatte sie abgelehnt. Letztes Jahr hatte sie ein wenig wehmĂŒtig all jene glĂŒcklichen LiebespĂ€rchen um sich beobachtet, die sich Punkt 0 Uhr kĂŒssend in den Armen lagen. Es tat weh, alleine, davon ausgeschlossenen da zu stehen und in den Himmel mit dem bunten Feuerwerk zu schauen. Daher wĂŒrde sie dieses Jahr den Wechsel lieber alleine verbringen.

„Hallo“, unterbrach eine Stimme Ellas wehmĂŒtige Überlegungen und sie wandte sich ĂŒberrascht um. Braune, hellbraune Augen blickten sie an, umrahmt von jenen wundervollen rotgoldenen Haaren. Ella schluckte hart, bemerkte just in dem Moment, dass sie noch immer eine MĂŒslipackung in der Hand hielt, als ob sie die RĂŒckseite durchlesen wĂŒrde.

Die junge Frau vor ihr lĂ€chelte sie freundlich an. Ihr schöner, fein geschwungener Mund öffnete sich dabei ganz leicht und ließ ihr hĂŒbsches Gesicht regelrecht erstrahlen. Wahrhaftig, als ob es durch einen besonderen Lichtschein direkt beleuchtet werden wĂŒrde, fand Ella. Beinahe entschlĂŒpfte ihren Lippen dabei ein leises Seufzen.

Sie war so wunderschön! Diese zarte Haut, die braunen Augen, die sie sie immer so zaghaft anblickten. Da waren niedlich, kleine GrĂŒbchen neben den Mundwinkeln, ließen ihr Gesicht unglaublich apart wirken. Die junge Frau war schlank, beinahe zierlich und in etwa so groß wie Ella. Unter der dicken Winterjacke konnte man natĂŒrlich nicht viel davon erkennen. In der wĂ€rmeren Jahreszeit hatte Ella sie jedoch oft genug in anderer, viel figurbetonterer Kleidung gesehen.

Sie war wunderschön! Genau jene Mischung, aus Eleganz und Sportlichkeit, die Ella so mochte. Ihr ParfĂŒm umwehte sie nun wie eine Sommerbrise, war dezent und angenehm, trug die Erinnerung an einen warmen Sommer mitten hinein in den grauen Wintertag. Und bewirkte sehnsĂŒchtige FrĂŒhlingsgefĂŒhle in Ellas Herzen.

„Hallo“, antwortete sie ein wenig verspĂ€tet, stellte die MĂŒslipackung hastig wieder zurĂŒck. Ihr Blick wanderte ĂŒber die junge Frau, die sie heute zum ersten Mal angesprochen hatte. Ella hatte sich nie getraut, immer gehofft, dass es mal einen richtigen Moment geben wĂŒrde. Zu groß war ihre Angst vor einer Abfuhr, einer dummen und peinlichen FehleinschĂ€tzung oder einer weiteren EnttĂ€uschung. TrĂ€umen war leichter, gefahrloser, unkomplizierter, wenngleich natĂŒrlich auch weniger befriedigend.

„Sieht ja nach einem eher ruhigen Silvesterabend heute aus“, meinte die junge Frau mit einem Blick auf Ellas Einkaufswagen, der neben einer Flasche Sekt nur ein wenig Aufschnitt, einen OfenkĂ€se, Schokolade, drei Joghurts, Milch und ein Glas Preiselbeeren enthielt.

Ella blickte automatisch in ihren Wagen. Stimmt. Ihre bisherigen EinkĂ€ufe sahen definitiv nach dem von ihr geplanten Singleabend aus. Automatisch blickte sie zu dem fremden Wagen hinĂŒber und musste unwillkĂŒrlich schmunzeln. „Bei dir ja auch“, meinte sie, betrachtete interessiert die Packung Brötchen, Milch, Quark, eine Pizza, eine Packung fertigen Salat, Butter und eine Flasche Rotwein.

„Stimmt!“, antwortete die junge Frau lĂ€chelnd. „Ich feiere auch nicht großartig, schaue mir nur gerne das tolle Feuerwerk an.“ Ella nickte, noch völlig verblĂŒfft darĂŒber, dass sie endlich, endlich mal mit dieser hĂŒbschen Frau ein paar Worte wechseln konnte.




„Dann gehst du zum Hafenfeuerwerk?“, erkundigte sich Ella, spĂŒrte ihr schnell pochendes Herz ĂŒberdeutlich, hoffte nur, ihr Gesicht wĂŒrde nicht wiedergeben, wie sie sich gerade fĂŒhlte, wenngleich ihr Wangen sich heiß anfĂŒhlten.

„Nein, muss ich gar nicht“, meinte die junge Frau, schmunzelte verschmitzt. „Ich habe zum GlĂŒck eine Wohnung mit Balkon von dem aus man das Feuerwerk sehr gut sehen kann. Ich selbst mag keine Raketen abfeuern. Den, vom Feuerwerk der ganzen Stadt, hell erleuchteten Himmel finde ich hingegen wunderschön.“

Abermals nickte Ella. NatĂŒrlich, von einem Balkon aus musste das Feuerwerk um Mitternacht wundervoll anzusehen sein. Von ihrem Fenster aus konnte sie nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels ĂŒber Hamburg zwischen den MehrfamilienhĂ€usern erkennen. Wenn sie mehr sehen wollte, musste sie hinunter auf die Straße, wo die Jugendlichen vor allem laute Böller abfeuern und Betrunkene herumgrölen wĂŒrden. Dazu hatte sie nicht wirklich Lust.
„Das ist bestimmt schön“, vermutete Ella daher, ein wenig bemĂŒht freundlich. Sie wĂŒrde sich wohl eher ein Feuerwerk irgendwo im Fernsehen anschauen.

Die beiden Frauen schwiegen, freilich machte keine Anstalten, zu gehen. „Lebst du denn alleine?“, fragte Ella plötzlich mutig geworden nach. Wann immer sie die junge Frau gesehen hatte, kaufte sie so wenig ein, dass sie einfach daraus geschlossen hatte, dass sie wohl Single war. Vielleicht war es ja aber auch nur unsinniges Wunschdenken.

„Ja!“, antwortete die rothaarige, junge Frau jedoch, ließ die fröhlichen Schmetterlinge in Ellas Bauch erneut begeistert aufflattern. „Du doch auch, oder?“ Hastig schluckte Ella, wollte nicht recht glauben, dass sie sich gerade wirklich unterhielten, sich tatsĂ€chlich mal, nach all diesen, nur verstohlenen ausgetauschten Blicken, nĂ€her kamen. Sie nickte, streckte dann spontan ihre Hand aus. „Ich bin Ella“, stellte sie sich vor, hoffte instĂ€ndig, das die andere Frau nicht bemerken wĂŒrde, wie feucht ihre HandflĂ€che war, wie sie leicht bebte in Erwartung der BerĂŒhrung durch diese feinen, schlanken Finger der anderen Hand.

„Freut mich. Ich bin Clara“, antwortete Selbige, drĂŒckte Ellas Hand weich und doch erstaunlich fest. „Ich habe dich schon sehr oft hier einkaufen sehen“, ergĂ€nzte sie und ihr LĂ€cheln wurde fĂŒr einen Moment unsicherer, schĂŒchterner, beinahe schon verlegen. In Ella löste es das fantastische WohlgefĂŒhl eines tagelang ersehnten Sommerregens auf erhitzter Haut aus. Sie hatte sich doch gerade nicht getĂ€uscht, oder? Hatte Clara sie wahrhaftig so angesehen? Interessiert, zĂ€rtlich, liebevoll? War es das in ihrem Blick gewesen?

„Ich habe dich auch schon oft hier gesehen“, gab Ella zögernd, sich nervös die Lippen befeuchtend, zu. „Wohnst du in der Gegend?“ Beinahe schrak sie vor ihrem Mut zurĂŒck, nur was hatte sie zu verlieren? Gerade rein gar nichts.
Claras weiche Lippen verĂ€nderten sich, ihre Mundwinkel hoben sich zu einem neuen LĂ€cheln. „Gar nicht so weit weg“, bestĂ€tigte sie. „Offenbar kaufen wir gerne zu den gleichen Zeiten ein“, fĂŒgte sie hinzu, machte eine unbestimmte Geste durch den leeren Laden. „Wenn es ruhiger ist. Dann wenn alle anderen bereits Zuhause sind. So wie heute, wenn sie schon Fondue oder ein anderes Festessen fĂŒr ihre Lieben vorbereiten.“ Sie lachte auf. Ein helles, freundliches, warmes Lachen, in welches Ella einstimmen wollte, musste, durfte! Es war ansteckend, herzerwĂ€rmend und es tat so gut wieder mit einer anderen Frau so ein Lachen zu teilen.

„Bei mir gibt es nur OfenkĂ€se mit Preiselbeeren“, deutete Ella auf ihre EinkĂ€ufe, als ihr Lachen abebbte. „Bei mir Kartoffeln und Quark“, erzĂ€hlte Clara achselzuckend, besah sich neugieriger Ellas Wagen. „OfenkĂ€se habe ich noch nie probiert. Schmeckt der denn so gut, wie man sich erzĂ€hlt?“
„Ja, sehr gut sogar“, behauptete Ella ĂŒberzeugt. „Solltest du mal probieren. Du wirst begeistert sein.“ Claras Blick galt nicht lĂ€nger den EinkĂ€ufen, sondern Ellas Gesicht. Sie biss sich kaum merklich auf die Unterlippe, holte tief Luft und meinte dann leiser, ein wenig schĂŒchtern: „Ich weiß ja nicht, ob es ein faires Angebot ist, aber du könntest dir mit so einem OfenkĂ€se vielleicht einen exklusiven Fensterplatz fĂŒr das Feuerwerk heute Abend auf meinem Balkon erkaufen.“

Ella stockte der Atem. Überrascht sah sie Clara an, die den Blick nicht abwandte, sie weiterhin direkt ansah, nur verstohlen schluckte. „Vielleicht?“, hakte Ella unsicher nach. „Und was, wenn ich auch noch Preiselbeeren und eine Flasche Sekt bieten kann?“
„Dann ist dir der Logenplatz sicher“, antwortete Clara erleichtert schmunzelnd und fĂŒgte hinzu: „Ist doch traurig, Silvester ganz alleine zu verbringen, oder?“ „Ja!“, kam es ein wenig zu schnell von Ella, die ihr GlĂŒck gar nicht fassen konnte, ihr freudig hĂŒpfendes Herz gerade noch so gebĂ€ndigt bekam. „Ist viel besser.“

„Sehr schön“, antwortete Clara, strahlte Ella nun so direkt an, dass dieser in ihrem langen Mantel sehr warm wurde. „Moment, ich gebe dir meine Adresse und Telefonnummer. Du kannst ja vorbeikommen, wann du möchtest, ich bin da.“
Sie tauschten ihre Nummern aus. Mit bebenden Finger tippe Ella die Nummer ein, fĂŒhlte sich in einem Traum gefangen aus dem sie ganz gewiss nicht so schnell aufwachen wollte. Die Bedenken waren alle da, lauerten am Rande, flĂŒsterten in ihrem Hinterkopf. Die Aussicht jedoch, kein einsames Silvester zu Hause zu verbringen, sondern in Claras Gesellschaft, verdrĂ€ngte alle Wenns und Abers.

„Dann sollte ich noch einen OfenkĂ€se besorgen und magst du Meerretich dazu?“, erkundigte sie sich, als sie nebeneinander ihre Wagen durch den Gang zur KĂŒhltheke schoben. „Gerne“, antwortete Clara, schenkte Ella noch ein LĂ€cheln.

Gemeinsam gingen die beiden jungen Frauen schließlich zur Kasse, bezahlten und verabschiedeten sich vor dem Supermarkt erst voneinander.

Ella beeilte sich, heim zu kommen. Sie wollte duschen, sich umziehen, und fragte sich bereits, als sie die EinkĂ€ufe in ihrem KĂŒhlschrank unter brachte, wann sie wohl frĂŒhestens bei Clara auftauchen konnte.
Die meisten Silvesterpartys begannen ja nicht so frĂŒh, doch sie beide wollten ja auch noch zusammen den OfenkĂ€se vernichten und vielleicht noch ein Glas Wein trinken. So beschloss sie, gegen 19 Uhr loszugehen.

Nach dem Duschen verbrachte sie recht lange damit, zu entscheiden, was sie anziehen sollte, denn natĂŒrlich wollte sie unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. Clara wirkte immer so elegant gekleidet, gewiss legte sie darauf Wert. Ella entschied sich schließlich fĂŒr einen schmalen, knielangen, dunklen Rock, zog eine dunkle, passende Strumpfhose darunter und lange, schwarze Stiefel an. Bei der Bluse entschied sie sich schließlich fĂŒr eine elegante dunkelgrĂŒne.
Kritisch musterte sie sich im Spiegel, bevor sie sich zu stylen und zu schminken begann. Sie hatte kurze, modisch geschnittene, dunkelbraune Haare, die sich mit Gel und Fantasie herrlich vielfĂ€ltig formen ließen und Ella testete verschiedene Versionen, bis sie endlich mit einer sportlich und doch edel wirkenden zufrieden war.
SorgfĂ€ltig schminkte sie sich passend und sehr dezent, betonte nur ihre grĂŒnen Augen ein wenig mehr als sonst. Ihre Augen fand sie selbst an sich besonders hĂŒbsch und sie war nie sehr angetan von Frauen gewesen, die sich tonnenweise Makeup ins Gesicht schmierten, bis man von der echten Farbe der Haut nichts mehr erahnen konnte. Clara war immer sehr dezent geschminkt. Ab und an hatte sie sie sogar auch ganz ohne gesehen und es hatte ihr an ihr besonders gut gefallen.

Draußen heulten und krachten bereits die ersten Böller ungeduldiger Kinder. Morgen wĂŒrden die Straßen wieder voll von den schmierigen, verbrannten, papiernen Überresten dieser Jahresfeier sein, dachte Ella. Vielleicht wĂŒrde aber auch der angekĂŒndigte Schnee alles gnĂ€dig bedecken.

Es schneite ganz leicht, als sich Ella endlich auf den Weg machte. Es war ein ganz feiner Schnee, beinahe schon so feucht wie Regen und sie hoffte nur, er wĂŒrde nicht wirklich in Regen ĂŒbergehen und alles mit Blitzeis ĂŒberziehen.

Clara wohnte zum GlĂŒck nicht sehr weit weg. Es war ein Fußweg von wenigen Minuten. Sehr gut, falls sie sich nach diesem Abend noch mal sehen wĂŒrden. Ella zwang sich dazu, positiv zu denken und nicht wieder an Konsequenzen oder gar Komplikationen zu denken. NatĂŒrlich wusste sie noch nicht viel ĂŒber Clara, genau genommen gerade mal ihren Namen, ihre Adresse und ihre Telefonnummer, wobei sie gedachte dies bald schon zu Ă€ndern. Ob sie sich gut genug verstehen wĂŒrden und die Anziehungskraft, die Clara auf sie ausĂŒbte, mehr sein wĂŒrde oder könnte, ob diese ihre GefĂŒhle erwidern wĂŒrde?
Immer waren da diese tausend Fragen, tauchten ungefragt auf und machten es ihr schwer sich nur auf den nÀchsten Augenblick zu freuen, einen Schritt nach dem anderen zu gehen.

Ella wollte nicht wieder verletzt werden, nicht wieder selbst verletzen, sich nicht jeden Tag fragen mĂŒssen, was sie hĂ€tte anders machen sollen. Clara war die erste Frau, die sie seither so faszinierte, dass sie es erneut wagen wollte und das machte sie kribbelig und nervös.

Sie fand Claras Namen sofort, denn er war mit gut leserlichen Druckbuchstaben geschrieben, klingelte und hörte schon im selben Moment Claras Stimme in der Gegensprechanlage. „Willkommen, Ella! Ich wohne im dritten Stock, linke TĂŒr“, sagte sie, klang fröhlich und gleich darauf ertönte schon der Summer.

Clara erwartete sie schon in der TĂŒr, trug noch immer Jeans und einen cremefarbenen, weichen Pullover unter dem der Kragen einer beigebraunen Bluse zu erkennen war. Sie sah umwerfend aus. Ihr Haar umfloss ihr Gesicht und Ella wĂ€re gerne mit der Hand hindurchgefahren, unterband den Impuls und drĂŒckte ihrer Gastgeberin zur BegrĂŒĂŸung die Flasche Sekt in die Hand.
„Schön, dass du gekommen bist!“, begrĂŒĂŸte Clara sie, nahm den Sekt entgegen, zeigte Ella, wo sie ihren Mantel aufhĂ€ngen konnte. Sie warf ihrem Gast einen offenbar bewundernden Blick zu, der Ellas Knie weich werden ließ und ging dann in die KĂŒche voraus.

Es war eine recht kleine KĂŒche und die beiden Frauen waren bald schon mit den Vorbereitungen fĂŒr ihr Essen beschĂ€ftigt, unterhielten sich dabei recht angeregt und Ella erfuhr, dass Clara in einer Werbeagentur als Grafikerin arbeitete, 26, also zwei Jahre Ă€lter, als Ella war, in Bonn geboren, studiert hatte und seit etwa einem Jahr nun in Hamburg lebte. Sie hatte zwei Geschwister, erfuhr von Ellas wesentlich jĂŒngerem Bruder, wie auch von deren FamilienverhĂ€ltnissen.
Ihr GesprĂ€ch blieb locker und oberflĂ€chlich, dennoch verspĂŒrte Ella immer mehr das GefĂŒhl, dass auch Claras GefĂŒhle fĂŒr sie tiefer sein könnten.

SpĂ€ter saßen sie im gemĂŒtlichen Wohnzimmer und aßen den OfenkĂ€se und Salat, tranken dazu den Rotwein und unterhielten sich immer besser. Irgendwann fragte Clara Ella dann doch etwas unvermittelt: „Hast du denn eigentlich keinen Freund?“ Ella schĂŒttelte den Kopf, wagte es kaum, Clara anzusehen, schluckte und beschloss, dass es das Beste wĂ€re, einfach ehrlich zu sein.
„Nein“, antwortete sie daher, holte Luft und blickte Clara dann direkt an. „Und auch keine Freundin. Meine letzte Beziehung mit meiner Schulfreundin hat nur zwei Jahre gehalten.“ Ganz genau beobachtete sie Claras Gesicht dabei, doch kein Erschrecken, kein Ekel zeigte sich darin, nur ein sich langsam ausbreitendes, glĂŒckliches LĂ€cheln.

„Und ich war mir nicht sicher, ob ich dich ĂŒberhaupt ansprechen sollte“, seufzte Clara erleichtert, nahm einen Schluck von ihrem Rotwein und strahlte Ella begeistert an. „Ich mochte dich schon vom ersten Mal an, als ich dich da gesehen habe und du kamst immer alleine in den Supermarkt, aber ich war mir nicht sicher.“ Ella fĂŒhlte, wie sich ein breites, sehr zufriedenes Grinsen in ihrem Gesicht ausbreitete.
„Mir bist du auch gleich aufgefallen“, gab sie zu. „Vor allem deine schönen Haare. Ich mag rote Haare.“ Clara griff sich selbst in ihre Haare und lachte glucksend auf. „Wirklich? Mich treiben sie dauernd zur Verzweiflung, denn sie lassen sich im Grunde kaum frisieren und am besten nur offen tragen.“
„Ich finde sie schön so“, meinte Ella ehrfĂŒrchtig, setzte ihr Glas ab und hob langsam ihre Hand, griff nach einer StrĂ€hne und berĂŒhrte sie zaghaft.
Clara hielt ganz still, sah sie dabei nur an und ließ sie gewĂ€hren. Ihre hellen, braunen Augen waren weit geöffnet und von ihren weichen, zart rosa geschminkten Lippen streifte ein ganz feiner, warmer Hauch Ellas Gesicht.

Versunken in den Anblick dieser schönen, bernsteinfarbenen Augen, erschrak Ella beinahe, als sich Claras Hand weich und sanft an ihre Wange legte, sie zĂ€rtlich zu streicheln begann. Keine von ihnen sagte einen Ton, sie sahen sich nur an, genossen die sanfte BerĂŒhrung der anderen, den kostbaren Moment, wo zwischen ihnen mehr entstand.
„Du bist so schön“, flĂŒsterte Clara, umfing nun Ellas Gesicht ganz mit ihren HĂ€nden und fuhr mit dem Daumen weich und liebevoll ĂŒber Ellas feuchte Lippen. Deren Herz schlug schnell, ihr Atem beschleunigte sich und sie schloss die Augen, kostete diesen zĂ€rtlichen Augenblick mit ihrem ganzen einsamen Herzen aus.

Wie ein warmer Sommerwind legten sich Claras Lippen auf ihre, zart, weich, mit nur ganz wenig Druck, berĂŒhrten sie ihre, das Versprechen von mehr. Claras Duft umhĂŒllte sie und sie zog ihn tief in sich auf, erwiderte den vorsichtigen, unendlich sanften Kuss, verstĂ€rkte ihn vorsichtig und spĂŒrte tief in sich das glĂŒckliche GefĂŒhl aufsteigen, was sie so lange schon vermisst hatte. Liebe ...

Ellas HĂ€nde fanden den Weg zu Claras Schultern, wanderten zu ihrem Hals, legten sich weich auf die warme, bebende Haut. Keine von ihnen löste sich lange aus ihrem Kuss. Zaghaft erkundeten sie ihre Lippen, berĂŒhrten sich ihre Zungen, umwarben einander in einem zĂ€rtlichen Tanz, wĂ€hrend Ellas Finger sich höher tasteten in Claras wunderschönes Haar und liebevoll hindurchfuhren.

Lange kĂŒssten und streichelten sie sich, bis sie sich zögernd von einander lösten, das Gesicht der jeweils anderen in den HĂ€nden haltend. LĂ€chelnd, glĂŒcklich blickten sie einander an.
„Wir sollten jetzt hinaus gehen, sonst verpassen wir noch den Jahreswechsel und das Feuerwerk“, raunte Clara, hauchte noch einen flĂŒchtigen Kuss auf Ellas Nase und stand dann auf, griff nach deren Hand und zog sie mit sich hoch.

Schnell fĂŒllten sie ihre GlĂ€ser, denn die Uhr am DVD-Player zeigte schon 23: 49 Uhr und stellten sie auf dem glĂ€sernen Couchtisch fĂŒr spĂ€ter parat. „Komm, lass uns das Feuerwerk genießen“, forderte Clara Ella auf, öffnete die BalkontĂŒr und zog sie an der Hand mit sich hinaus in die KĂ€lte. Der Balkon lag windgeschĂŒtzt und hatte sogar ein Dach, daher trafen sie nur wenige feine Tropfen des feinen SprĂŒhregens, der lĂ€ngst unbemerkt den Schneefall ersetzt hatte.
Das GelĂ€nder des Balkon glĂ€nzte bereits silbrig, im wenigen Licht des Mondes, wirkte wie mit Glas umhĂŒllt, war bereits ganz ĂŒberzogen von einer feinen, glitzernden Eisschicht, die das graue Metall ganz verdeckt hatte. Erstarrte Tropfen funkelten wie Brillanten daran, spiegelten das rote Licht einer einsamen Leuchtkugel am Himmel schimmernd wieder.

„Da unten ist bereits alles spiegelglatt geworden“, stellte Ella bedrĂŒckt fest, als sie ĂŒber das GelĂ€nder hinab zur Straße schaute. „Ich werde kaum nach Hause kommen, ohne Hinzufallen und mir was zu brechen.“

Claras HĂ€ndedruck wurde abrupt kurz fester, dann ließ sie Ella jedoch los, wandte sich ihr nun halb zu. Sie fuhr sich nervös durch die Haare und biss sich kurz auf die Unterlippe, saugte sie dann nachdenklich ein und ließ sie hastig wieder los. „Du kannst gerne hier ĂŒbernachten, wenn du es möchtest“, bot sie leise, etwas schĂŒchtern an und schluckte sichtlich.

WĂ€rme ĂŒberflutete Ellas Herz, vertrieb endlich die kalte Einsamkeit und ersetzte sie mit einer zittrigen, heiß glĂŒhenden Hoffnung, die sie lange entbehrt hatte. Da waren natĂŒrlich Zweifel, Bedenken, Ängste, doch sie wischte sie entschlossen, mit einem Blick in Claras wunderschöne Augen weg. „Wenn es fĂŒr dich okay ist?“, fragte Ella unsicher nach, kaum ihr GlĂŒck, ihren Mut fassend.
BedĂ€chtig nickte Clara und fĂŒgte ebenso leise wie zuvor hinzu: „Ich wĂŒrde mich sehr freuen, wenn du bei mir bleiben wĂŒrdest.“

Hinter ihnen heulte eine voreilig gezĂŒndete Rakete gen Himmel, ĂŒberzog den Himmel mit einem weißblauen Funkenregen, der sich in Claras Augen widerspiegelte. Ella nickte stumm, trat neben Clara und sah hinauf, in den Himmel ĂŒber den nun Wolken zogen, das Mondlicht immer wieder verdeckten.

Die beiden Frauen standen nebeneinander, lauschten auf die GerĂ€usche der Stadt unter ihnen, sogen die frische, kalte Luft ein, die sie umhĂŒllte und drĂ€ngten sich unwillkĂŒrlich dichter zusammen. Ella schob ihre Hand vorsichtig an deren RĂŒcken unter Claras weichen Pullover. Der Regen machte kaum GerĂ€usche, nur ab und an schien das Eis leise zu knacken, als der Eispanzer Tropfen fĂŒr Tropfen an StĂ€rke zunahm.

Ella schob ihre Hand weiter, legte sie weich an Claras HĂŒfte, spĂŒrte die andere Frau unter ihrer BerĂŒhrung leicht schaudern und zog sie sanft dichter an sich. Clara reagierte augenblicklich, wandte sich ihr zu und legte ihre Arme nun ihrerseits um Ella, drĂŒckte sich weich gegen sie. Ella spĂŒrte Claras schnell pochendes Herz ganz dicht an ihrer Brust, im Gleichtakt mit ihrem schlagen. Claras hektischerer Atem strich ĂŒber ihr Ohr, ihren Hals und verursachte eine feine GĂ€nsehaut und ein erregendes GefĂŒhl in ihrem Unterleib.

Als die ersten Glocken zu lĂ€uten begannen, die ersten Raketen in den Himmel zischten, ihn mit einem bunten Kaleidoskop an Farben, sprĂŒhenden Funken, grellen Leuchtkugeln, explodierenden Sternen und funkelndem Goldregen ĂŒberzogen und ringsum donnernd die Böllerei begann, versanken die beiden jungen Frauen in einem tiefen, innigen Kuss. In Claras Augen und ihrem Haar funkelte das Feuerwerk viel schöner als am nĂ€chtlichen Himmel, tanzte wie Flammen darin, loderte wie wĂ€rmende Glut.

Ganz dicht aneinander gekuschelt, gefangen in der Sicherheit und WĂ€rme ihrer Umarmung, ihren immer stĂ€rker erwachenden GefĂŒhlen fĂŒreinander, begannen sie gemeinsam ein neues Jahr.
__________________
rihaij
Chris P. Rolls

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
Kommentare: 685
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Brillante Aussicht auf Feuerwerk erkauft mit leckerem OfenkÀse

Leute, die Anstoß nehmen an einer derart harmlosen Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Frauen: die mĂŒssen schleunigst zum Arzt und nachsehen lassen, welche Krankheit sie haben!

Wohl noch nie habe ich hier einen Vorspruch bzw. eine Warnung an die Leser vor eventuell anstĂ¶ĂŸigen Inhalten gelesen, die so unnötig war.

Im Rahmen von Liebesgeschichte oder auch "erotischen" Geschichten ist erst einmal so egal, welches Geschlecht die Figuren haben, dass es gerade ein nĂŒtzliches Hilfsmittel zu ihrer EinschĂ€tzung sein kann, wenn man sich im Geiste die Freiheit erlaubt, Mann und Frau zu vertauschen oder aus einem Homo-Paar ein Hetero-Paar, einem Hetero-Paar ein Homo-Paar, aus Lesben Schwule oder umgekehrt zu machen.

Falls man dann darauf stĂ¶ĂŸt, dass mit dieser geĂ€nderten Geschlechterverteilung die Story nicht funktioniert, dann hat man einen Punkt, wo man mit Nachdenken anfangen kann. Warum wĂŒrde das so nicht gehen? Gibt es etwas typisch MĂ€nnliches, etwas typisch Weibliches, typisch Lesbisches, typisch Schwules, typisch Bisexuelles? Und ist das in der "Wirklichkeit" auch so - oder gibt uns die Geschichte eine eigenwillige Verbiegung von Wirklichkeit vor?

Bei dieser Geschichte hier, die ich ĂŒbrigens blockweise von hinten, vom Schluss her, gelesen habe, ersetzte ich fĂŒr mich das Frauenpaar bald durch ein Frau-Mann-Paar. Was ich bekam, war eine ĂŒberaus "normale" Romanze. Wie ich sie seit jĂŒngsten Kindesbeinen aus unzĂ€hlichen Filmen und Fernsehfolgen kenne. Ja, richtig das Muster einer netten heterosexuellen Liebesgeschichte. Ich fand einfach nirgendwo den Punkt, wo ich dachte: Ja, so zugehen kann es natĂŒrlich nur, wo zwei Frauen sich lieben, wo kein Mann dabei ist.

Stilistisch, orthografisch, grammatisch, strukturell ist das alles nahezu perfekt. Da gibt's gar nichts zu mÀkeln.

Bloß, es ist halt durch und durch so konventionell, um nicht einfach zu sagen: altbekannt und langweilig, dass ich nicht weiß, wer sich groß darĂŒber freuen soll. Die LiebhaberInnen von frischem Brot?

Ich mailte kĂŒrzlich im Rahmen einer schwulen Internetplattform ein wenig mit einem 18-jĂ€hrigen bisexuellen Gymnasiasten (in einer Großstadt). Ich bin Anfang 50 und lebe in einer nicht ganz so großen Stadt. Der junge Mann beteuerte, von seiner Generation wĂŒrde sich ja mindestens ein Drittel als "bisexuell" verstehen. Auch hĂ€tte doch schon etwa die HĂ€lte aller MĂ€dchen seines Alters "auch" sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht gesammelt. Es sei ja alles viel offener und freier geworden als "zu meiner Zeit". Es wĂŒrden mittlerweile ja auch allenthalben Dreier-Partnerschaften von Dauer und StabilitĂ€t tatsĂ€chlich gelebt in Geschlechterkonstellationen wie F - F - M oder F - M - M.

Ich muss leider sagen: Ich kenne es gar nicht so. Ich kenne unheimlich viele Schwule und auch sehr viele schwule Partnerschaften von gehöriger Romantik und Dauerhauftigkeit. Aber wenn ich mir die Augen der Gesellschaft anmaße, dann sehe ich das alles plötzlich gar nicht mehr. Dann sind die Schwulen doch wieder eine winzige Minderheit, der man kaum irgendwo begegnet. Und die auch tatsĂ€chlich oft - und gerade auch unter dieser jungen Generation - angefeindet wird.

Ich kenne keine einzige Dreierbeziehung. Schon gar nicht eine, wo die Geschlechter verschieden sind. Ich kenne viele Bisexuelle. Die aber als solche nur erscheinen, wenn sie irgendwo sind, wo die Meisten Schwule sind. In der "normalen" Welt sehe ich keine Bisexuellen. Da sind sie offenbar plötzlich wieder alle Heterosexuelle geworden.

Aber wĂŒrden wir mal glauben, dass der junge Mann schon weiß, wovon er redet: Dann wĂ€re dieses hier doch eine Geschichte, die so altbacken ist und so dermaßen offene Scheunentore einrennt, dass es fast schon nervt.

Wie richtige Liebe und wie schöne Erotik gehen, das wusste ich, als ich es aus eigener Erfahrung noch gar nicht kannte, das wusste ich mit 10 schon: Sie gehen genau so wie in dieser Geschichte.

Viele Jahre hat es dann bedurft, dass ich mich allmĂ€hlich damit abfinden konnte, dass sie in MEINEM Leben NIE so gehen. Nicht ein einziges Mal, ist noch nie passiert. Liebe und Erotik gibt's seit Jahrzehnten in meinem Leben. Aber wie im Film war's kein einziges Mal. Ich weiß nicht, was mit mir los ist.

Irgendwann fing ich an, selber Geschichten zu solchen Themen zu schreiben. Da nahm ich mir vom ersten Tag an vor: Niemals wird in einer Geschichte von mir alles klappen und alles perfekt zueinander passen. Immer wird es irgendwo haken oder wird jemand was falsch machen, oft wird es weh tun.

Ich fand einfach, das sei weniger langweilig. Und was weniger langweilt, das liest man lieber. Leben wollte ich auch mal so eine Filmromanze, aber schreiben nicht und lesen auch nicht.


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14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit AufklÀrung Verteidiger: Es ist genug.

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