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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fieber
Eingestellt am 04. 11. 2009 22:46


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claudia.starke
Hobbydichter
Registriert: Nov 2009

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W├Ąrme. Stefan schwitzt. Er schl├Ągt die schwei├čklamme Bettdecke zur├╝ck und genie├čt den Moment, da k├╝hle Luft seinem erhitzten K├Ârper Erleichterung bietet. Doch viel zu rasch geht dieser Augenblick vor├╝ber, Schwei├č tritt ihm aus allen Poren und er vermeint, auf einer gl├╝henden Herdplatte zu liegen.
Durst. M├╝hsam w├Ąlzt er sich aus dem Bett, jede Bewegung macht ihn noch mehr schwitzen. Dennoch qu├Ąlt er sich in die kleine K├╝che, wo der gro├če K├╝hlschrank den meisten Platz einnimmt und das Elysium verspricht. Eine Flasche Mineralwasser, so kalt, dass ihm beim Trinken der Atem stockt und das Schlucken wehtut. Trotzdem trinkt er weiter, hastig, in gro├čen Schlucken, zwingt die kalte Fl├╝ssigkeit in seinen Magen und sp├╝rt doch nur fl├╝ssige Lava ankommen. Die Flasche ist leer und er brennt in einem verzehrenden Feuer, das seinen K├Ârper sch├╝ttelt.
Wasser. Die Dusche im Badezimmer. Das Ausziehen f├Ąllt ihm schwer, da seine Sachen nass sind und sein Kopf wie in Watte gepackt. Doch er schafft es, steht nackt in der Badewanne und l├Ąsst Linderung ├╝ber seine hei├če Haut laufen, bis er mit den Z├Ąhnen klappert. Ohne sich abzutrocknen, verl├Ąsst er das Bad, eine nasse Spur folgt ihm bis zum Bett, auf das er sich b├Ąuchlings fallen l├Ąsst.
Schlaf. Verwirrende Tr├Ąume, verst├Ârend, ersch├Âpfend. Zeit kriecht dahin, tropft tr├Ąge vom Ziffernblatt der Wanduhr, dehnt sich zu einer Dimension, die ein Ende unabsehbar macht. Stefan wirft sich herum, verkr├╝mmt sich, tritt, schl├Ągt, und liegt im n├Ąchsten Moment wie ein Toter, besiegt, geschlagen, ergeben. Nur eine Verschnaufpause, Phase der tr├╝gerischen Ruhe, denn nur wenige keuchende Atemz├╝ge sp├Ąter beginnt der Kampf erneut. Immer und immer wieder.
Morgen. Hinter grauen Wolken beginnt die Sonne den Tag. Stefan steht am offenen Fenster, immer noch nackt, der k├╝hle Wind trocknet seine Haut. Er raucht, obwohl ihn schwindelt, obwohl jeder Zug ihn husten macht, obwohl von dem Qualm seine Augen tr├Ąnen. Es ist die erste Zigarette seit gestern Abend und die letzte in der Schachtel. Sie schmeckt f├╝rchterlich. Der Rauch legt sich brennend auf seine Zunge, kratzt im Hals, schmerzt in der Lunge. Er schnippt die brennende Kippe hinunter auf die Stra├če und schlie├čt das Fenster, denn er friert pl├Âtzlich. Zeit, sich anzuziehen, er muss einkaufen. Stattdessen legt er sich wieder ins Bett, wickelt sich in seine Bettdecke und schl├Ąft. Traumlos diesmal. Erholsam.
Hunger. Es ist bereits wieder dunkel, als er endlich das Haus verl├Ąsst. Zum Gesch├Ąft ist es nicht weit, kaum zwei Minuten zu Fu├č, doch die Beine sind schwer, wollen nicht weiter. Er zwingt sie zu jedem Schritt, denn er hat nichts mehr daheim. Kein Wasser, kein Essen, keine Zigaretten. Doch zu sp├Ąt, der Laden hat zu. Unschl├╝ssig steht Stefan vor dem Eingang, unf├Ąhig, einen der Gedanken zu fassen, die unabl├Ąssig in seinem Kopf kreisen. Sein Magen knurrt.
Endlos. Die Stra├če wird l├Ąnger, je weiter er l├Ąuft. Sein Kopf schmerzt, dumpf, best├Ąndig, ein Crescendo an Schl├Ągen, die gegen seine Schl├Ąfen h├Ąmmern. Er geht vorbei an H├Ąusern. Normalit├Ąt hinter erleuchteten Fenstern, einzig seines ist dunkel. Wenn er sich umdreht, kann er es sehen, denn die Stra├če f├╝hrt auf das Haus zu. Oder davon weg. Je nachdem.
Verwirrung. Er sitzt auf dem Bordstein, die Beine auf der Stra├če. Sein Kopf ist leer an Gedanken und voller Schmerz. Er wei├č nicht, wo er ist, nicht, wann er ist, nicht, wer er ist. Nur, dass es hei├č ist, viel zu hei├č f├╝r einen Abend im Oktober. Und so sitzt er da, sehnt sich nach K├╝hle, w├Ąhrend der Wind das Herbstlaub um ihn herum tanzen l├Ąsst.
Dunkelheit. Er sitzt, an einen Baum gelehnt, mit geschlossenen Augen, denn das Licht schmerzt, und atmet seine Hitze in die Nacht. Keine Linderung, obwohl ein schneidender Wind ihn umtost, keine Erleichterung, obwohl sein Atem dampft in der K├Ąlte der Nacht. Er f├╝hlt nur Glut und Schmerz, kann nicht mehr aufstehen, will es nicht, ersehnt nur Erleichterung, hofft auf Hilfe und hat doch keine Erwartungen mehr.
Eine Ber├╝hrung, etwas streift fl├╝chtig seine Wange. Dann eine Hand auf seiner Stirn. Leicht liegt sie dort, kalt, so angenehm kalt. Er ├Âffnet die Augen, blinzelt Tr├Ąnen fort, versucht zu sehen, zu erkennen. Eine zweite Hand, in seinem Nacken, verhei├čungsvoll k├╝hl, nimmt sie das Feuer, die Qual, die Pein.
Eine Gestalt, dunkel, verschwommen, ├╝ber ihn gebeugt. Sein Herzschlag beschleunigt sich vor Furcht, doch gleichzeitig sp├╝rt er ein Versprechen, auf Linderung, auf Erl├Âsung. Jetzt umfassen beide H├Ąnde sein Gesicht, wohltuend kalt, Labsal in seiner Verzweiflung.
Dann jedoch richtet der Unbekannte sich auf, wendet sich ab und geht.
ÔÇ×NeinÔÇť, kr├Ąchzt Stefan, ÔÇ×bleib!ÔÇť Er will aufstehen, doch er kann nicht, etwas h├Ąlt ihn fest, Schwere, Erm├╝dung, Kraftlosigkeit. Die Anstrengung l├Ąsst ihn keuchen, er will rufen, doch der Wind zerrt die Worte von den aufgesprungenen Lippen, ehe sie den Fremden erreichen. Nein, er darf nicht gehen, nicht ohne ihn. Er holt tief Luft - ÔÇ×Warte auf mich!ÔÇť - pl├Âtzlich sind die Worte da, nur leise zwar, aber sie lassen den Dunklen innehalten, verharren, abwarten. Und mit einem Mal gelingt es Stefan aufzustehen, er rei├čt sich los, taumelt und ist mit ein paar unsicheren Schritten bei dem, der ihn schweigend willkommen hei├čt.

Nebel. Vergeblich versucht die Morgensonne den Dunst zu durchdringen. Es ist noch fr├╝h an diesem Sonntagmorgen.
Neben einem Baum liegt ein Mann. Steif, bar jeglicher W├Ąrme, die Feuchtigkeit der Luft bildet Raureif auf seinem Gesicht. Ein L├Ącheln auf seinen Lippen. Endlich.

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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Hallo claudia,
und ein warmes willkommen auf der LL.
Dein Sprache gef├Ąllt. Sie ist auch dem Inhalt des Textes
angemessen. Die Sprache fiebert mit dem Prot. Wird mal schneller, mal langsamer. Ebenso die S├Ątze. Mal mur einzelne Worte, dann fieberwahn ├Ąhnliche Satzsalve.
Soweit so gut.

Das thema: Umgekekrte Betroffenheitslyrik. Denn hier stirbt ja kein Obdachtloser. Hier stirbt ein Normaler unbeobachtet.
Insofern setzt du uns den Spazierg├Ąnger die Brille auf.

Schwierig, scheierig.
Aber ich glaube der Plot ist gelungen.
Wobei wer geht den da Nachts herum und nimmt ihn mit?
Gevatter Tod?

Weiter machen
und nochmals viel Gl├╝ck im "Haifischbecken" LL

ralf
__________________
RL

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @claudia,

auch vom walfisch ein herzliches "hallo" und der wunsch, du m├Âgest dich hier unter den versammelten kritikern wohl f├╝hlen, spa├č haben k├Ânnen und sogar den einen oder anderen profit machen.

du verf├╝gst ├╝ber einen guten wortschatz und kannst dich sicher und gewandt ausdr├╝cken; hinzu kommt eine sehr gute beobachtungsgabe - alles miteinander voraussetzung daf├╝r, dass texte etwas besonderes werden.

der anfang wirkt ein bisschen bem├╝ht-umgagssprachlich, z. b. mit

quote:
W├Ąrme. Stefan schwitzt. Er schl├Ągt die (schwei├čklamme) schwei├čnasse Bettdecke zur├╝ck und genie├čt (den) einen Moment, (da) wie k├╝hle Luft seinem erhitzten K├Ârper Erleichterung (bietet) bringt. Doch viel zu rasch geht dieser Augenblick vor├╝ber, Schwei├č tritt ihm wieder aus allen Poren und er (vermeint) glaubt, auf einer gl├╝henden Herdplatte zu liegen.
Durst. M├╝hsam w├Ąlzt er sich aus dem Bett, jede Bewegung (macht) l├Ąsst ihn noch mehr schwitzen. Dennoch qu├Ąlt er sich in die kleine K├╝che, wo der gro├če K├╝hlschrank den meisten Platz einnimmt und das Elysium verspricht(.)[doppelpunkt] Eine Flasche Mineralwasser, so kalt, dass ihm beim Trinken der Atem stockt und das Schlucken wehtut. Trotzdem trinkt er weiter, hastig, (in gro├čen Schlucken,) zwingt die kalte Fl├╝ssigkeit in seinen Magen und sp├╝rt doch nur fl├╝ssige Lava ankommen. Die Flasche ist leer und er brennt (in einem) weiter in dem verzehrenden Feuer, das seinen K├Ârper sch├╝ttelt.

leider bleibt's in deiner story bei der mehr oder weniger lapidaren beschreibung physischer gegebenheiten, wie wir sie immer wieder geschildert bekommen, wenn es um fiebrige erk├Ąltungen, krebsleiden oder depressionen gehen soll: krankengechichterln, halt. und die sind immer, so wie deine, ein bisschen arg pathetisch.

das mit den "ein-wort-├╝berschriften" ist an sich eine gute idee, erforderte aber, dass danach wirklich etwas folgt, das aus dem vorgegebenen thema etwas macht, statt es nur "abzuhaken". etwas substanzielles; etwas weniger verschwurbeltes wie etwa:
quote:
Dunkelheit. Er sitzt, an einen Baum gelehnt, mit geschlossenen Augen, denn das Licht welches licht? es ist doch nacht schmerzt, und atmet seine Hitze in die Nacht. Keine Linderung, obwohl ein schneidender Wind ihn umtost, keine Erleichterung, obwohl sein Atem dampft in der K├Ąlte der Nacht. Er f├╝hlt nur Glut und Schmerz, kann nicht mehr aufstehen, will es nicht wer nicht aufstehen kann, muss es vorher probiert haben, ersehnt nur Erleichterung, hofft auf Hilfe und hat doch keine Erwartungen mehr wer hofft und sehnt, erwartet immer etwas.
tipp: mach aus der symptomatischen stoffsammlung, die du uns anbietest, wirklich eine geschichte. so aber ist es nur eine zustandsbeschreibung, die - leider furchtbar abgegriffen - damit endet, dass gevatter tod an die seite des so vehement leidenden tritt.

nichts f├╝r ungut und liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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