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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Finger weg von unserer Wiese
Eingestellt am 28. 12. 2015 15:00


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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Finger weg von unserer Wiese

Morgens um sieben fuhr der Lastwagen vor.
Aus einem geparkten Kleinbus kamen acht M├Ąnner in blauer Arbeitskleidung heraus, unterhielten sich kurz mit
dem Lkw-Fahrer und begannen, die Metallgitter abzuladen.
Bevor sie mit dem Aufstellen der Z├Ąune beginnen konnten, wurden sie von einer Gruppe aus der angrenzenden Reihenhaus-Siedlung umstellt. Junge M├Ąnner, Rentner, Frauen mit Kindern, ungef├Ąhr zwanzig Personen, versuchten sie an der Arbeit zu hindern.
Einige trugen Transparente: "Finger weg von unserer Wiese!"
"Fl├╝chtlinge ja, aber nicht auf unserem letzten Gr├╝n!"
Zwei Jungen hielten gemeinsam ein Schild mit bemalten Toren und einem Fu├čball in die H├Âhe. Darunter stand: "Wir wollen unseren Bolzplatz behalten!"
Ein braun gebrannter, glatzk├Âpfiger Mann von vielleicht drei├čig Jahren hielt einen fletschenden Bullterrier mit einem Kopf, der eher einem Schwein glich, an der kurzen Leine.
Ein Mann im Rentenalter sagte zu den Arbeitern: "Das ist illegal, was Sie hier machen! Die Beh├Ârden haben uns nicht informiert. Wir haben es vor einer Woche aus der Zeitung erfahren."
Einer der Arbeiter f├╝hlte sich angesprochen und erwiderte:
"Das k├Ânnen wir nicht beurteilen. Unsere Firma kann nichts daf├╝r! Sie hat zum Gl├╝ck den Auftrag bekommen. Bitte, behindern Sie uns nicht! Wir sind froh, dass wir Arbeit haben!"
"Ja, das wird bald vorbei sein!", nahm ein anderer Protestler den Ball auf. "Sie s├Ągen sich selbst den Ast ab, auf dem Sie sitzen! Wir werden bald von Fl├╝chtlingen ├╝berschwemmt werden.
Das ist unangebrachte Loyalit├Ąt gegen├╝ber Ihrem Chef! Der wird keine R├╝cksicht auf Sie nehmen! Asylanten fordern keinen Mindestlohn!"
Inzwischen hatte ein Beh├Ârdensprecher die Diskutanten erreicht.
Er hatte bisher in seinem Auto gewartet und die Lage beobachtet. Er stellte sich vor und begann:
"Zuerst m├Âchte ich mich im Namen meiner Beh├Ârde entschuldigen!
Wir hatten leider keine Zeit Sie zu informieren, geschweige denn eine B├╝rgerversammlung anzuberaumen. In extremen Situationen muss man extrem handeln! Wenn jeden Tag ├╝ber zweihundert Fl├╝chtlinge in unsere Stadt str├Âmen, m├╝ssen wir unb├╝rokratisch f├╝r eine Unterbringung sorgen!"
Da niemand antwortete, sagte er zu den Arbeitern: "Lassen Sie sich nicht aufhalten! Z├Ąunen Sie die Wiese, wie angeordnet, ein!"
Jetzt meldete sich der Mann mit dem Hund: "Du Beh├Ârden-Heini und Sesselpuper hast hier gar nichts anzuordnen! Das kannst du in Villenvierteln machen, aber da traut sich ja keiner hin!"
"Mit Ihnen diskutiere ich nicht!", kam die bestimmte Antwort.
"Das ist unter meinem Niveau! Aber f├╝r all die Anderen: Wir versuchen, die Fl├╝chtlinge in allen Stadtteilen gleichm├Ą├čig unterzubringen, unabh├Ąngig vom Milieu!"
Eine Frau, mit einem etwa zehnj├Ąhrigen Sohn an der Hand, kam heran und sagte zu einem Transparent-Tr├Ąger: "Sch├Ąmen Sie sich nicht, diese verkotete Hundewiese zu verteidigen?! Meine Gro├čeltern sind aus Ostpreu├čen gefl├╝chtet und in dieser damals noch zerbombten Stadt aufgenommen worden! Mein Sohn kennt diese Geschichte und hat schon Spielzeug f├╝r die Fl├╝chtlingskinder aussortiert."
"Nun ist aber genug!", schrie der Hundehalter, "sonst kommen mir noch die Tr├Ąnen! Aber vor Wut! Wenn die Arbeiter nicht sofort aufh├Âren, hetze ich den Hund auf sie!"
"Das ist N├Âtigung!", entgegnete der Mann von der Beh├Ârde, holte sein Handy aus der Tasche und erg├Ąnzte: "Ich rufe jetzt die Polizei!"
"Ronny, jetzt bist du aber zu weit gegangen!", sagte der Rentner, der zuerst mit den Arbeitern Kontakt aufgenommen hatte. "Wir wollten doch friedlich protestieren! Kommt, wir ziehen uns zur├╝ck, bevor das eskaliert!"
Die Gruppe machte sich wortlos auf den Heimweg. Nur Ronny setzte sich widerstrebend in Bewegung und rief: "Ich habe viele gleichgesinnte Freunde! Mit denen komme ich wieder! Stellt ruhig Zelte oder H├╝tten auf! Ihr werdet schon sehen, was Ihr davon habt!"

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

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Bevor gleich wieder das stinkende Fass aufgemacht wird, das ewig lang im Pupanum herumstand und in das jeder ├╝bliche Verd├Ąchtige mit hineinschei├čen zu m├╝ssen glaubte, bis es ├╝berlief und entsorgt wurde, versucht's @ali erst mal mit ein bisschen Literaturkritik.

Das hier ist zun├Ąchst mal keine Kurzgeschichte, @Maribu, sondern allenfalls eine "Milieuschilderung".

Leider geht sie aber ├╝ber eine Aneinanderreihung gew├Âhnlichster Klischees und Floskeln nicht hinaus - die Nummer liest sich in etwa so spannend, wie sich die einschl├Ągigen Mottosendungen im Bezahlfernsehen anh├Âren.

Der Kritiker fragt sich, was uns die Autorin denn mitteilen wollte, was wir nicht alle schon l├Ąngst wussten - dass nicht jeder ein Fl├╝chtlingslager neben seiner eigenen H├╝tte stehen haben m├Âchte? Dass die Mehrheit der Bev├Âlkerung dem Fl├╝chtlingszustrom skeptisch gegen├╝bersteht? Dass "braun" gebrannte M├Ąnner mit Glatze und Bullterrier immer Nazis und obendrein gewaltbereit sind? Dass Bauarbeiter auch ein KZ hinstellen w├╝rden, wenn daf├╝r Lohn gezahlt w├╝rde? Dass es immer wieder Gutmenschen gibt, die sich hervortun m├Âchten?

G├Ąhn!

Das einzig bemerkenswerte an dem Sammelsurium ist der aus dem Nichts auftauchende "Beh├Ârdensprecher". Wann h├Ątte man je geh├Ârt, dass sich die B├╝rokratie bei der Bev├Âlkerung entschuldigt h├Ątte? Die B├╝rokratie handelt nach Weisung, die macht doch keine Fehler! Und dann stellt sich der tapf're Beamte noch ganz allein vor die Demonstranten. Wow! Welch grober Versto├č seines Vorgesetzten gegen die Sorgfaltspflicht seinen Untergebenen gegen├╝ber!

Realistisch w├Ąre, dass der nach seiner treuherzigen Ank├╝ndigung "ich ruf jetzt mal die Polizei an!" das Handy gar nicht aus der Rocktasche bekommen h├Ątte. Sein Vorgesetzter h├Ątte ihn nachmittags im Krankenhaus besuchen k├Ânnen und danach seinen eigenen Schreibtisch ausr├Ąumen m├╝ssen, weil er degradiert worden w├Ąre. Nur noch f├╝r die Ablage im Landratsamt zust├Ąndig!

TTip, Maribu: Mach doch was G'scheites aus deiner Stoffsammlung. Entweder was Schlimmes oder was Lustiges. Nicht blo├č Plattit├╝den aufz├Ąhlen, sondern etwas schreiben!

Heiter

aligaga





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