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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Fingerübung 6 : Die Planung
Eingestellt am 25. 11. 2003 08:03


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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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Wie bei jeden Vorgehen, ist die Planung ein sehr wichtiger Punkt. Sie dient zum strukturierten Vorgehen und soll im Vorfeld dazu dienen, später Fehler zu vermeiden.
Wie wahr!
Wie wahr ist dies erst bei einem Verbrechen. Fehler führen zur Überführung, zu einer Gefängnisstrafe, im schlimmsten Falle zum Tode.

Daher ist für jeden Verbrecher die Planung der wichtigste Teil seiner "Unternehmung". Egal ob ein Banküberfall, ein Mord oder eine Geldwäsche, der Verbrecher sollte im Vorfeld seine Hausaufgaben gemacht haben und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Wie plant eurer Verbrecher? Schreibt eine Szene, eine Beschreibung der Planung, oder ein ganzes Verbrechen, und beweist damit, dass eurer Verbecher nicht geschnappt wird.

Viel Erfolg beim Knobeln,

Michael

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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

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Mit mäßigem Interesse öffnete Marie ihren Briefkasten, um das tagtägliche Sammelsurium von Rechnungen, Werbung und dem bisschen privater Post aus dem Kasten zu fischen. He, da war doch was. Der große, braune Umschlag fiel ihr sofort ins Auge. Post von der Agentur.
Zwei Stockwerke höher und eine Tasse Kaffe später öffnete die junge Frau den Umschlag. Es war so, wie sie es erwartet hatte: ein neuer Auftrag. Ein Halbwüchsiger war die Zielperson; den Familiennamen kannte sie. Der Kunde wünschte schnelle und unauffällige Arbeit.
Gespannt fingerte Marie nach dem Umschlag, in dem das Geld für die Anzahlung lag. Tatsächlich, die Scheine trugen die Banderolen der gleichen Bank, versehen mit dem gleichen Kürzel des Kassierers.
"Aha, ein Stammkunde", murmelte sie nach Sichtung des Materials. "Da kann es einer gar nicht abwarten, bis die ganze, unliebe Verwandtschaft den Löffel abgegeben hat. Junge, Junge, da muss ich vorsichtig sein. Sonst bin ich mit dran."
Marie dachte zurück an ihren vorletzten Fall. Eine Mittzwanzigerin war seinerzeit die Zielperson, eine Cousine oder sogar Schwester des Burschen, der jetzt an die Reihe kommen sollte. Nach Beendigung des Auftrags hatte sie sich wunschgemäß bei ihrem Kunden gemeldet. Thorsten, ja so nannte sich der Mann, ein Machertyp, einer von der Sorte mit Ellbogenschützern aus Titan.

Während der nächsten Tage kümmerte sie Marie systematisch um die Sache. Name und Anschrift des Burschen hatte sie. Die Familie des Halbwüchsigen wohnte in einem großen, superteuren Wohnblock. Den Tagesablauf herauszukriegen war keine Kunst. Der Bursche besuchte die feinste Schule am anderen Ende der Stadt. Jeden Morgen fuhr er mit dem gleichen Bus zur Schule, kam nachmittags allerdings zu den unterschiedlichsten Terminen wieder nach Hause. Ansonsten schwer an den Bengel ranzukommen: der Wohnblock wurde von Kameras überwacht, auf dem Schulgelände würde sie sofort auffallen, überall Kumpels, Freundinnen, Nachbarn, die Eltern.
Blieb der Schulbus morgens. Eine lange Fahrt, zickzack durch die Stadt, ein Rein und Raus wie im Taubenschlag, drangvolle Enge. Als Tatort gut geeignet.

Nun kam die Sache mit der Waffe. Schießen im Bus konnte sie vergessen, wäre absolut hirnrissig gewesen. Ein Messer? Marie benutzte gerne Messer. Man konnte sie praktisch überall für billiges Geld besorgen, völlig legal. Sie waren so weit verbreitet, dass sie keinerlei Rückschluss auf den Täter erlaubten. Aber sie waren groß. Zu groß und zu auffällig für einen voll besetzten Bus. Etwas Unauffälligeres musste her.
Es war Wochenende, Zeit zum Ausspannen, zum Bummeln, zum Umschauen. In der nahe gelegenen Kreisstadt war Großflohmarkt und Adventsbasar diverser Kirchengemeinden und Vereine. Weder privat noch beruflich hatte die junge Frau dort zu tun. Kaum jemand kannte sie dort. Und wenn doch, so wäre das völlig unproblematisch. Wer zum Flohmarkt ging, der guckte und kaufte die unmöglichsten Dinge mit der größten Selbstverständlichkeit.
Marie hatte Glück. Am Altkleiderstand der Pfadfinder ergatterte sie für ein paar Euro eine alte Hutnadel. Aus Messing war das schöne Stück, kleiner als ihre Hand, mit einem hübschen Glasstein und sogar einer Schutzkappe, damit man sich nicht in die Finger sticht. Ideal, einfach ideal.

Für die junge Frau war nun das Gröbste erledigt. Sie musste sich nur noch Gedanken machen, wie sie den Tatort schnell und unauffällig verlassen konnte. Zu peinlich, mit dem Mordwerkzeug in der Hand neben der Leiche gefunden zu werden! So etwas war was für eifersüchtige Ehemänner. Es wäre also praktisch, wenn die Zielperson erst mit einer gewissen Zeitverzögerung das Zeitliche segnen würde. Ein simpler Stich ins Herz schied somit aus. Der Bursche würde ihr direkt in die Arme fallen.
Gift - fiel Marie ein. Ein Nervengift, von dem man zunächst gar nichts merkte, das aber nach kurzer Zeit blitzschnell tötete. Problem erkannt, Problem gebannt. Die junge Frau marschierte schnurstracks auf eine Bude zu, vor der ein paar Schülerinnen selbst gemachte Gestecke verkauften. Marie musste nicht lange suchen, ein Kranz mit Tannengrün und Stechpalmen war genau das Richtige. Der klebrige Saft der Stechpalmenbeeren hatte die gesuchten Eigenschaften, ließ sich zudem kinderleicht an der Spitze der Hutnadel praktizieren. Ein Stich in Hals oder Nacken, mehr war nicht nötig. Darüber hinaus ergab sich keinerlei Hinweis auf ihre Person. Das Zeug gab es im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke zu kaufen.
Davon abgesehen, hatte sie weder beruflich noch privat irgendetwas mit Giften oder Grünpflanzen zu tun. Ihre profunden Kenntnisse stammten aus Büchern der Universitätsbiliothek. Dort besuchte sie regelmäßig Literaturkurse. Mit dem Gasthörerausweis kam sie in den Lesesaal der Bibliothek - und dort völlig anonym an jedes Buch, egal ob Schiller oder Giftpilze.

Zufrieden mit dem Erreichten, machte sich Marie auf dem Nachhauseweg. Morgen, wenn alles erledigt war, würde sie von einer Telefonzelle aus Thorsten, ihren Kunden, anrufen.
Und wenn er so schnell zahlte wie beim letzten Auftrag, würde ihr Nummernkonto auf den Bermudas eine nette, kleine Weihnachtsüberraschung erleben.

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