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Leselupe.de > Humor und Satire
Flachbildschirmkarton
Eingestellt am 19. 10. 2011 13:09


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Herbert Schmelz
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Registriert: Oct 2009

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FLACHBILDSCHIRMKARTON UND RADIOWECKER
Tausch ist unser Leben

Sofort f├Ąllt mir das Gehen schwer im >Einkaufsparadies<. Meine Sinne, Wahrnehmungen funktionieren nur mit halber Kraft. Fl├╝chtig und gewichtig wirkt in meinem Kopf, wie einst die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben worden sein sollen. Lust und Last des Geldfortschritts verdichten und verteilen sich in mir. Im Zwiespalt schwimme ich mit dem Menschenstrom f├╝r einen Radiowecker aus der Werbung. Gelange so zum Elektrofachhandel und habe Gl├╝ck mit einem pfiffigen Verk├Ąufer. Der l├Ąchelt und bemerkt, die Gebrauchsanleitungen seien ja oft >ein schlechter Witz<.

Als er die Steckerleiste im Verkaufsregal benutzen will, schiebt sich hastig eine Frau zwischen uns. Sie redet von einem >leeren Karton<. Der Verk├Ąufer entschuldigt sich f├╝r >einen Moment< und tritt schon nach Sekunden wieder aus der T├╝r >Zutritt nur f├╝r Personal<. Der Frau, deren anscheinend dringendes Anliegen ich nicht verstehen konnte, ├╝berreicht er einen Karton. Ich schnappe noch auf, dass sie sich f├╝r die Verpackung bedankt, die einmal einen Flachbildschirm umh├╝llte. Sie scheint mir erleichtert.

Noch verarbeite ich die Situation als r├Ątselhaft bis komisch, beeinflusst von der st├Ârenden Dr├Ąngelei. Da entlockt der schnell handelnde Verk├Ąufer dem Ger├Ąt bereits flotte Musik. Indem er mir die Funktionen >vorf├╝hrt<, begreife ich, wie man sich ├╝ber die Nabelschnur der Medien bequem aus den T├Âpfen der Kulturwelt >versorgen< lassen kann. Das will bei meiner fast neurotischen Distanz zum neuesten Technikschrei was hei├čen. Den nehme ich!

Am n├Ąchsten Tag f├Ąllt mir im B├╝ro die Agenturmeldung >betrogene Betr├╝ger< auf. Meinem assoziativen Ged├Ąchtnis bedeutet sie nichts. Wieder einmal sind >Polen< auf der >Durchreise< in den gro├čen Einkaufsm├Ąrkten. Durch einen billigen Geldwechseltrick lenken sie zwei Frauen ab und verschwinden mit einem Karton aus deren Einkaufswagen. Die gro├če Marke verspricht ihnen ein wertvolles Ger├Ąt. Schon die ├ťberschrift und der leicht fremdenfeindliche Unterton der Meldung bereiten mich auf die Pointe vor. Die Trickdiebe tauschen sich ein beim stressigen Shopping verstorbenes H├╝ndchen ein.

Ich schmunzele schadenfreudig und wende mich so automatisch gegen die Diebe. Deren entt├Ąuschte Gesichter sehe ich vor mir, als sie entdecken m├╝ssen, was sie sich ertrickst haben. Das Verlusterlebnis der beiden Frauen, Mutter und Tochter, denen ja schlie├člich ein H├╝ndchen im >Einkaufsparadies< gestorben und dann abhanden gekommen ist, legt in mir keine mitf├╝hlende Erinnerungsspur frei. Wer also glaubt, ich h├Ątte mich an den Zwischenfall mit der dr├Ąngelnden Frau beim Kauf meines Radioweckers erinnern m├╝ssen, irrt. Er war zu frisch und unbegriffen.

Erst einige Wochen sp├Ąter kommt es mir pl├Âtzlich, dass ich Zeuge von Handlungen bin und gewesen sein muss, die satirische Phantasie anregen und die T├╝cken virtueller Wirklichkeit offenbaren. Ich vernehme aus meinem bereits lieb gewonnenen Radiowecker, wie sich der Moderator der Fr├╝hsendung ├╝ber einen seltsamen >Fehlgriff der Polizei< lustig macht.

Den Ordnungsh├╝tern fallen zwei >Verd├Ąchtige< auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums in der Nachbarstadt auf. Im Kofferraum finden sie den Karton mit der Aufschrift >Flachbildschirm< der weltbekannten Marke. Der Inhalt ist ein totes H├╝ndchen, das in einer sch├Ąbigen Plastikt├╝te steckt. Die erstaunten Beamten nehmen die etwas gehemmt wirkende Erkl├Ąrung der beiden >Ausl├Ąnder< mit makellos einheimischem Akzent hin, ihre verzweifelte Oma habe ihnen das tote Tier zwecks Entsorgung gegeben und sie h├Ątten in der Nachbarstadt den Karton in einem Elektrogesch├Ąft besorgt. Nicht blo├č die Oma, sie selbst w├Ąren immer noch unschl├╝ssig, wie sie denn das tote Tier entsorgen sollen.

Der Moderator aber l├Ąsst mich durch seine Wortwahl aufhorchen. Ihm sei die mangelnde Pflichterf├╝llung der Beamten ein Dorn im Auge. Bei der Lekt├╝re einer >alten Agenturmeldung< sei ihm deren mieser Aufkl├Ąrungswille >eingefallen<. Nanu, >alte Agenturmeldung<! Hatte ich nicht auch eine gelesen, worin verschwundene Trickdiebe sich au├čerplanm├Ą├čig eine Tierleiche statt ein wertvolles Elektroger├Ąt eingehandelt hatten? War da aber von Polizei ├╝berhaupt die Rede? Noch eben w├Ąhnte ich, die Streifenbeamten seien tats├Ąchlich unterwegs gewesen, zwei potentiellen Dieben auf der Spur - und nun hege ich den starken Verdacht, dass sie nichts weiter als eine Erfindung des moderierenden Unterhaltungsk├╝nstlers sind. Es reimt sich etwas. Unsensible Ahnungslosigkeit von Ordnungsh├╝tern l├Ąsst sich in unserem Fall ja sch├Ân persiflieren, denn sie waren ahnungslos wie die Diebe bei ihrer Trixerei. Und vor der Story vom >Fehlgriff der Polizei< lamentierte der Moderator lang und breit ├╝ber die Gemeinheit, dass ausgerechnet er bei seinen fr├╝hen Dienstfahrten immer wieder in die Blitzfalle ger├Ąt.



__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

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