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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fliegen
Eingestellt am 17. 04. 2005 21:32


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Cirias
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FLIEGEN


Wieder zu sp├Ąt, in schr├Ągen Schnitten f├Ąllt Licht auf den Weg. Die T├╝r ├Âffnet sich. Es ist nicht viel zu besprechen. Dann reden wir doch noch. Die Zeit vergeht. ich sitze mit dem R├╝cken zum Wohnzimmer. Es ist so still. Er deutet mit dem Kopf in eine dunkle Ecke des Zimmers. Ob ich Nathalie mit in die Stadt nehmen k├Ânne. Der letzte Zug nach Frankfurt. Warum nicht.

Die H├Ąuser des Dorfes bleiben zur├╝ck. Wir schweigen. ├ťber den Feldern steigt der Mond. Wundersch├Ân. Am Horizont gefriert Licht. Nathalie ist begeistert. Ein schmaler Feldweg windet sich ├╝ber die H├╝gel. Gr├Ąser wachsen ins Licht. Auf der H├╝gelkuppe stelle ich den Wagen ab. Und der Zug, frage ich. Sie lacht. Wir steigen aus. Es ist eine warme Sommernacht. Wiesen im Mondlicht. Ist das kitschig, sagt sie. Pl├Âtzlich l├Ąuft sie fort. Am Feldrand bleibt sie stehen und zieht sich aus. Sie nimmt mich an den H├Ąnden. Unsere Schatten werden lang und l├Ąnger. ├ťber einen Heuballen fallen wir ins Gras. ,Es schimmert. Seine fahlen Spitzen brechen ohne Laut. Ich sp├╝re das Gewicht ihres nackten K├Ârpers, wie er auf mir atmet.

Danach ist es ganz still. Der Mond steht schon ├╝ber den H├╝geln. Ein r├Âtlicher Dunst schwebt ├╝ber der Erde. Verdammt. Nur keine Fragen. Oder doch: Wer bist du. Was hast Du bei ihm gemacht. Sie schweigt. Einmal noch werde ich sie fragen.

Er hat mir Geld gegeben. Viel Geld. Ich tue es nur manchmal.

Aufstehen und gehen. Mondlicht und den ganzen Romantikschei├č einpacken und gehen. Meine Finger tasten ├╝ber das Gras.


Die Erde schrumpft. Fliegen, nur fliegen. Sie schaut dem Flugzeug nach. Es verschwindet ├╝ber der Stadt auf dem Berg. Jetzt sehen wir auf die Lichter der Stadt. Der Mond steht hoch ├╝ber den Feldern. Mit den Fingern vor den Augen umfasse ich seinen Rand. So viel Zeit ist vergangen. Sie schaut noch immer dem Flugzeug nach. Der Zug ist fort. Der n├Ąchste geht am fr├╝hen Morgen.. Noch f├╝nf Stunden Mond anstarren. 0 weh. Und dann? Bleibe ich im Wagen sitzen oder komme ich mit. Warten auf den Zug. Ein Kuss vielleicht zum Abschied. Mehr bestimmt nicht. Warum auch.

Die Stadt, sagt sie. Eine solche Stadt war es. Auch auf einem Berg. Und es ist Sommer. Ihre Familie hat da oft Urlaub gemacht. Sie haben ein sch├Ânes Haus auf der anderen Seite des Berges. Manchmal gehen sie alle abends in der Stadt essen. Das war sch├Ân, sagt sie. Ab und zu darf sie auch schon allein nach Hause laufen. Das ist ein Weg. Der f├╝hrt rund um den Berg und von ├╝berall sieht man ganz weit auf die Ebenen. Vielleicht ist es eine Nacht wie diese. Sie bleibt oft stehen und sieht hinab auf die Wiesen und Felder. Die vertrauten Lichter, den schwachen Abglanz des Mondes ├╝ber dem nachtblauen Himmel. Dann merkt sie irgendwann einmal, dass ihr jemand folgt. Ganz leise, aber beharrlich. Sie f├Ąngt an, schneller zu laufen. Sie dreht sich um, aber sie sieht niemanden. Sie wei├č, es ist noch weit. Vor ihr liegt nur der Wald, auf der anderen Seite der Abhang. Dann bleibt sie einfach stehen. Vor Ersch├Âpfung ist ihr ganz schwindlig. Ein schmaler, dunkelhaariger Junge tritt auf sie zu. Er grinst. Hast ganz sch├Ân Puste, keucht er. Er hat sie in der Stadt gesehen. Will einfach nur mit ihr reden. Sagt er. Jetzt, im Sommer, fliegt er Drachen auf den H├╝geln unterhalb ihres Hauses. Ja, sie hat die Drachenflieger


Das ist schlimm, sage ich.

Vielleicht.

Meine Finger tasten ├╝ber ihre Haut. Ich rede Unsinn dabei. Aber das ist ihr egal. Sie legt sich zur├╝ck ins Gras und schlie├čt die Augen.

Ein fremdes, unerwartetes Erwachen. Es ist k├╝hl. Wir wissen nicht, was wir miteinander sollen. Ich halte die Hand wieder vor Augen. Zwischen meinen Fingern klebt der Mond. Eine Stunde ist vergangen. Sie steht auf und zieht sich an. Ich sehe sie auf das Auto zugehen. Also. Ich werde noch warten, bis sie im Bahnhof verschwunden ist. Vielleicht reden wir noch. Ganz sicher werden wir uns k├╝ssen. Das w├Ąre sch├Ân. Nicht nur wegen der Erinnerung. Ich ziehe mich an und laufe zu ihr. Dann stelle ich mich neben sie und nehme ihre Hand. Die halte ich vor den Mond. Wir steigen jetzt in unser Mondauto, fahren zur Station und fliegen mit einem Drachen zur Erde. Sag doch was. Nathalie dreht sich um. Sie weint.

Papa ist tot, sagt sie leise.

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