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Leselupe.de > Humor und Satire
Fliegen
Eingestellt am 11. 01. 2010 02:19


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Steven Omen
AutorenanwÀrter
Registriert: Jan 2010

Werke: 9
Kommentare: 1
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"Ich spring jetzt. Ist schon spĂ€t heute", sagte ich zu meinen Kollegen und verließ das BĂŒro. Es war wieder ein arbeitsreicher Tag gewesen und ich freute mich auf den Feierabend. Kurz vor dem Bahnhof lief ich unter ein BaugerĂŒst, das auf der Straße stand. Da passierte es. Mir fiel ein Ziegelstein auf dem Kopf. Zuerst fĂŒhlte ich nichts. Doch dann ĂŒberkam mich ein GefĂŒhl, als wĂŒrde ich schweben. Von oben konnte ich genau sehen, wie ich auf der Straße neben dem Ziegelstein lag.

Ich stieg immer höher und konnte bald die StraßenzĂŒge erkennen. Es machte mir immer mehr Spaß, zu fliegen. Auf einer Wolke sah ich Aloisius sitzen. Er grĂŒĂŸte mich griesgrĂ€mig, wĂ€hrend er „Halleluja, Himmi Herrgott, ErdĂ€ppfi, Saggerament, luuuja“, frohlockte. Bald erkannte ich ganze Kontinente und schließlich die ganze Erde, die wie eine blauweiße Murmel aussah. Ich klopfte ans Fenster der Raumstation ISS und erschreckte einen Astronauten. Dann schaute ich durchs Hubble-Teleskop, um mich zu orientieren. Der Mond lockte mich. Ich flog hin und schrieb in den Mondstaub: „Ich war hier“. Auf der Mondbasis Alpha 1 unterhielt ich mich mit Commander John Koenig ĂŒber DimensionssprĂŒnge. Danach klaute ich die amerikanische Flagge und verfrachtete sie auf dem Mars. Als ich mich der Sonne nĂ€herte, bedauerte ich, kein Sonnenöl dabei zu haben. Doch bald wurde es kĂ€lter. Fred vom Jupiter grĂŒĂŸte ich im Vorbeiflug. Ich beschleunigte und ĂŒberholte das Raumschiff Enterprise. Captain Kirk machte ein ziemlich langes Gesicht. Ich hatte keine Uhr dabei, also entschied ich wie spĂ€t es war. Mein Flug dauerte lange. Vor Langeweile zĂ€hlte ich bis zur Unendlichkeit. – Zwei Mal.

Dann ĂŒberlegte ich so lange, bis mir die letzte Zahl von Pi einfiel. Zum GlĂŒck begleitete mich Barbarella eine Zeit lang. Auf Krypton holte ich mir neue KrĂ€fte. Kurz vor dem Kampfstern Galactica bog ich rechts ab. Vorbei am Planeten Melmac, hielt ich mich dann links, passierte E.T.`s Heimatplaneten, durchquerte einen AsteroidengĂŒrtel, aus dem mich glĂŒcklicherweise Perry Rhodan wieder herauslotste. Dann traf ich Mork auf Ork. Flash Gordon hatte leider keine Zeit fĂŒr mich, da er gemeinsam mit Buck Rogers, ein Techtelmechtel mit Imperator Ming hatte. Aliens Heimatplaneten umflog ich vorsichtshalber weitlĂ€ufig. Die Raumpatrouille Orion brachte mich wieder auf den richtigen Weg. Nebenbei rettete ich Prinzessin Leia aus Darth Vaders FĂ€ngen und ĂŒbergab sie dem erleichterten Luke Skywalker. Auf dem Planet der Affen taten mir die Menschen schon ein wenig leid Wieder auf Kurs, konnte ich nur mit MĂŒhe dem Computer HAL ausweichen, der mal wieder sein Raumschiff per Countdown zerstören wollte. Auf dem niedlichen Planeten vom kleinen Prinzen ruhte ich mich aus und diskutierte mit ihm die Frage, ob man vor einem Hut Angst haben soll. Schließlich sah ich einen wunderbaren Planeten. Er war Ă€hnlich wie die Erde, nur noch unberĂŒhrt. Ich landete und traf auf einen glĂŒcklichen in Weiß gewandeten Menschen. „Wo bin ich hier?“, fragte ich ihn. „Dieser Ort hat keinen Namen. Wir nennen ihn aber Paradies.“

„Bin ich etwa tot und du bist Petrus?“, fragte ich den weißen Mann. „Ja, so ist es.“ „Aha, dann erwarten mich 99 Jungfrauen, nicht wahr?“ „Nein, dies ist das christliche Paradies, 99 Jungfrauen gibt es im muslimischen Paradies gleich nebenan.“ „Und was macht man hier den ganzen Tag?“ „Du kannst tun und lassen was Du willst.“ „Und wenn ich Böses tun will?“ „DafĂŒr haben wir auch eine Abteilung, die ist aber ein paar Etagen tiefer und da ist es ein wenig wĂ€rmer.“ Ich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl und ĂŒberlegte: „Hm, was wollte ich schon immer einmal tun? Ich habs! Ich wollte schon immer ein berĂŒhmter Schriftsteller werden und einen herzzerreißenden Liebesroman schreiben.“

So kehrte ich auf die Erde zurĂŒck, mietete mir in Paris im Quartier Latin ein Penthouse und machte eine Collage aus „Casablanca“, „Der Meister und Margerita“ sowie „Vom Winde verweht“. Ich aktualisierte das Personal, erstellte ein hĂŒbsches Cluster und schrieb das Manuskript innerhalb einiger Wochen druckfertig. Dieses sandte ich dem Verlag, der auch Harry Potter herausbrachte, zu und nach kurzer Zeit kam der positive Bescheid. Mein Liebesroman mit dem Titel „Der Wind aus Casablanca weht heiß“, wurde innerhalb kurzer Zeit ein Weltbestseller und verkaufte sich in 188 LĂ€nder. Nach unzĂ€hligen Lesungen in ausverkauften Hallen, TV-Auftritten, Filmverfilmungen aller 12 noch erfolgreicheren NachfolgebĂ€nde und schlussendlich nach dem Literaturnobelpreis, wurde mir die Sache langweilig. Ich setzte meinem Literatenleben durch einen spektakulĂ€ren Sturz vom Eiffelturm ein Ende. Nun packte mich der wissenschaftliche Ehrgeiz. Ich schrieb mich an der University of Massachusetts im Fachbereich Astrophysik ein und wurde innerhalb weniger Jahre Professor der Astrophysik. So bekam ich Zugang zum Hubble-Teleskop und verbesserte durch meine bahnbrechenden Innovationen die Leistung des Teleskops um die Potenz von 3. Ich entdeckte Galaxien, die nicht mal das Raumschiff Enterprise je gesehen hĂ€tte. Dazu zĂ€hlten „Die heliotischen Bollwerke“, „Die NegasphĂ€re“ und „Die große Leere“. Nebenbei vereinigte ich die allgemeine RelativitĂ€tstheorie mit der Quantengravitation und wies mit einer kinderleichten Formel nach, dass das Universum ein Ellipsoid ist. Bis auf die Hundertstel berechnete ich die Zeit vom Urknall bis jetzt. Nach dem wohlverdienten Nobelpreis wurde mir auch diese Disziplin langweilig. Ich bekam eine Sinnkrise.

Da kam mir die Erleuchtung! Warum nicht eine Religion grĂŒnden? Gesagt, getan. In Indien sammelte ich durch billige Taschenspielertricks meine 12 JĂŒnger, wobei ich diesmal auch Frauen aufnahm. Warum es immer 12 sein mĂŒssen, wusste ich auch nicht. War eben so. Ich mischte alle Weltreligionen durcheinander, fĂŒgte als Fun-Faktor noch ein wenig Bhagwan hinzu, und fertig war meine neue Religion. Meine JĂŒnger hingen an meinen Lippen, als ich ihnen meine heiligen Gebote, wie z.B. „Du sollst zwei Stunden Mittagsschlaf halten“ oder „Du sollst morgens mit dem linken Fuß aufstehen und abends mit dem rechten Fuß ins Bett gehen“, predigte. Stundenlang diskutierten wir, ob wir die „Volksfront von Delhi“ oder „delhianische Volksfront“ heißen sollten und naschten nebenbei Otternasen. UnglĂŒcklicherweise wurde ich recht schnell wegen Terrorismusverdachts verhaftet und nach kurzem Prozess gehĂ€ngt. Sie haben mich eben nicht erkannt, die UnglĂ€ubigen. Seit diesem Tag brachten die JĂŒnger in ewiger Erinnerung an mich auf ihren GotteshĂ€usern einen Galgen an. Rasch verbreitete sich die Galgenreligion auf der ganzen Welt und ich kehrte erschöpft ins Paradies zurĂŒck. Petrus erwartete mich am Eingang. „Und was machst Du jetzt?“ „Jetzt, Petrus“, antwortete ich gelĂ€utert, „möchte ich nur noch lesen.“
__________________
Steven Omen

Version vom 11. 01. 2010 02:19

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