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Leselupe.de > Humor und Satire
Fliegenklo
Eingestellt am 17. 03. 2002 14:01


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Muffin
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Fliegenklo

"Die Hunde scheißen aber auch immer direkt in die Einfahrt."
(Donnerstag abend, 20.00 Uhr, bei Kalinowskis in der Alfredstrasse, Abendbrot)
Opa ist bei seinem Lieblingsthema.
Oma verdreht die Augen.
"Also manchmal, könnt ich so raus gehen und denen was erzählen," schimpft er.
"Meistens tut er das auch," erklärte Oma.
"Ja, aber es ist auch nötig. Immer muss ich das dann weg machen, wenn das dann fest wäre, das geht. Aber meistens," er grinst. "... ist es dann auch noch weich, was weiß ich, was die den Hunden zu fressen geben. Ich will nicht wissen wie viele Würmer da drin sind."
Mamas Lächeln gefriert ganz langsam.
"Da laufen kleine Kinder lang, Mensch. Die fassen alles an und dann..."
Mamas Lächeln ist nur noch eine Grimasse, Papa amüsiert sich köstlich
und Oma?
Sie scheint sich zu ärgern , dass sie ihrem Mann nicht gegenübersitzt. Von ihrem jetzigen Platz kann sie ihm gar nicht vors Schienenbein treten. Wahrscheinlich sagt sie aus diesem Grund ein kurzes mahnendes "Georch". Irgendwo in ihrer Stimme schwingt ein deutliche Warnung mit: Noch ein Wort und ich trete Dich trotz der großen Entfernung.
Opa versteht die Warnung. Er hält für einen Moment den Mund. Oma atmet erleichtert auf und Mama macht sich schnell daran ihr Brotbrot auf zu essen bis das nächste "Lieblingsthema" des Schwiegervaters kommt.
Und das dauert nicht lange...
Opa ist natürlich gerne bereit dem jüngsten Enkelkind einen Apfel zu schneiden.
"Darf ich zuerst das Fliegenklo rausschneiden?" fragt Opa.
Er bekommt dafür einen sehr skeptischen Blick. Den nächsten Apfel muss Papa wieder schneiden.
Oma rutscht auf der Bank eine Stück weiter nach unten. Tendenz unter den Tisch, ein Loch zum Drinversinken hat sie wohl nicht gefunden.
Irgendwie, und es ist sehr schwer nachzuvollziehen wie, kommt man bei Tisch auf ein viel gefährlicheres Thema.
Arbeitslose. Gottseidank sind die Kinder schon im Bett.
Und als wäre das Opas Stichwort gewesen, sagt er:
"Der Herr Müller, das ist vielleicht ein Vogel!"
Oma scheint der Verzweiflung nahe. Offensichtlich überlegt sie, ob sie einfach mit Papa den Platz tauschen soll, aber der sitzt lässig im Sitz zurück gelehnt da und genießt das Spektakel.
"Der hat sein Kabel," wettert Opa. "quer durch unseren Garten gespannt!" Er reisst die Augen weit auf, beugt sich ein wenig vor und mustert Papas Gesicht, um ihm eine Regung abzulesen. Mama gibt ein glucksendes Lachen von sich, das nur bedeuten kann, dass sie die Geschichte kennt.
"Und das flatterte da lustig im Wind!" empört er sich. Er macht wieder eine bedeutungsschwere Pause, um seinen Zuhörern die Möglichkeit zu geben ihm mit einem lauten, "Oh" zu zu stimmen.
"Nun ja und ihr kennt ihn ja," wirft Oma ein, die begreift, dass es zu spät ist ihn zu stoppen, dass aber durchaus noch die Möglichkeit besteht das Gespräch wenigstens zu lenken.
"da hat er sich Hammer und Nagel geschnappt und das Kabel fein säuberlich an der Hauswand befestigt und dezent getarnt."
Opa nickt zustimmend. Mama ist vom Lachen schon ganz rot im Gesicht.
"Das ist viel Arbeit gewesen," bestätigt Opa.
"Nicht das ich Dich nicht gewarnt hätte," wirft Oma ein, um ihn ein wenig zu bremsen, doch das gelingt ihr wohl nicht, denn Opa kommt gerade erst in Fahrt.
"Da komm ich am nächsten Tag in den Garten," Opa zieht die Augenbrauen soweit hoch, dass seine Augen riesig wirken. Er presst den Zeigefinger auf den Daumen und fuchtelt damit wild in der Luft rum.
"Da kommt der Müller auf mich zu und sagte er müsse ein neues Kabel ziehen, die Frau Berthold hätte keinen Empfang!"
Mama bekommt vor Lachen keine Luft mehr. Oma ist auf ihrem Platz so weit runter gesunken, dass sie soeben noch über die Tischplatte sehen konnte. Ob sie versuchte sein Schienbein zu treffen, bleibt unklar.
Wahrscheinlich hat sie nicht getroffen, denn Opa wird noch einen Tick lauter und sagt:
"Da habe ich gesagt: Herr Müller sie sind doch ein Vogel, sind sie doch!"
Oma ist nur noch zu einem Flüstern in der Lage.
Georch," zischt sie. "Die Kinder..."
Aber Opa hört sie nicht. Er ist jetzt voll in Fahrt gekommen und nicht mal eine ganze Panzerdivision kann ihn jetzt noch aufhalten.
"Herr Müller sie müssen doch gesehen haben, wie ich das Kabel festgemacht habe, warum haben sie denn nicht gesagt, dass sie noch ein neues Kabel spannen müssen," Opa hebt die Hände an den Kopf, um sich durch die Haare zu fahren, merkt aber im letzten Moment, das da seit verdammt langer Zeit schon keine Haare mehr sind und streicht sich statt dessen nur verlegen über die Glatze.
"Da hat der Müller gesagt, ja auch schönen Dank dafür, aber..." Wieder hebt er die Hände zum Kopf diesmal lässt er sie aber schon auf halben Wege wieder sinken.
"Das ist doch typisch," motzt er. "dann hat er das alte kabel einfach so zusammen genommen und vor dem Schuppen auf den Boden geschmissen, aber da hab ich eingegriffen."
Oma hatte den, Als ob Du das nicht schon die ganze Zeit gemacht hättest Blick drauf.
"Da hab ich gesagt Herr Müller, das können sie nicht machen, hab ich gesagt, packen sie es doch einfach in die Mülltonne." Opa schiebt die Unterlippe vor und nickt. "Das hat er dann auch gemacht." Er lehnte sich, zufrieden mit sich selbst im Sitz zurück.
"Er ist dann allerdings noch mal zurückgegangen," ergänzt Oma. "um das Kabel aufzurollen und in eine Tüte zustecken."
"Ja," bestätigt Opa. "Wegen der Müllabfuhr. Die werden sich nochbeschweren, wenn da so ein Kabel raus guckt."
"Och," sagt Mama, was so viel hieß, wie: Das stört die doch nicht. Aber Opa war anderer Meinung.
"Ich versuch mich immer in die Leute rein zu versetzen. Und die Leute von der Müllabfuhr müssen schon genug hinnehmen..."
So ist man von Arbeitslosen über Herrn Müller zur Müllabfuhr gekommen und dann zum Öffendichen Dienst und zur sprichwörtlichen Beamtenfaulheit.
"Die Politiker sind sowieso alle kurrupt," meldet sich Opa, der bei jedem Themenwechsel ein bisschen lauter wird.
"Na!" sagt Papa skeptisch.
"Doch sicher," erwidert Opa. Er holt wieder tief Luft um sich erneut in die Diskusion zu werfen, als Oma sich erhebt und sagt:
"Georch, die Kinder schlafen. Du weckst sie auf. Wir gehen jetzt!"


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flammarion
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hallo,

in der art kannste n ganzes buch schreiben. liest sich prima und ist sehr unterhaltsam. ganz lieb grüßt
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Old Icke

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Muffin
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Vielen dank für die Blumen

Ich plane es auf der goldenen Hochzeit meiner Großeltern vorzulesen. Es ist ja schließlich eine wahre Begebenheit.
Grüße Muffin

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flammarion
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ach,

auch noch wahr? ist ja toll. na, dann denke dir noch was aus und schreib den roman. der geht weg wie warme semmeln! lg
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Old Icke

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Muffin
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Roman? um Gottes Willen. Ich fühle mich nicht in der Lage einen Roman zu schreiben.
schon gar nicht über solche Themen. Wird auf die Dauer dann bestimmt doch langweilig.
Trotzdem: Danke

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flammarion
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nee,

so amüsant wie das ist, kann es nicht langweilig werden. naja, vielleicht schreibst du später den roman. ganz lieb grüßt
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Old Icke

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