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Leselupe.de > Humor und Satire
Flirtdogs
Eingestellt am 20. 12. 2005 17:49


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Marius Speermann
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Registriert: Jul 2005

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Er hĂ€tte es fast wieder einmal geschafft. Ich weiß nicht wie er das macht, aber sobald Mars, Saturn und mein Auto im Halteverbotaszendenten stehen, taucht er unverhofft um die Ecke und rennt mich gekonnt ĂŒber den Haufen. Die Rede ist, wie kann es auch anders sein, von meinem alten Freund Michi. Diesmal war es ihm sogar unter besonders verschĂ€rften Bedingungen gelungen. Eine Meute von schnaubenden und knurrenden besten Freunden des Menschen, darunter Vertreter aller verfĂŒgbaren Gattungen von Kalb bis Kanalratte, zerrten ihn an unzĂ€hligen Leinen voran. WĂ€hrend Michi ihnen so gut es ging nachhechelte, galoppierten die vierbeinigen Flohkutschen, ohne deswegen an Tempo einzubĂŒĂŸen, ĂŒber mich hinweg und bellten und klĂ€fften sich die Lunge aus dem Leib, als ob es keine Telefone mehr gĂ€be.

Ich hatte mich rettungslos in den Hundeleinen verhadert und humpelte notgedrungen im GeknĂ€uel mit. Michi schnaufte bereits atemlos, seine heraushĂ€ngende Zunge zeigte ein besorgniserregendes Metallicblau. Er aber ließ sich nicht beirren. Er grinste mir zu, streckte den Daumen hoch und deutete mir in unserer geheimen und in vielen öden Schulstunden erfundenen Zeichensprache, daß sich gleich um die Ecke seine neue Agentur befĂ€nde.

TatsĂ€chlich tauchte dort ein GeschĂ€ftslokal mit einem großen Schild auf: »Flirtdogs«.
„Flirtdogs?“, starrte ich ihn unglĂ€ubig an. „Was soll denn das sein?“

Noch wĂ€hrend er im GeschĂ€ft die Hunde in die einzelnen Zwinger bugsierte, was nicht immer ohne einen herzhaften, aber umso ĂŒberzeugungsvolleren Tritt in den Hundeallerwertesten oder einem saftigen Biß ins Hundeohr vor sich ging, und – man braucht es nicht gesondert zu erwĂ€hnen - einige Empörung und Aufregung unter der versammelten Hundeschar nach sich zog, erlĂ€uterte er mir sein neuestes GeschĂ€ftsmodell.

„In Wien leben einige hunderttausend Menschen diversester Geschlechter, die alleinstehend sind und sich nichts sehnlicher als einen Partner wĂŒnschen. Ich helfe ihnen dabei, indem ich ein paar Hunde zum Verleih und ein bisserl Service drumherum anbiete.“

„Diverse Geschlechter? Partner? Verleihhunde?“ Nun war ich völlig verwirrt.

„In anderen Worten: hunderttausende Singles, die gerne mal wieder bumsen wĂŒrden, können sich bei mir einen Hund mieten.“

„Die Leute bumsen die Hunde?“ stammelte ich unglĂ€ubig.

Michi wandte die Augen gen Himmel, stieß einen Seufzer aus und nahm mich bei der Hand. „Komm, ich zeige Dir, wie das geht.“ Er schnappte sich eine an der Wand angelehnte Promenadenmischung, befestigte daran eine Leine und schon marschierten wir schnurstracks mit dem Vierbeiner zum Burggarten.

Auf dem Weg dorthin erlĂ€uterte mir Michi sein Modell. „Hier haben wir einen Hund, in diesem Fall ein Weibchen. Bei Hunden heißt das bekanntermaßen »Stute«“, erklĂ€rte er fachmĂ€nnisch. „Eine Stute vermiete ich normalerweise an alleinstehende MĂ€nner, an Frauen einen Eber. »Eber« sind die mĂ€nnlichen Hunde“, belehrte er mich. Ehrfurcht vor seinem Wissen ergriff mich. Eigentlich hatte er in Biologie nie aufgepaßt, weil wir uns da gegenseitig die Schulhefte vollgeschmiert hatten. Aber er hatte offenbar VersĂ€umtes nachgeholt.

Er fuhr fort. „Mithilfe eines von mir verfaßten Flirtguides lasse ich die Damen und Herren anschließend fĂŒr zwei Stunden in einem der angrenzenden Parks an bestimmten Stellen spazieren. Da Hundebesitzer eine immens unwiderstehliche Ausstrahlung auf das andere Geschlecht haben, ergeben sich damit zwangslĂ€ufig unzĂ€hlige Möglichkeiten zum Kennenlernen. AbhĂ€ngig vom sozialen Milieu meiner Kunden, oder den gewĂŒnschten Aufstiegsmöglichkeiten, empfehle ich ihnen dabei entweder einen einfachen Beserlpark oder gleich den Burggarten bei der ehemals kaiserlichen Hofburg. Es ist dabei schon vorgekommen, daß sich ein einfaches MĂ€del aus der TĂ€towierstube einen Herrn Doktor angelacht hat, oder ein auf Durchreise befindlicher Chippendale-Stripper mit einer Bankiersgattin in eine angeregte Diskussion geraten ist. Und das alles nur dank meiner Hunde.“

Wie ein abgezwickter Napoleon stand er vor mir und wartete auf mein anerkennendes Nicken. In diesem Moment besprang unsere Stute den Eber einer Ă€lteren Dame. Michi war verwirrt. „Komisch, sie ist doch eigentlich ein Weibchen.“

„Vielleicht ist sie lesbisch“, erwiderte ich hilfreich.

„Nicht frech werden“, zeterte die Ă€ltere Dame, „ich werde ihnen gleich was zeigen, von wegen lesbisch. Und nehmen sie ihren Köter weg! Meine arme Senta ist ja schon ganz aufgerieben.“

Michi und ich trennten gemeinsam unter bissiger Gegenwehr die Hunde aus ihrer offenherzigen Stellung und ignorierten fest, aber bestimmt das anschließend einsetzende ProtestgeklĂ€ffe.

„Wie heißt denn ĂŒberhaupt ihr RĂŒde?“, fragte die Ă€ltere Dame neugierig, nachdem sich der LĂ€rm etwas verringert hatte. Sie lĂ€chelte dabei Michi erwartungsvoll an.

„Ähm, puuhh...?“ stammelte Michi und sah mich verzweifelt an. „Maria Theresia“, warf ich schnell ein. Michi verdrehte die Augen. „Ein gescheiterer Name ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen“, zischte ich ihm durch die ZĂ€hne zu.

„Maria Theresia? Das ist aber ein komischer Name fĂŒr einen RĂŒden.“ Sie kniff die Augen zusammen und Michi in den Po. „Wohl ein ganz ein Perverser, mein SĂŒsser, nicht wahr?“

In Michis Augen schimmerte Panik. Hurtig verabschiedeten wir uns von der Ă€lteren Dame, die uns noch folgen wollte, wĂ€re ihr Eber Senta nicht gerade in diesem Moment von einer anderen Stute besprungen worden. Wir bewegten uns im Eilschritt zum Parkausgang. Dort saß ein gutaussehendes FrĂ€ulein auf einer Parkbank und war in ein Buch vertieft. Michi zwinkerte mir bedeutungsvoll zu und steuerte zielgerichtet auf die Parkbank hin.

Er ließ sich auf der Parkbank nieder und lehnte sich langsam zum FrĂ€ulein hin. Der Hund schnupperte interessiert an ihren Schuhen. Sie nieste.

„Schönes FrĂ€ulein, darf ich’s wagen...“, begann Michi, aber die solcherart Angesprochene sprang hastig von der Parkbank auf, nieste Michi mehrmals krĂ€ftig an und eilte fortwĂ€hrend niesend und mit trĂ€nenden Augen aus dem Park.

„Hundehaarallergikerin“, murmelte Michi vor sich hin und zuckte dabei mit den Schultern. „Da hilft nur die Erweiterung des Verleihangebotes“, philosophierte er weiter. „Leguane, Krokodile oder Schlangen zum Gassi gehen. Da gibt’s keine Haare, nur die seltene Schuppenallergie und höchstens mal eine Klage wegen einem verspeisten Kleinkind.“

Als er den Kinderwagen einer jungen Mutter erblickte, kam ihm die ultimative Idee: „Was ist noch attraktiver an einem Single, als ein Hund? Babies!“ Und ohne meine Antwort abzuwarten, wieselte er von dannen, um auf der Geburtsstation des nahegelegenen Krankenhauses ein paar Neugeborene fĂŒr den nĂ€chsten Vermietschlager auszuborgen: Flirtbabies!

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dornteufel
Guest
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Mein Gott, endlich spricht jemand aus, warum ich mir unbewusst schon die ganze Zeit immer einen Eber anschaffen will!!!

hoffentlich ist bald endlich Weihnachten!!! (Es tÀte auch eine Stute mit Mascherl!)

Habe herzlich gelacht!!


PS: im Burggarten gibt's Chippendaledoktoren?

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Tinka
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Erinnert mich inhaltlich fatal an ein/zwei Filme, die in letzter Zeit im Kino liefen.

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Marius Speermann
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Marius

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Tinka
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2005

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Hallo Marius,
da hast du mich aber erwischt, denn ich kenne die Filmtitel nicht.
Zu dem einen Film hatte ich meine Mutter (83 J) Ende September dieses Jahres ins Cinemaxx eingeladen, da sie Kinos der heutigen Zeit bisher noch nicht kannte. Ich glaube der Film hieß "Liebe auf vier Pfoten" oder so Ă€hnlich und handelte von einem Mann, der sich einen Hund auslieh, um die Frau seines Herzens - sie hatte einen Hund -kennenzulernen (ein schlechter Film!).
Den genauen Titel kann ich dir vielleicht mitteilen, wenn unsere Tochter aus DĂ€nemark zurĂŒck ist - sie weiß so etwas immer besser!
Der andere Film lief im Fernsehen und hieß - glaube ich -"Rent a Kid". Das sagt doch schon alles und war eine amerikanische Produktion.
Sorry fĂŒr meine Assoziationen - war auch keine Kritik an deinem Text!
Die hÀtte ich dann schon detaillierter verpackt!
Liebe GrĂŒĂŸe und ein gutes Neues Jahr wĂŒnscht dir Tinka

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Stoffel
gesperrt
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Hi,

ich schaue mir Filme wie die von Tinka aufgezĂ€hlten nicht im Kino an. DafĂŒr sind sie mir zu lapidar. Aber ich sehe sie ganz gerne auf DVD


Ok...die Idee ist sehr gut.
Kann man echt was draus machen.
WĂŒrde so in Richtung gehen wie "Liebe auf 4 Pfoten"
Überarbeite sie doch in der Schreibwerkstatt? Und dann bietest es einem Freund von mir an.
Auf dem Deutschen Markt gibts solche Geschichte noch nicht.
Die Amis haben das schon ziemlich ausgeschlachtet.

Es wĂ€re m.E. nach etwas fĂŒr "ErzĂ€hlungen".
Nur meine Gedanken dazu.

lG
Sanne


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