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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Flucht
Eingestellt am 29. 03. 2004 16:56


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Michael Pliet
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2004

Werke: 11
Kommentare: 1
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Ich sah das Gesicht meiner Frau vor mir. Es sah nicht eben freundlich aus.
„WARUM HAST DU MICH NICHT GERETTET!“
Immer wieder schoss mir dieser Satz durch den Kopf. Ich wollte mich rechtfertigen, doch es war mit unmöglich zu reden. Meine Lippen bewegten sich, doch es drangen keine Worte aus ihnen heraus.
„WARUM HAST DU MICH NICHT GERETTET!“
Wieder dieser Satz, der sich in meinen Kopf hämmerte. Immer und immer wieder. Nun sah ich diesen Kerl mit der schwarzen Maske und dem Messer, wie er es über den Körper meiner Frau senkte.
„WARUM HAST DU MICH NICHT GERETTET!“
Mir schmerzte der Kopf. Dann sah ich wie Mörder zustieß und ihr seine Klinge in den Körper hieb. Ich konnte nichts tun. Nur meine Augen schließen, um ihren Tod nicht noch einmal zu erleben.

„NEIN!!!!!“ Der Schrei drang aus meinen Mund. Schweißgebadet saß ich aufrecht in meinem Bett. Es war alles nur ein Traum. Nein, das war es nicht. Es war immer derselbe Traum, der mich des Nachts heimsuchte. Grausame Dinge waren passiert. Es war zuviel für mich. Ich kam mir vor, wie in einer fremden Dimension gefangen. Wie gerne wünschte ich mir, ich hätte ihren Tod vermeiden können. Doch ich konnte Elaine nicht retten. Was hätte ich auch tun sollen. Ich war nicht Zuhause, als der Mörder zuschlug. Elaine hatte ihm die Tür geöffnet. Wie konnte sie denn ahnen, dass sie damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieb? Als ich dann nach Hause kam, sah ich sie in ihrem eigenen Blut liegen. Mehrere Messerstiche hatten ihren Körper durchdrungen. Viel Blut war geflossen und bedeckte den Boden unserer Küche. Der Killer hatte sie regelrecht abgeschlachtet.

Ich fühlte mich wie ein Versager. Wäre ich nur eine Stunde früher nach Hause gekommen, dann hätte ich die Tat vielleicht verhindern können. Dies spiegelte sich auch in meinen Träumen wieder. Ich hatte Angst. Angst vor der Zukunft. Angst vor dem Leben ohne Elaine. Angst um das Leben meiner Freunde, da der Mörder noch immer frei herumlief. Er hatte einen Brief zurückgelassen, in denen er weitere Taten ankündigte, wenn ich meine Schulden nicht bezahlen würde. Ich hatte mich auf die falschen Geschäftspartner eingelassen und dies war die Quittung dafür. Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf. Es musste eine Entscheidung her. Von meinen Plänen hatte ich noch niemandem erzählt. Auch nicht der Polizei. Wer weiß, wie sie meine Flucht aufgenommen hätten? Um das Leben meiner Freunde und Verwandten zu retten, musste ich die Stadt, wenn nicht sogar das Land verlassen. Durch den Tod meiner Frau, verfügte ich über eine Menge Geld, mit diesem wollte ich mich selbstständig machen. Irgendwo anders, weit weg von meinen Freunden bzw. Verwandten. Sie sollten aus der Schusslinie. Ich hätte es nicht verkraftet, auch noch einen von ihnen zu verlieren. Sie sollten nicht die Quittung für meine Geschäfte begleichen. Es sollte keine große Verabschiedung geben. Mein Plan war einfach abzuhauen und keine Spuren zu hinterlassen. Ich musste mich selbst finden und vielleicht würde ich zurückkehren, aber erst wenn Gras über die Sache gewachsen war.

Ich stand auf und sprang unter die Dusche. Die warmen Wasserstrahlen taten meinem Körper gut. So langsam wurde ich wach, doch aus diesem Alptraum würde ich nie wieder erwachen. Ich verließ die Dusche, trocknete mich ab und zog ich mich an. Eine schwarze Jeans und ein weißes Hemd waren meine Wahl. Mein Blick fiel auf die Koffer, die ich schon am letzten Tag gepackt hatte. Jetzt galt es. Ich musste aus meinem Leben ausbrechen und verschwinden. Meine Jacke griff ich vom Haken und streifte sie mir über. Ein letztes Mal ließ ich meinen Blick durch die Wohnung streifen, dann schloss ich die Tür hinter mir. Ich hatte keinen Abschiedsbrief verfasst. Was hätte das gebracht? Wahrscheinlich hätte man mich gesucht, und sich selbst in Gefahr gebracht. Meine Hand fuhr durchs Gesicht, um eine Träne weg zu wischen. Schnell hatte ich die Tiefgarage erreicht und auch meinen Wagen.

Grade wollte ich die Tür meines Rovers schließen, als ich plötzlich von der Rückbank her ein paar Worte vernahm. Größer hätte meine Überraschung nicht sein können, als ich erkannte wer die Worte aussprach. Es musste der verdammte Killer sein, denn ich spürte den kalten Lauf seines Schalldämpfers in meinem Nacken.
„Du willst verreisen, Mistkerl?“
„Bist du das Schwein, das meine Frau getötet hat?“
„Halt dein Maul. Ich stelle hier die Fragen. Und es wird meinen Auftraggebern nicht gefallen, dass du dich aus dem Staub machen wolltest.“
Man hatte mich erwischt. Es hatte keinen Sinn, es zu leugnen. Ein feiner Angstschweiß bildete sich auf meiner Stirn.
„Ja, du hast Recht. Ich wollte fliehen. Und nun? Willst du mir nun eine Kugel durch den Schädel jagen?“
„Nicht doch, wo sollten meine Auftraggeber dann ihr Geld herbekommen.“
„Was willst du dann von mir?“
„Ich will dir die Chance geben, wieder auszusteigen, nach oben zu gehen und deine Schulden zu begleichen. Erzähl mir nicht du hast kein Geld. Durch den Tod deiner Frau hast du mehr als genügend davon.“
„Auf keinen Fall. Haltet mich aus euren schmutzigen Geschäften raus. Ich will nichts mehr mit euch zu tun haben.“
„Das wird dir aber nicht gelingen. Dazu ist es nun zu spät. Ich sag dir mal was. Sobald du verschwunden bist, werde ich mir einen nach dem anderen von deinen Freunden oder Verwandten holen. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber es wird mir eine Freunde sein, einfach jedem von ihnen das Leben zu nehmen. Wenn du verschwindest, machst du es mir leicht. Kriegen wir das Geld nicht von dir, holen wir es uns woanders.“
„Aber…“
„Kein aber! Es ist wahr, du hast sie alle mit rein gezogen. Und ohne dich kommen sie erst recht nicht daraus. Ohne dich werden sie alle sterben! Wärst du nicht gewesen, wären sie aber auch nicht in diese Situation geraten. Das hast du dir selbst zuzuschreiben.“
Seine Worte hatten mich geschockt. Mir wurde klar, dass ich nun nicht so ohne weiteres fliehen konnte. Wie ich es drehte, am Ende war ich immer der Verlierer.
„Warum tust du mir das an?“
„Ich bin ein Killer. Es liegt mir im Blut, die Probleme andere zu lösen, wenn die Kasse stimmt.“
„Und wenn ich dir mehr biete, als deine Auftraggeber? Lässt du mich dann laufen?“
„So viel kannst du mir gar nicht zahlen. Dein Kopfgeld liegt sehr hoch.“
Der Profi-Killer öffnete die Beifahrer-Tür und stieg aus. „Denke an meine Worte!“ Plötzlich drehte er sich um, und war im Dunklen der Tiefgarage verschwunden. Ich dachte nicht mehr daran zu fliehen. Seine Worte hatten mich zu sehr getroffen und verwirrt. Ich Narr! Was hatte ich hier eigentlich vor? Wenn ich verschwinden würde, war das auch das Ende meiner Freunde und Verwandten. Dieser Killer hatte mir den Kopf gewaschen. Nein! Ich würde nicht mehr fliehen. Ich würde mich meinen Auftraggebern stellen und meine Schulden begleichen. Es durfte niemand mehr unter meinen Fehlentscheidungen leiden. Ich zückte mein Handy und vereinbarte ein Treffen mit ihnen. Mit einem unguten Gefühl, machte ich mich auf den Weg meine Schulden zu begleichen.

Am nächsten Morgen fand man in einem kleinen See, in der Nähe der Stadt die Leiche eines unbekannten Mannes. Man hatte ihm seine Füße in einen Bottich mit Beton gesteckt und ihn dann dort versenkt. Es musste ein qualvoller Tod gewesen sein. Nur durch Zufall, wurde die Leiche entdeckt. Keiner kannte das Schicksal dieses Mannes oder seine Geschichte. Außer Ihr liebe Leser…

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Bonnie Darko
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 1
Kommentare: 63
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Ich bin zwar ein lieber Leser ( ), aber die Pointe habe ich trotzdem nicht ganz verstanden. Der Mann wurde also umgebracht, zumindest interpretiere ich das so. Warum? Wieso hat er seine Schulden nicht bezahlt? Oder steckt dahinter mehr, und es handelt sich bei dem Mann im See um einen anderen? Wenn es der Protagonist ist, dann finde ich das Ende enttäuschend, da es der 'normalen' Krimilogik bzw der aufgebauten Erwartungshaltung irgendwie widerspricht. Wenn nicht, dann finde ich es verwirrend.

Noch was: Du hast die Geschichte sehr packend geschrieben, und dann brichst du ab und läßt das Interessanteste weg? Das verstehe ich nicht ganz. Das impliziert eigentlich, daß der Leser selbst auf die Pointe, den Twist oder die Hintergründe kommen müßte und daß offensichtlich sein sollte, was sich da am See abspielt. Aber ich sehe eigentlich kein überraschendes Moment und keinen roten Faden im Schluß. Es bleiben nur viele offene Fragen, vor allem die, ob ich einfach zu blöd bin, um das Offensichtliche zu sehen. Da ich aber im Krimi-Raten meist ganz gut bin (zumindest, was Filme betrifft), glaube ich das eigentlich auch nicht.

Damit nicht der Eindruck entsteht, daß mir der Text nicht gefallen hat: Im Gegenteil. Es gefällt mir sehr gut, wie du die Spannung aufbaust und den Leser ins Geschehen hineinziehst. Bis auf das plötzliche, unklare Ende hast du mich sehr gut unterhalten.

LG,
Bonnie

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Brana
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2004

Werke: 7
Kommentare: 26
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Also, ich finde auch, dass der Schluss irgendwie zu plötzlich kommt. Und den Zusammenhang blick ich auch nicht ganz. So ein Schluss sollte ja eigentlich die Phantasie ein wenig anregen, aber irgendwie wirft das bei mir auch nur Fragen auf.
Ansonsten ist der Text aber gut und spannend geschrieben. Der Charakter des Killers... vielleicht doch ein wenig zu klischéehaft.

Grüßle,
Brana
__________________
"Vor jedem Wunder steht der Glaube!" (Unicorn - Aufstand der Elfen)
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Magische Welt

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