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Leselupe.de > Anonymus
Folge 3: Barry bricht aus seinem Gefängnis
Eingestellt am 05. 07. 2004 13:10


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Anonymous
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«Stotter, warum musste gestern vor dem Londoner Hauptbahnhof das Pflaster mit einem Bagger aufgerissen werden, um meine Tante aus einem Gully zu befreien??!!», brüllte Johnson Johnson. Barry, unsicher wie zu reagieren sei, antwortete kleinlaut: «Weil sie feststeckte?» Mit Schrecken gewahrte er wie seinem Chef lange Reißzähne wuchsen und zottelige Haare. An seinem Mund bildeten sich Lefzen, die Haut nahm eine gelbe Farbe an. Er verwandelte sich in einen Löwen, um besser brüllen zu können. «SIE VOLLIDIOT! SIE PRODUKT EINER STINKMORCHEL!»

Der Chef musste sich wegen Barry regelmäßig neue Schimpfwörter einfallen lassen. Dieses neueste hatte er von Hermann-Aphrodite Cranker übernommen. Es war mit das Gemeinste, womit man Barry beleidigen konnte, da Barrys Vater, ein Muggle, sich als Furzkünstler verdingt hatte; und das wussten sie.

«Ich rufe die Dementoren. Die sollen Sie nach Askaban bringen. As-ka-ban! VERSTEHEN SIE DAS?» Barry zuckte zusammen. Er wollte etwas sagen, war jedoch wie gelähmt. Er hatte seines Chefs Tante in einem Gullyloch hängen lassen und sich davon gestohlen, angeblich um die Drachenlederstiefeletten zu holen, die jene Tante zu Hause vergessen hatte, und die sie, als er sie brachte, nicht mehr haben wollte. Nun die schreckliche Strafe. Askaban.

Der Himmel vor dem Fenster verdunkelte sich. Barry sah großen Auges Johnson an. Der machte ein Gesicht wie: ‹Das hast du davon, Produkt einer Stinkmorchel.› Ein Knall. Auf sprang das Fenster und, begleitet von einer arktischen Brise, stieg ein Dementor, ein Gefängniswärter aus Askaban, ins Büro. Aus dem Ärmel einer zerfledderten Kutte streckte ich ein grauer verwesender Knochenarm nach Barry aus.

Barry schrie wie am Spieß. Der Dementor hatte ihn gepackt. Jetzt schickte sich das Monster an, seine Kapuze zurückzuziehen und Barry das Leben auszusaugen. Was sich unter der Kapuze eines Dementors verbarg, darüber existierten nur vage Gerüchte. Barry wollte es gar nicht wissen. Er war angewidert und zugleich erstaunt, in das Gesicht von Dildo Allensby, dem bekannten Moderator, zu blicken.

«Einen zauberhaft guten Morgen Leute hier ist Dildo Allensby. Willkommen zur Morgenshow. Die Nachrichten.

Ganz England feiert heute Harry Potters Geburtstag. Die größte Feier gibt's natürlich bei uns, in London. Ich hoffe, ihr seid dabei, wenn heute um 17 Uhr in Wally's Dungeon die offizielle Potter-Geburtstagsparty beginnt und kurz darauf der erste Teilnehmer des Potter-Look-alike-Wettbewerbs durchstartet.»

Barry legte einen kleinen Hebel um. Allensbys fröhlich quasselnder Kopf verschwand, und jene halbe Kristallkugel, die die Vorderseite des Weckers bildete, zeigte nur noch die Uhrzeit. Dennoch fühlte sich Barry nicht besser. Ihm war, als hätte er wieder schlecht geträumt. Nichts Ungewöhnliches, wenn man Probleme hatte. Sie verfolgten einen bis in den Schlaf. Beim Frühstück, zwischen einem Löffel Müsli und einem weiteren, war es plötzlich soweit. Das Gefühl sagte, dass er es heute nicht schaffen würde. Er musste ins Ministerium gehen und Barry Stotter sein, und dessen war er einfach nicht fähig. Er legte den Löffel ab und stand auf.

Was war das nur für ein Leben? Er wohnte in einer miesen Bude, weil er einen schlechten Job hatte. Er hatte einen schlechten Job, weil er ein schlechter Zauberer war. Und ein schlechter Zauberer war er, weil er stotterte ... Freunde hatte er auch nicht. Niemand interessierte sich für ihn, weil er nicht Harry Potter war. Niemand hörte ihm zu. Niemand hörte ihm zu, weil er stotterte. Attraktiv war er auch nicht, außer in Zeiten, wo dicke Hornbrillen in waren; und die Siebziger waren an der Zauberwelt spurlos vorbei gegangen. Also versuchte er sein Klischee zu erfüllen und auf intellektuell zu machen. Er war ja eigentlich gar nicht dumm, allerdings, wenn er den Mund aufmachte, klang es genau so. Also behielt er den Mund zu und tat, was man von ihm verlangte. Widerspruch war sinnlos. Er konnte sich nicht durchsetzen, mit Worten nicht und erst recht nicht mit Zaubersprüchen. Er überließ den Anderen das Sagen und nannte es Schicksal. Und die Anderen sagten: ‹Du bist ein schlechter Zauberer, Barry!› bis jeder, einschließlich Barry, es glaubte. Dass er nicht attraktiv war, behielten sie freundlicherweise für sich. Dafür drückte ihm ständig irgendwer rein, dass er zwar in Bezug auf die Narbe und den Namen Ähnlichkeit mit Harry Potter habe; dass sie aber sonst völlig verschieden seien. So war das als Barry Stotter. Keinen Tag länger hielt er das aus. Unter der Matratze im hintersten Winkel seiner Wohn- und Schlafküche zog er einen Lederbeutel hervor und schüttete ihn über das Laken aus. Er zählte und kam auf 183 Goldstücke - 17 zu wenig.

Aber der Geist musste einfach ein einsehen haben. Barry schrieb einen Brief. Darin stand, Barry fühle sich an diesem Dienstag schlecht, was nicht mal gelogen war. Patsy, seine Eule, brachte das Schriftstück nach gutem Zureden zu Johnson. Mit einer Mischung aus Angst vor Zurückweisung und zittriger Vorfreude flog Barry zu einem alten Haus in der James Street, das er bis ganz oben hinauf kletterte.

Sir Andrew schlief niemals. Rastlos schweifte er durch die Wände und Gemächer und sah den Mietern und Untermietern (seinen geliebten Mäusen) beim Leben zu. Dabei kam ihm zugute, dass nur Zaubervolk und Tiere ihn wahrnehmen konnten. Für Muggles existierte er nicht. «Sir Andrew?»

Barry hatte die letzte Stiege zum Dachboden erklommen und die Falltür sachte angehoben. Als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er, dass Sir Andrew nirgends zu sehen war. Er kletterte aus der Luke und richtete sich soweit wie möglich auf. Er schaute in alle Ecken, Sir Andrew war ausgeflogen. «Sir Andr-rr…?»

Barry wurde nervös. Es würde zu seinem Pech passen, wenn Sir Andrew just in dem Moment, da Barry das Geld zusammen hatte, verschwunden wäre und bliebe. Während er das dachte, hörte er ein Stöhnen.
«Sir Andrew?» Und wieder das Stöhnen. Es hörte sich mehr nach einer Frau an.
«Wer stört mich um 8 Uhr 30?»

Harry wusste vor Glück nicht, was er sagen sollte. Eine neblige Gestalt, die von dem Hut und dem Spitzbart her an Shapespeare-Darstellungen erinnerte, dampfte geräuschlos aus den Bodendielen hervor. «Besuch, wie?»
«Entsch … sch …»
«Nicht so schlimm.» Sir Andrew winkte ab. «Sie pimpern jeden Morgen. Immer um 8 Uhr 30. Ist das nicht außergewöhnlich? – Was willst du?»
Stumm reichte Barry ihm seinen Lederbeutel.
«Zeig mir, was drin ist. Ah, du schuldest mir noch Geld, wie?»
«Nein!» Barry schüttelte heftig den Kopf.
«Ah, jetzt weiß ich, ich erinnere mich. Du bist der Stotterheini. Und du hast das Geld, sehr schön. Wirf es dort in die Ecke. Genau, und jetzt ...» Der Geist machte eine Handbewegung, wie wenn er eine Fliege verscheuchen wollte, und sprach: «Simsalabim.» mit ironischer Melodie.

«Was soll das?» empörte sich Barry. «Du wolltest mich vom Stottern befreien! Gib mir mein Geld zurück!»
«Welches Stottern?», entgegnete Sir Andrew, sich seine milchich-durchsichtigen Geisterarme in die Seiten stemmend.
«Na, mein Stottern!»
«Welches Stottern?», wiederholte der Geist und Barry wunderte sich. «Wo ist mein Stottern???»
«Verschwinde jetzt. Hörst du das? Sie kommen zum großen Finale. Also marsch, marsch!»
Barry konnte es nicht glauben. «Aber es hält nicht lange an, oder? Wo ist der Haken?»
«Kein Haken. Bye, bye!» Der Geist versank wieder im Fußboden. «In bestimmten Situationen könnte es Probleme geben, aber ...»
«Warte! Von was für Situationen redest du??»

Barry war allein, in mitten all der Staubflusen und Spinnweben. Unter der Schräge lag sein Lederbeutel, lag umgeben von Schatullen und silbernen Kerzenständern. Barry spielte mit dem Gedanken, sein Gold wieder an sich zu nehmen, unterließ es jedoch. Das Stottern los zu sein, war ihm ein Vermögen wert, und er wollte es auch nie wieder missen. Aber wozu bloß brauchte Sir Andrew solche Reichtümer? Er war doch tot?
«Jeder braucht Geld, auch ein Geist!», schallte es da durchs Gemäuer. Barry zuckte zusammen und machte sich schnellstens aus dem Staub. Auch das Stöhnen verebbte. Stille kehrte ein.

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