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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fortsetzung Hauptschule
Eingestellt am 10. 03. 2002 11:15


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Hauptschule

Die ersten Folgen findet ihr unter Profile


ÔÇ×Ein Anruf f├╝r Frau Tesch? So?ÔÇť die Sekret├Ąrin stellte ihr das Gespr├Ąch durch. Der Meister des Betriebes informierte die Klassenlehrerin ├╝ber das Fehlen zweier Schieblehren und teilte ihr seinen Entschluss mit, nach Absprache mit dem Chef der Firma keine Besichtigungen des Betriebes mehr durchf├╝hren zu lassen.

Das wollte Frau Tesch aber nicht so ungestraft bei ihrer Klasse durchgehen lassen und mit Hilfe ihres Referendares stellte sie Nachforschungen in der Sache an, doch wie ihre Erfahrungen Sie bisher gelehrt hatten, sollte auch diesmal die Suche erfolglos verlaufen. Sie hatte zwar einen Verdacht, konnte ihn jedoch nicht beweisen und wie immer in solchen Angelegenheiten, selbst wenn es jemand wusste, hielten die Hauptsch├╝ler dicht, so dass der ├ťbelt├Ąter nicht erkannt wurde. Das Problem musste der Rektor der Schule l├Âsen, indem er den Geldbetrag f├╝r zwei Schieblehren zur Verf├╝gung stellte und ihn Frau Tesch ├╝berreichte.

So geschah es, dass Frau Tesch einige Stunden am n├Ąchsten Morgen ihrem Referendar ├╝berlie├č und sich auf den Weg in die Firma machte, um dort dem Betriebsmeister den Betrag f├╝r die Schieblehren zu ├╝berreichen. Sie blieb recht lange aus und Andreas fand Gelegenheit sich in mehreren F├Ąchern mit der Klasse zu besch├Ąftigen.

Er mochte sie, diese Bande, so verschieden sie auch waren. Jeder hatte auf seine Art Dreck am Stecken und die, bei denen es den Anschein hatte, dass sie die Bravsten der Klasse waren, waren oft die Allerschlimmsten.

Da war zum Beispiel Markus, dessen Eltern geschieden waren und der immer ├╝ber gen├╝gend Geld verf├╝gte, da er es von jedem Elternteil zugesteckt bekam. Ihn konnte man ganz sicher von der Liste der Verd├Ąchtigen streichen, das stand fest. Markus hatte es nicht leicht in dieser Klasse und wurde nur deshalb anerkannt, weil er st├Ąndig Geld zur Verf├╝gung hatte. Er musste schon immer bezahlen, denn er hielt sich h├Ąufig am schuleigenen Kiosk auf, um sich dort sein Fr├╝hst├╝ck zu holen. Oft jedoch musste er es abliefern und kam gar nicht dazu es selbst zu essen. H├Ąufig zahlte er auch f├╝r andere Zwecke, es gab immer einen Grund ihn zur Kasse zu bitten. Inzwischen brachte er regelm├Ą├čig ein paar Euro mehr mit, damit sein Fahrrad nicht besch├Ądigt wurde; er zahlte regelm├Ą├čig an einen Wolgadeutschen, dessen Br├╝der sich ebenfalls auf dem Schulhof aufhielten und sein Rennrad immer wieder bewundernd anschauten.

Markus hatte es gesehen, dass die Schieblehren in die Tasche von Richard verschwanden, es war der Typ, dem er Geld f├╝r sein Rennrad zahlte, doch er h├╝tete sich dieses zu verraten, denn soviel hatte er in den vergangenen Jahren an dieser Schule gelernt: Petzen wurde schlimmstens bestraft.

Frau Tesch kam nicht nur zur├╝ck von der Firma, nein sie schwebte f├Ârmlich; es entging Andreas nicht und sie konnte es auch nicht lange f├╝r sich behalten, es musste heraus. Unter dem M├Ąntelchen der Verschwiegenheit teilte sie ihm mit, dass Herr Roth ihr die Schieblehre erkl├Ąrt h├Ątte und er doch ein seeeehr netter Mensch w├Ąre. Er pers├Ânlich w├╝rde weiteren Betriebsbesichtigungen durchaus zustimmen und sie solle doch noch einmal vorbeikommen wegen einer Praktikanten-Stelle f├╝r einen ihrer Sch├╝ler f├╝r zwei Wochen im Herbst. Sie konnte es kaum erwarten, bis in der kommenden Woche um die gleiche Zeit der Termin f├╝r sie anstand. Andreas ├╝bernahm gerne wieder ihre Stunden.

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Tagmond
Autorenanw├Ąrter
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Hallo Anemone. Was ist denn eine Schieblehre?

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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hallo Tagmond,

Die Bezeichnung lautet besser: Mess-Schieber, doch da war das Problem mit den drei S und das erforderte: Nachsehn im Duden. Es geht dabei um millimetergenaues Messen von Metallst├╝cken (Mist, den Duden hab ich immer noch nicht gefunden!)

LG
anemone

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anemone
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Fortsetzung

Es war Samstag, als Frau Tesch mit ihrem Ehemann ├╝ber den Tr├Âdelmarkt am Bahnhof lief. Sie suchte nichts Bestimmtes, doch ihr Mann war immer auf der Suche nach alten Autoersatzteilen und auch diesmal wurde er f├╝ndig. Es war das Lenkrad eines alten Opel und gerade so ein Oldtimer stand zur Zeit in der von ihm angemieteten Scheune. Werner Tesch war Automechaniker von Beruf, den er aber nur noch halbtags ausf├╝hrte. Die restliche Zeit des Tages verbrachte er damit, Oldtimer aufzumotzen.

Lange stand Axel Tesch vor dem Stand, um mit dem H├Ąndler ├╝ber den Preis des Lenkrades zu feilschen. Das konnte dauern, Anita Tesch kannte diese Verhandlungen: Weglaufen, wiederkommen, erneut das Teil in die Hand nehmen, um es dann doch nie aus den Augen zu lassen, weil er darin total vernarrt war. Sie lief inzwischen an den Nachbarstand und stutzte. Da lagen unter anderen Teilen auch einige Mess-Schieber herum, die sie magisch anzogen. Sie blickte den Tr├Âdelh├Ąndler an, der ihr Interesse erkannte und pro Teil 5 EURO verlangte. Sie besah sich diese Teile sehr genau und ihr fiel eine kleine Kerbe an der Oberkante des einen Mess-Schiebers auf. Dann suchte sie auf dem ganzen Platz nach einer Person, die ihr bekannt vorkommen sollte, ein Sch├╝ler vielleicht. Dass Richards ├Ąlterer Bruder an dem Stand mit den Schieblehren stand, wusste Frau Tesch nicht und selbst wenn, es interessierte sie nur am Rande. F├╝r sie war die Sache nicht so wichtig, sie freute sich auf Dienstag, wenn Andreas ihre Stunden ├╝bernahm und daf├╝r waren die Schieblehren ├Ąu├čerst interessant.



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anemone
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Fortsetzung

Es n├Ąherte sich der Tag, an dem Anita Tesch sich mit dem Meister in der Firma treffen wollte. Alle Vorbereitungen waren getroffen und Andreas freute sich auf die Englisch- und Deutschstunde, bei der er sie in der Abwesenheit in den letzten beiden Stunden vertreten sollte.

Gerade fand die gro├če Pause an der Schule statt, welche Markus mal wieder dazu veranlasste, sich ein belegtes Br├Âtchen am Kiosk zu kaufen. Im Hintergrund sah er Richards j├╝ngeren Bruder, der ihn nicht aus den Augen lie├č. Richard selbst betrat selbstsicher die Toilettenanlage der Schule. W├Ąhrend er in die Rinne pinkelte, holte er einmal kr├Ąftig aus um den ganzen Dreck aus seinen K├Ârper herauszubef├Ârdern der als gelbe Masse gegen die geflieste Wand geschleudert bzw. gerotzt wurde und in Streifen z├Ąh die Wand abw├Ąrts floss. Er klopfte auf seine Zigarettenschachtel, die er anschlie├čend aber zerdr├╝ckte und in die Ecke bugsierte. ÔÇ×Schei├če!ÔÇť fluchte er laut und trat nochmal gegen die Schachtel.

Inzwischen befand Anita Tesch sich bereits in der Firma. Der Meister studierte diesmal mit ihr den Terminkalender und merkte sich den Termin f├╝r die Praktikumstelle im Herbst vor. Die firmeneigene Kantine mochte er ihr nicht zumuten und schon bald sa├čen sie sich bei einem Kaffee in der N├Ąhe des Betriebes gegen├╝ber und kamen sich recht schnell n├Ąher.


***

Markus stand lange an, denn der Hausmeister bediente diesmal allein am Kiosk und das dauerte. Der Junge war es gewohnt und meckerte nicht, geduldig wartete er in der Reihe, darauf hoffend, dass der j├╝ngere Bruder Richards in der Zwischenzeit verschwand. Er ging allerdings erst, nachdem Richard seinen Posten ├╝bernahm. Zu dumm! Markus schummelte in seiner B├Ârse schon nach ein paar Euros. Diesmal waren sie hartn├Ąckig, er w├╝rde zahlen m├╝ssen.

Doch Markus hatte Gl├╝ck, kaum hielt er sein Br├Âtchen in der Hand, schon ging die Pausenglocke und alle begaben sich wieder in die Klasse. Schnell biss er hinein und kauend betrat er den Klassenraum.

├ärgerlich rempelte Richard ihn in der T├╝re an, ihm fehlte die Pausenzigarette und das machte den Burschen agressiv. Hoffentlich erhielt er bald das Geld f├╝r die Schieblehren von seinem ├Ąlteren Bruder, am Samstag waren sie nicht verkauft worden.

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anemone
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Hauptschule letzter Teil

Richard besah sich aus der letzten Bank Markus, wie er immer wieder heimlich in sein Br├Âtchen biss, w├Ąhrend Andreas versuchte ihnen die neue Rechtschreibreform nahe zu bringen. Er hasste diesen Jungen, der von seiner Mutter total verw├Âhnt wurde und die wegen jeder schlechten Note schon wieder in der Schule erschien, um dort mit der entsprechenden Lehrperson zu diskutieren, da sie sie f├╝r ungerechtfertigt hielt. Nach dem Unterricht wollte er f├╝r ausgleichende Gerechtigkeit sorgen.

Nach der Deutschstunde f├╝hrte Andreas das Kassenbuch f├╝r den Klassenausflug weiter. Es wurde nur schleppend bezahlt. Die wenigsten Jugendlichen hatten den gew├╝nschten Beitrag bei sich. Nur ein geringer Teil von ihnen bekam den Beitrag ├╝berwiesen, zu denen auch Markus geh├Ârte.

Richard zahlte nicht ein und f├╝r ihn fiel der Klassenausflug flach. Andreas betonte nochmal, dass in diesen F├Ąllen das Sozialamt einen Antrag bereithielt, doch Richard winkte ab. Wie seine ├Ąlteren Br├╝der, w├╝rde auch er f├╝r die Tage des Klassenausfluges in einer anderen Klasse am Unterricht teilnehmen m├╝ssen, ebenso wie die drei M├Ądchen, die wegen ihres mohammedanischen Glaubens von ihren Eltern aus nicht teilnehmen durften. Ganz sicher w├╝rde dieser Unterricht von ihm geschw├Ąnzt werden. Richard wohnte im Asylantenheim in der N├Ąhe des Bahnhofs, zu Hause w├╝rde er wie ├╝blich vorgeben in die Schule zu gehen. Es war f├╝r ihn die beste Gelegenheit sich etwas nebenbei zu verdienen und er wusste auch schon wie! Dabei traf sein Blick auf Markus, der endlich sein Br├Âtchen zu Ende gegessen hatte. Sicher musste er jetzt etwas trinken!

Genau so war es. Markus kaufte sich noch bevor er nach Schulschluss den Heimweg antrat, am Kiosk eine Dose Cola. Erstaunt blickte er um sich, er hatte mit Richard und seinen Br├╝dern gerechnet, doch sie waren nicht zu sehn. - Noch besser, - dachte Markus und ÔÇô In 2 Wochen, auf unserem Klassenausflug nach London werde ich sie 5 Tage nicht sehn. ÔÇô

Frau Tesch schien die Reise nach London wenig zu gefallen, sie war mit den Gedanken nicht bei der Sache und h├Ątte Andreas am Liebsten die Klasse ganz ├╝bergeben. Sie sprach davon, seine Selbst├Ąndigkeit testen zu wollen und besch├Ąftigte sich st├Ąndig mit ihrem Handy. Es waren lange 5 Tage f├╝r sie.

Nicht so f├╝r Richard, der sich in Ruhe das Eigenheim vornehmen konnte, in dem Markus zu Hause war. Er wusste, dass seine Mutter ganztags bei der Beh├Ârde besch├Ąftigt war und er hatte wirklich gro├čartige Arbeit geleistet. Seine Br├╝der lobten ihn sehr. Am folgenden Samstag gab es auf dem Tr├Âdelmarkt eine Menge neuer guter Sachen, die f├╝r einen Spottpreis gleich weggingen.

Noch am gleichen Tag kam ein Bus mit Sch├╝lern auf dem Schulhof vorgefahren.

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