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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Fotos
Eingestellt am 13. 07. 2010 22:09


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anbas
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Fotos

Sie beweisen, dass ich dabei war. Fotos, rund zwanzig Jahre alt. Ich habe sie aufgenommen. Doch wo war das damals? Bei welchem Anlass sind die Bilder entstanden? Ach, h├Ątte ich doch au├čer den vagen Monats- und Jahresangaben noch ein paar weitere Informationen auf die Fototasche geschrieben. - Zum Gl├╝ck hebe ich seit vielen Jahren meine Taschenkalender auf. M├╝hsam lassen sich mit ihrer Hilfe die damaligen Ereignisse rekonstruieren. Es war ein Ausflug anl├Ąsslich einer Familienfeier. Ich habe zwar keine Ahnung mehr, wie der Ort hie├č, an dem wir damals waren, oder welchen Namen der damalige Freund meiner Schwester hatte, aber immerhin konnte ich herausfinden, bei welcher Gelegenheit ich diese Fotos gemacht habe. Der Rest m├╝sste sich erfragen lassen.

Dann Aufnahmen von mir aus dieser Zeit. Ich l├Ąchele. Seltsam, meine Mutter sagte immer, ich w├╝rde stets so ernst sein, wenn man mich fotografiert. Diese Fotos sind im Freundeskreis entstanden, nicht bei einem famili├Ąren Zusammentreffen. Ob das etwas zu sagen hat? Heute sind die Chancen jedenfalls recht gut, dass ich auch auf Familienfotos l├Ącheln w├╝rde. - In zwanzig Jahren kann einiges passieren.

Das Ansehen der Fotos ber├╝hrt mich. Ich habe viel fotografiert. Auf fast allen Bildern sind lockere, entspannte und fr├Âhliche Gesichter zu sehen. Klar, wer fotografiert auch schon, wenn gerade der Haussegen schief h├Ąngt. Diese Fotos f├╝r sich allein gesehen verk├╝nden, dass damals alles gut war. Es war alles in Ordnung. Sch├Âne heile Welt.

Ich muss den Klo├č im Hals herunterschlucken. Fotos l├╝gen nicht. Doch sie erz├Ąhlen auch niemals die ganze Wahrheit. - In zwanzig Jahren kann wirklich viel passieren. Wunden heilen, Sichtweisen ├Ąndern sich und lassen die Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen. Doch die harmonischen Familienbilder wecken auch Schatten, die auf keinem der Fotos zu sehen sind.

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 13. 07. 2010 22:09

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Estrella fugaz
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Lieber Andreas,

eigentartig, dass ich gerade heute deinen Text lese, wo ich gestern noch ├╝berlegte, ob ich meinen gro├čen Karton mit den alten Fotoalben aus dem Keller hole. Ich ├Ąrgere mich sehr dar├╝ber, dass ich nur ab und an ein Datum darin notierte. Irgendwie erschreckend ist es auch zu erkennen, wie rasend schnell die Zeit vergangen ist. Wo sind die Jahre nur geblieben?

Du beschreibst genau, was ich auch denke. Es werden Erinnerungen aufgew├╝hlt, nicht nur immer Gute. Die lachenden Gesichter auf den Fotos. Es wurde gefeiert, gelacht, gelebt. Ja, wer fotografiert schon, wenn die Menschen Trauer tragen? Was liegt zwischen den aufgenommenen Fotos? Diese Vergangenheit wird automatisch mit hervorgeholt.

quote:
Ich muss den Klo├č im Hals herunterschlucken. Fotos l├╝gen nicht. Doch sie erz├Ąhlen auch niemals die ganze Wahrheit. - In zwanzig Jahren kann wirklich viel passieren. Wunden heilen, Sichtweisen ├Ąndern sich und lassen die Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen. Doch die harmonischen Familienbilder wecken auch die Schatten, die auf keinem der Fotos zu sehen sind.

Ja, lieber Andreas, das ist der Grund, dass die Fotos bei mir noch einige Zeit im Keller bleiben. Ich danke dir f├╝r deine Gedanken.

Liebe Gr├╝├če,
Karin

__________________
Ich schlie├če meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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Estrella fugaz
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Lieber Andreas,

quote:
Mal sehen, vielleicht schreibe ich mal einen Text ├╝ber die Schatten, schlafende Hunde und Leichen im Keller ...
das w├Ąre doch was.

Mein Bruder schickte mir vorhin ca. 50 alte Fotos per Mail. Ich musste gleich an deine Geschichte denken. Es war ├╝berhaupt nicht schlimm, diese Fotos anzuschauen - ganz im Gegenteil. Demn├Ąchst ist der Keller dran. Einen Hund darf ich allerdings darin nicht finden, weil ich einen Kater habe. Also, nicht vom Alkohol, sondern als Haustier.

Ganz liebe Gr├╝├če,
Karin
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Ralf Langer
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hallo anbas,

sch├Âne gedankeng├Ąnge die du da durcheilst und dabei steinchen wie wegweiser fallen l├Ąsst um aus der blickdichten vergangenheit wieder ins jetzt zur├╝ck zu gelangen.

da f├Ąllt mir ein:

vielleicht ist eine fotographie ( gem├Ąlde aus licht)
diese f├╝r die ewigkeit festgehaltene verg├Ąnglichkeit
etwas das es nicht gebn sollte.

nun ja... die gedanken schwirren umher
auch durch die zeit

gerne gelesesn
ralf
__________________
RL

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Estrella fugaz
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Lieber Andreas,

es ist vollbracht! Fotoalben durchgesehen, 2/3 gleich entsorgt.
Den Rest liebevoll in einen wesentlich kleineren Karton gepackt. Die gro├če ├ťberraschung: Es hat mir so viel Spa├č gemacht, keine Wehmut, keine Trauer. Vielleicht brauchte ich diese lange Anlaufzeit, um in mir und im Keller aufzur├Ąumen?

Andreas, ich danke dir f├╝r diesen Tagebucheintrag!

Ganz herzliche Wochenendgr├╝├če,
Karin
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