Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
220 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Fragil
Eingestellt am 20. 03. 2002 03:16


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
KultUrknall
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 4
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Die Sonne bricht stolz durch die letzten Barrikaden des Winters. Ich renne um schnell wieder zurĂŒck zu sein, habe sogar noch warme Croissants bekommen. Die TĂŒr klemmt ein wenig, wie immer im FrĂŒhling. Ob du noch schlĂ€fst? Es duftet nach gestern, nach Zusammensein, nach dir. Jetzt Kaffee – richtig stark, so wie du ihn magst. Endlich wieder ein Morgen mit Hoffnung, ein Neuanfang vielleicht. Zukunft. Es ist sonderbar warm fĂŒr den MĂ€rz. Der gegerbte Alte von gegenĂŒber sitzt sogar schon auf dem Balkon. Die letzten Monate kamen mir so kalt vor. Eilig suche ich nach der selbstgemachten Marmelade. Eigentlich ein Wunder, dass es uns noch gibt, denke ich. Du bist so stark, viel stĂ€rker als ich. Hast all den Schmerz einfach ertragen. LĂ€sst dich nicht unterkriegen. Rettest mich. Mit dem Tablett schleiche ich zurĂŒck ins Schlafzimmer. Ganz langsam und leise. Der winzige TĂŒrspalt wirft mir zerbrechliche Lichtstrahlen entgegen. Ich denke an Schatzsuche, an eine Truhe, durch dessen Schloss ein goldener Schimmer sticht. Sanft stoße ich die TĂŒr auf, die Luft ist getrĂ€nkt mit dem heimatlichen Duft, den nur ein benutztes Bett verströmen kann. Die zerwĂŒhlten Laken, dein Nachthemd auf dem Boden, mein LĂ€cheln. Du scheinst schon im Bad zu sein, also warte ich. Wir sollten nach all dem Schmerz mal wieder verreisen. Auf andere Gedanken kommen, neue PlĂ€ne schmieden und endlich vergessen. Über dem Kaffee lichtet sich langsam der Dampf, nichts regt sich. Es wird kalt. Ich werde nach dir sehen, klopfe, öffne die TĂŒr. Schließlich sehe ich dich, friedlich in der strahlenden Wanne, die Augen sanft geschlossen. Der Wasserhahn tropft unbeteiligt in die Stille und ohne Hast fĂ€rbt sich das Wasser rot...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Urknall,
wow..also,ich find die kleine Geschichte,die so was von Gehalt hat..wo ich beim zweiten lesen so viel zwischen den Zeilen lesen kann und sie dazu auch noch "Bilder" (und GerĂŒche)liefert..wirklich klasse geschrieben.
Ich kann dazu nichts an VorschlÀgen machen.
FRAGIL..ja,irgendwie passt es..das GlĂŒck ist zerbrechlich..
WĂ€hrend des lesens dachte ich erst an etwas ganz banales.
Das sie fort ist..aber das..wÀre wirklich zu einfach gewesen.
Tja,ich bin begeistert..
lG
Sanne

Bearbeiten/Löschen    


willow
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo KultUrknall...

cooler Name ĂŒbrigens !

Also, ich habe deine Geschichte bereits in Kurzgeschichten gelesen und finde zwar das Überaschungsmoment gelungen... und auch so ist es eine bezaubernde Beschreibung eines wundervollen Morgens, sehr detailreich und wortgewaltig. Gut geschrieben. Umso enttĂ€uschter (entschuldige, aber das trifft es irgendwie) war ich, als ich das Ende las. Nichts deutet vorher darauf hin, es ist wie ein Knall in eine an sich sehr schöne Beschreibung.

Nun mag man ja sagen, dass das doch gerade gut ist. Das sehe ich aber nur bedingt so. Das Ende hebt sich komplett von dem Rest ab... wenn es Mord gewesen wĂ€re, hĂ€tte ich das noch passender gefunden, als Selbstmord, denn der kommt völlig unerwartet und auch unmotiviert herĂŒber (die beiden hatten sich ja auch nicht gestritten, damit es dazu kommt - nichts deutet darauf hin... es tritt ein, völlig unerwartet und vom Rest der Geschichte völlig abgetrennt). Mir fehlt da zumindest ein kleiner Nebensatz, aus dem ersichtlich ist, dass das, was passiert ist, nicht einfach so passiert ist, sondern in gewisser Weise zu erahnen, zu befĂŒrchten war... oder zumindest nachtrĂ€glich einen Sinn macht.

Verstehst du, wie ich das meine?

Lieber Gruß,

willow

Bearbeiten/Löschen    


GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
Kommentare: 1405
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um GabiSils eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo willow,

ist das Ende wirklich so unerwartet?

Daß nicht alles stimmt zwischen den beiden, ist klar ersichtlich: Neuanfang.. nach all den Schmerzen.. endlich vergessen..
Dieses Ende beschreibt sehr treffend das fundamentale Nicht-Verstehen, die Fremdheit, die zwischen ihnen war; wie tief sie verletzt war, hat er wohl nie gesehen, und sie konnte ihm trotz der scheinbaren IntimitĂ€t nicht mehr vertrauen. Die Geschichte beschreibt, wie der Mann fĂŒhlt, und wir sind exakt in seiner Situation, ratlos, fassungslos: was ist schiefgelaufen?

So lese ich es.

Gruß
Gabi

Bearbeiten/Löschen    


Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Willow,
wenn ich K-Urknall mal vorgreifen darf..
GERADE das Ende ist es..sonst wĂ€re fĂŒr MICH diese kleine,gewaltige Geschichte einfach zu banal.(trotz gut beschrieben Momenten)
Es sind doch gerade DIE Menschen,denen man nichts anmerkt..die absolut prÀgnantes tun.
Ich hatte es in der Familie.(Partner einer Cousine)
NIEMALS gedacht,das ausgerechnet ER dies tut..
im Grunde das,was dort passiert ist.
Blöder Vergleich,aber es sind auch gerade die Menschen,die ruhig und still erscheinen..die amok laufen.
Ja,man denkt:WIE kann es angehen..nach so einer schönen Nacht,wo doch alles besiegelt wurde.Der Neubeginn etc..
Und ganz mal was realistisches: Depressionen und andere nervliche Erkrankungen..die zu solch Handlungen fĂŒhren können.Du kannst in die Menschen nicht hinein sehen..
da Àndert sich etwas..von einem Moment zum anderen.
Oder liege ich da völlig falsch mit meiner Meinung?

lG
Sanne

Bearbeiten/Löschen    


willow
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo in die Runde,

hm... ich kann zwar dieser Argumentation folgen, aber ich finde es trotzdem nicht deutlich genug ausgearbeitet... und zwar rein technisch, das hat nichts damit zu tun, Sanne, wie das psychologisch zu bewerten ist.

Also, ich habe es jetzt noch einige Male gelesen und weiß, warum ich das irgendwie als nicht kongruent empfunden habe. Irgendwie ist der innere Monolog ein wenig verschoben. Erst einmal wird nicht deutlich, worum es gegangen ist und weshalb sie sich so tapfer gehalten hatte, um dann, wenn er nach langer Zeit wieder ein wenig Licht am Horizont sieht, ausgerechnet diesen Zeitpunkt zu ergreifen und sich umzubringen. Warum jetzt? (Das gehört meiner Meinung nach rein technisch in die Geschichte.)
Gerade die StÀrke, die er empfunden hat, charakterisiert sie... und zwar völlig falsch. Sicher steht dahinter seine falsche EinschÀtzung, aber das wird meiner Meinung nach nicht deutlich genug.

Lieber Gruß,

willow

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!