Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5684
Themen:   98403
Momentan online:
535 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erotische Geschichten
Franka und Freya
Eingestellt am 27. 09. 2019 19:27


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
CPMan
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2014

Werke: 74
Kommentare: 209
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um CPMan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich kam von der Unibibliothek, es war so gegen ein Uhr am Nachmittag. Es war ein heißer, schwĂŒler Tag, das weiß ich noch. Ich öffnete die TĂŒr zu meinem bescheidenen Studentenzimmer, und ich sah es sofort. Das Blinken. Das Blinken der roten Digitalanzeige meines frisch erworbenen Anrufbeantworters. Die Maschine lag auf dem Boden, weißes Plastik auf grauem Linoleum. Jemand hatte mich angerufen. Eine Nachricht hinterlassen. FĂŒr mich. Ich bĂŒckte mich und drĂŒckte auf den Knopf zum Abspielen.
„Hallo Oscar, hier ist Franka. Ich will gleich ins Freibad und wollte wissen, ob du vielleicht Lust hast, mitzukommen. Ruf mich doch an, ich bin noch bis ein Uhr hier. Vielleicht bis spĂ€ter, ciao.“
Ich verspĂŒrte ein wohliges Kribbeln unter der Haut. Franka. Zweiundzwanzig Jahre alt, dunkelbraunes Haar, ein Gesicht wie Romy Schneider und ein zierlicher, fester Körper. Franka. Ich stellte sie mir im Bikini vor. Dreiecke aus weißem Stoff, zusammengehalten von dĂŒnnen, weißen SchnĂŒren. Franka. Ich stellte mir vor, wie sie auf der Wiese lag. Die HĂ€nde aufgestĂŒtzt, ein Bein angewinkelt, mit Sonnenbrille. Ich stellte mir ihren Jadebusen unter dem Stoff vor, die zarten Knospen darunter. Franka. Ich dachte an ihre feine, samtene Haut, die ich einmal wie zufĂ€llig berĂŒhrt und die mich sofort elektrisiert hatte.

Franka.

Als ich versuchte, zurĂŒck zu rufen, ging niemand dran. Es war zu spĂ€t. Ich war zu spĂ€t.

*

„Das heutige Schönheitsideal ist, vereinfacht formuliert, ein gerader, weißer Strich“, begann Frau Weber. „Dagegen gibt es erst einmal nichts einzuwenden. Die Klarheit, die Strenge, die Ordnung eines weißen Striches...“
Sie machte eine rhetorische Pause und warf einen vielsagenden Blick in die Runde.
„Nun,...wem’s gefĂ€llt. Aber sie sind nicht hier, um Striche auf Papier zu bringen. Was mich und sie hoffentlich auch interessiert, das sind die Kurven, die Formen, die Farben, und ja, auch die BrĂŒche. Das Glatte, das Rauhe, das Schroffe, das Runde und das Zusammenspiel, die Komposition dieser unterschiedlichen Texturen. Die Kunst im Allgemeinen und die Aktmalerei im Besonderen finden das Schöne im vermeintlich HĂ€sslichen, das Spannende im vermeintlich Langweiligen. Man sagt, es gĂ€be nichts Unerotischeres als einen FKK-Strand und meint damit den unverhĂŒllten Körper. Ich aber sage: Jeder Mensch ist schön und wir können diese Schönheit akzentuieren. Wenn wir nur wollen.“

Ich, Johannes und ein anderer, mĂ€nnlicher Kursteilnehmer warfen uns verstohlen ein paar Blicke zu. Nach dieser Einleitung erwarteten wir, ĂŒberspitzt formuliert, wohl alle einen unförmigen, wenig ansehnlichen Körper, den es abzumalen galt. Stattdessen kam aber eine attraktive Mittvierzigerin in den Raum, mit wallenden, schwarzen Locken, einem sinnlich-fĂŒlligen Mund und grĂŒn-braunen Augen. Sie hatte ein leicht maskulines Gesicht mit hohen Wangenknochen und einem ausgeprĂ€gten Kinn. Sie trug einen weißen Bademantel aus Seide und ging erhobenen Hauptes mit eleganten Schritten auf das Podest zu. Als sie dort stand, ging Frau Weber auf sie zu und hob die HĂ€nde. Das Modell nahm ihren Bademantel ab und reichte ihn Frau Weber. Als unsere Lehrerin zur Seite trat, war es, als ginge ein Raunen durch den Raum. In Wirklichkeit aber sagte keiner einen Ton. Es war ein stilles Raunen.

Das Modell stand vor uns, groß und erhaben. Sie blickte zur Seite und nach oben, ihre Arme hingen herunter. Sie hatte leicht muskulöse, lange Beine, ein relativ breites und sehr rundes Becken, eine schmaler werdende, aber nicht unbedingt schmale Taille. Sie hatte eine gerade Schulter und ihre ganze Haut war hell und pigmentfrei. Eine natĂŒrliche Schönheit, wie ich fand. Insgesamt wirkte sie wie eine griechische Göttin, geschaffen dafĂŒr, in Stein oder Marmor gemeißelt zu werden. DarĂŒber hinaus hatte sie einen großen, runden Busen, der in der Mitte zwei perfekt geformte, kleine konzentrische Kreise aufwies. Ein formvollendeter, ĂŒppiger Busen. Aber, und das war der Grund des stillen Raunens: Es war ein einzelner Busen. Ihr fehlte eine Brust.

*

Franka war das Ziel meiner Begierde. Wenn ich in die Übersetzungskurse fĂŒr Spanisch ging, versuchte ich immer, möglichst nah oder direkt neben ihr zu sitzen. GefĂŒhlt trug sie jedes Mal ein neues Outfit und jedes davon beflĂŒgelte meine Phantasie. Franka zeigte immer Haut, nie so viel, dass es billig wirkte, doch immer genug, dass es sexy war. Die Farbtöne ihrer Kleidung waren meist gedeckt. Ein beiger oder schwarzer Rock, der etwas ĂŒber ihren Knien endete, dazu meist ein weißes Top aus gestĂ€rktem Leinen, dĂŒnne TrĂ€ger. Gelegentlich blitzte ihre weiße UnterwĂ€sche hervor.
In der ersten Seminarsitzung hatte ich all meinen Mut zusammen genommen und sie gefragt, ob der Platz neben ihr noch frei wĂ€re. Sie hatte lĂ€chelnd bejaht und dann waren wir zwanglos ins GesprĂ€ch gekommen. Sie roch sehr gut, und ich glaubte, es sei ihr eigener Geruch, kein ParfĂŒm.
WĂ€hrend der Seminarsitzung merkte ich, dass mein Spanisch weit besser war als Ihres. Und sie merkte es ebenso.
„Hey, du kannst ja schon alles“, sagte sie und schaute mich dabei herausfordernd an. Ich errötete leicht, sagte aber nichts.
Am Ende der Seminarsitzung stand sie auf und legte ein weißes Blatt Papier mit einer Nummer auf meinen Platz.
„Ich bin Franka“, sagte sie lĂ€ssig. „Kannst mich gerne mal anrufen.“

Als ich das Seminar verließ, waren meine Beine wie Pudding. Dass ein so hĂŒbsches MĂ€dchen mir von sich aus ihre Nummer gab, das war mir noch nie passiert. Ich fĂŒhlte mich wie Casanova, und fĂŒr den Rest des Tages lief ich ĂŒber den Campus mit der Überzeugung, jede Frau haben zu können.

*

Nach der Sitzung ging ich noch mit Johannes etwas trinken. In der Bar bestellten wir uns beide ein Guinness und rauchten Zigarillos. ZunÀchst sagten wir beide nichts und genossen den Alkohol, den Tabak und die AtmosphÀre.
„Eine schöne Frau“, sagte Johannes schließlich.
Ich nickte.
„Wunderschön!“
„Eine glatte 10“, fuhr er fort und sah mich verschmitzt an. „Minus 1, natĂŒrlich!“
Schweigen.
„Es gibt doch bestimmt Prothesen aus Silikon, oder so“, bemerkte Johannes schließlich.

Ich erwiderte nichts darauf. Ich fĂŒhlte mich seltsam angegriffen durch diesen unbedachten Kommentar. Da war diese wunderschöne Frau und trotzdem dachte Johannes daran, wie man mit dem vermeintlichen Makel umgehen könne. Ich war, im Großen und Ganzen, schlicht irritiert. Ich hatte den Anblick dieser Frau sehr genossen, in ihrem Gesicht, in ihren Augen, hatte ich eine solche weibliche Kraft und Bestimmtheit gesehen, die mir Respekt abnötigten. Sich uns so schutzlos auszuliefern, sich so unseren Blicken auszusetzen und dabei Gefahr zu laufen, auf ein Merkmal reduziert zu werden, das fand ich ungeheuer mutig. Ich war interessiert an dieser Frau, nicht als Hobbymaler, sondern als Mensch und als Mann. Ich erahnte eine spannende, komplizierte Biographie, ein gelebtes Leben, KĂ€mpfe, Siege und ja, auch Niederlagen und BrĂŒche. Aber ich war erfasst vom Anblick dieser Frau, von ihrem schönen, entschlossenen Gesicht, von dieser Energie in ihrem Körper. Und ich trĂ€umte davon, sie zu berĂŒhren.

„Wie viele Sitzungen haben wir pro Modell?“, fragte ich Johannes.
„Ich glaube drei“, meinte er. „Es war von vier Modellen die Rede und von zwölf Sitzungen, macht drei pro Modell“.
„Hmm“, raunte ich selbstvergessen.
Johannes grinste. Es war, als könne er meine Gedanken lesen.
„Sprich sie doch einfach an, wer weiß. Vielleicht freut sie sich. Sie ist vielleicht schon lĂ€nger nicht mehr angesprochen worden.“

Wieder missfiel mir der Ton. Wie Johannes insinuierte, dass sie an ‚Wert’ verloren habe, empfand ich als geschmacklos. Aber insgeheim konnte ich mich Ă€hnlicher Gedanken nicht erwehren. Ich war in die Jahre gekommen, ich hatte eine Scheidung hinter mir und zwei erwachsene Kinder, mein Bauch war nicht mehr flach und stramm. Ich sehnte mich nach einer neuen Beziehung, nach einer Frau, doch immer, so schien es mir, sehnte ich mich nach Tauben auf dem Dach. Den Spatz in der Hand verschmĂ€hte ich.

Aber diese Frau. Dieser Blick. Dieser Stolz. Ich schwor mir am gleichen Abend, sie beim nÀchsten Mal anzusprechen.

*

Franka und ich gingen ins Kino. Memento. Ein genialer Film. Genial, weil er die Geschichte eines Mannes ohne Erinnerung vom Ende her erzĂ€hlt. Franka saß neben mir und stellte mit fortschreitender Zeit mehr und mehr Fragen. Sie verstand den Film nicht. Ich saß da, gebannt von Geschehnissen auf Zelluloid und war zunehmend genervt von ihren Fragen. Irgendwann gab sie auf und langweilte sich sichtlich. Ich war hin- und hergerissen. Film oder Frau?
„Sollen wir gehen?“, fragte ich schließlich, dreißig Minuten vor Ende des Films.
„Ich dachte schon, du fragst nie“, sĂ€uselte sie mir leise ins Ohr.

Wir gingen in eine Bar unweit des Kinos. Es war schon fast Mitternacht, ich bestellte ein Bier, sie einen Aperol Spritz. Wir unterhielten uns oberflĂ€chlich. Sie erzĂ€hlte von ihrem letzten Urlaub, ich von meinem letzten Buch. Fuerteventura und Ars magica von Nereo Riesco. Es kam keine richtige Stimmung auf. Aber Franka machte mir trotzdem schöne Augen. Sie flirtete. Ich ahnte: Es war ihre Standardeinstellung. Aber ich gestand mir die Wahrheit nicht ein. Ich sah ihre vollen Lippen, ihr kastanienbraunes, glĂ€nzendes Haar, ihre großen Augen, ihre glatte, schöne und straffe Haut, und das Verlangen nach BerĂŒhrung brannte in mir.

„Sag mal“, meinte sie schließlich, „wollen wir noch zu mir gehen? Wir könnten noch ein Glas Wein trinken.“
Ich schaute sie an und hatte MĂŒhe, meine Begeisterung zu unterdrĂŒcken. In meiner Wahrnehmung war diese Einladung eine klare Offerte. Ich war mir sicher, es wĂŒrde zumindest auf einen Kuss, vielleicht sogar mehr hinauslaufen.
„Können wir machen“, sagte ich so betont beilĂ€ufig wie möglich. „Ich mĂŒsste aber vorher nochmal auf Klo.“
„Ich warte draußen auf dich“, sagte sie knapp, zahlte unsere GetrĂ€nke und hĂŒpfte vom Hocker. WĂ€hrend sie nach draußen ging, verschanzte ich mich auf der kleinen Toilette. Ich prĂŒfte meinen Atem, inspizierte meine UnterwĂ€sche und zog Kondome aus dem Automaten. Dann fĂŒhlte ich mich bereit und ging hinaus.





Eine halbe Stunde spĂ€ter kamen wir in ihrer Wohnung an. Sie war geschmackvoll eingerichtet, die Möbel ließen ein finanzkrĂ€ftiges Elternhaus vermuten. Franka zog im Flur ihre flachen schwarzen Pumps aus und warf ihren Burberry Trenchcoat ĂŒber einen Stuhl. Erst jetzt, im hellen Licht der Wohnung, sah ich, dass Franka unter dem weißen Spaghetti Top, das sie zum schwarzen Minirock trug, nichts drunter hatte. Ihre kleinen festen BrĂŒste und ihre Nippel zeichneten sich deutlich ab. Ich spĂŒrte, wie mein Körper und Geist auf diese Reize reagierten.

Franka schenkte zwei GlĂ€ser Wein ein und kam dann zu mir aufs Sofa. Sie setzte sich dicht neben mich und reichte mir das Glas. Bei der Übergabe strich sie mir kurz ĂŒber den HandrĂŒcken. HĂ€rchen stellten sich auf, so empfindlich war ich bereits.
Wir tranken schweigend den Wein und ich glaubte, dass sie auf mich wartete. Auf eine Initiative. Aber ich war wie gelĂ€hmt. In mir wĂŒteten Restzweifel, die mir weismachen wollten, dass ich die Signale falsch las. Ich genoss die Stimmung und gleichzeitig fand ich nicht den Mut, das Offensichtliche zu tun.

„Boah, ich bin hundemĂŒde“, sagte Franka nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit.

Ich hatte es verpatzt. FĂŒnfzehn Minuten spĂ€ter stand ich auf der Straße. Ich spĂŒrte meinen Atem und dachte an die ungenutzten Kondome.


*

Bei der zweiten Sitzung war ich sehr nervös. Meine HĂ€nde zitterten, ich konnte den Zeichenstift kaum halten. Als Frau Weber hereinkam und uns begrĂŒĂŸte, dachte ich nur: „Jetzt kommt sie gleich, jetzt kommt sie gleich!“. Frau Weber machte keine großen Worte diesmal, sie wollte wohl lediglich herumgehen, die bisherigen EntwĂŒrfe begutachten und individuell Tipps geben.

„Sind alle soweit?“, fragte sie schließlich. Ein paar Kursteilnehmer nickten, die meisten schwiegen. Die TĂŒr ging auf, und wie in einem Film wurde das Modell vom Sonnenlicht, welches durch die bodentiefen Fenster des Ateliers hereinfiel, angestrahlt. Leuchtend wie ein Engel ohne FlĂŒgel stieg das Modell auf das Podest. Frau Weber ging auf die Frau zu, und das Modell entledigte sich ihres seidenen Bademantels. Die Art, wie die Frau das Textilgewebe von ihren Schultern gleiten ließ, wirkte wie einstudiert. Jede ihrer minimalen Bewegungen war so grazil wie die einer BalletttĂ€nzerin. Die Sehnen ihrer Muskeln strafften die Haut darĂŒber. Sie hatte die perfekte Kontrolle ĂŒber ihren Körper.

Wir begannen zu zeichnen. Die Stille im Atelier war wundervoll. Jeder versuchte so gut es ging, sich aufs Zeichnen zu konzentrieren. Man vernahm vornehmlich das GerĂ€usch von Graphit auf rauem Zeichenpaper. Ab und zu rĂ€usperte sich jemand, oder man hörte das Klacken von Frau Webers Stilettos auf dem StĂ€bchenparkett. Angestrengt hielt ich den Schaft meines Bleistiftes und bemerkte, wie ich bei jedem Blick zu dem Modell verkrampfte. Ich versuchte, mich zu entspannen, aber es gelang mir nicht. Ich wollte, dass unsere Blicke sich begegnen, dass wir uns ĂŒber die Augen austauschten, ich wollte eine minimale, aber spannende Form der Kommunikation etablieren. Als das Modell mich endlich verhalten anschaute, glaubte ich ein Flackern in ihren Augen zu erkennen. Sie hatte mich wahrgenommen, registriert. Ich zwang mich, den Blick nicht abzuwenden, ich versuchte, ihr etwas mitzuteilen. Aber was genau? Bewunderung? Respekt? Interesse? Liebe? Ich ahnte, dass es mit Blicken nicht getan wĂ€re. Ich musste mutiger werden, wenn ich etwas erreichen wollte.

Eine gute Stunde spÀter hatte ich kaum Fortschritte gemacht. Mit meiner Zeichnung und dem Modell war ich nicht weitergekommen.

Es blieb mir nur noch eine Sitzung.


*

Franka und ich telefonierten viel und trafen uns auch gelegentlich. Meistens ging es in ihren Anrufen um Unterrichtsinhalte oder Materialien, die sie nicht verstanden hatte. Ich erklĂ€rte ihr alles, meine Geduld war grenzenlos. Einmal, an einem Abend vor einer Übersetzungsklausur, rief sie mich ganz verzweifelt an.
„Du musst sofort kommen“, hauchte sie am Telefon. „Ich versteh das mit den KonditionalsĂ€tzen ĂŒberhaupt nicht.“
„No problema“, antwortete ich. „Si tienes tiempo esta tarde, te ayudo.“
„Das wĂ€re super“, antwortete sie. „Ich koch uns auch was.“

Ich fuhr an diesem lauen SpĂ€tsommerabend so unbeschwert durch die Straßen der UniversitĂ€tsstadt, dass man den FrĂŒhling in meinen Augen sofort erkannte. Mit meinem Rad fuhr ich Schlangenlinien und pfiff dabei ein Lied. Ich fĂŒhlte mich krĂ€ftig, mĂ€nnlich und fĂŒr die Liebe bereit. Ich war gut trainiert, gesund, trug weiße Sneakers, eine kurze, blaue Stoffhose und ein körperbetontes, rotes T-Shirt.
Als sie die TĂŒr aufmachte, war ich mir sogleich sicher, dass der Anruf nur ein Vorwand gewesen war. Sie trug ein enganliegendes, weißes Kleid, dazu rote Pumps. Sie hatte nur ein weißes Höschen drunter, ihr nackter Busen zeichnete sich deutlich unter dem weißen Leinen ab. An beiden Ohren steckten cremefarbene Kunstharzperlen.
„Sorry“, sagte sie, „ich bin grad erst von einer Vernissage zurĂŒck gekommen. Komm rein, ich hab uns Nudeln gemacht.“

Ich lief hinter ihr in die Wohnung und sah mir ihre kleinen, runden Pobacken an. Sie trug keinen String, das hĂ€tte billig ausgesehen, aber es war trotzdem ein knappes Höschen. Etwas unterhalb ihres knackigen Pos hörte das weiße Kleid auf und gab den Blick auf ihre strammen Oberschenkel und Waden frei. Makellose, junge Beine. Die Muskulatur ihres RĂŒckens war durch das weiße Leinen ihres Kleides gut erkennbar. Man sah, dass sie Sport trieb und auf ihre ErnĂ€hrung achtete. Wir beide, so dachte ich an jenem Abend, stehen in voller BlĂŒte. So schön und stark wie jetzt werden wir nie wieder sein.

Ich setzte mich an den Tisch und schaute ihr beim Hantieren in der KĂŒche zu. Sie entledigte sich grazil ihrer roten Pumps, nahm barfuß den Kochtopf mit den Nudeln vom Herd und stellte ihn auf den Tisch. Sie schmeckte die Tomatensoße in der Pfanne mit Oregano und Basilikum ab und stellte die Pfanne ebenfalls auf den Tisch. Sie schĂŒttete uns zwei GlĂ€ser Rotwein ein und stieß dann mit mir an.
„Auf dich, mein Retter“, sagte sie und ich lachte verlegen.

Wir aßen schweigend und schauten uns schweigend in die Augen. Nach zwanzig Minuten hatten wir aufgegessen. Aber wir waren immer noch hungrig.
„Komm, wir gehen ins Arbeitszimmer“, sagte sie und ich gab nickend mein EinverstĂ€ndnis. Sie ging voran, ich hinterher. Ich merkte den Rotwein und fĂŒhlte den Mut in mir aufkeimen. Als sie sich im Arbeitszimmer vor mir mit den HĂ€nden an ihrem Schreibtisch abstĂŒtzte, umfasste mein linke Hand wie selbstverstĂ€ndlich ihre schmale Taille. Ich schmiegte mich an sie, an ihren RĂŒcken, schob mit meiner rechten Hand ihr langes Haar zur Seite und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Ich spĂŒrte meinen und ihren feuchtwarmen Atem und knabberte sacht an ihrem OhrlĂ€ppchen. Ohne ein Wort zu sagen, drehte sie sich zu mir um und schaute mich an. In ihren Augen sah ich einen Kampf widerstreitender Emotionen: Lust und Angst, Bereitschaft und Aufgabe, Freude und Sorge.

Ich bewegte mein Gesicht auf ihres zu. Ich schloss die Augen und öffnete sacht meinen Mund. Ich spĂŒrte, wie der sĂŒĂŸe Saft ihrer Lippen meine eigenen berĂŒhrte. Ich dachte an Morgentau, der von einer LotusblĂŒte perlt. Mir war wohlig warm und ich drĂŒckte meinen Körper noch nĂ€her an ihren. Es wĂŒrde passieren, dessen war ich mir nun sicher.

Doch dann, recht abrupt, drĂŒckte sie mich von sich weg. Sie schob ihr Kleid, das hochgerutscht war, wieder nach unten. Sie sah mich fast flehend an.
„Es tut mir leid“, sagte sie. „Aber ich muss das morgen packen, sonst kann ich das Staatsexamen knicken.“

Noch heute empfinde ich meine Reaktion als wahre Heldentat. Ich ließ von ihr ab und ĂŒbte mit ihr tatsĂ€chlich noch die KonditionalsĂ€tze. Oder besser gesagt: Ich brachte sie ihr bei. Aber als ich um Mitternacht nach Hause fuhr, wusste ich auch, was ich vor dem Zubettgehen noch tun musste.


*


„Ich bin ĂŒbrigens Freya“, sagte sie im Flur.
Ich fĂŒhlte mich ĂŒberrumpelt, stand verdattert da und brachte keinen Ton heraus.
„Mir sind Ihre persönlichen Blicke bei den letzten Sitzungen nicht entgangen. Ist es echtes Interesse oder nur Schaulust wegen, na, sie wissen schon?“
Johannes, der eben noch neben mir gestanden hatte, war einfach weiter gegangen. Das Modell, Freya, und ich standen allein im Flur vor dem Atelier.

Ich gab mir einen Ruck. Ich war schließlich fĂŒnfzig Jahre alt, sagte ich mir. Ich hatte auch gelebt, Erfahrungen gesammelt und war kein Schuljunge mehr.
„Ich bin Oscar. Und mein Interesse ist genuin“, sagte ich bestimmt. „Echt.“
„Danke, ich weiß, was genuin bedeutet. Gehen wir also was trinken?“
„Sehr gerne.“

Wie selbstverstĂ€ndlich half ich ihr in den Mantel und machte ihr die TĂŒr auf. Wir gingen schweigend hinaus und sie lief zielstrebig voran. Die AtmosphĂ€re war befremdlich, aber nicht unangenehm. Da war eine Spannung, von der ich glaubte, dass ein unachtsames Wort sie zerstören könnte und so sagte ich lieber nichts. Auch Freya schwieg und lief, lĂ€chelte und spazierte. Ab und zu warfen wir uns einen Blick zu, wie ein verschworenes Team, das sich schon ewig kannte. Es war, als wĂŒssten wir alles voneinander, dabei wussten wir nur den Vornamen des jeweils anderen. Aber die Tatsache, dass wir ungefĂ€hr zur selben Generation gehörten, erzeugte, so glaubte ich, eine innige Verbundenheit. Zu wissen, dass Freya die Wiedervereinigung, Kurt Cobain, den elften September oder die Finanzkrise aus einem Ă€hnlichen Blickwinkel erlebt hatte wie ich, genĂŒgte mir um zu denken: Ich bin du und du bist ich.

„Wir sind da“, sagte Freya schließlich und öffnete die TĂŒr zu einer urigen Bar in der Altstadt.
Wir setzten uns in eine schwach beleuchtete Ecke und bestellten zwei GlÀser Rotwein. Als die Kellnerin uns zwei Burgunder aus der CÎte de Nuits brachte, lÀchelten wir uns wieder an und prosteten uns zu. Wir nahmen jeder einen Schluck, setzten die GlÀser ab und hielten uns daran fest.
„Ich glaube, dass es das Beste ist, wenn wir uns nicht mit unseren Biographien belasten“, sagte Freya. „Sagen Sie mir lieber, was Sie an mir finden.“
Ich war ein weiteres Mal verblĂŒfft von ihrer SouverĂ€nitĂ€t. Es wirkte so gelassen und doch so bestimmt und sicher, dass ich gar nicht anders konnte, als mich darauf einzulassen.
„Ich war vom ersten Moment fasziniert“, begann ich zögerlich. „Sie schweben. Sie haben einen Gang, der eine ungeheure Leichtigkeit besitzt. Sie haben Beine, die Weiblichkeit ausstrahlen, ein Becken und eine Taille, die so weich ineinander greifen, dass es schmerzt. Ich mag Ihren formschönen Busen und ich bin wie betĂ€ubt von Ihrem Gesicht. Diese schwarzen Locken, diese grĂŒnbraunen Augen, die mich hypnotisieren und mich meiner Kraft und Konzentration berauben. Ich könnte Sie den ganzen Tag angucken und ich bin froh, dass ich genau das drei Mal tun durfte. Ich schaue Sie an und ich weiß: Ich liebe die Frauen. Ich liebe sie alle.“
Sie lÀchelte mich an.
„Und ich habe Sie gerne gezeichnet“, fĂŒgte ich hinzu.
Sie schwieg. Aber sie strahlte.

Ich hĂ€tte Fragen gehabt. Ich hĂ€tte darĂŒber sprechen können. Fragen, ob es ein Krebs war. Fragen, ob sie ihre Arbeit als Aktmodell als Mutprobe verstand. Fragen, ob sie Kinder, einen Ehemann oder gar eine Freundin hatte. Aber ich verstand wohl, dass Freya genau das nicht wollte. Ich war eine Zufallsbekanntschaft und ich war an ihr interessiert, dessen war sie sich sicher. Und jedes GesprĂ€ch hĂ€tte diesen Zauber, der in dieser Bar zwischen uns entstand, zerstören können. Und ich war schlau und auch alt genug, um mich darauf einzulassen.

„Wir gehen zu mir“, sagte sie keine zwanzig Minuten spĂ€ter. Ich nickte, bezahlte die GetrĂ€nke bei der Kellnerin und half Freya in den Mantel. Als wir vor die TĂŒr traten, war es recht kĂŒhl. Instinktiv hob ich meinen Arm und Freya hakte sich bei mir unter. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu ihr. Durch die körperliche NĂ€he spĂŒrte ich ihre weiblichen Rundungen und passte mich ihrem Bewegungsrhythmus an. Irgendwann jedoch blieb ich einfach stehen, drehte mich zu ihr und kĂŒsste sie auf den Mund. Sie ließ es geschehen. Mehr noch, es schien, als freue sie sich ĂŒber meine Initiative und ĂŒber unser unausgesprochenes VerstĂ€ndnis. Ein schweigsamer, inniger Kuss. Ihre Lippen waren weich und saftig, ihre Augen wach und durchdringend. Als unser Kuss endete, sahen wir uns an. Sahen zueinander durch.

Wir spazierten weiter, zunĂ€chst ohne BerĂŒhrung. Dann sah ich aus den Augenwinkeln, dass sie ihre Hand nach mir ausstreckte. Ich ergriff sie und fĂŒhlte, wie sich ihre warmen Finger um meinen Handballen schlossen. Diese BerĂŒhrung elektrisierte mich und ich war verwundert darĂŒber, welche Kraft doch in so einem eigentlich alltĂ€glichen Kontakt steckte. Welche erotisierende Macht die BerĂŒhrung einer Frau noch ĂŒber mich hatte.

Irgendwann standen wir vor einem Haus.
„Wollen wir?“, fragte Freya.
„Ja“, sagte ich entschlossen.
Sie holte ihren SchlĂŒssel heraus und öffnete mir die TĂŒr.

Ich ging hinein. Sie folgte mir.


*

Zwei Wochen nach unserem letzten Treffen und eine Woche nach der Sache mit dem Anrufbeantworter sah ich Franka wieder. Aber sie sah mich nicht.

Ich war in der Uni-Bibliothek und recherchierte etwas zu Cervantes’ La gitanilla. Ich hatte gerade zwei, drei BĂŒcher SekundĂ€rliteratur zum Thema gefunden und mich an einen Tisch in der NĂ€he der bodentiefen Fenster gesetzt. Von meinem Platz aus konnte man direkt auf die Donau hinunter schauen. Viele Paare gingen dort gerne entlang des Ufers spazieren. Ich weiß nicht, wieso, aber als ich zufĂ€llig aus dem Fenster schaute, fielen mir ein junger Mann und eine junge Frau auf, die sich offenbar stritten. Der junge Mann versuchte, die sich von ihm entfernende Frau mit ein paar schnellen Schritten einzuholen. Als er sie erreicht und zum Umdrehen gezwungen hatte, erkannte ich sie trotz der Entfernung sofort: Franka. Sie schaute den jungen Mann wĂŒtend an und versuchte, ihm ins Gesicht zu schlagen. Er aber hielt ihre Arme fest und drĂŒckte sie an sich. Ein paar umstehende Passanten blieben stehen, offensichtlich in der Annahme, das hier ein Akt der Gewalt bevor stĂŒnde. Aber ein paar Sekunden spĂ€ter war die Aggression aus beiden Akteuren entwichen und sie kĂŒssten sich plötzlich leidenschaftlich. Die umstehenden Passanten gingen beruhigt weiter und ich lachte kurz und heftig auf. So sehr, dass ich fĂŒr einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit aller sich in der Bibliothek befindlichen Leute auf mich zog. Ich machte eine Geste der Entschuldigung und wandte mich wieder den BĂŒchern zu.

Ich merkte sehr bald, dass ich mich nicht auf die LektĂŒre wĂŒrde konzentrieren können. Zu viele Gedanken und Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Wer war der junge Mann? War ich nur benutzt worden? Stritten sie sich wegen mir? Warum hatte sie mir nie von dieser Liaison berichtet?

Als ich mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, machten sich in mir die verschiedensten Empfindungen breit: Wut auf Franka, die mich zum Spielball ihre Liebeleien degradiert hatte, Scham aufgrund meiner NaivitĂ€t, Hass auf alle Frauen und Neid auf Frankas Freund, der sie berĂŒhren, kĂŒssen und womöglich mit ihr schlafen durfte. Ich kam zuhause an und spĂŒrte einen Knoten in meiner Brust, hervorgerufen durch den Cocktail aus giftigen GefĂŒhlen. In meinem Zimmer schmiss ich mich aufs Bett wie ein pubertierender Jugendlicher und weinte und schrie in mein Kissen. Mein Schmerz hielt eine gute Stunde an. Doch dann folgte, völlig unerwartet, eine Katharsis. Ich saß in meinem kleinen Studentenzimmer auf dem Rand des Bettes und verstand, dass Frauen GefĂ€ĂŸe waren. Schlichte, schlechte, schöne, schreckliche GefĂ€ĂŸe, mit und ohne Verzierungen, heil oder kaputt, löchrig oder lĂ€diert und dicht oder durchlĂ€ssig. Das Entscheidende aber war nicht die HĂŒlle, nicht das GefĂ€ĂŸ an sich, sondern der Inhalt. Und Franka, so verstand ich nun, war eine der schönsten Vasen, die ich je gesehen hatte. Allein, es war keine Blume darin, nicht einmal Wasser. Franka war eine schöne, leere Vase.

Von da an reagierte ich nicht mehr auf ihre Anrufe. Wenn ich sie im Seminar sah, grĂŒĂŸte ich höflich und setzte mich an einen anderen Platz. Ihre Blicke erwiderte ich nicht und ich glaube, sie verstand. Und ich verstand, dass ich etwas Entscheidendes ĂŒber Frauen gelernt hatte. Ich hasste Franka nicht, aber ich liebte Franka auch nicht. Ich akzeptierte lediglich ihre und meine Menschlichkeit. Ich wurde angenehm gleichmĂŒtig, was meinen Umgang mit Frauen anging. Ich war weniger verbissen und die Frauen, so glaube ich, spĂŒrten das.


*

Ich hatte noch immer meinen Mantel an, als sie aus dem Bad kam. Wir hatten im Flur begonnen, uns zu kĂŒssen und waren dann kĂŒssend in die Wohnung gegangen. Schritt fĂŒr Schritt, Kuss um Kuss.
„Zieh dich noch einmal aus fĂŒr mich“, sagte ich. „Ich möchte dich noch einmal als Modell sehen.“
Wir waren dann in ihr Schlafzimmer gegangen und sie hatte den seidenen Bademantel aus ihrer Tasche geholt und war in ihrem Bad verschwunden. Ich blieb zurĂŒck und zwang mich dazu, nicht herum zu stöbern oder mich umzuschauen. Meine Neugier galt ihr und ihrem Körper, nicht ihrer Geschichte oder ihrem Hintergrund.

Als sie aus dem Bad kam, reduzierte das Licht aus dem Badezimmer sie zu einer schwarzen Silhouette. Ich erkannte ihren Körper durch den seidenen Bademantel. Nach und nach gewöhnten meine Augen sich an das Licht, und wo eben nur Schemen erkennbar waren, sah ich jetzt klare Formen und Farben. Freya nĂ€herte sich mir langsam, fast zögerlich. Als sie ganz nah bei mir war, nahm ich zuerst ihren Geruch wahr. Ein sanftes Parfum weiblicher WĂ€rme. Ich hob meine HĂ€nde hoch, umfasste mit beiden HandflĂ€chen ihr Gesicht und kĂŒsste sie auf den Mund. Dann öffnete ich ihren seidenen Bademantel und ließ ihn von ihren Schultern gleiten. Ihr ĂŒppiger, formschöner Busen verlangte nach meiner Hand. Ich hielt diese schöne Rundung mit meiner linken Hand und kĂŒsste und sog an ihrem Busen. Dann schaute ich ihr wieder in die Augen, ertastete mit der rechten Hand die flache, leicht vernarbte Stelle daneben, beugte mich hinunter und kĂŒsste Freya auch hier. Es tat meiner Erregung keinen Abbruch. Ich hatte Lust auf Freya und diese Lust schien unbezĂ€hmbar.

Freya begann daraufhin, meinem Mantel auszuziehen und mich nach und nach meiner Sachen zu entledigen. Im Halbdunkel legte sie Schicht um Schicht frei, bis wir nur noch zwei nackte Körper waren, die sich nach Verbindung sehnten. Freyas feuchter Atem, meine fiebrige Stirn, die WĂ€rme unserer sich berĂŒhrenden Fingerspitzen regten unsere Geister an. Die Energie unserer Gedanken, die Hitze unserer Körper, nahmen unserer Begegnung ihre Gewöhnlichkeit und machten sie zu einem spirituellen Erlebnis. Dieses GefĂŒhl, durch das Ertasten der Haut des anderen zu einer neuen Erkenntnis zu gelangen, hatte etwas Mystisches. Mit jeder BerĂŒhrung bekam ich das GefĂŒhl, zu einer neuen Wahrheit zu gelangen. Wir waren GefĂ€ĂŸe, randvoll mit Leben, wir schwappten ĂŒber, und unsere beiden Ströme wuchsen zu einem reißenden Fluss der Leidenschaft heran, der alles mit sich riss, auch und zuallererst den Verstand. Ich dachte nicht mehr nach, ich fĂŒhlte nur noch. Ich fĂŒhlte eine unmenschliche Begierde und vergrub mich in Freyas Körper wie in einer Höhle. Und Freya bot und gab mir alles: Schutz, Liebe, Lust und Leiden. Und ich nahm es alles in mich auf. Gedankenlos.

Als es zu Ende war, lagen wir völlig erschöpft und glĂŒcklich nebeneinander. GefĂŒhlt lagen wir, beseelt vom Sex, ĂŒber eine Stunde nur so da. Draußen wurde es dunkel und die Tagewerker machten den NachtschwĂ€rmern Platz. Ich vernahm die GerĂ€usche der Stadt wie durch Watte.

„Es wird Zeit, dass du gehst“, sagte Freya schließlich.
„Werden wir uns wiedersehen“, fragte ich, hoffnungsvoll.

Aber eigentlich kannte ich die Antwort.









Version vom 27. 09. 2019 19:27
Version vom 29. 09. 2019 10:49
Version vom 02. 10. 2019 21:20

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


CPMan
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2014

Werke: 74
Kommentare: 209
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um CPMan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Ahorn,

vielen Dank fĂŒr deine BeschĂ€ftigung mit meinem Text und fĂŒr deine Bewertung:

quote:
Mit kurzen Worten ohne es negative zu meinen.
»Aufsatz 7. Klasse: Mein schönstes Ferienerlebnis.«
Mir fehlt einfach ein sprachlicher Spannungsbogen – ohne ins schnulzig, schmalzige abzudriften.

Ich wage zu behaupten, ohne einem von ihnen zu nahe treten zu wollen, dass wenige SiebtklĂ€ssler einen solchen Text produzieren können/ wollen. Abgesehen davon fĂ€llt es mir schwer, diesen Kommentar nicht negativ aufzufassen. Ich wollte lediglich eine einfache Sprache benutzen und nur die Liebesszene sprachlich feiner gestalten. Offensichtlich ist die Sprache fĂŒr so manchen Leser zu simpel.

Liebe Silberne Delfine,

auch dir vielen Dank fĂŒrs Lesen, Kommentieren und Bewerten.

quote:
FĂŒr wen sonst?

Diese Stelle soll lediglich die Verwunderung ĂŒber die Möglichkeiten der neuen Technik unterstreichen. Ich persönlich weiß noch, dass ich recht fasziniert von meinem ersten AB war und es auch kaum glauben konnte, dass tatsĂ€chlich jemand eine Nachricht fĂŒr mich hinterlassen hatte. Heute kennt man dieses GefĂŒhl vielleicht, wenn man ĂŒber whatsapp oder FB zum ersten Mal eine Nachricht bekommt. Ältere Menschen versetzt das in Erstaunen.

quote:
Soviel ich weiß, ist der Jadebusen eine Bucht. Dass eine Frau einen Jadebusen haben kann, war mir bisher nicht bekannt. Ich habe auf die Schnelle auch nichts dazu gefunden.

TatsĂ€chlich habe ich dieses Wort als Bezeichnung fĂŒr die weibliche Brust nur einmal gehört: in einer TV-Flirt-Show, lang ist's her. Ohne zu wissen, was es bedeutet, stellte ich mir einen mittelgroßen, schön geformten Busen vor, ich weiß nicht wieso. Beim Schreibprozess habe ich den Begriff ebenfalls recherchiert und auch nichts gefunden, was der hier intendierten Bedeutung entspricht. Ich habe mir auch den Jadebusen zwischen der Unterweser und der Ostfriesischen Halbinsel auf googlemaps angeguckt und fand die geographische Form auch nicht meiner Vorstellung entsprechend. Trotzdem gefĂ€llt mir der Begriff 'Jadebusen' und ich gebe ihn nur ungern auf.

quote:
Insgesamt ist mir nicht klar, was uns die Geschichte sagen will, ich interpretiere es so und hoffe, dass ich mich irre: Junge, hĂŒbsche gesunde Frau hat einen scheiß Charakter und verarscht den Protagonisten. Vermutlich krank gewesene andere Frau mit "Makel" (?) oder nicht mehr perfektem Körper fĂ€llt dem Protagonisten auf, er verliebt sich, traut sich und sie hat natĂŒrlich den besseren Charakter als die andere.

Wir klischeehaft ist das denn?

Ich will dir diese Lesart gar nicht nehmen, ich könnte sogar akzeptieren, wenn jemand diese Geschichte so versteht. Mein Fokus aber ist eigentlich ein anderer und deine Interpretation scheint mir zu pauschal, verkĂŒrzt, ĂŒberspitzt. Meines Erachtens wird Frankas Charakter nicht einfach als 'scheiße' dargestellt, sondern als ambivalent. Sie ist sich ĂŒber ihre GefĂŒhle nicht im Klaren, fĂŒhlt sich vielleicht tatsĂ€chlich zum Ich-ErzĂ€hler hingezogen, ist ihm gegenĂŒber aber unehrlich und verschweigt ihre andere Beziehung. Sie kontaktiert den Ich-ErzĂ€hler hĂ€ufig aus 'beruflichen' GrĂŒnden. Ob diese nur vorgeschoben sind (um Kontakt zu haben) oder das eigentliche Ziel, das wird nie eindeutig klar.

Ich sehe den Fokus hier auf dem mĂ€nnlichen Ich-ErzĂ€hler. Er ist ein oberflĂ€chlicher Typ, achtet zu Studienzeiten nur auf das Aussehen und mag nicht einsehen, dass es mit Franka eigentlich nicht passt, weil sie beide vom Wesen her nicht zusammen passen. Seine Begierde ist rein körperlich und die geistige Verbindung, die fĂŒr die Entstehung von Erotik mindestens genauso, wenn nicht wichtiger als die körperliche Komponente ist, lĂ€sst er außen vor.

Im Alter nimmt man, so glaube ich, nolens volens Abschied von dieser rein Ă€sthetischen Herangehensweise, andere Dinge werden wichtiger. Auch ist in mancherlei Hinsicht die Einstellung zum Sex eine liberalere, freiere. In jungen Jahren musste alles perfekt und romantisch sein, gleichzeitig war man unbeholfen und unerfahren. Im Alter ist man erfahrener, geschickter im Umgang mit dem Körper des anderen Geschlechts und auch die Haltung in Bezug auf das Äußere ist weniger dogmatisch. NatĂŒrlich empfindet nicht jeder so, aber ich persönlich schon, und das habe ich in dieser Geschichte versucht, zum Ausdruck zu bringen. In diesem Sinne empfinde ich die von dir gemachte Interpretation "Junge, schöne Frauen haben einen schlechten Charakter und Ă€ltere, weniger schöne (wobei sie ja umwerfend schön ist) Frauen haben einen tollen Charakter" doch arg simplifiziert und ich finde auch, dass sie, in aller Bescheidenheit, der (vielleicht auch nur intendierten)KomplexitĂ€t des Textes nicht gerecht wird.

Eine Sache noch: Mein erster Text in dieser Rubrik wurde von anderer Seite als 'zu glatt' gescholten. Ich wollte also hier einen Text schreiben, in der eine Frau, die nach klassischer Vorstellung nicht perfekt ist, eine Sinnlichkeit und Erotik ausstrahlt, die einen Mann zutiefst berĂŒhrt.

So viel erstmal von meiner Seite.

LG,

CPMan

Bearbeiten/Löschen    


revilo
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 85
Kommentare: 7560
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um revilo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

eine der besten Geschichten, die ich hier jemals gelesen habe....
__________________
Manch mal weiß ich nicht
ob der Tag anbricht oder
ausbricht (revilo)

Bearbeiten/Löschen    


9 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Erotische Geschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung