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Leselupe.de > Kurzprosa
Frankreich für Deutschsprachige ungeeignet?!
Eingestellt am 30. 10. 2001 14:07


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Botschafter
Wird mal Schriftsteller
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Ich habe nichts gegen Franzosen! Wieso sollte ich etwas gegen sie haben? Ich mag Franzosen. Ihren Wein mag ich. Sie vielleicht etwas weniger, aber ihren Wein mag ich. Natürlich gibt es besseren. Vielleicht ist sogar die Mehrheit besser. Aber es gibt durchaus französische Weine, die ich trinken kann; die mir munden.
Wenn wir schon bei munden sind: haben sie schon mal einer Horde Franzosen bei ihrer Konversation zugehört? Die Sätze melodiegeschwängert, die Gestik schwungvoll wie ein Croissant und die Mimik schlimmer als Knetmasse in Kinderhänden. Es scheint, als könnten sie nicht schlicht sprechen. Nicht der Sinn der Worte steht im Vordergrund - worüber sollte man in einem Land voller Felsen, Stauden und gestopften Entenlebern auch sprechen wollen - die Theatralik ist es, von der die französische Kommunikation lebt.
Zweifelsfrei gehen Franzosen nach langen Diskussionen von einander ohne einen Deut dessen verstanden zu haben, was die Teilnehmenden von sich gegeben haben, bzw. damit aussagen wollten. Trotzdem und natürlich wird während jeder Art von Gespräch wild genickt und überzeugend gestikulierend „Oui Monsieur“ und „Mais non Madame“ gesungen ohne jedoch irgend ein Ziel damit zu verfolgen oder gar sinnvolle Zusammenhänge herstellen zu wollen.
Die letzte Tatsache erstaunt nicht weiter vor dem Hintergrund, dass sinnvolle Zusammenhänge in der französischen Ausdrucksweise mutmasslich für Franzosen und erwiesenermassen für Aussenstehende in keiner Weise erkennbar sind. Zusätzlich belastend wirkt sich für unsereiner dabei die Tatsache aus, dass der Franzose dem Deutschen nur äusserst bescheiden mächtig ist.
Auch auf die Gefahr hin, dass Sie als Leser denken könnten, ich würde mich zu stark ereifern, muss ich doch meiner Bestürzung Ausdruck verleihen, welche ich in Vichy empfand, als ich im Restaurant in meiner Muttersprache eine Bratwurst mit Pommes bestellen wollte und nichts erhielt ausser dahingehende Ausreden, dass die Bedienung kein Deutsch spreche. Ich hätte es ja in der Provinz schon nicht verkraftet, dass ein Land, das bekanntermassen jährlich von Tausenden, ja Millionen von deutschsprachigen Touristen besucht wird, nicht deren Sprache beherrscht, aber in Vichy...! Ich war sprachlos und verliess das Lokal.
Es sollte sich herausstellen, dass wenigstens das Ordern von Bier gelingen sollte, auch wenn es sich dabei um niederländisches Braugut handelte und ich zur Schande aller frankophonen Serviceangestellten nur mit einem profanen „Heineken bitte“ zu meinem ersehnten Bier kam.
Ich schlenderte anschliessend also hungrig und von dem Bier auf nüchternen Magen vorbelastet durch die Stadt Vichy.
Gegen die Sauberkeit kann man ja nichts sagen, aber die Bewohner scheinen einem doch sehr südlich. Einwanderer aus Algerien, Tunesien oder Marokko vermutlich. Schwarze Haare, allesamt. Dazu noch die dunklen Strassen zwischen den grau-schwarzen Bauwerken aus einer Zeit, die auch zu ihrer Zeit nicht die gute alte gewesen sein kann. Man fühlte sich doch unbehaglich. Krampfhaft hielt ich mich an der Tasche meiner Spiegelreflegkamera fest. Man muss diesen Immigranten jedoch zu Gute halten, dass sie in ihrem Konversationsverhalten ihren Gastgebern überlegen sind. In schier bayrischer Manier stehen sie zusammen und lamentieren. Dadurch verängstigt, dass ich nicht verstand, ob dieses Rudel lederner Schnurrbartträger über den heimatlichen Befreiungskampf oder meine Fotoausrüstung konferierte, zog ich es vor, mein Hotel aufzusuchen und mich von da an nach 19 Uhr nur noch dort aufzuhalten. Begünstigt wurde dieser Entschluss durch die Tatsache, dass ich in meinem Zimmer DW-TV empfangen konnte. Was mich hingegen in Rage versetzte, waren die zeitweiligen Sendungen in Englisch und Spanisch (ich hielt es erst für Elsässisch, was ja noch erträglich gewesen wäre). Die Lektüre des Spiegels während diesen „Sendepausen“ hielt mich jedoch davon ab, mich in gebührend ungebührender Manier an der Rezeption über diesen Zustand zu beschweren. Der Ehrlichkeit halber sei ergänzt, dass unter den gesamten Hotelangestellten niemand je etwas von einer anderen Sprache als Französisch gehört zu haben schien und mich auch dieser Umstand dazu bewog, meinen Ärger über das leidliche Fernsehprogramm in heimatlicher Sprache in einem Warsteiner aus der Minibar zu ertränken.
Ansonsten kann ich Ihnen nicht viel über dieses Frankreich erzählen. Am zweiten Tag meines Urlaubs bekam ich Blähungen und litt fortan an unkontrollierbaren Darmentleerungen, welchen ich erst einen Tag vor dem Ende meines Aufenthaltes in Vichy wieder einigermassen zuverlässig Einhalt gebieten konnte.
Das grosse und meine Eindrücke dieses Landes positv prägende Geheimnis Frankreichs ist und bleibt für mich jedoch die Frage, wie es dem Zimmermädchen ohne Wissen um die deutsche Sprache möglich war, meinem Wunsch nach Toilettenpapier Folge zu leisten.

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Rote Socke
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???????

Meinst Du es ernst mit diesem Text oder biste im falschen Forum gelandet????

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Frankreich

hallo Botschafter,
dein Nikname sagt wohl aus, das du um Verständigung bemüht bist.Nur, dir geht es wie den meisten Deutschen: Wieso verstehen die mich nicht? das ist ganz einfach, denn mein Schwager hat es mir jahrelang, in kompletter Bescheidenheit des Franzosen schlechthin, erklärt: Die "Grand Nation" w i l l kein deutsch sp r e c h e n! Die übrige Welt soll gefälligst französich babbeln. Es sprechen nur jene deutsch, die es müssen( Schwager). Auch dem englischen gegenüber ist der Franzose, sofern er sich als Nationalist sieht( in Frankreich sehr erhrenwert), gespalten. ER w i l l auch nicht englisch sprechen. Auch 5o jahre nach dem Krieg gibt es in Frankreich noch viele Vorbehalte gegenüber den Deutschen schlechthin und gegenüber den Engländern( Kolonialzeit vermute ich). Bei deinem nächsten Besuch in diesem wunderschönen und abwechslungsreichen Land, solltest du doch einige Brocken französich können - denn dann steigt automatisch die Achtung vor dem Deutschen. Ehrenwort.
Gruß und fröhliche Fahrtins "Götterland Frankreich"
Sansibar

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Botschafter
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Sansibar, Hallo RoteSocke

Der Erzähler in meiner Geschichte ist meiner Ansicht nach ein intolleranter, rassistischer Arsch.
Ich war tatsächlich vor zwei Wochen in Frankreich. Ich spreche soweit Französich, dass ich alles, für 2 Wochen Ferien Notwenige, zustande bekomme und dazu - mehr schlecht als recht - mit einigen betrunkenen Franzosen über Gott und die Welt palavern kann.
Da ich bisher praktisch ausschliesslich im Sonstiges-Forum gepostet habe, realisierte ich erst nach der Veröffentlichung, dass der Text im Satire-Forum besser aufgehoben gewesen wäre (da hätte sich auch Sockes Frage erübrigt).

Der Text kam eigentlich nur zu Stande, weil ich in meinem Urlaub verschiedene Erlebnisse hatte, die mir den Verdacht nahelegten, dass der Franzose bis über beide Ohren in seine Sprache verliebt sein könnte. Die Hingabe, mit der die Franzosen oft miteinander diskutieren und dabei dem Gesagten mit herzlicher Gestik Nachdruck verleihen, bestärkte mich in diesem Verdacht.
Der Moment, der mich dazu bewegte, diesen "bösen" Text zu schreiben, war der, als ich in einem Supermarkt an der Kasse stand und sich die Dame vor mir in der oben geschildernten Art mit der Kassiererin unterhielt und minutenlang nicht mehr von ihrem Tun ablassen wollte.

@ Sansibar, ich kann dich beruhigen: ich habe Deutschland in Frankreich keine Schande gemacht (noch konnte ich etwas für seine Achtung tun); ich bin Schweizer ;-)

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