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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Franzi
Eingestellt am 25. 10. 2001 21:25


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nannaog
Hobbydichter
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Franzi

Sie stand schon am Eingang und wartete auf mich, die Wangen vor Aufregung gerötet. Es war ihr anzusehen, dass sie sich bemühte ruhig zu bleiben.

Wir gingen schnell in ihr kleines Büro und sie schloss die Tür.
„Ich habe gerade ein Gespräch gehabt.“ Nüchtern kamen die Worte über ihre Lippen und sie schaffte es, leicht zu grinsen.
„Mit wem?“ fragte ich.
„Na mit dem Chef. War komisch, das Gespräch.“
„Wieso komisch?“ Ich runzelte die Stirn.
„Hm, na ja, er meinte, ich käme ihm in letzter Zeit wenig motiviert vor.“
Ich sah sie fragend an: „Wie jetzt, zu wenig motiviert? So lange ist er doch noch gar nicht da.“
„Tja, er meinte, er könnte gar nicht verfolgen, ob ich hier unten meine Arbeit mache, ob ich denn überhaupt fleißig sei.“
„Fleißig“ betonte sie mit einem spöttischen Lächeln.
„Und hat er dich nach Ergebnissen gefragt, gibt es eine Regelung über Feedbacks?“ Ich war mittlerweile schlecht gelaunt.
„Nein. Ich habe ihm auch gesagt, das ich mir hier unten isoliert vorkomme. Das ich das Gefühl hab, ausgeschlossen zu werden.“

Ich nickte. Davon hatte sie in den letzten Wochen mehrmals gesprochen.
Ich dachte an die letzte Dienstberatung, bei der ich dummerweise einen Lachanfall bekam. Seit her ist es ziemlich deutlich zu spüren, das einige mit mir gar nicht zufrieden sind.
„Er weiß auch noch nicht, ob er mich im Januar für das Neue Projekt gebrauchen kann.“
Ich sah meine Kollegin an und sagte: „Da wird doch gequakt.“
„Klar, das wird es.“
„Blöde Weiber“ murmelte ich vor mich hin und sie stimmte mir zu.
„Da brauche ich gar nicht lange überlegen aus welcher Richtung das kommt.“
„Ja, die Woiczak und die Werner.“
Unsere firmeneigenen Drachen. Das erste, was man hier lernt, wenn man als junge Kollegin in die Firma kommt: Die Woiczak und die Werner piesacken dich! Unfreundlich, herablassend, kontrollierend. Und es heißt, sie haben das bisher noch mit jeder gemacht. Junge Männer bleiben natürlich verschont, versteht sich von selbst.
Ich überlegte: „Ja die beiden. Und ich denk noch an jemand anderen. Da bin ich mir aber nicht sicher. Nur ich merk halt auch bei mir in letzter Zeit so einiges.“
„Wen meinst du?“
„Hm, möchte ich nicht sagen.. Es sind nur so Redewendungen, die ich benutzt habe und die plötzlich aus einer ganz anderen Richtung im selben Zusammenhang zurückkommen.“
„Sag schon.“
„Nein, wenn’s stimmt, wäre es für mich ärgerlich.“
„Klara?“
„Ja.“
„Shit, der vertrau ich noch mit das meiste an.“
„Eben. Ich auch.“

Wir standen eine Weile schweigend da

„In Ordnung, ich muss jetzt los. Reden wir morgen weiter?“
„Ja, machen wir, wenn ich dir die Schlüssel bringe. Bis dann.“
„Bis dann.“

Ich hatte Franzi erst in den letzten Wochen besser kennen gelernt und mochte sie.
In der Firma galt sie als unnahbar und ernst. Vor allem Klara hatte mir Franzi so beschrieben.
Tatsächlich verhielt es sich anders: Franzi hielt sich ganz einfach aus vielem raus.

Am nächsten Tag sollte alles ganz anders kommen.
Gegen 10:00 Uhr klingelte das Telefon und ich sah am Display, dass es ein Anruf von Franzi war.
„Grüß dich. Ich muss leider gleich los. Wie machen wir das mit dem Schlüssel?“
Franzi klang bedrückt.
„Was ist denn passiert?“
„Mein Junge ist in der Schule zusammengerutscht und ich fahre jetzt zu ihm in` s Krankenhaus. Die Ärzte wollen eine Gehirnblutung ausschließen.“

Ich war erschrocken. Wenn ´s kommt, dann kommt` s dicke, sagt man. Bei Franzi lief zur Zeit alles schief.
Sie arbeitet allein an ihrem Projekt, drei Stellen sind dafür vorgesehen. Wenn also bei Franzi etwas unvorhergesehenes passiert, gibt es immer Probleme.
Wer soll sie vertreten? Das Büro muss besetzt sein. Gestern habe ich die letzte Stunde übernommen, heute macht es ein Kollege.
Vor ein paar Tagen ging gar nicht´ s mehr: Franzi wurde von einer Wespe gestochen und hatte nun Gelegenheit festzustellen, dass sie darauf allergisch reagiert. Überall bekam sie rote, erhabene Stellen, und die Ärztin war sehr besorgt. Zu sehr, sagt Franzi, Frau Doktor war nicht nur besorgt, sondern nervös.
Nervöse Ärzte sind ungefähr so schlimm wie nervöse Stewardessen.

Meine Zeit in der Firma ist in vier Wochen abgelaufen, der Vertrag endet. Neue Angebote kommen nicht, und ich hab aufgehört zu erzählen, dass ich etwas Neues brauche.
Franzis Vertrag geht noch bis zum nächsten Sommer. Irgendjemanden gefällt diese Vorstellung nicht und versucht, daran etwas zu ändern. Deshalb das Gespräch über Franzis angeblich mangelnde Motivation, obwohl unser Chef erst vor drei Monaten Firma kam.
In den Dienstberatungen beweihräuchert er sich selber, und hat sogar die Stirn den „Oberboss“ bei jeder Gelegenheit schlecht zu machen.
Neue Besen kehren gut? Ich weiß nicht. Was der neue Besen in den drei Monaten nicht regeln konnte, ist die Schuld der anderen, denn er wurde falsch informiert. Ich erinnere mich noch an die erste Dienstberatung mit ihm und seine saloppen Äußerungen und vor allem an den Spruch: „Es hilft keinem zu sagen: ‘Davon wusste ich nichts. Das ist nicht meine Aufgabe.’ So etwas werde ich nicht gelten lassen!“
Ich glaube, er hat von sich gesprochen.

Franzi macht seid etwas über einem Jahr Abendschule, um eine Qualifikation mehr zu haben Nächsten Monat ist die Prüfung vor der Handelskammer. Ihr Projekt gibt es ab Januar nicht mehr und einige Leute aus der Firma wollen augenscheinlich, das es dann auch Franzi nicht mehr gibt.

Es heißt, man sieht sich immer zweimal im Leben. Wer weiß, wo sich Franzis und meine Wege wieder treffen


.




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Frank Zimmermann
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Fragment

Mir gefallen der unvermittelte Einstieg und die Dialogführung ganz gut. Allerdings ist dieser Text keine Kurzgeschichte, sondern nur ein Fragment. Deshalb drängte sich mir am Ende der Lektüre eine Frage auf: was habe ich davon, daß ich das jetzt gelesen habe...?
__________________
fz

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nannaog
Hobbydichter
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stimmt, werde umarbeiten,
danke zum einstieg und dialogführung, da kann ich aufbauen (hoffe, es gelingt)

liebe grüße
nanna

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nannaog,

ich schließe mich der Meinung von fz an. Oder ist es gar ein Auszug aus einer längeren Geschichte? Falls nicht, dann folge einfach den Regeln des guten alten Schulaufsatzes: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Fehlt eigentlich nur noch der Schluss, bzw. der Höhepunkt, eine Message.

Aber lesen lässt sich der Text gut.

Gruss
RS

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nannaog
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Ich hab an dem Text gearbeiten, danke auch an Rote Socke, du hast Recht: Es ist wohl doch eher eine längere Geschichte.


liebe grüße
nana

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