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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Frau Doktor von der Venus
Eingestellt am 14. 01. 2013 14:30


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EviEngel
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Warnung an den Leser

Diese Geschichte enthält ausführliche und detaillierte Schilderungen sexueller Handlungen. Sie sollte nur von Lesern mit gefestigtem Charakter gelesen werden.



Frau Doktor von der Venus





„Frau Doktor?“, meldete sich jemand schüchtern von der Tür ihres Büros her. Sie stand hinter dem Schreibtisch und schaute unbeirrt in die dünnen Hefter auf der sauber aufgeräumten Tischplatte.
„Frau Doktor Kopenhauer-Breuer?“, wiederholte der Rufer von der Tür her etwas lauter.
Die Angesprochene hob das schöne Gesicht und blickte in die Richtung aus der sie die Anrede erreichte. Ihre himmelblauen Augen schauten den ungebetenen Besucher kalt an, ihre Miene brachte zum Ausdruck: 'Wehe, es ist nicht wichtig!'
Das glatt aus dem Gesicht gezerrte Blondhaar, zu einem dicken Dutt im Nacken zusammengefasst, unterstrich die Strenge ihres Ausdrucks, den eine randlose Brille noch verstärkte.
Der Besucher, ein großer Mann Mitte Vierzig in grauem Kittel, sprach in ängstlichem Ton, er schien eine heftige Reaktion zu befürchten:
„Die Anlage Drei ist ausgefallen.“
Dr. Sabine Kopenhauer-Breuer löste ihre Gedanken von dem Inhalt der Ordner und fragte scharf:
„Wie ausgefallen? Was bedeutet das?“
„Sie steht. Zwei Walzen sind verschlissen, sie blockieren“, erklärte der Mann im Kittel schüchtern.
„Dann erneuern Sie sie. Worauf warten Sie? Rufen Sie den Reparaturtrupp. Wir können uns keine Verzögerung leisten.“
„Kroll, der leitende Ingenieur des Reparaturtrupps, hat nicht genügend Männer. Vor Dienstag nächster Woche schafft er es nicht, sagt er.“
„Was?“, fragte Dr. Kopenhauer-Breuer ungläubig. Sie schaltete auf ihre übliche Art, schnell, konsequent, logisch.
„Gehen Sie bitte zu Ihrer Anlage zurück, wir treffen uns dort in fünf Minuten.“
„Jawoll Chef“, antwortete der Besucher.
Sie wählte die Nummer des Leitenden Ingenieurs der Reparaturkolonne.
„Kroll, was muss ich hören? Die Anlage Drei steht und Sie bekommen sie nicht repariert?“
Sie lauschte in den Hörer hinein.
„Wissen Sie, Herr Kroll, was ich gerade verstanden habe? Ich habe verstanden, dass Sie nicht in der Lage sind, Ihrer Aufgabe hier im Betrieb gerecht zu werden und wollen mir erzählen, dass sich daran nichts ändern ließe. Habe ich das so richtig verstanden?“
Sie lauschte ganz kurz und sprach barsch und betont:
„Die komplette Anrede für Sie lautet: Frau Doktor Kopenhauer-Breuer, so viel Zeit muss sein, Herr Kroll. Wir treffen uns in drei Minuten bei der Anlage.“
Mit der ihr eigenen Dynamik nahm sie den weißen Helm von der Ablage und schritt elastisch und sehr sicher, trotz der hohen Absätze, schnell und zielstrebig in die Produktionshalle.
Sie traf dort ihren Besucher, den Anlagenführer Werner Hartmann und Kroll, den Ingenieur, der den Reparaturtrupp leitete. Ein Endfünfziger, dem es Freude zu bereiten schien, der jungen Betriebsleiterin einen Stein in den Weg legen zu können.
„Tja“, sagte er und deutete auf einen Teil der riesigen Anlage, „verschlissen. Die Walzen müssen gedreht und dann neu eingepasst werden, das dauert. Vor Dienstag auf keinen Fall, auf garkeinen Fall“, betonte er und schaute die kleine Frau kalt an. Er zählte an den Fingern seine Probleme auf: „Ich habe zwei Mann krank, zwei Mann in Urlaub und eine weitere Stelle wollen Sie mir nicht bewilligen. Das haben Sie jetzt davon. Tja, wenn man am verkehrten Ende spart, Frau Kopenhauer.“
„Doktor Kopenhauer-Breuer, Herr Kroll. Ich sage Ihnen das jetzt zum letzten Mal!“
Sabines Mutter hatte ihr in den wenigen Momenten, in denen sie nicht alkoholisiert war immer und immer wieder eingebläut:
„Schätzchen, du bist klein, blond und hübsch. Wenn du willst, dass sie dich wegen deiner Intelligenz schätzen und entsprechend bezahlen, dann musst du an dir arbeiten. Ein Doktortitel wäre ideal, dann werden sie dir zuhören. Anderenfalls kochst du Kaffee, erledigst Schreibarbeiten und dann endest du so wie ich.“
Die Worte hatte sie damals beherzigt, vor allem nach dem Tod der Mutter, als Vermächtnis sozusagen, und sie hatten sich beruflich als richtig herausgestellt. Sie hatte sich, um die Distanz zu ihren Mitarbeitern zu betonen, zusätzlich zu dem Doktortitel einen Doppelnamen zugelegt, indem sie den Mädchennamen ihrer Mutter dem Familiennamen vorangestellt hatte.
Die Mühe die es gekostet hatte dort hin zu kommen wo sie jetzt war, ließ sie nicht einfach unter den Tisch fallen, und sie ließ sich auch nicht von diesem faulen alten Sack dominieren.
Sie wirkte klein in dem hellgrauen Kostüm und der weißen Bluse. Trotz der hohen Hacken überragten sie die beiden Männer deutlich. Hinzu kam ihre Jugend, sie hatte gerade ihren sechsundzwanzigsten Geburtstag gefeiert. Es war schwierig für sie, sich gegen die gestandenen und erfahrenen Männer durchzusetzen.
„Hartmann, was sagen Sie dazu?“, der Mann machte den Anschein, als wäre er mit Krolls Darstellung des Problems nicht ganz einverstanden.
„Nun, wenn Sie mich fragen“, antwortete Hartmann eifrig. Er vermied es, bei seiner Rede Krolls Blick zu begegnen.
„Wir könnten den ersten Walzenblock an die Stelle des defekten fünften bauen. An dem Fünften ist die Abstands-Walze noch tadellos in Ordnung, die könnten wir als tragende Walze auf der Position eins benutzen. Der erste Block wird lange nicht so stark beansprucht wie der fünfte. Die einzelne Walze müsste laufend gekühlt werden, aber das bekommen wir schon hin. Damit könnten wir jedenfalls weiterarbeiten, bis die Dreherei die neuen Walzen liefert.“
„Das steht aber so nicht im Handbuch!“, wandte Kroll aufgeregt ein. Er erntete einen strafenden Blick seitens der Betriebsleiterin.
„Sind die Walzen kompatibel?“, fragte sie Hartmann.
„Jawohl, die Walzen der Anlagen eins bis drei sind exakt baugleich.“
„Verschleißen die öfter?“, fragte Sabine nach.
„Nein“, antwortete Kroll schnell, Hartmann widersprach: „Alle drei Monate haben wir das Palaver und dann dauert es ewig, bis die Teile gefertigt sind und dann dauert es nochmal, bis die neuen Walzen eingebaut sind. Man könnte ...“, er schwieg, weil Kroll ihn strafend anblickte.
„Sie sind doch ebenfalls Maschinenbauingenieur“, bemerkte Sabine zu Hartmann ohne Kroll mit einzubeziehen, „Sie kennen sich mit der Anlage jedenfalls gut aus. Haben Sie Männer in Ihrer Truppe, mit denen Sie die Reparatur durchführen können?“
„Also das ist doch … “, knirschte Kroll. Er trat deutlich arrogant auf, „Es kann doch kein simpler Anlagenführer Reparaturen durchführen!“
„Was heißt hier 'simpler Anlagenführer'? Ich bin genauso Ingenieur wie Sie, mein Herr!“, erwiderte Hartmann so heftig, dass es klar war, dass es zwischen den beiden gärte. Hartmann schaute bei den Worten Kroll aggressiv an, als wäre er dessen Gängelei gründlich satt.
Sabine war nicht bereit, sich von dem selbstherrlichen alten Mann auf der Nase herumtanzen zu lassen, außerdem musste der Auftrag ausgeführt werden. Terminsachen hießen Terminsachen, weil sie zu einem bestimmten Termin fertiggestellt sein mussten. Da gab es für sie keine Kompromisse.
„Wir machen Folgendes, Hartmann, sie beginnen gleich mit dem Umbau, so wie Sie es vorgeschlagen haben.“
„Da übernehme ich aber keine Garantie, das steht so nicht in dem Handbuch!“, wandte Kroll heftig ein.
„Und Sie“, wandte sie sich an den Leiter der Reparaturabteilung. Sie überlegte es sich anders, wollte den alten Mann nicht vor aller Augen und Ohren zusammenfalten.
Kroll hielt ihr Zögern offensichtlich für Schwäche und fragte süffisant und schadenfroh:
„Ja?“
„Kommen Sie mal mit!“, befahl sie und stöckelte voran. Ihre schlanke und elastische Figur unter dem engen Rock bot einen reizvollen Anblick, den Kroll dem Anschein nach gerne genoss, er schien sich nach wie vor im Aufwind zu wähnen. Durch einen Pfeiler der Deckenkonstruktion gegen Blicke geschützt drehte sie sich zu dem grinsenden alten Mann um.
„Wieviele der Walzen haben Sie auf Vorrat?“
„Was meinen Sie?“, fragte er verblüfft.
„Es handelt sich offensichtlich um ein Verschleißteil, das an drei Anlagen regelmäßig für Ausfälle sorgt. Wie viele dieser Walzen haben Sie auf Vorrat?“
„Na, davon steht aber nichts im Handbuch!“, meinte Kroll.
„Von wem stammt das Handbuch? Vom Hersteller oder von uns?“
Kroll griente verächtlich:
„Die Anlagen haben wir selbst gebaut, wussten Sie das nicht?“
Der leise Ton, in dem sie weiter sprach, musste ihn befürchten lassen, dass sie sehr wohl darüber Bescheid wusste.
„Wer hat das Handbuch geschrieben?“, sie wusste, dass Kroll selbst an dem Handbuch mitgearbeitet hatte.
„Das hat jetzt nichts zu sagen“, lenkte er ab, „Jedenfalls werde ich die Geschäftsleitung informieren, mit welchen riskanten Manövern Sie den Maschinenpark ruinieren.“
„Ich gehe noch weiter, Herr Kroll: Sie werden sofort und umgehend alle anwesenden Leute aus Ihrem Trupp an die Anlage Hartmann beordern. Sie werden sich selbst in die Dreherei begeben und dort die Walzen bestellen und, wenn sie können, dort mithelfen sie zu fertigen. Haben wir uns verstanden?“
Kroll schwieg beleidigt.
„Ob wir uns verstanden haben?“, fragte die kleine Blondine nach. Ihre Augen schienen nicht mehr himmel- sondern eher stahlblau, die Wut ließ die kleine Person größer erscheinen als sie war.
Kroll kuschte, ihm schien unbehaglich zu sein.
Er ging ein paar Schritte, wandte sich um und sagte:
„Aber zuerst gehe ich zur Geschäftsleitung und mache dort meine Mitteilung.“
„Kroll!“, rief sie ihm nach. Genervt wendete er sich um und hob fragend eine Augenbraue. Sie sagte nichts, sondern wartete darauf, dass er zu ihr zurückkehrte. Er pustete unwillig und ging die Schritte auf sie zu.
„Kroll, wenn Sie nicht auf der Stelle in die Dreherei gehen, die Walzen fertigstellen und sie in Anlage Drei abliefern, dann können Sie sich bei der Geschäftsleitung gleich Ihre Papiere abholen.“
Kroll schwenkte genervt den Kopf und sprach in aggressivem Ton:
„Es ist Freitag, wir haben dreizehn Uhr, ich muss Wochenberichte schreiben und die Arbeit für Montag einteilen, um vierzehn Uhr ist in der Produktion Schicht. Zumindest das sollten Sie bis jetzt mitbekommen haben.“
„Herr Kroll, wir haben Terminarbeit, die bis Montag beim Kunden sein muss. Dazu muss sie versandfertig verpackt bis spätestens Sonntag Abend auf der Laderampe stehen.
Vorher gibt es für Sie keinen Feierabend und kein Wochenende. Habe ich das für Sie klar ausgedrückt?“
Sie hatte sich in Rage geredet.
„Noch etwas, Kroll.
Wieso liegen keine fertigen Walzen als Ersatzteil bei den Anlagen, in denen sie gebraucht werden? Wieso sind keine kompletten Walzenblöcke vormontiert und könnten mit wenig Zeitverzug erneuert werden? Wieso sind die Anlagen-Mitarbeiter nicht darin geschult, ihre Maschinen selbst zu warten und zu reparieren?
Ich will von Ihnen dafür plausible Erklärungen haben, bevor Sie in den Feierabend gehen.
Nun keine weiteren Verzögerungen mehr, rasch an die Arbeit.“
Was Kroll nicht ahnte war, dass die Frau Doktor an der Fernuni Maschinenbau studierte. Sie saß bereits an der Diplom-Arbeit und hatte den Doktor-Titel auch in diesem Bereich fest im Visier. Sie war nicht gewillt, sich von den alten Hasen vorführen zu lassen und dazu brauchte sie Fachwissen und Titel.
Sie ging zu Hartmann zurück, der mit seinen Männern emsig bei der Arbeit war. Er machte ihr sofort, fast militärisch, Meldung:
„Ich rechne damit, Frau Doktor, dass wir in fünfundzwanzig Minuten wieder einsatzbereit sind. Wir können bis sechzehn Uhr etwa mit dem Auftrag fertig sein.“
„Wunderbar Herr Hartmann, sehr gute Arbeit, halten Sie mich bitte auf dem Laufenden.“
„Sehr wohl Frau Doktor“, sprach er eifrig und blickte ihr beinahe ehrfürchtig nach.



Sabine unterrichtete die Geschäftsleitung von dem Problem und wie sie es gelöst hatte, der Chef bat sie zu sich hinauf.
„Kroll hat sich beschwert“, hob der oberste Boss an, als sie auf der Sitzgruppe im Büro Platz genommen hatten.
„Der hat Nerven“, erwiderte Sabine kopfschüttelnd, „Ich habe ausdrücklich angeordnet, dass er zuerst die Arbeit zu erledigen hat und dann alles Weitere unternehmen kann, ansonsten könne er sich die Papiere abholen.“
Der Chef schmunzelte.
„Sie gehen aber ran, Frau Doktor. Wissen Sie, dass Kroll der Schwager meiner Frau ist?“
Sabine bekam umgehend rote Wangen, es sah auf den ersten Blick so aus, als sei es Verlegenheit, die ihren Teint veränderte, es war jedoch Zorn, der ihr Gesicht färbte.
„Natürlich weiß ich, dass Sie verwandt sind, Herr Voss. Jedoch bin ich mir sicher, dass Sie mich nicht zum Erhalt der bestehenden Seilschaften hergeholt haben. Wenn Kroll nicht spurt, bekommt er genau so den Wind von vorne wie jeder andere auch.“
Voss schmunzelte. Er hob die Hände und sagte:
„Ziehen Sie bitte Ihre Krallen wieder ein, Frau Doktor. Ich bin es, der Vorstandsvorsitzende, ihr Chef. Bitte werfen Sie mich nicht hinaus!“
Sabine schaute eine kurze Zeit immer noch streng, entspannte sich dann sichtlich und lächelte.
„Sie sehen bezaubernd aus“, bemerkte Voss. Er faltete die Hände so dass sie ein Dach bildeten, schaute sie nachdenklich darüber hinweg an und tippte mit den Fingerspitzen gegen die Lippen.
„Ganz im Ernst, Frau Doktor, ich war der Meinung, dass wir für die Aufgaben, die wir von Ihnen erwarten, einen Mann brauchen, einen, der weiß wovon er spricht. Wie Sie Ihre Aufgaben angehen, begeistert mich.
Weiter so.“
Sabine fühlte sich entlassen.
Voss war jedoch noch nicht fertig.
„Die Idee, den Reparaturtrupp als Unterstützung der Anlagenmannschaft im Falle von Reparaturen einzusetzen ist ganz großartig. Bitte arbeiten Sie die Idee aus und legen sie auf alle Abteilungen um.“
Er blickte auf ihre Brust.
„'Schnelle Eingreiftruppe' hieß das beim Bund“, erzählte er der Brust, „wann können Sie den Plan fertig haben?“
„Am Montagmorgen weiß ich mehr“, erwiderte die Betriebsleiterin kurz entschlossen.
„Wann werden Sie heute fertig werden?“, in Voss' Stimme schwang ein wenig Mitgefühl.
„Ich nehme an, dass wir bis siebzehn Uhr den Auftrag verpackt und abholbereit auf der Verladerampe stehen haben.
Übrigens, dank Hartmann. Der hatte die Umbauideen und hat die Anlage repariert. Ich möchte ihm und seiner Mannschaft eine Gratifikation zukommen lassen. Es sollen alle wissen, dass sich Ideen, die dem Betrieb helfen, für alle Betriebsangehörigen lohnen.“
„Mann, Sie gehen aber ran, Frau Doktor. Was stellen Sie sich vor?“
„Ich dachte an einhundert Euro für Hartmann und fünfzig für jeden Mann an der Anlage.“
„Sehr gut Frau Doktor, dann frisch ran ans Werk!“
Im Hinausgehen rief er sie zurück.
„Frau Doktor.“
Sie dachte 'Oh-oh, nun kommt das dicke Ende!'. Mit dieser Einschätzung lag sie jedoch falsch.
„Wenn Sie meinen, Frau Doktor“, ermächtigte der Generaldirektor sie, „wenn Sie meinen, dass es für den Betrieb vorteilhaft ist, Kroll hinauszuwerfen, dann nur zu. Der Mann geht mir seit fast dreißig Jahren auf die Nerven.“
Sie lächelte schmal, dachte einen Moment nach und erwiderte dann:
„Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Ich bin eine Gegnerin der hire-and-fire-Mentalität. Wahrscheinlich würde es ihm bereits ausreichend helfen, die richtige Einstellung zu finden, wenn wir ihm eine Abmahnung senden. Einverstanden?“
Voss lachte kurz und zitierte sie:
„'... ausreichend helfen, die richtige Einstellung zu finden'? Schnuckelig formuliert. Aber einverstanden. Entwerfen Sie die Mahnung und mailen sie sie mir zu. Ich lasse sie schreiben und dem Schwippschwager zustellen.
Freue mich schon auf das Gesicht.“
Um sechzehn Uhr dreißig klopfte es zaghaft an Sabines Bürotür. Hartmann trat ein, eine Hand trug er in einem frisch aussehenden Verband eingewickelt.
„Alles fertig, Chefin, der Auftrag steht verpackt auf der Laderampe, die Spedition kommt gerade auf den Hof gefahren.“
„Wunderbar, Hartmann, wunderbar. Sehr gute Arbeit. Was haben Sie mit Ihrer Hand angestellt?“
„Halb so schlimm. Die einzelne Walze zu kühlen war anspruchsvoller als gedacht.“
„Haben Sie das selbst erledigt?“
„Man kann fairerweise keine Aufgabe delegieren, die man nicht bereit ist, selbst anzupacken.“
„Aller Ehren wert, Herr Hartmann. Ich darf Ihnen vom obersten Boss ein Lob für Ihren Einsatz und ihre Idee aussprechen. Sie und Ihre Mannschaft erhalten eine Gratifikation von der Geschäftsleitung. Bitte schreiben Sie mir deren Namen auf, ich gebe sie an die Personalabteilung weiter.“
Mit stolzgeschwellter Brust und glücklich lächelnd verließ der gestandene Familienvater nach einem zackigen „Danke, Chefin!“ das Büro seiner jungen Vorgesetzten.

Um Achtzehn Uhr betrat Sabine das Laufband des Fitnesscenters und lief volle sechzig Minuten im Tempo von fünf Minuten für einen Kilometer, so wie jeden Tag. Sie zog viele Blicke auf sich, die blonde, strenge Schönheit. Als sie ihren Cool-Downer am Tresen zu sich nahm, saß sie isoliert allein da, so, wie jeden Tag. Denn hier war sie ebenfalls die 'Frau Doktor Kopenhauer-Breuer'. Die distanzierenden Teile ihrer Anrede wirkten hier womöglich noch stärker als im Betrieb. Im Nachhinein stellte es sich als Nachteil heraus, sich im Fitness-Center mit vollem Namen und Titel eingetragen zu haben. Sie war davon ausgegangen, dass sie hier Kollegen treffen würde. Das war allerdings ein Trugschluss.
Um einundzwanzig Uhr hatte sie eine Tasche gepackt, verließ die Wohnung nach zwei Stunden Fernstudium und einem mini-Abendbrot bestehend aus einem halben Apfel, setzte sich in das Auto und fuhr davon.
Kurze Zeit später saß Sabine Breuer in der fremden Stadt im Speiseraum des besten Hotels am Platz und verspeiste ein leichtes Abendessen. Sie trug ein beeindruckendes rotes Kleid, die Haare offen und keine Brille. Sie sah extrem jung und extrem schön aus. Die Frau Doktor mit dem komplizierten Doppelnamen und der abschreckenden Strenge hatte sie in der Heimatstadt gelassen.
Nach dem Essen ließ sie sich von einem Taxi zu einer ihr bekannten Disco bringen.
Bei dem sechzig-Stunden-Job, dem Fernstudium und dem Muss, ihre Tageserlebnisse beim Lauftraining zu verarbeiten, blieb keine Zeit für Beziehungen.
Hinzu kamen, wie sie aus eigener Ansicht aus Kindheit und Jugend ausreichend erfahre hatte, beständiger Stress und extremer Zeitaufwand, sobald man sich mit einem Mann näher einließ. Da sie Bedürfnisse hatte wie jeder Mensch, sich jedoch nicht festlegen wollte, besuchte sie alle paar Wochen diese Disco in der heimatfernen Großstadt und fahndete dort in der Anonymität nach Zuwendung, Abwechslung und Zufriedenheit. Bisher hatte sich immer etwas ergeben und manchmal war es auch richtig nett.
An dem Tag wartete sie lange, bis sie jemand beim Tanzen ansprach. Der Mann war sicher zehn Jahre älter als sie, jedoch sah er gut aus und machte einen drahtigen Eindruck. Sie verlor sich in dessen braunen Augen und ging mit zu ihm.
Dort erlebte sie eine unangenehme Überraschung, denn der Mann stellte sich als gwakttätig heraus, der sie zwingen wollte etwas zu tun, was sie nicht tun wollte. Dank ihres Lauftrainings konnte sie dem Mann leicht entkommen. Sie vervollständigte, versteckt hinter einem Gebüsch, ihre Kleidung, während sie auf das Taxi wartete und fuhr zum Hotel zurück.
Der Abend war gründlich verdorben, sie nahm für einen Absacker in der Hotelbar Platz.
Der Mann vom Barhocker neben ihr sprach sie an.
Er hatte ein angenehmes Äußeres, trug Anzug und Krawatte und besaß offensichtlich gute Manieren. Sie plauderten nett miteinander und sie freundete sich bereits mit dem Gedanken an, mit dem Mann aufs Zimmer zu gehen, da tauchte eine adrette Blondine in ihrem Alter auf, stellte sich zwischen sie und den Verehrer und sprach:
„Entschuldige, Schwester, aber das ist meiner“, hakte sich bei dem Mann unter und beide verließen die Bar. Am Ausgang drehte er sich noch einmal um und zuckte um Verzeihung bittend mit der Schulter.
Frustriert ging sie zu Bett.
Den nächsten Tag verbrachte sie in der Stadt, bummelte durch die belebten Straßen, erledigte einige Einkäufe, ging unter die Sonnenbank und zum Friseur. Nach dem Abendbrot im Hotel machte sie sich wieder in dieDico auf, um ein Abenteuer zu finden.
Dieses Mal ging es relativ zügig jemanden kennen zu lernen. Durch die Erfahrung vom Vortag geläutert fragte sie den jungen Mann ausführlich über seine Neigungen aus, bevor sie in sein Auto stieg.
Dann wurde es ganz nett, er war witzig und unterhaltsam, sah ganz gut aus, hörte die gleiche Musik wie sie und besaß gar ein Bücherregal. Im Bett ging es freundlich und stilvoll zur Sache. Als er sich letztendlich bei ihr einschob, hatte sie das Gefühl, glücklich werden zu können. Allerdings war es schneller vorüber, als sie etwas zu spüren in der Lage gewesen wäre. Der junge Mann war entsetzt, hielt sich ein Kissen vor die Mitte und rannte davon.
Sie konnte ihn nicht davon überzeugen, aus dem Bad herauszukommen und einen zweiten Anlauf zu starten. Sie wusch sich an der Küchenzeile des Ein-Raum-Appartments und saß kurze Zeit später erneut frustriert an der Hotelbar. Ihren Bekannten von gestern sah sie beim Hereinkommen mit einer Brünetten im Aufzug verschwinden.

Am nächsten Morgen, dem Sonntag, saß der Mann allein im Frühstücksraum. Die Neugier trieb sie, ihn zu fragen, ob sie sich zu ihm setzen dürfe.
„Selbstverständlich gerne. Solch reizende Gesellschaft kann man sich nur wünschen.“
Sie orderte Kaffee, bediente sich am Buffet und langte kräftig zu.
Sie kamen ins Gespräch. Der Mann war Reisender und hatte in der Stadt zu tun.
„Ich sah sie gestern mit einer Brünetten und dachte nach meiner Erfahrung von Vorgestern, dass sie auf Blondinen stehen“, kam sie nach einiger Zeit auf den Grund ihrer Neugier zu sprechen. Sie hatte sich natürlich Gedanken gemacht und kam auf die einzig logische Erklärung. Es konnte sich nur um gemietete Mädchen handeln.
Der Mann griente, er ließ nicht die Spur von Verlegenheit erkennen.
„Ich stehe auf Hübsche, da ist die Haarfarbe nicht wichtig.“
Er belegte eine Scheibe kräftigen Bauernbrotes mit gebratenem Speck und Rührei.
„Mindestens genau so wichtig ist mir Unkompliziertheit. Ich bestelle mir eine der Damen, man weiß dort von meinen Vorlieben. Sie kommt her, ich gebe ihr Geld, sie erbringt die vereinbarte Dienstleistung und verschwindet wieder. Da gibt es kein Klammern, kein Halten, keine Diskussionen, keine Ansprüche, kein Besitzverhältnis. Der Rahmen ist klar abgesteckt und der Ablauf vorherseh- und berechenbar.
Nichts gegen Sie, um Gottes Willen, Sie sind bezaubernd. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie einverstanden gewesen wären, mit mir ins Bett zu hüpfen und nach ein bis zwei Stunden unaufgefordert wieder zu verschwinden. Stimmts?“
Sie konnte ihm nicht sagen, dass genau das ihr Ziel gewesen war und sie es an diesem Wochenende nicht erreicht hatte. Sie lächelte als Antwort.
„Sehen Sie?“, sagte der Mann.
„Wo bestellen Sie die Damen?“, gab sie Interesse vor.

Am späten Sonntagvormittag saß sie in ihrer Wohnung und büffelte. Sie schrieb an ihrer Diplomarbeit und skizzierte nebenher die Idee für ihre Dissertation. Nach dem Mittag drehte sie ihre sonntägliche fünfzehn-Kilometer-Runde um den See und vertiefte sich erneut in das Studium.
Montagmorgen saß sie bereits um sechs Uhr dreißig im Büro und arbeitete an dem Plan für den modernisierten Reparaturtrupp. Punkt acht Uhr rief sie Kroll auf dem Firmentelefon an, er meldete sich nicht. Der Vorarbeiter gab die flaue Auskunft, er sei auf der Toilette. Sie bat darum, dass Kroll sie unverzügliche aufsuche.
Eine halbe Stunde später erschien Kroll im Büro, unrasiert, stark verkatert und mit einer Alkoholfahne.
Sie wollte ihren Plan vorstellen und mit ihm darüber diskutieren. Ohne einen Blick darauf zu werfen, maulte er sie an:
„Habe ich Ihnen die Abmahnung zu verdanken?“
„Bitte nehmen Sie Platz, Herr Kroll.“
Der Mann war sichtbar aufgregt und außer sich.
„Haben Sie Rotzlöffel mir diese Abmahnung zukommen lassen?“, geiferte er.
„Bitte überlegen Sie sich ihre Worte, Herr Kroll. Darf ich Ihnen einen Kaffee bringen lassen?“
Er wischte das freundliche Angebot mit einer herrischen Bewegung hinweg.
„Sie unreifes Gör schicken mir eine Abmahnung? Wissen Sie nicht, mit wem Sie es zu tun haben? Wenn Sie denken, dass Sie das mit mir machen können, haben Sie sich geschnitten, das sage ich Ihnen!“
Wutentbrannt rannte er aus dem Büro. Sabine hatte einige andere Probleme zu lösen und verschob das Nachdenken über Kroll. Etwa zehn Minuten später beorderte ein hoch erregter Vorstandsvorsitzender sie in sein Büro.
Im Vorzimmer herrschte Chaos, ein Prospektständer und etliche Ablagekörbe lagen mitsamt dem Inhalt auf dem Boden verstreut, zwei Schreibkräfte waren damit beschäftigt die Papiere einzusammeln. Die Chefsekretärin hockte konsterniert hinter ihrem Schreibtisch.
„Gehen Sie nur durch, Frau Doktor, er erwartet sie“, meinte sie.
„Sie schmeißen mir den Typen aber sofort raus, sofort, sage ich“, brüllte der Chef ihr zur Begrüßung entgegen und wedelte in ihrer Richtung mit dem Zeigefinger.
„Moin Herr Voss“, erwiderte sie freundlich. Große zornige Männer schüchterten sie seit ihrer Kindheit nicht mehr ein.
Voss ließ sich in seinen Sessel plumpsen.
„Meingott, was für ein Idiot!“, stöhnte er. Er sammelte sich.
„So, Frau Doktor Kopenhauer-Breuer“, fuhr er entschlossen fort, „Sie machen jetzt Folgendes: Sie schreiben einen Brief an den Vorstand, in dem Sie fordern, Kroll zu entlassen, Gründe dafür gibt es in Hülle und Fülle. Der Vorstand wird sich hinter Sie stellen und den Schwachkopf hinaus befördern, am besten mit einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten. Sie können sich nicht vorstellen, wie satt ich den Typen habe.“
Sabine lächelte verhalten.
„Haben Sie einen Kaffee für mich?“, fragte sie freundlich.
„Na klar!“, sagte Voss und bestellte über die Sprechanlage. Sie schwiegen, bis der Kaffee serviert war.
„Wieso werfen Sie ihn nicht selbst hinaus, wieso wollen Sie mir das überlassen?“, fragte sie nach dem ersten Schluck aus der Tasse.
„Ganz einfach“, erklärte Voss, „wenn ich ihn vorhin im Affekt rausgeworfen hätte, wie ich es am liebsten getan hätte, das können Sie mir glauben, dann hätte bei mir der Haussegen über Monate schief gehangen, und nur wegen dieses Idioten. Nee, nee, wenn Sie den Rausschmiss initiieren, dann handelt es sich um betriebliche Notwendigkeiten und ich kann nichts dagegen unternehmen.“
Sabine blickte Voss nachdenklich einige Sekunden an.
„Ich möchte Kroll behalten“, sagte sie.
Der Vorstandsvorsitzende verschluckte sich an seinem Kaffee und bekam einen Hustenanfall. Mit heiserer Stimme und tränenden Augen fragte er verärgert:
„Was soll das denn werden? Haben Sie Ihren Doktor in Theologie gemacht oder wie muss ich das verstehen?“
Sabine schmunzelte:
„Nein, ich bin promovierte Diplom-Betriebswirtin, ist schon alles richtig.
Jedoch bitte ich zu bedenken, dass man, wenn man die betrieblich-relevanten Fakten zusammenzählt, bei Kroll mehr auf der Haben- als auf der Sollseite hat.“
Sie zählte an den Fingern auf:
„Er ist der mit Abstand erfahrenste Ingenieur im Betrieb. Er ist der Mann, der den Gesamtüberblick über alle Anlagen und Maschinen hat. Er hat fast alle Anlagen mitgebaut und einige selbst geplant. Vom Fachwissen her ist er eine Koryphäe.“
Die Betriebsleiterin machte eine kurze Pause, lehnte sich in den Sessel zurück und ergänzte:
„Dagegen steht, dass er ein Arsch ist.“
„Na, Sie haben Ausdrücke, Frau Doktor“, Voss amüsierte sich über die junge Frau, „Allerdings kann ich ihm den Auftritt vorhin nicht durchgehen lassen. Wissen Sie, was er gesagt hat? Er hat sie eine kleine blonde Rotzgöre mit großen Titten genannt.“
„Da scheint ihm ja wenigstens etwas an mir zu gefallen“, Sabine lächelte breit.
„Herr Voss, ich verstehe Sie“, fuhr die junge Untergebene ernst fort, „allerdings ist Kroll nicht ganz nüchtern zum Dienst erschienen, wenn ich das richtig sehe. Die Abmahnung hat ihn wohl tief getroffen und er scheint seinen Kummer in Alkohol ertränkt zu haben.“
„Ist er selbst schuld, der Idiot!“, ereiferte sich der Chef, „Was benimmt er sich auch wie eine offene Hose!“
„Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Herr Voss“, versuchte Sabine, ihren aufgebrachten Chef zu überreden, „Wenn ich ihn nicht hinbekomme, dann setze ich ihn vor die Tür. Aber ich, wir, der Betrieb können ihn, in annehmbarer Verfassung, sehr gut gebrauchen.“
Voss grummelte hinter seinem Schreibtisch, er kam nach kurzer Zeit zu einem Entschluss:
„Ihnen kann man auch keinen Wunsch abschlagen.
Gut, Sie haben freie Hand, da kann ich mir, wenn sie ihn später doch hinauswerfen, meine Hände noch besser in Unschuld waschen.“

Auf dem Weg durch die Produktionshalle begegnete ihr Kroll. Er trug seine pivate schweinslederne Aktentasche in der Hand, war in seinen Straßendress gekleidet und befand sich offensichtlich auf dem Weg nach Hause.
„Kroll“, sie hielt ihn an. Er machte einen aufgebrachten Eindruck, wirkte allerdings noch stärker verkatert als in der Frühe. Er schien sich bewusst geworden zu sein, was er angerichtet hatte.
„Ich möchte nicht, dass Sie selbst fahren, ich habe den Fahrdienst beauftragt, Sie nach Hause zu bringen. Ich erwarte Sie um fünfzehn Uhr in meinem Büro.“
Sie wollte das Gespräch beenden und weiter gehen.
„Ich bin gefeuert, wissen Sie das nicht?“, sprach der erfahrene Maschinenbauingenieur erregt.
„Nein, das sind Sie nicht“, erwiderte die Betriebsleiterin.
„Was? Ich bin nicht entlassen?“, Krolls Erstaunen zu sehen, entschädigte sie für manchen seiner Auftritte.
„Nein, fünfzehn Uhr in meinem Büro. Wenn möglich, in rasiertem und ausgeschlafenen Zustand.“
Sie ließ den verdatterten Mann stehen und erledigte ihr Tagesgeschäft. Die Dreherei hatte zehn Walzen geliefert, die in einem Werkzeugwagen in der Nähe der Anlagen aufbewahrt wurden. Hartmann war voller Freude bei der Arbeit, hatte die schadhaften Walzen bereits erneuert und war dabei, mit seinen Leuten die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen.
„Moin Frau Doktor“, begrüßte er sie kollegial.
„Moin Herr Hartmann, ist alles in Ordnung?“, erkundigte sie sich.
„Alles in bester Ordnung, Frau Doktor, alles reibungslos verlaufen.“
Freudestrahlend fuhr er fort:
„Den aktuellen Auftrag werden wir voraussichtlich Mittwoch zum Feierabend abgeschlossen und verpackt haben und wären damit einen Tag vor dem geplanten Termin fertig.“
Es war befremdend für sie und machte sie gleichzeitig stolz, dass ein erwachsener Mann, der vom Alter her leicht ihr Vater hätte sein können, so eifrig darum bemüht war, die Arbeit zu ihrer Zufriedenheit zu erledigen.
„Prima, Herr Hartmann, das wird den Vorstand freuen.“
„Ach, und hier die Liste der Leute, die am Freitag mit angepackt haben.“
„Wunderbar, Herr Hartmann. Ich reiche sie gleich weiter, wir sehen uns.“
Der Tag wurde ein relativ normaler Montag, jedoch hatte sich anscheinend die Atmosphäre in der Produktionshalle verändert. Die Leute grüßten sie sehr viel freundlicher. Die Gratifikation schien sich herumgesprochen zu haben.



„So Kroll“, hob Sabine an, als der bedrückt wirkende Sünder zu ihr vorgelassen wurde.
„Ihre innerfamiliären Probleme werden Sie selbst lösen müssen, darum beneide ich Sie nicht.“
Sie machte ein Pause und ordnete einige der Papiere vor sich neu.
„Wollen Sie weiter hier arbeiten?“
„Natürlich will ich weiter hier arbeiten“, erwiderte Kroll trotzig. Sabine fand sein Benehmen eines beinahe Sechzigjährigen nicht für würdig, jedoch hatte sie darüber nicht zu befinden. Trotzdem brauchte der Mann einen Dämpfer. Er dachte vielleicht, der Vorstandsvorsitzende würde nach wie vor seine schützende Hand über ihn halten. Den Zahn wollte sie ihm ziehen.
„Herrn Voss gegenüber habe ich durchgesetzt, dass wir mit Ihnen weiter zusammenarbeiten. Ich bin der Ansicht, dass wir auf ihre Erfahrung nicht verzichten sollten, allerdings vertritt außer mir niemand diese Meinung.“
Sie machte eine Pause. Der alte Mann schaute betreten auf seine gefalteten Hände.
„Ich entschuldige Ihr Verhalten von heute Morgen und möchte darüber auch nicht mehr reden. Mich interessiert, wie wir die Produktionsabläufe effektiver gestalten und die Standzeiten der Maschinen minimieren können.
Sie sind der Ingenieur mit der größten Erfahrung. Wir brauchen Ihre Fachkenntnis und ich möchte, dass Sie zwei Punkte ausarbeiten:
1. stellen Sie einen Wartungsplan für alle Maschinen her, damit Verschleißteile rechtzeitig, ohne Produktionsausfall, routinemäßig erneuert werden können. Nehmen Sie dazu die Erfahrungen der Anlagenführer zu Hilfe, besprechen Sie sich mit den Kollegen.
2. schulen Sie die Kollegen an den Anlagen, wie sie Reparaturen und Wartungen selbständig durchführen können …“

Plötzlich hatte sie eine Idee. Eine ganz verwegene Idee. Logisch und konsequent, jedoch äußerst unanständig, ungehörig, unmöglich und verwegen.
Sie fuhr fort, Kroll einzunorden, ihn auf ihre Linie zu bringen. Um sechzehn Uhr hockte sie allein im Büro und brütete über ihrer Idee. War sie dazu in der Lage? Würde sie das überhaupt fertig bringen? Naklar, was war dabei?
Ein wundersames Kribbeln machte sich in ihrem Unterleib breit.
Sie suchte die Nummer mit dem Smartphone heraus und rief dort an, logisch und konsequent.
„Escortservice Venus, was darf ich für Sie tun?“
Sie war versucht das Gespräch sofort zu beenden. Sie überwand sich, bereit, sofort auf den 'Beenden-Knopf' zu drücken.
„Nun, ich, äh, ich suche einen Job bei Ihnen.“
„Aha, wie alt sind Sie?“
„Sechsundzwanzig.“
„Haben Sie ein Foto von sich?“
Das würde sie nicht hergeben, bevor sie nicht wusste, wie seriös die Firma war.
„Ich würde mich gerne persönlich vorstellen.“
„Aha, gut, dann kommen Sie doch bitte heute um neunzehn Uhr dreißig hier her.“
Sie schluckte und sagte zu.
Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg zum Propheten.

Unter der angegebenen Adresse fand sie ein ganz normales Bürohaus, im ersten Stock war die 'Modelagentur' untergebracht.
„Na, dann kommen Sie mal mit“, sagte die schwarzgefärbte Grauhaarige und nahm sie mit in ein verräuchertes, ungelüftetes Büro.
Dort wurde sie ausgiebig gemustert.
„Sie sehen nicht so aus, als wenn Sie es nötig hätten ...“, sprach die Chefin mit rauchiger Stimme.
„Und ob ich es nötig habe!“, entfuhr es Sabine.
Die Schwarzhaarige lachte verstehend.
„Achso, daher weht der Wind, ich verstehe. Der Fluch der Schönheit, es traut sich niemand heran, stimmts? Na, da sind Sie hier richtig. Wenn er Geld bezahlt hat, dann traut sich jeder.“
„Na, dann zieh dich mal aus, Schätzchen“, meinte sie locker nach ausführlicher Musterung.
„Wie bitte?“, fragte Sabine entgeistert.
„Ich muss doch sehen, ob du gesund bist und alles dran ist. Ist normale Routine.“
Sie zog sich aus, bis sie in BH und Höschen vor dem Schreibtisch der Chefin stand. Die kurvte um die Tischplatte herum und sagte:
„Nicht so schüchtern.“
Sabine zog auch die restlichen Kleidungsstücke aus. Nur mit den Schuhen bekleidet stand sie dort, die Chefin unmittelbar vor ihr.
„Sehr schön, ein kurz gestutzter Busch ist dezenter als eine Totalrasur, das sieht manchmal ordinär aus.“
Sie tippte zielgenau mit der Fingerspitze auf Sabines geheimes Knötchen, die zuckte zusammen.
„Machst du es auch mit Frauen?“
Sabine war geschockt. Dieses Unmittelbare, rein auf Sex Reduzierte bereitete ihr Unbehagen.
„Öh!“, sagte sie.
„Setz dich“, ordnete die Chefin an und nahm wieder hinter dem Schreibtisch Platz. Es war klar, dass Sabine nackt bleiben sollte. Sie ließ sich nieder. Der kunstlederne Sessel fühlte sich unangenehm an auf der nackten Haut.
„Bist du verheiratet? Läufst du vor irgendwem davon? Ich will hier keinen Stress haben.“
„Nein“, sagte Sabine und setzte sich gerade hin.
„Du hast eine Ausstrahlung!“, bemerkte die Chefin bewundernd, „Nimm mal die Haare nach hinten.“
Sabine strich die Haare glatt und fasste sie zu einem Pferdeschwanz zusammen.
„Super!“, meinte die Chefin begeistert, „Jetzt noch eine Brille und du gehst für die Managerin des Jahres durch. Da stehen die Männer drauf, du wirst sehen.“
Die Chefin überlegte mit dem Kugelschreiber im Mund.
„Hast du schon einmal einen Mann gepeitscht, so richtig vermöbelt?“
„Nein, das möchte ich auch nicht.“
Sabine hatte genug, sie begann, sich wieder anzukleiden.
„Fickst du gerne?“
„Na sicher“, antwortete die Callgirl-Aspirantin, unangenehm berührt von der Direktheit der schwarzen Grauhaarigen, „deswegen bin ich hier.“
„Aha, dann wäre das geklärt.“
„Machst du es schon mal mit Frauen?“, wurde sie erneut gefragt.
„Bisher nicht“, lautete die Antwort, „aber ich habe keine Berührungsängste.“
Sex mit einer Frau? Der Gedanke machte sie unvermittelt heiß.
Sie band die Haare zum Pferdeschwanz und setzte ihre Fensterglas-Brille auf.
„Meine Güte, Sie sehen aber echt aus“, meinte die Frau konsterniert. Sie siezte sie wieder vor lauter Respekt.
„Nun, ich habe hier einen Termin in einer halben Stunde“, fuhr sie dann nach kurzer Überlegung fort, „Ihre Kollegin Tatjana und Sie. Sie werden von zwei Herren erwartet. Die Kunden gehen davon aus, dass Sie es mit Tatjana treiben, um die Herren anzuheizen und dann werden die Herren Sie beglücken.“
Sabine wollte davonlaufen, weg. Worauf hatte sie sich eingelassen?
Hingegen, zwei Männer? Sex mit einer Frau? Wildfremd, gegen Geld?
Wahnsinn! Jetzt sofort? Verrückt, total verrückt! Warum eigentlich nicht?
„Wie sieht es mit der Bezahlung aus?“, fragte sie so cool wie möglich.
„Tatjana wickelt die Finanzen ab, du kriegst sechshundert, dreihundert pro Mann, die Männer zahlen je zwölfhundert.“
Sie beobachtete Sabine und interpretierte wohl deren Gesichtsausdruck mit Zustimmung und wandte sich den Unterlagen zu.
„Ach“, ergänzte sie, „ich brauche noch deine Handy-Nummer.“
Sabine schaltete rasch, wie sie es vom Betrieb her gewohnt war. Sie wollte auf keinen Fall während der Arbeit von ihrem 'Hobby' gestört werden.
„Die sende ich Ihnen morgen, ich muss mir dafür ein spezielles Handy zulegen.“
„Aha“, sagte die Chefin. Sie sprach in eine Gegensprechanlage:
„Tatjana?“
Zwei Minuten später betrat eine aparte großgewachsene Blondine mit glattem, sehr langem Haar und riesigen blauen Augen den Raum. Mit rauchiger Stimme begrüßte sie Sabine:
„Tatjana“, und reichte die Hand wie im Theater, auf Schulterhöhe, als erwarte sie, man würde ihr die Hand küssen.
Auf der Fahrt zu dem Termin, während der einerseits Sabines Lüsternheit das Kommando übernahm, sie andererseits eine feste Beklemmung um den Magen verspürte, gab Tatjana einige Instruktionen.
„Die Chefin sagt, das du bist noch ganz ohne Erfahrung. Du magst Liebe mit Frau?“
Sabine zuckte mit beiden Schultern.
Worauf hatte sie sich eingelassen?
„Lass mich machen, wird dich gefallen. Du machst einfach, was Gefühl sagt, ok?“
Die beiden Männer die sie erwarteten hatten offensichtlich bereits einiges getrunken. Keinen davon hätte Sabine begleitet, wenn er sie irgendwo angesprochen hätte. Tatjana umarmte die Kunden und begrüßte sie mit Namen. Sie ging mit dem einen in die Ecke des Hotelzimmers und schien das Finanzielle zu regeln, der andere lief um Sabine herum und begutachtete sie wie der Metzger ein Stück Schlachtvieh.
„Geil!“, sagte er, „Was stellst du dar? Eine Managerin? Eine aus der Chefetage? Siehst aus wie meine Lehrerin.“
Tatjana kam heran und maßregelte den Mann:
„Martin, wo hast du Manieren? Das ist Kollegin Sabine und geht davon aus, hier treffen Gentlemen. Wie sieht aus dein Benehmen? Was sie soll denken? Wir wollen haben schöne Abend, ok?“
„Ja, ist ja gut“, erwiderte Martin, „Ich bin halt allergisch gegen Leute im Anzug. Entschuldige bitte“, er küsste die Hand Sabines.
Der wurde bewusst, dass ES nun nach der Bezahlung unausweichlich war. Sie würde die Kraft gleich zu kosten bekommen, diese Männerkraft, das Bedingungslose, Unnachgiebige, das Kompromisslose. Die Kraft, die sich nicht aufhalten ließ, die, die eskalierte, wenn man sie nicht in die gewünschten Bahnen fließen ließ.
Ihr Unterleib und die Wangen wärmten sich.
Dann handelte sie wieder typisch Sabine. Wenn es geschehen würde und es kein Zurück gab, dann konnte sie genau so gut die Initiative ergreifen. Sie fragte mit einem Augenaufschlag, wie ihn Eva im Paradies für die Verführung Adams entwickelt und bis heute gepflegt und perfektioniert hat:
„Und was ist, wenn deine Managerin gut im Bett ist? Bist du dann immer noch allergisch?“
Der Zweite warf ein:
„Möchten die Damen etwas trinken? Schampus? Prosecco?“
„Für mich Prosecco bitte“, sagte Tatjana, als wenn sie auf das Angebot gewartet hätte.
Der Allergiker plusterte sich auf:
„Was? Die Managerin und gut ficken? Das testen wir aus. Mach dich mal frei, Mäuschen.“
Tatjana kam auf sie zugetänzelt, flirtete mit den Augen:
„Ich dir helfen“, und löste die Knöpfe an Sabines Jackett und Bluse. Sabine vergalt es der Kollegin, in dem sie den Seitenreißverschluss an deren Hose öffnete. Die große Blonde hob das Kinn der kleinen Blonden an, bis die ihr in die Augen schaute, senkte den Kopf und führte ihre Lippen so weit an sie heran, wie sie sich in die Augen schauen konnten. Sabines Herz raste los. Jetzt, jetzt würde etwas Ungeheuerliches geschehen!
Sie hielt dem Blick stand, fasste sich ein Herz, schloss die Augen und küsste die Größere.
Grundgütiger! Sie küsste eine Frau!
Es war wider Erwarten erregend, es war heiß, es war … eine Gänsehaut lief ihr über die Scham. Was fehlte oder mehr noch das Ungewohnte war das Bartgefühl, das Harte, das Raue. Dafür entdeckte sie Zärtlichkeit und Anschmiegsamkeit.
Sabine ließ nicht nach, sie gab sich hinein in den Kuss. Das was sie empfand war nicht nur der reine Sex, sondern auch Zuneigung, seltsame Vertrautheit. Und die kam nicht von Tatjana allein, sondern aus ihr selbst. Vielleicht war es kollegiale Zuneigung? Die Zuneigung zu der einzig Vertrauten in dieser bedrohlichen Situation? Oder war es etwas anderes, Ungehöriges?
Sabine analysierte mit jeder Zelle ihres Hirns jede Regung, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Ihre Erregung nahm stark zu, die unmittelbare Nähe eines anderen Menschen der von ihr Besitz ergriff und dessen Körperwärme sie unmittelbar berührte, öffnete in ihr Türen, die sie bisher nicht kannte.
Tatjanas Inbesitznahme erstickte Sabines Eigeninitiative unter einer lähmenden Decke aus Gefühlen. Die kleine Managerin wollte in Erfüllung ihrer Pflicht die Kollegin genauso entkleiden, wie die das gerade an ihr zelebrierte, jedoch überschwemmten die mit den gänzlich ungewohnten Streicheleinheiten verbundenen Erregungszustände ihre Tatkraft nahezu vollständig.
Sie mochte ihrer Kollegin in nichts nachstehen, sah sich jedoch außerstande, die dafür notwendige Kraft und Energie aufzubringen. Sie veränderte sich zur Nehmenden, zur Empfangenden. Sie war einzig und allein damit beschäftigt, zu fühlen. Sie empfing Zärtlichkeiten, Reiz, unerhörten Reiz und Lob und Anerkennung durch die beiden Kunden.
„Na, da schau sich einer die kleine Managerin an!“, bemerkte der Allergiker.
„Die geht ab, die geile Socke, Mann, Mann, Mann. Da bin ich gespannt, ob wir beide die satt kriegen!“
Sabine nahm wahr, dass die Männer sich an den Tisch lehnten und interessiert mit heißen Augen das Schauspiel der beiden Frauen verfolgten. Das Neu-Callgirl wurde von Jackett, Bluse und Rock befreit, stand im kurzen weißen Unterkleidchen dort, mit geschlossenen Augen, das personifizierte Sinnbild der Hingabe.
Die erfahrene Kollegin äußerte sich positiv überrascht, dass die Neue bereits auf den Beginn der Zärtlichkeiten so emotional reagierte und schien gespannt auf das, was da noch wartete. Die Kleine ließ sich willig in eine Position stellen, in der sie von den Kunden gut beobachtet werden und die Große hinter ihr stehen und deren Körper durch das seidene Unterkleid hindurch verwöhnen konnte.
Tatjana streichelte sich von Sabines Schultern hinab über die Brüste, den Bauch, ließ die Mitte aus, huschte über die Schenkel, machte kehrt, zog das Kleidchen hoch, glitt über den Po, zeigte den Männern die Oberschenkel und den zarten weißen Spitzenslip, ließ das Unterkleid wieder fahren.
Sie hob die langen Haare Sabines an und küsste den freigelegten Nacken. Sabine beugte willig den Kopf und genoss den Kuss, vertiefte sich in das Gefühl, das entstand, als die Kollegin ihre Brüste umfasste, in die Warzen kniff und fest zupackte.
„Oh!“, stöhnte die Kleine, „Ja!“, erwiderte die Große. Schmiegte sich von hinten heran, gab der Kleinen Wärme und Nähe und teilte Verlangen mit.
Sabines Gefühle-Achterbahn war unglaublich. Ihr war alles egal, sie hatte solche Zärtlichkeiten noch nie empfangen.
Das Kleidchen rutschte von den Schultern, zärtliche Hände berührten nackte Haut. Eine Gänsehaut nach der anderen lief über Rücken, Bauch und Scham. Sie war sich sicher, dass zu solchen Zärtlichkeiten ausschließlich Frauen in der Lage wären. Immer noch analysierte sie jede Sekunde, jede Handlung, jede Gefühlsregung.
Auch dass es sie lähmte registrierte sie, selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie sich nicht entziehen können.
Sie schloss die Augen, vertiefte sich in die beherrschenden Gefühle.
Tatjana drängte sie aufs Bett, der BH verschwand. Sie lag lang ausgestreckt, die fremden blonden Haare kitzelten über Brust und Bauch. Ihr intimster Bereich wurde berührt, das Höschen zur Seite geschoben.
Ihre Scham musste nun für die fremden Menschen sichtbar und zugänglich sein. Sabine ballte die Fäuste, reckte das Kinn gen Himmel.
Atemlos wartete sie auf die Berührung, sehnte sie herbei.
Sie schaute an sich hinunter, denn die Berührung fand nicht statt. Tatjana beobachtete sie von unten herauf, streckte, sobald Sabine die Augen öffnete, die Zunge heraus und berührte sie damit. Unter Beobachtung der Kollegin nahm sie die Berührung hin, den unerhörten Reiz, dieses vielversprechende, äußerst intime zarte Kitzeln. In dieser Zartheit und Direktheit ging sie ansonsten mit sich selbst um, fremde Berührungen dort fanden gewöhnlich auf eine robustere, weniger einfühlsame Art statt.
Das zarte Gefühl wiederholte sich.
Sie hatte sich niemals vorstellen können, dass jemand so etwas Wunderbares für sie tun könnte. Sie honorierte die sanften Berührungen, die unerhört intimen, zarten Kontakte, mit Hingabe und gehauchtem Atmen.
Sie hörte die Männer sprechen ohne die Worte zu verstehen. In ihrer Mitte tat sich etwas, die Berührungen nahmen an Intensität zu, etwas Bewegliches, warmes und Festes wurde eingeführt. Ihr Hauchen wurde hörbarer, ein zweiter Finger drängte in ihre lüsterne Möse, ihr Atem wurde sowohl beim Einatmen, als auch beim Ausatmen hörbar, ging rascher.
Der Reiz nahm Ausmaße an, die sie nicht ertragen konnte. Sie war außerstande dagegen einzuschreiten, machtlos ausgeliefert dieser unerträglichen Lust. Die Intensität der Empfindungen nahm erschreckend zu. Sabine war nicht mehr in der Lage zu analysieren, der Reiz nahm unglaubliche Ausmaße an, dominierte ihr Sein. Ließ sie unkontrollierbar schluchzen, die Umgebung ganz ausblenden, nur noch das Lustempfinden, diese unfassbare und unkontrollierbare Wollust beherrschte ihr Dasein.
Der Unterleib fühlte sich leuchtend gelb an, heiß und glühend wie die Sonnenoberfläche. Die flüssige Glut ergriff Besitz von Körper und Sein, verschlang Körper, Geist und Seele, vernichtete die gesamte Person in einem Gammablitz und erschuf aus den Überresten ein keuchendes, schweißnasses weibliches Wesen, das auf einem Bett aus einer warmen roten Ohnmacht erwachte und nicht wusste, was ihr geschehen war.
„Wow!“, sagte Tatjana, „Wow! Ein zweites Komet von Tunguska.“
Sie entkleidete sich und legte sich halb neben, halb auf die Kleine, gab Hautkontakt, strich die wirren Haare aus dem Gesicht und küsste gefühlvoll.
Sabines Kontrollmechanismus versuchte wieder Boden zu gewinnen. Die Dominanz der Gefühle war ihr unheimlich und sollte sofort beendet werden.
So etwas hatte sie noch nie erlebt.
Bisher war es so, dass sich jemand, mit dem sie intim war, an ihr befriedigt hatte und sie bei viel Glück etwas davon hatte. Hier jedoch war sie bewusst und für alle sichtbar zu einem Höhepunkt gebracht worden. Und dieser Höhepunkt lag deutlich höher, wesentlich näher an der Sonne, als sie es jemals vermutet hätte.
Die Nähe der Freundin ließ ihre Gedanken zerflattern wie trockenes Laub im Herbstwind, das reine Fühlen übernahm erneut. Sie streichelte die unglaublich schöne Große, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und küsste sie mit dem überbordenden Gefühl, das immer noch ihr Dasein beherrschte und ihr Universum in Schwingung hielt.
Das Bett gab Geräusche von sich und bewegte sich, die Männer gesellten sich zu den beiden Liebenden.
„Ich habe gewonnen!“, sagte der eine.
„Was hast du gewonnen?“, Tatjana löste sich aus der Umarmung mit Sabine, strich die Haare in einer bezaubernden Geste aus dem Gesicht und lachte dem Sprecher ins Gesicht.
„Ganz einfach!“, bekam sie als Antwort, „Wir haben gelost, wer als erster mit der geilen Schnecke poppen darf, ich hab gewonnen. Lass mich mal ran!“
„Na dann, viel Spaß“, Tatjana lachte erneut und wandte sich dem 'Verlierer' zu.
„Und wir? Werden wir haben zweite Klasse-Sex oder werden wir erstklassig amüsieren?“
„Für mich und von mir gibt es nur erste Sahne“, versprach der Allergiker und legte los.

Sabines Gefühle taumelten immer noch ungelenkt herum. Der Mann ergriff Besitz von ihr, plötzlich kratzte um die saugenden Lippen an ihrer Brust ein Bart, reizte sie eine feste, raue Hand zwischen den Schenkeln, legte sich ein harter und schwerer Körper erst halb, dann ganz auf sie.
Die Kleine schloss die Augen, gab sich dem erneut auflodernden gelben Licht hin. Der Lust auslösende Faktor bewegte sich in und auf ihr, das Gelbe übernahm die Herrschaft, wechselte in das bläuliche Weiß des nächsten Gamma-Blitzes, schwächte sich ab zu Reinweiß, nahm erneut an Hitze zu, blitzte erneut in Bläulichweiß, schwächte sich unwesentlich ab, blitzte erneut auf, um von blauem Licht in rotes Schwarz über zu gehen und schließlich zu erlöschen.

„Wollt ihr noch etwas trinken? Das Bad ist da drüben“, hörte sie den zweiten Mann fragen.
Sabine erblickte allmählich wieder das Licht der Welt. Sie war längst noch nicht bei sich. Eine Kontrolle über den Körper oder gar über die Gefühle war nicht möglich.
Sie wurde ins Bad geführt, fühlte sich gewaschen, aufs Töpfchen gesetzt, erneut gewaschen. Folgte willig, als sie wieder ins Zimmer gelenkt wurde und ließ sich, ohne Unterlass entrückt lächelnd, von der Kollegin ankleiden wie ein kleines Mädchen, ließ sich an der Hand aus dem Hotelzimmer leiten und in Tatjanas Auto setzen.
Die Lichter der Nacht zogen an ihr vorüber.
Sie lächelte.
Erst als sie neben ihrem Auto einparkten, kam sie wieder zu vollem Bewusstsein. Erst als sie wahr nahm, dass sie aus Tatjanas Auto aussteigen und wieder allein die Verantwortung für sich übernehmen sollte, erst da gewann sie wieder Boden unter den Füssen.
„Du lesbisch?“, fragte Tatjana lächelnd. Sie schien sie bereits einige Zeit auf eine Antwort wartend angeschaut zu habe, als Sabine es bemerkte.
„Bitte?“, fragte die neue Kollegin.
„Bist du lesbisch?“, Tatjana redete mehr mit den Händen als mit dem Mund, als wenn sie zu einer schwerhörigen alten Frau spräche.
Sabine analysierte gleich wieder und belächelte sich selbst dafür.
„Nein“, antwortete sie belustigt, „Nein, ich bin nicht lesbisch, nicht dass ich wüsste.“
Mit sechshundert Euro mehr in der Tasche als auf der Hinfahrt fuhr sie äußerst zufrieden kurz nach Mitternacht nach Hause zurück.
Das war das Größte: Sie bekam auch noch Geld dafür.
Diesen ernannte sie zum ersten Tag ihres neuen Lebens.

Am nächsten Morgen unterrichtete sie der Sicherheitsdienst, dass Kroll bereits vor sechs Uhr das Werkstor passiert hatte und sich seit anderthalb Stunden in der Schlosserei aufhielt.
Die Nachricht quittierte sie mit einem zufriedenen Lächeln.
Kurz vor Neun meldete er sich bei ihr.
„Frau Doktor? Haben Sie einen Moment Zeit für mich?“
Kroll hörte sich ganz anders an, sprach in einer anderen Tonart und von einer anderen Warte zu ihr als sie das bisher von ihm kannte.
Sie traf ihn in der Schlosserei.
„Wir haben Bleche geschnitten“, berichtete er und benahm sich selbstbewusst aber diensteifrig, „nach den Originalplänen und haben daraus Ersatz-Walzenblöcke hergestellt. Die können wir zentral lagern so dass sie für einen Notfall stets griffbereit auf Vorrat liegen.
Ich habe einen Wartungsplan für die Maschinen ausgearbeitet, in dem werden die Verschleißteile regelmäßig überprüft und gegebenenfalls rechtzeitig ausgetauscht. Wir müssten dazu dem Reparaturtrupp flexible Arbeitszeiten geben. Dann könnten die Wartungsarbeiten vor oder nach der regulären Arbeitszeit durchgeführt werden. Auf diese Weise könnten die Ausfallzeiten der Maschinen minimiert werden.“
Sabine war entzückt. Kroll entwickelte sich noch besser, als sie es sich in den kühnsten Träumen ausgemalt hatte.
„Das ist sehr gut Herr Kroll. Arbeiten Sie bitte einen Plan aus. Wie sie die Arbeitszeiten handhaben wollen, ist Ihnen überlassen.“
Kroll legte ihr seine Absichten dar. Er schien tatsächlich geläutert zu sein. Sie besprach sich mit Voss, der wollte es kaum glauben und war nach wie vor skeptisch.
Sabine nahm sich eine kurze Auszeit und fuhr in die Stadt. Sie legte sich ein zweites Handy zu und rief die Chefin der Model-Agentur an, um ihr die Nummer durchzugeben.
„Na, wie geht es, Schätzchen?“, fragte die Raucherstimme.
„Haben sich die Kunden gemeldet?“, fragte Sabine zurück. Sie suchte eine Bestätigung dafür, dass es den Kunden gestern gefallen hatte.
Die Chefin lachte heiser.
„Nein, Schätzchen, wenn sie zufrieden sind, äußern sie sich nicht.
Kann ich dich für das kommende Wochenende einplanen?“
„Ja, von Freitag neunzehn Uhr bis Sonntag zehn Uhr.“
„Geht klar Schätzchen, ich teile dir deine Termine unter dieser Nummer mit.“
„Am liebsten per SMS, Chefin, am liebsten per SMS.“
„Ich mag deine Geheimniskrämerei Schätzchen, die hat etwas“, bekam sie nach einem kurzen heiseren Lachen zur Antwort.

Sabine rief Tatjana an.
„Du aber früh wach!“, meldete die sich schlaftrunken.
„Oh, ich wollte dich nicht wecken, rufst du mich an, sobald du wach bist?“
Die Geliebte der letzten Nacht meldete sich nach dreizehn Uhr.
„Das war schön, gestern“, meinte Sabine, lächelte erfreut und konnte das Lächeln nicht abstellen.
„Ja, Jungs waren gut drauf, hat gemacht Spaß.“
„Das hat es“, antwortete die kleine Blonde, sie rief einen Teil der Erlebnisse des gestrigen Abends in die Erinnerung zurück, „aber am schönsten war es mit uns beiden. Du lieber Himmel, was war das schön.“
Tatjana lachte auf eine Weise, dass Sabine ihre Wärme zu spüren glaubte.
„Du aber auch ausgehungert gewesen“, wurde ihr bestätigt.
„Ich bin immer noch hungrig auf dich“, antwortete sie leise.
„Können wir wiederholen gern, wann du willst. Wann hast du Dienst wieder?“
„Am kommenden Wochenende, mal sehen, ob ich Termine bekomme.“
„Da du brauchst keine Sorgen machen, es ist Kongress in der Stadt, du kannst arbeiten rund um Uhr.“
Das Telefon auf Sabines Schreibtisch meldete einen Anruf von Voss.
„Ich muss Schluss machen, bis bald! Küsschen“, verabschiedete sie sich schnell.
'Gerne wiederholen', hatte Tatjana gesagt, 'wann du willst'.

Die Geliebte des ersten Tages ihres neuen Lebens sollte Recht behalten. Bereits Mittwoch Nachmittag war das Nachwuchs-Model für das kommende Wochenende ausgebucht. Freitag lagen für sie zwei Termine und Samstag gar drei als SMS vor, sogar am Sonntag Morgen sollte sie noch einmal Dienst tun.
Sie rief die Chefin an.
„Ja, Schätzchen, es ist viel. Ich verstehe dich, aber jede von uns muss an Kongresswochenenden Kompromisse eingehen. An dem Wochenende danach wird es noch einmal hektisch, danach wird es wieder etwas ruhiger. Wirst sehen, es wird dir Spaß machen.“
„Bei einem solchen Stress sollten wir über das Salär reden“, meinte Sabine. Sie hatte gerade mit einem Rohstoff-Lieferanten und davor mit der Spedition verhandelt und war gut in Schwung. Nach ihrer Erfahrung konnte man immer etwas bewegen wenn man es darauf anlegte.
„Aha“, antwortete die Chefin kühl, „da gibt es so gut wie keinen Spielraum. Was schwebt dir vor?“
„Mir schweben mindestens fünfzig Prozent dessen vor, was dem Kunden in Rechnung gestellt wird.“




„Oh!“, sagte die Chefin, womöglich noch kühler, „Das bekommen noch nicht einmal ausgesuchte und erfahrene Models. Nein, Kindchen, mehr als ein Viertel ist nicht drin, tut mir leid.“
„Bin ich etwa nicht ausgesucht? Gerade meine Unerfahrenheit hat die letzten Kunden so geil gemacht. Hinzu kommt, dass mein Managerin-Auftritt die Kunden sehr anmacht. Ich sage nicht, dass ich mehr möchte als fünfzig Prozent, aber die Hälfte dessen zu bekommen, was der Kunde bezahlt sehe ich schon als einigermaßen fair an.“
Das Ächzen der Chefin kam überdeutlich durchs Telefon.
„Worauf lasse ich mich da ein?“, fragte die schwarzgefärbte Grauhaarige und hörte sich dabei verzweifelt an.
„Also, wir machen es so!“, kam sie zu einem Entschluss, „Ich setze bei den Kunden vierzehnhundert für dich und deinen kleinen Arsch durch und du bekommst sechshundert. Einverstanden?“
„Ok“, meinte Sabine kompromissbereit, sie wartete auf ein 'aber' der Gesprächspartnerin und es kam prompt.
„Aber wenn ich das nicht schaffe, dann gibt es maximal fünfhundert für dich, verstanden?“
„Ok!“, bestätigte Sabine die Übereinkunft.
„Dann mach es mal gut, du Blutsaugerin!“, verabschiedete sich die Chefin, nachdem sie sich über die zu beachtenden Modalitäten ausgetauscht hatten.

Ab Freitag-Mittag war sie für die eigentliche Arbeit im Werk kaum noch zu gebrauchen. Sie schaute beinahe minütlich auf die Uhr, zappelte unter dem Schreibtisch mit den Füßen, verschlang die Beine ineinander, presste die Schenkel zusammen. Sie war versucht, sich zu kneifen, nahm jedoch davon Abstand, weil sie blaue Flecken befürchten musste.
Die würden nicht schön aussehen.
Denn sie würde sich gleich vor einem oder mehreren Fremden nackt ausziehen.
Ganz nackt.
Gegen Bezahlung.
Sie würde tun, was sie von ihr verlangten, gegen Bezahlung.
Er/sie würde/n das mit ihr tun, was er/sie tun wollte/n. Weil sie es, gegen Bezahlung, zulassen würde.
Und sie würde Sex bekommen, so viel Sex, wie sie ihn noch nie in ihrem Leben bekommen hatte. Es würden männliche Glieder zur Verfügung stehen, harte, heiße männliche Glieder, die nichts anderes wollten, als sie in Besitz zu nehmen. Die würde sie benutzen können, die würden sie benutzen können, sie würde benutzt, sie würde gevögelt, sie würde befriedigt werden.
Sie rieb unter dem Schreibtisch die Schenkel aneinander und las die erste Seite der Unterlage vor sich zum dritten Mal, ohne den Sinn zu verstehen.
Er würde sie anfassen, er würde sie in Besitz nehmen.
Letztendlich würde er sie ficken, ganz ordinär ficken, gegen Bezahlung.
Danach würde er sich von ihr verabschieden und sie würde gehen. Einfach weg, ohne eine Bindung zu ihm zu haben, ohne ihm weitere Rechte einzuräumen. Sie würde einfach weggehen und sich zu einem anderen Mann begeben.
Und sich dort wieder ausziehen, ganz nackt. Vor einem gänzlich Fremden.
Aber erst nach der Bezahlung.
„Frau Doktor?“, rief die Sekretärin von der Tür her, „Frau Doktor? Ist etwas? Haben Sie sich verletzt?“
Sabine kam zu sich, sie schien laut gestöhnt zu haben.
„Nein!“, rief sie, „Ich hatte einen Krampf, geht schon wieder. Bringen Sie mir bitte einen Kaffee?“

Pünktlich auf die Minute klopfte sie an die Hoteltür. Das Pochen ihres Herzens erschien ihr wesentlich lauter als das an der Tür. Er öffnete, als sie gerade ein zweites Mal klopfen wollte. Sie lächelte in seine Richtung, bevor sie den Mann sah.
Er schien jemand anderen erwartet zu haben und schaute unsicher.
„Hier kommt die Venus“, sagte sie die Begrüßungsformel auf, die sie von Tatjana gelernt hatte.
„Tatsache?“, fragte der mittelalte Mann. Er war nicht sehr groß, etwas rund um die Mitte, mit wenigen, semmelblonden Haaren.
„Ich habe Sie mir anders vorgestellt“, erklärte er und schluckte deutlich sichtbar.
Sie war übermütig, lächelte und fragte:
„Und? Was sagst du? Gefalle ich dir?“
Sie drehte sich einmal um die eigene Achse.
„Oh, oh, doch, natürlich, kommen Sie herein.“
Sie nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit Handschuhe zu tragen.
Wenn eine Frau sich die Handschuhe auszieht, dann ist das noch lange nichts, wirkt jedoch wie der Anfang von etwas Bedeutendem.
„Wie alt sind Sie?“, fragte er, immer noch unsicher. Sabine wollte diese Unsicherheit gern überwinden helfen und wusste auch schon wie sie das anstellen wollte, jedoch musste dazu erst die Bezahlung her.
Sie schenkte ihm einen von-unten-Blick durch die Wimpern.
„Oh, ach ja“, verstand er sie plötzlich und zückte seine Brieftasche.
Sie verstaute das Geld in ihrem Täschchen und öffnete den ersten Knopf ihres Jacketts.
Jetzt würde es passieren.
Es fühlte sich anders an, als sie es sich vorgestellt hatte, weil der Mann so unsicher war. Er war nicht der Macho, der sich nahm, was er sah und begehrte, sondern ein unsicherer Mensch außerhalb seiner gewohnten Umgebung.
Als Sabine die Stimmung des Mannes erkannt hatte, fiel jede Anspannung von ihr ab. Sie sah es als Aufgabe, dem Mann die Unsicherheit zu nehmen. Sie stand lächelnd vor ihm und zog sich aus.
Sein Hemdkragen schien ihm eng zu werden, als sie in ihrem seidenen Unterkleidchen vor ihm stand.
„Ich helfe dir“, sprach sie. Sie hatte Bezahlung bekommen und verdiente sich nun ihr Geld. Sie fühlte sich dieser Herausforderung gewachsen, obwohl sie nicht darauf vorbereitet war einen schüchternen Mann zu verführen.
Sie lächelte, als sie ihn zum ersten Mal berührte um seinen Hemdkragen zu öffnen. Sie hatte einen Kloß im Hals, als sie auf diese Weise in seine Intimsphäre eindrang, trotzdem lächelte sie.
Der Mann schwitzte.
Sie öffnete den ersten, dann den zweiten, dann den dritten Knopf. Sie schaute ihn an.
„Mein Name ist Sabine, wie heißt du?“
Sie zog ihm das Hemd aus der Hose, um alle Knöpfe erreichen zu können.
„Fried …“ seine Stimme versagte, er räusperte sich und sagte fest: „Friedhelm“
Sie streichelte das Feinripp-Unterhemd und fragte:
„Friedhelm, was möchtest du, das ich für dich tue?“
Er sagte erst nichts, dann „Öhm“, fasste ihre Brust, griff zu und ließ gleich wieder los.
Sabine lächelte weiter.
„Fass mal richtig an!“, sagte die Kleine zu dem Dicken und streckte ihm die Brust entgegen.
Er befühlte eine Brust.
„Möchtest du sie einmal nackt sehen?“, fragte das Callgirl.
Der Kunde nickte.
Sabine schlüpfte aus dem Kleidchen und öffnete den BH.
'Hier ist zu wenig Action!', dachte sie noch, da kam der Friedhelm über sie. Er küsste sie, packte beide Brüste, fasste ihr grob in den Schritt, schob sie auf das Bett und riss sich die Kleidung vom Leib.
Sie brachte ihren Slip in Sicherheit, der Mann schien außer Rand und Band zu sein und der Slip war einer von der teuren Sorte.
Sabine lächelte, weil sie wieder so kühl registrierte und analysierte.
Friedhelm hatte sich aller Textilien entledigt, bis auf die Socken. Mit einem leicht irren Gesichtsausdruck näherte er sich dem nackten Mädchen. Das streckte die Arme aus, wollte das Bild des nackten, schneeweißen runden Bauches nicht in die Erinnerung aufnehmen.
„Komm!“, rief sie, „Nimm mich, lass es uns tun!“
Als er zwischen ihren Beinen kniete, rollte sie rasch den vorbereiteten Präservativ über.
Dann lag er auf ihr, stocherte mit seinem harten Penis ziellos zwischen ihren Beinen herum. Sie wies ihm den Weg.
„Ja!“, rief sie, als sie ihn in sich spürte. Friedhelm bewegte sich schnaufend, der Reiz für sie war minimal. Sein Schnaufen wurde lauter, schneller, er sagte „Argh!“ und war fertig.
„Oh!“, stöhnte sie, als wäre es die Erfüllung schlechthin gewesen.
Friedhelm setzte sich an das Kopfende des Bettes. Er wirkte selbstgefällig.
Dann sagte er etwas, von dem sie dachte, sie habe es nicht richtig verstanden. Er schien auf eine Antwort zu warten.
„Entschuldigung, was sagtest du?“
„Wie war ich?“, wiederholte er.
Sie hatte doch richtig gehört. Das konnte eigentlich nicht wahr sein, dass er darauf eine ernsthafte Antwort erwartete. Sie versuchte es mit Humor:
„Ich habe noch kein endgültiges Urteil, kannst du es bitte noch einmal machen?“, sie lächelte dabei.
Er sah sie aus den Augenwinkeln an und meinte:
„Witzbold. Nee, sag mal echt.“
Er meinte es tatsächlich ernst, er wollte von ihr wirklich und wahrhaftig ein Urteil. Die Wahrheit? Sollte sie die Wahrheit sagen?
Sie entschied sich dagegen:
„Geil!“, sagte sie und nickte wichtig, „Echt geil!“
Er schien tatsächlich damit zufrieden zu sein.
„Wenn ein Profi so etwas sagt, dann wird es stimmen“, meinte er.
Bevor sie einen Lachkrampf bekam, verschwand sie mit ihrer Kleidung im Bad, säuberte und erfrischte sich, kleidete sich an, winkte dem zufriedenen Mann auf dem Bett zum Abschied und verschwand.
Im nächsten Café nahm sie an einem Tisch am Fenster Platz und lachte in die Fußgängerzone hinaus.
'Kann doch nicht wahr sein!'
„Männer!“, sagte sie kopfschüttelnd.
Dann sah sie Tatjana.
Der Anblick verschlug ihr die Sprache.
Die Freundin hatte sie bereits entdeckt, schritt lächelnd auf das Café zu, trat ein und lächelte von einem Ohr zum anderen auf dem gesamten Weg von der Tür bis zu ihr.
Sie beugte sich fröhlich zu der Kleinen hinunter und berührte sie mit kühler Wange. Sie brachte einen Schwall unverbrauchter, frischer Luft von außen mit. Die Frauen schauten sich aus wenigen Zentimetern in die Augen, dann küssten sie sich auf den Mund. Erst kurz, nahmen etwas Abstand, um noch einmal zu schauen, dann küssten sie sich innig, mit Streicheleinheiten der Zungen.
Tatjana setzte sich neben die Kleine.
„Gott!“, rief sie atemlos, „Bist du niedlich.“
Sie lächelte immer noch so breit.
„Ich will dich spüren“, sagte Sabine leise.
„Bitte?“, Tatjana beugte sich vor, um besser hören zu können.
Sabine küsste sie überraschend und wiederholte:
„Ich will dich spüren.“
Tatjana wollte antworten, die Bedienung fragte sie jedoch überraschend von der Seite nach ihrem Wunsch.
„Vielen Dank“, bekam sie zur Antwort, „Aber wir möchten gehen.“
Sabine lächelte, zahlte und beide gingen in das Hotelzimmer des Nachwuchs-Models.

Eine Stunde später saßen sie gegen das Kopfende des zerwühlten Bettes gelehnt, selig lächelnd. Sabine hatte die Anzahl der Gammablitze nicht registriert und auch die Anzahl der zurück geschenkten Höhepunkte war beiden völlig gleichgültig. Sie saßen Seite an Seite und hielten Händchen.
Hier hatte Sabine jemanden gefunden, der darauf achtete, das sie selbst etwas von der Begegnung hatte. Hier hatte sie Gemeinsamkeit entdeckt. Das schien ihr der Beginn von Glück zu sein.
„Wie war erster Kunde?“, fragte Tatjana nach einiger Zeit, sie wurde mittlerweile von der Kleinen liebevoll 'Jana' genannt.
Sabine lachte und erzählte die Geschichte und beide wollten sich ausschütten vor Lachen.
„So, ich muss zum zweiten Termin. Sehen wir uns später?“
„Morgen“, Jana wurde ernst, „Morgen erst, habe 'Overnight'-Buchung. Morgen wir telefonieren.“

„Aha, die Venus!“, begrüßte sie ihr zweiter Gast an diesem Abend, „Herzlich willkommen.“
Ein hemdsärmeliger, großer, schlaksiger Mann mit wenig Haaren auf dem Kopf, starkem Bartwuchs und sehr guten Manieren. Er küsste Sabine die Hand.
„Mein Name ist Florian, bitte nicht mit 'Floh' abkürzen.“
Sabine lächelte.
„Sie sehen bezaubernd aus.“
„Danke“, erwiderte das Callgirl und stellte sich ebenfalls vor. Sie regelten das Finanzielle.
„Würden Sie sich, äh, würdest du dich bitte ausziehen?“
„Sehr gerne“, sprach die Hure und meinte es so. Sie spürte zum ersten Mal in ihrer Solokarriere Erregung aufkommen.
„Du siehst geil aus“, sagte Florian „und du siehst so aus, als wenn du das nicht spielen würdest.“
„Nein“, bestätigte die kleine Blonde mit den großen Brüsten, „das brauche ich auch nicht. Dein Anblick und die Freude auf unser Zusammensein macht mich an.“
Sie fand es unglaublich unanständig, sich vor dem erwartungsfroh lächelnden Mann zu entkleiden. Natürlich spielte und kokettierte sie, natürlich machte sie es spannend. Ihr improvisierter Striptease heizte gleichermaßen sie beide an.
„Möchtest du etwas trinken?“
Sie brauchte nicht mehr zu fahren, so stimmte sie dem angebotenen Prosecco zu.
Und zog sich weiter aus. Die steigende Erregung Florians sprach aus seinen Augen, die dunkler zu werden schienen, zu glühen begannen.
„Herr im Himmel was bist du gut gebaut, Mädchen.“
Letztendlich stand sie nackt vor ihm, sich stolz präsentierend.
Florian erschien ihr unvermittelt eingeschüchtert. Sie war angeheizt und nicht auf Zaudern aus. Sie kniete sich vor den Großen und öffnete dessen Hose. Sie war auf Sex aus, auf harten, ausdauernden, unanständigen Sex und den wollte sie bekommen. Jetzt und hier von ihm.
Sie fand hinter den Hemdzipfeln in der anliegenden Unterhose einen sehr langen Penis. So einen Großen hatte sie noch nie gesehen. Er war so groß, dass sie Angst beschleichen wollte. Sie gab dem nicht nach, sondern tat etwas, was sie immer schon einmal tun wollte, sie nahm den Penis in den Mund. Es machte sie noch heißer, diesen warmen, zarten und empfindlichen Penis mit dem Mund zu verwöhnen.
Ging es noch unanständiger?
Sie kniete splitterfasernackt vor einem Mann, den sie seit zwei Minuten kannte, hatte dessen Penis im Mund und würde sich gleich von ihm beschlafen lassen, gegen Bezahlung!
Ihre Hitze nahm weiterhin zu.
Sie stimulierte dieses wunderbare Ding im Mund, hörte den Mann lustvoll schnaufen. Er begann zu murmeln:
„Ja, du Schlampe, lutsch ihn mir.“
„Das magst du, einen Schwanz im Mund, das sieht man gleich.“
„Ja, leck ihn mir aus!“
Der Mann hielt ganz still, ließ sie seinen Penis bearbeiten, wie sie es für richtig hielt. Sie arbeitete mit Mund und Hand, schaute ihm aus ihrer Warte ins Gesicht, um seinen Erregungszustand einschätzen zu können. Sie sah nur die brennenden Augen, hörte das Schnaufen.
Die Arbeit kam ihr ein wenig eintönig vor, auf diese Art hatte sie nichts von dem Kunden. Sie richtete sich auf und zog ihn ganz sanft in Richtung Bett.
„Komm!“, lockte sie, „Sabinchen hat noch etwas Schönes für dich, komm!“
Sie half ihm, Hemd und Hose auszuziehen und drapierte sich auf dem Bett.
„Allmächtiger!“, ächzte der Mann, als er die lüsterne Schönheit betrachtete, die ihn ins Bett und ihre Mitte zu locken suchte.
Er besann sich kurz, legte sich zu seiner Besucherin und brachte ihr Prosecco-Glas mit.
„Grundgütiger Himmel, Mädchen! Wie kommt eine so junge und schöne Frau dazu, einen solchen Beruf auszuüben?“
'Ah-nee!' dachte Sabine. Sie hatte sich auf den Sex gefreut, was würde nun geschehen? Sie war nicht bereit, sich die Stimmung verderben zu lassen.
Sie rieb sich ganz zart die Klit bei weit gespreizten Beinen und stellte eine tiefsinnige Gegenfrage:
„Warum meinst du wohl?“
Sie stellte ihr Glas ab und widmete sich wieder dem Amorpfeil des Mannes.
„Nix gelernt? Hartz IV?“, mutmaßte er.
Frau Doktor unterdrückte ein Kichern, nahm den halb festen Penis weitestgehend in den Mund, kniete sich zwischen die Beine des Mannes und bearbeitete den Speer, wie es ihr richtig erschien. Sie war ganz versunken in die Arbeit, der Penis stand wieder fest in ihrer Hand.
„Grundgütiger, ist das geil!“, jammerte der Mann.
Sie hatte bisher nicht daran gedacht, etwas für ihre Lüsternheit zu tun. Sie nahm allen Mut zusammen, kniete sich über den Mann, um sich letztendlich auf seinen Penis schwingen zu können. Sie schaute ihn nicht an, während sie den Präservativ überrollte und die richtige Position suchte. Sie tupfte mit dem strammen Lustobjekt gegen ihr heißes Döschen, schaute dem Mann ins Gesicht und ließ sich langsam aber stetig auf dem überlangen Ding nieder.
„Oh Goooott!“, jammerte der Mann, auch Sabinchen fühlte sich himmlisch. Dieser starke große Liebesspeer füllte sie wunderbar. Die Befürchtung, er werde irgendwo anstoßen, erfüllte sich nicht. Sie hatte ihn ganz aufgenommen, für sich und ihre Lust vereinnahmt.
„Ohja!“, sagte sie. Sie stützte sich an den Schultern des Mannes ab, ließ den harten Lustbringer ein Stück hinaus gleiten und nahm ihn gleich wieder komplett auf. Sie sah den Mann dabei mit mühsam geöffneten Augen an.
„Ich werd nicht mehr!“, befürchtete der.
Die Kleine bewegte sich langsam und vorsichtig auf dem geilen Teil. Der Reiz in ihr und an ihr war himmlisch, den mochte sie den Rest des Tages genießen, ohja, die ganze Nacht hindurch, ohja!
„Mpf!“, machte der Mann und ergoss sich abrupt.
Der Penis wurde nicht gleich schlaff, sie genoss ihn noch einige Male, er ließ jedoch nach kurzer Zeit in der Festigkeit nach.
Sie legte sich neben den Mann und trank versonnen einen Schluck.
„Das war gut!“, schwärmte der Mann, „Lieber Himmel, was bist du für ein geiles Weib!“
Sie hatte sich von dem 'Job' mehr versprochen, bisher war der Ausflug in die Sünde ein Reinfall.
„Das müssen wir unbedingt wiederholen, Hammer, echt Hammer!“, schwärmte der Kunde weiter.
Das einzig Befriedigende bisher war der Sex mit Tatjana. Die beiden Herren ganz zu Beginn hatten ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen, aber das jetzt und der Dicke davor, also, für solche Erlebnisse brauchte sie nicht einen so großen Aufwand zu treiben und diese Risiken einzugehen.
Man stelle sich vor, sie begegnete einem Kunden des Werkes oder gar einem Kollegen. Zweifel beschlichen sie, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
„Gib mir mal deine Handy-Nummer, wenn ich wieder in der Stadt bin, muss ich dich unbedingt wieder sehen“, verlangte der Kunde.
Er kramte sein Handy aus der Jacke.
„Wie heißt du überhaupt?“
Sie rang sich ein Lächeln ab:
„Ich heiße Sabine und du erreichst mich über die Agentur.“
„Komm, gib sie mir schon. Ein direkter Kontakt ist doch etwas Schönes, Persönliches.“
„Meine Nummer ist nicht geheim, aber das Handy ist im Dienst immer ausgeschaltet. Zuverlässiger erreichst du mich über die Agentur.“
Er bestand darauf, ihre Nummer zu bekommen. Sie duschte kurz und verschwand dann.
Den wilden, harten Sex den sie sich vorgestellt hatte gab es anscheinend in einem anderen Universum oder nur in ihrer Fantasie.

Beim Frühstück des nächsten Tages stand ihr Entschluss fest. Sie würde die zugesagten Termine noch abarbeiten, aber von der Agentur keine neuen Aufträge mehr akzeptieren. Der Job war in hohem Maße unbefriedigend.
Sie hatte erwogen, die noch ausstehenden Termine abzusagen, es widerstrebte ihr jedoch, eine gegebene Zusage zurückzunehmen. Außerdem erhoffte sie sich Janas Freundschaft und dieses Ziel würde sie unter Umständen nicht erreichen, wenn sie frühzeitig abreiste.
Punkt elf klopfte sie an die nächste Hotelzimmer Tür.
'Klopfet und es wird euch aufgetan', zitierte sie für sich. Ihr Interesse an dem, was sie hinter der Tür erwartete, war nur mäßig.
Jedoch bereits der erste Augenkontakt mit dem Mann war eine positive Überraschung, sie empfand gleich Sympathie und eine erotische Schwingung, die von ihm ausging, sie für ihn einnahm und zurück strahlte. Ein Augenblick veränderte ihr Leben.
„Welch angenehmer Anblick!“, begrüßte er sie gleich mit einem Kompliment, „Herzlich willkommen. Tritt ein.“
Er betrachtete sie lächelnd ausführlich. Kokett drehte sie sich einmal um die eigene Achse.
„Bezauberndes Lächeln, komm herein, ich habe eine Überraschung für dich.“
Der Mann ging vor, am Bad vorüber, das eigentliche Hotelzimmer öffnete sich hinter dem kleinen Flürchen.
„Ich habe Besuch von einem Ex-Kommilitonen und dachte, er könnte uns Gesellschaft leisten. Was meinst du dazu?“
Der Mann war knapp über dreißig, sah drahtig aus als wäre er Sportler. Den zweiten Mann sah sie am Fenster stehen, etwa gleich alt, ebenfalls eine drahtige Sportlerfigur. Sie erfuhr später, dass es sich bei den Kunden um Bergsteiger und Kletterer handelte.
Das war doch in etwa so, wie sie sich den Job vorgestellt hatte, deswegen lächelte sie erfreut.
„Achso, er ist der Ludwig, ich bin der Thomas.“
„Ich heiße Sabine“, stellte sie sich vor, sie bekam das Lächeln nicht aus dem Gesicht.
„Wir zahlen dann auch für Zwei?“, fragte Thomas.
„Korrekt“, bestätigte die ohne Unterlass und sehr lüstern lächelnde kleine Blonde.
Sie verstaute das Geld, die Männer schauten sie erwartungsvoll an.
Sie stellte sich in Positur und begann mit einer kleinen Show, die sie sich ausgedacht hatte, bevor sie mit der tristen Realität konfrontiert worden war. Sie reizte die Männer durch unterschiedliche Posen, führte ihren Körper vor, öffnete die Haare und begann sich sukzessive zu entkleiden.
In den Beiden hatte sie ein dankbares Publikum, die genossen ihre Vorführung. Sie ließ sich beim Öffnen des BHs helfen, wendete sich um und hielt die Körbchen fest. Lächelnd zeigte sie den Kunden ihre nackten Brüste.
Deren Erregung erregte sie.
Sie zeigte sich von der Seite, die Haare hochhaltend, stellte sich in alle Posen, die ihr einfielen, um ihren beinahe nackten Körper in aller Schönheit darzustellen. Die Beiden lachten sich an, sie schienen begeistert von dem Anblick, von der erotischen Stimmung und den Ereignissen, die sich andeuteten und die sie versprach.
Die heiße Blonde erhitzte sich beständig weiter, die Posen und Gesten wurden immer eindeutiger, verwegener und unanständiger. Sie fasste und massierte sich im Schritt, zog das Höschen stramm, die Konturen zeichneten sich deutlich ab und der Reiz durch den festen Stoff benahm ihr beinahe den Atem. Sie wünschte sich, einen Penis zu lutschen, sie zeigte ihren Wunsch, in dem sie zwei Finger in den Mund nahm und sie mit Zunge und Lippen bearbeitete.
Seltsamerweise törnten die Finger im Mund sie an, sie hatte Mühen, die Augen geöffnet zu lassen. Die Männer geleiteten sie zu Bett, ergriffen Besitz von ihr. Ihr Höschen verschwand, ihre unteren Lippen wurden berührt, geteilt, erobert. Es steckte ein Finger, dann zwei, dann drei in ihrem glühenden Möschen, sie stöhnte hemmungslos ihre Lust hinaus.
Ein wunderschöner Penis geriet in ihr Gesichtsfeld, sie musste ihn probieren.
Er schmeckte wunderbar, heiß, geil, samtig, nach Sex. Ihre Hüfte wurde angehoben, der zweite Penis bahnte sich einen Weg in ihre glühende Liebesmuschel. Sie stöhnte ihre Erregung in den heißen Bolzen im Mund.
Sie begann zu kreischen. Der pure Sex, die harten Stöße, die glühende Hitze, ihre eigene bedingungslose Hingabe, die auf sie einwirkenden Reize waren für sie unübertrefflich groß. Trotzdem wuchs der Reiz weiter, weiter, weiter und weiter, bis ihr Körper in bläulichem Weiß explodierte. Die abgesonderten Geräusche, ihre Handlungen, die Bewegungen ihres Leibes und der Extremitäten befanden sich jenseits jeder Kontrolle, kamen rein aus dem animalischen Unterbewusstsein. Der Reiz nahm nicht ab, sie wurde weiterhin penetriert, verlor jedes andere Gefühl, sie verkörperte die reine Lust.
Sie widmete sich wieder intensiv dem wunderschönen Glied vor ihrem Gesicht, verwöhnte es mit der Hand, mit der Zunge. Die Hitze in ihrem Unterleib erreichte wiederum den Siedepunkt, sie begann erneut zu kreischen. Der Liebesbeweis in ihrem Mund begann zu pulsieren, sie kreischte einen weiteren Höhepunkt hinein in das schöne Ding, dass gleich darauf seine Ladung in ihr Gesicht versprühte, die auf die Zunge, das Kinn und die Brüste tropfte. Sie sank erschöpft zusammen, der Penis rutschte aus ihr heraus, sie schloss die Augen.
Die Kunden weckten sie, die in Trance durch den Gefühlehimmel taumelte. Sie holten sie auf die Erde zurück und boten ihr etwas zu trinken an. Sie tranken, alle drei gemeinsam ans Kopfende des Bettes gelehnt.
So war es gut, das war Leben, so war es richtig.
Sie befand, dass sie noch nicht genug hatte. Die jungen Männer würden mehr leisten können.
„Was meint ihr Jungs? Wir haben eine schöne Runde geschafft, bekommen wir noch eine hin?“
„Ist die im Preis mit drinnen?“, fragte Ludwig.
„Na klar!“, meinte Sabine, „Wir machen so lange, bis ihr satt seid.“
„Ui!“, sagte Thomas und schaute den Ludwig an, „Dann lass uns mal schauen, was wir hier noch zuwege bringen!“
Er widmete sich der glühenden Kleinen. Beide Männer delektierten sich an dem süßen Körper und dem niedlichen Gesicht der Kleinen, bis sie sich wieder einsatzbereit fühlten.
Die bedingungslose Hitze, die nach hektischer, eiliger Befriedigung verlangte, die blinde Raserei war vorüber und machte einer genüsslichen Dreisamkeit Platz. Sabine empfand den nah einiger Zeit herannahenden Höhepunkt nicht mehr als diese extreme Spitze, sondern als wundervolles, wärmendes Glück. Sie liebte die beiden Lover dieses Morgens mit aller Intensität die ihr zur Verfügung stand, mit jeder Faser ihres Seins.
Ihr gefühlvolles Liebesspiel beeindruckte die Männer. Sie bemühten sich, diesem lüsternen, liebevollen Weibchen die Lust zu verschaffen, die ihnen zu geben möglich war. Sie legten dabei einen erstaunlichen und umfassenden Beweis ihrer Männlichkeit ab, beide intensiv, ausdauernd und in höchstem Masse befriedigend.



Sie saß, die beiden Männer lagen lang auf dem Bett, die kleine Süße lächelte ein entrücktes, glückliches Lächeln.
„So geil hab ich es noch nie erlebt“, sprach Thomas zur Decke hinauf.
Ludwig ächzte als Antwort und sagte dann:
„Ich bin für den Rest der Frauenwelt verloren, ich kann jetzt nur noch mit ihr hier. Alle Übrigen sind zweite Wahl.“
Ludwig drehte sich zu der glücklichen Dienstleisterin:
„Ist dir klar was jetzt folgen muss, was die logische Konsequenz deiner sündigen Handlungen ist?“
Sabine schaute ihn an, immer noch entrückt lächelnd.
„Du musst uns beide heiraten, geht nicht anders. Und dann müssen wir es jeden Tag machen.“
Sabine brauchte nicht zu überlegen, sie antwortete spontan, weiterhin mit dem Lächeln, das tief in ihrem Inneren entstand, von allein herauskam und nicht zu beeinflussen war:
„Ist mir recht, wenn du es dir leisten kannst.“
Ludwig schaute sie entrüstet an, warf sich wieder auf den Rücken:
„Ah, du kannst einem auch jede Illusion rauben.“
Nach einiger Zeit sprang er hoch und sagte aufgeregt:
„Gib mir deine Handy-Nummer. Ich kündige meine Lebensversicherung und meinen Bausparvertrag, Thommy verkauft sein Haus, dann mieten wir dich für ein Jahr. OK?“
„Ok, ich geb dir gleich mein Kärtchen.“
Die Flapserei gefiel ihr sehr gut und erinnerte sie, wie könnte es anders sein, an ihre eigene Studienzeit.
„Ihr seid wirklich ein paar unanständige Kerls“, meinte sie nach einigen Augenblicken der Ruhe, „so gerne ich bliebe, ich muss noch ein Häuschen weiter.“
„Jetzt sag nicht“, hob Ludwig an, machte eine Pause, schaute sich das heißeste Mädchen seines Lebens an und bemerkte: „'So gerne ich bliebe'? Ein korrekter Konjunktiv? So ganz blöd bist du aber auch nicht, oder?“
Die Bemerkung amüsierte die Frau Doktor, sie wehrte jedoch ab:
„Ich bin blond, lass mich fürs Vögeln bezahlen, was meinst du, was ich für eine Bildung habe?“
„Na komm!“, meinte Ludwig, ihm konnte sie nichts vormachen.
„So Kinder, die Tante geht jetzt unter die Dusche“, wechselte sie das Thema, dann, mutwillig lächelnd: „Kommt jemand mit?“
Letztendlich standen sie alle drei in der engen Duschkabine, es gab Gekreische und Gelächter, und, fast zwangsläufig, noch einmal heftiges Gestöhne.
„Du bist echt unglaublich!“, meinte Ludwig, als er die Kleine mit den nassen Haaren verabschiedete und ihre Karte entgegennahm.
Sabine hüpfte auf dem Weg zu ihrem Hotel.
So durfte es weiter gehen. Dafür nahm sie auch ein paar Schlaffis zwischendurch in Kauf.
Die Entscheidung vom gestrigen Abend war vom Frust gesteuert und zählte jetzt nicht mehr.

Bei dem zweiten Termin an dem Samstag hatte sie wieder einen Langweiler, der sich an ihrem Äußeren ergötzte, der sich von ihr mit dem Mund stimulieren ließ und als es dann zur Sache gehen sollte nach ganz kurzer Zeit seine Kraft und Motivation ins Gummi sprühte.
Sie musste etwas tun, denn diese Art Geld zu verdienen war ihr peinlich. Außerdem hatte sie nichts davon, sie ging hungriger aus dieser Begegnung heraus, als sie hinein gegangen war.
Der nächste Termin stand abends um Elf in der Bar ihres Hotels an. Sie hoffte, dass es der Mann sein werde, der sie auf diese ungehörige Idee gebracht hatte.
Tatsächlich saß er dort, als sie die Hotelbar betrat.
„Ach, sieh mal an!“, begrüßte er sie erfreut, „Auch mal wieder im Lande?“
Sie nahm neben ihm Platz, bestellte ein Getränk.
Er deutete auf die Uhr:
„Ich bin verabredet.“
„Ich weiß“, antwortete die kleine Blonde.
Er blickte sie nachdenklich an, dann fragte er nach, weil er anscheinend seinen Ohren nicht traute:
„Wie?“
„Ich heiße Sabine und komme von der Venus.“
Sein Gesicht verzog sich zu einem erfreuten Lächeln:
„Echt jetzt?“
„Wenn ich einen Mann haben will, dann bekomme ich ihn auch“, meinte sie schmunzelnd.
Er lachte ungläubig.
„Gibts doch nicht. Sie sind mir eine.“
Sie hatten wunderbaren Sex. Er tat genau das, was sie sich von einem Mann wünschte und ihm schien exakt das zu gefallen, was ihr gerade zu tun einfiel.
Sie lag verschwitzt und glücklich an seiner Seite. Auch er schien zufrieden zu sein.
„Du bist aber eine Granate, ist ja der Wahnsinn. Seit wann bist du Professionelle?“
„Wenn du fragst, seit wann ich unkomplizierten, geilen und herausfordernden Sex mag, dann lautet die Antwort, schon immer.
Ich wollte nie etwas anderes und mit der Venus bekomme ich mehr davon als ohne sie.“
Er reichte die Gläser, sie tranken schweigend.
„Bedeutet das, dass du zusätzlich einen richtigen Beruf hast?“
Sie dachte versunken an den wunderbaren Sex und sie dachte daran, dass sie etwas ändern wollte, um ihn für sie bei jedem Mal zufriedenstellend zu gestalten. Sie wusste auch schon, was sie ändern wollte, die beiden Jungen heute Morgen hatten ihr den Weg gezeigt.
„Das war toll, nicht?“, meinte sie versunken.
Er schaute konsterniert, ihm schien nicht zu gefallen, dass sie seiner Frage auswich.
„Was bist du von Beruf? Du musst doch hiermit“, er deutete mit ausgebreiteten Armen auf das Bett, „wesentlich mehr verdienen.“
„Es geht nicht um Geld“, antwortete sie, „Meinst du, wir könnten noch einmal?“
Er schaute skeptisch.
Sie hielt Blickkontakt mit ihm, während sie sich zwischen seine Beine hockte. Sie begann, das Lustobjekt dort zu bearbeiten. Wusch es mit einem warmen Waschlappen, trocknete es liebevoll mit einem weichen Tuch ab und streichelte es mit ihren Haaren, stimulierte es dann mit Mund und Händen.
„Heiliger Bimbam!“, meinte ihr Kunde, „Das ist aber obergeil!“
Sabine war sich nicht sicher, ob das, was sie unternahm, richtig war und zum Ziel führen würde. Andererseits erregte es sie sehr eine solche Dienstleistung zu erbringen. Sie streichelte die Mitte des Mannes nicht nur mit Zunge, Lippen und Händen, sondern reizte ihn zusätzlich mit ihren Haaren und Brüsten.
„Unfassbar“, flüsterte der Mann, er ließ sie keine Sekunde aus den Augen. Sabine reizte und schleckte und werkelte. Schon nach kurzer Zeit meinte sie zu spüren, dass das Leben in diesen Lustbringer zurückkehren werde. Er nahm an Volumen und Festigkeit zu, wuchs in ihren Mund hinein.
Sie wollte das geile Ding nicht mehr frei geben und lutsche und reizte mit den Lippen. Erst als der Mann zu stöhnen begann, besann sie sich auf einen Stellungswechsel. Hoch erregt wie sie war, hockte sie sich über den Mann, führte sich sein wunderbares Sexspielzeug ein, legte sich lang auf ihn und genoss den harten heißen Riemen in ihr, der die Richtung ihres Denkens und Handelns vorschrieb. Sie flüsterte ihm ins Ohr:
„Dein Schwanz ist geil!“
Sie bearbeitete den wieder erstarkten Amorpfeil mit ihrem äußerst lüsternen und durstigen Möschen, rieb, walkte, ließ ihr Becken kreisen, stöhnte dem Mann ihre steigende Erregung ins Ohr.
Der flüsterte: „Ohja, ohja!“, ansonsten verhielt er sich passiv, ließ das geile Mädchen seine Dienstleistung erbringen. Die Hure ging auf in ihrer Arbeit. Die Erregung wuchs durch den starken Reiz, den ihre Stellung und die Akzeptanz als professionelle Dienstleistende mit sich brachte. Der kreisende, juckende, geile Schweif trieb sie in die Verzückung, ließ sie alle Hemmung vergessen, ließ sie herum toben, dem Manne ihr Temperament, ihre Zuneigung und ihre Geilheit sehen und spüren lassen.
Sie beobachtete die letzten Sekunden vor dem Orgasmus des Mannes, die er entzückt mit geschlossenen Augen zu genießen schien. Sie lockte ihn hoch und höher, brachte alles Gefühl, jede Emotion ein, über die sie verfügte, gab alles.
Als sie ihn an der obersten Lustkante entlang führte und ihn schlussendlich hinüber in den Abgrund des 'kleinen Todes' stieß, er ihr seinen Höhepunkt deutlich zum Ausdruck brachte und seinen Samen versprühte, empfand sie ein Glück, wie sie es noch nie empfunden hatte, eine Befriedigung, wie sie sie noch nie erlebt hatte.
Sie blieb in der Rolle der Dienenden, der Dienerin, ließ die Bewegungen auf dem glühenden Mann langsam verebben, schaute genau auf den Gesichtsausdruck des Kunden um zu erahnen, was er als Nächstes wünsche.
Mit nach wie vor geschlossenen Augen nahm er ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie kurz und sanft. Sie legte sich flach auf ihn und drückte ihn.
Sie lagen nebeneinander, Sabine hatte herausgefunden, was sie ändern wollte. Es war nicht nur eine Frage der Technik, wie sie analysierte, sondern mehr noch eine Frage der Einstellung. Was sie empfunden hatte war tiefste Befriedigung bei der Erbringung einer Dienstleistung. Sie hatte der Lust des Mannes gedient, mit jeder Faser ihres Daseins, mit ihrer Fantasie, all ihrer Erfahrung und ihrem Körper. Diese Hingabe hatte sie mehr befriedigt als der vorausgegangene Orgasmus.
Sie lächelte über sich und ihren Eifer.

Ihre neue Erkenntnis und ihre neueste Tätigkeit durfte im Werk niemand erfahren, niemand auch nur ahnen. Dort war sie die taffe Frau Doktor und hier war sie die weiche, die nachgiebige, die dienende Sabine. Ein überaus erregendes Szenario.
Den Termin am Sonntag Morgen nahm sie als die neue Dienstleistende wahr. Sie gab sich passiver als sonst, ließ sich von dem Kunden in seinem Hotelzimmer verführen, ließ ihn die ersten Schritte unternehmen. Gab sich reserviert, bis er begann, sie unter der Kleidung zu streicheln, bis er Besitz ergriff. Sie nutzte das als Signal, ihre neu entdeckte Hingabe zu praktizieren. Sie nahm den Kunden als den Mittelpunkt ihrer Welt an, diente ihm und seiner Lust.
Als er sich erstmals in ihr versprühte, behielt sie die Spannung und ihre Erregung bei und brachte ihn binnen kurzer Zeit mit der erprobten Ganzkörpermassage wieder in Form. Der Mann schien seinen Augen nicht zu trauen, was diese kleine geile Schönheit mit ihm anstellte. Sabine zeigte ihm das schwanztolle Flittchen, das sie in ihrem vorigen Leben niemals sein durfte. Sie nahm die geile lüsterne Hure in sich als Teil ihrer Selbst an und lebte es aus.
„Gott im Himmel!“, stöhnte der Mann, als er zum zweiten Male seinen Samen gegeben hatte, „Sowas gibt’s doch nicht!“
Sabine lächelte stolz. Auf die Art und Weise befriedigte sie auch ein Termin mit einem schlechten Liebhaber.
Sie fuhr nach Hause, ruhte kurz, aß etwas, lief die übliche Sonntagsrunde und machte sich an die Diplom-Arbeit.
So ließ sich das Leben aushalten.

Kroll legte ihr am Montag einen Wartungsplan für das gesamte Werk vor, für jede einzelne Maschine und jede Anlage. Er hatte darüber hinaus einen Plan ausgearbeitet, nach dem die Arbeiter darin unterrichtet wurden, ihre Anlagen selbst zu warten und zu reparieren, er nannte das seinen 'Seminar-Plan'.
Sabine brütete über den Plan und über die Hierarchie in der Produktion. Sie skizzierte für sich, was sie verändern wollte. Am Mittwoch bat sie Voss um ein Gespräch.
Sie stellte ihm Krolls Seminar-Plan vor und schlug vor, Kroll den Posten eines Oberingenieurs zu geben, der direkt der Betriebsleiterin unterstellt war. Sie dachte weiter und an die Zeit, wenn Kroll im Ruhestand sein würde, dass das Werk ihm eine über das Rentenalter hinausgehende freiberufliche Tätigkeit als Oberingenieur anbieten sollte.
„Frau Doktor, Frau Doktor!“, Voss drohte ihr mit dem wedelnden Zeigefinger, offensichtlich überrascht von den weitreichenden Neuerungen, „Wollen Sie den gesamten Betrieb umbauen?“
Sabine straffte sich und wappnete sich gegen mögliche Angriffe.
„Ich habe die Prämisse in meiner Stellenbeschreibung so interpretiert“, gab sie sich reserviert, „dass ich für eine Steigerung der Effizienz zuständig sei. Habe ich da etwas falsch verstanden?“
Mit der Frage provozierte sie den Vorstandsvorsitzenden, denn in der Stellenbeschreibung wurde ausdrücklich 'Effizienzsteigerung' gefordert, sogar mehrfach.
Voss winkte geschlagen ab, „Is ja gut, junge Frau, is ja gut. Aber ich habe mir nicht vorgestellt, dass sie den ganzen Betrieb auf den Kopf stellen. Ich dachte, Sie schmeißen ein paar Leute raus und fertig. Stattdessen befördern Sie den größten Quertreiber noch.“
Sabine grinste hintergründig als sie bemerkte:
„Kann es sein, dass Sie dem Verwandten Ihrer Frau die Beförderung nicht gönnen?“
Empört erwiderte Voss:
„Also, das ist doch ...“, er beruhigte sich umgehend und gestand ein:
„Ich habe mich schon gefreut, dass Sie den rauspfeffern und nun soll ich ihm den Triumph gönnen und ihn befördern? Erst so, dann so? Ich dachte nicht, dass Sie so wankelmütig sind.“
Sabine lächelte verlegen und widersprach:
„Sie wollten ihn entlassen, ich wollte ihn behalten.“
Der Direktor saß hinter dem riesigen Schreibtisch und schmollte.
„Herr Voss, schauen Sie sich die Pläne an“, fuhr sie entschlossen fort, „schauen Sie, wie durchdacht der Plan ist und dann sagen Sie mir, warum ich den Mann hinauswerfen soll.“
„Weil er ein Arsch ist, das haben Sie selbst gesagt“, Voss fand sich unvermittelt in der Defensive.
Sabine antwortete darauf nicht. Voss bemerkte nach einiger Zeit:
„Sie wissen schon, dass Sie diese Pläne leicht als ihre Kreation verkaufen und die Lorbeeren dafür einheimsen könnten?“
Sabine beschlichen Zweifel. War sie auch hier Dienerin? Dienerin Krolls, womöglich Dienerin des Vorstandsvorsitzenden? War sie für die Arbeitswelt, für die Managerwelt nicht egoistisch, nicht hart genug?
Sie war geneigt, heftig zu reagieren, um diesen Zweifel loszuwerden, überlegte zu lange und schwieg lieber.
„Sie sind mir eine“, sagte Voss und stand auf. Er hielt ihre Hand fest, als sie sich verabschiedete und sagte barsch:
„Sie tun genau das, was Sie für richtig halten, verstanden? Lassen Sie sich von den eingefahrenen Wegen nicht aus der Spur bringen und setzen Sie sich über die altmodischen Prinzipien hinweg, auch über meine, verstanden? Tun Sie das, was Sie für richtig halten.“
Mit den Worten stieß er sie regelrecht aus dem Büro.
Sabine schüttelte auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz den Kopf. Ob man Männer je verstehen könnte?
Sie hatte Post von der Uni bekommen, sie verschlossen von zu Hause mitgebracht und getraute sich erst hier im Büro, sie zu öffnen. Jedoch bestand für sie kein Anlass zur Sorge, denn sie war als Doktorandin zugelassen worden, als Voraussetzung wurde ausdrücklich ihr Diplom verlangt. Man teilte den Namen des Doktorvaters mit und hatte das Exposé ihrer Dissertation akzeptiert.
„Ja!“, rief sie begeistert, „Ja!“
Ihre Sekretärin kam herbeigeeilt:
„Ja bitte?“
Sabine schmunzelte. So eine neugierige Person!
„Bringen Sie mir doch bitte einen Kaffee und rufen Sie Kroll her.“
Kroll kam rasch herein, noch ganz versunken in seiner Arbeit:
„Ich erstelle aus den Wartungs- und Reparaturprotokollen eine Statistik für jede Maschine und Anlage“, berichtete er, „Daraus folgt schlüssig ein Wartungsplan.“
„Sehr gut, Kroll, brauchen Sie dazu Unterstützung?“
„Es ist eine reine Fleißaufgabe, wenn jemand die Protokolle in den Rechner eingeben könnte, das wäre eine große Erleichterung.“
Sie besprachen die Qualifikation dessen, der helfen sollte, Sabine sagte die Hilfe zu.
„Sie bekommen erst einmal ein Büro hier im Verwaltungsgebäude, Kroll. Sie sollen die Position eines leitenden Ingenieurs übernehmen.“
„Watt?“, fragte Kroll überrascht.
Sabine schmunzelte:
„Ich habe doch gesagt, dass ich Sie brauche. Fühlen Sie sich einer solchen Aufgabe gewachsen?“
„Blöde Frage!“, entfuhr es Kroll, er schwächte schnell ab:
„Logisch, Frau Doktor, selbstverständlich. Sie können auf mich zählen.“
'Ein Arsch bleibt ein Arsch, auch wenn man ihn befördert', dachte Sabine. Sie wunderte sich, als Kroll weg war, denn entgegen ihrer Erwartung hatte er nicht nach einer Gehaltserhöhung gefragt.
Ihr 'Hurentelefon' läutete, die liebe Jana.
„Hi Schatz!“, rief sie erfreut.
„Na Süße?“, Janas Stimme klang verrucht und rauchig durch den Äther. Ein wohliger Schauer überlief Sabine, sie meinte zu fühlen, dass sich ihre Schamhaare sträubten.
„Ich muss sehen dich“, kam es verführerisch über den Draht.
„Ich muss dich auch sehen“, erwiderte die kleine Blonde. Sie zupfte eine Haarsträhne aus dem Dutt und ringelte sie auf die Art um den Zeigefinger, wie sie es als Kind bereits getan hatte.
„Kannst du herkommen?“, fragte die Stimme, die bei Sabine Herzklopfen hervorrief.
Sie entwarf gleich einen Zeitplan. Es durfte nicht zu spät werden heute Abend. Sie würde den Sport für heute auslassen und sich sofort nach Feierabend …
„Um Sieben in dem netten Café?“, schlug sie vor.
„Ja, von da aus wir gehen essen, ladna?“
„Ja, prima, dann brauch ich hier nichts zu essen. Ich freue mich auf dich.“
„Ich kann nicht mehr halten aus!“, behauptete Jana.
„Ich küsse dich, Geliebte“, murmelte Sabine leise in ihr Handy, weil sie sich plötzlich bewusst wurde, dass die Sekretärin wahrscheinlich zu lauschen versuchte.

Von diesem Moment an ging alles leichter. Sie hüpfte quasi durch die Arbeit. Sie hatte mit der Verwaltung gesprochen und für Kroll ein Büro organisiert, unterrichtete Voss von ihren Fortschritten, pflückte sich die Aufgeweckteste der Schreibkräfte, vergewisserte sich ihrer Fähigkeiten am Rechner und wies sie an, die Daten aus den Reparaturprotokollen nach Angaben Krolls in den Computer einzugeben.
Sie arbeitete weiter und weiter, erst als sich die Sekretärin auf wiederholtes Rufen nicht meldete, stellte sie fest, dass der Feierabend längst angebrochen war und sie sich sputen musste, um die Verabredung mit der Geliebten einzuhalten. Sie kam nicht mehr dazu, sich umzukleiden, sie raste gleich los.

„Bin ich zu spät?“, fragte sie atemlos, während sie die Geliebte umarmte.
„Wie siehst du aus?“, fragte die konsterniert.
Sabine schaute an sich hinab und meinte entschuldigend:
„Ich komme von der Arbeit.“
„Du arbeitest in diese Anzug?“
„Ja“, meinte Sabine verschämt, „Schlimm?“
„Nix schlimm, aber nix normal. Mädchen in Agentur arbeiten nur Agentur, eine arbeiten als Porno-Model, aber du siehst nach richtige Arbeit aus. Was arbeitest du? Bei Bank?“
„Nein“, antwortete Sabine entschlossen, sie wollte ihr 'normales' Leben nicht preisgeben:
„Ich sterbe vor Hunger, wohin gehen wir?“
Jana blickte sie nachdenklich an, ihre blauen Augen hatten einen dunklen Grünstich bekommen.
Sie begann zu lächeln:
„Ich möchte sehen, wie du isst mit Hände, ok?“, das strenge Kostüm der Kleinen schien sie nach wie vor zu irritieren.
„Ich könnte mir etwas anderes anziehen“, schlug die vor, „Müssten wir wohl dann erst kaufen.“
„Nicht nötig, aber wenn du willst?“, fragte die heiße Große, ihr Blick bekam etwas Lüsternes.
Die kleine und die große heiße Blondine strebten eine Boutique in einer Seitenstraße der Shopping-Meile an. Das dortige Angebot umfasste ausgefallene Kleider und Accessoires, teilweise außerordentlich ausgefallen.
Frau Doktor stöberte ziellos in den fremd anmutenden Kleidungsstücken herum, für sie kam keines von denen in Frage. Jana verschwand in dem hinteren Bereich des Ladens und kam kurze Zeit später mit einem Arm voller Kleidungsstücke zurück.
„Komm, du probieren!“, kommandierte sie. Sie ging unaufgefordert mit in die Umkleidekabine, küsste die kleine Blonde, streichelte sie, kraulte ihren Nacken und löste dabei den Dutt der Freundin, dass die Haare lang hinunterfielen wie ein Wasserfall von einer Klippe.
„Du wunderschön!“, flüsterte sie und begann, die Kleine auszuziehen. Die wurde von der Erregung der Freundin angesteckt und ließ sich das gern gefallen, unterstützte, wo es notwendig war, ansonsten ließ sie sich entkleiden wie ein Kind.
„Du wunderschön!“, wiederholte Jana, Sabine lächelte. Sie lächelte weiter, als ihr die Augen verbunden wurden und ließ sich ankleiden, obwohl sie nichts sah. Sie hob die Füße auf Aufforderung, streckte die Arme hoch und hatte noch nicht viel am Körper, als Jana ihr die Augenbinde abnahm.
„So kann ich nicht unter Leute gehen!“, sagte sie spontan, als sie sah, was die Geliebte für sie ausgesucht hatte. Sie trug immer noch die schwarzen Hochhackigen, darüber einen minikurzen, ausgestellten schwarzen Rock, ein klitzekleines, elastisches, leicht durchscheinendes Top, darüber eine kurze Bolero-Jacke mit Spitzenbesatz.
„Unmöglich!“
„Bitte!“, bettelte die Freundin.
„Geht doch nicht, schau mal wie kurz.“
Sie hob das Röckchen an und erblickte im Spiegel den winzig kleinen, durchsichtigen Slip, den ihr die erfahrene Kollegin ausgesucht hatte.
„Du bist unmöglich!“, schimpfte die heiße Kleine, musste jedoch lachen.
Jana sah zu, wie sie sich im Spiegel betrachtete.
„Meinst du wirklich?“, wurde sie unsicher gefragt.
„Du bist wunderschön.“
Sie erstanden noch ein winziges Täschchen. Sabine dachte 'Für den Autoschlüssel, Lippenstift, Geld und Präservative reicht es.'
Sie kicherte verschämt.
Zehn Minuten später saßen sie in einem amerikanisch angehauchten Restaurant. Jana bestellte und binnen kurzem stand ein großer Teller mit Chicken-Wings auf dem Tisch.
„Rote sind scharf“, erklärte sie, „braune herzhaft. Guten Appetit.“
Es gab noch eine Schüssel mit Farmerkartoffeln und Crème Fraîche. Als Sabine ihren ersten Hunger gestillt hatte, betrachtete sie Jana, wie die aß. Die große, elegante Freundin nahm die Speisen mit großer Sinnlichkeit zu sich, schien jede Nuance zu schmecken, genoss jeden Bissen, jeden Happen, jeden Schluck aus dem Bierglas.
„Ich trinke nie Bier“, sagte Sabine.
„Zu diese Essen passt besser“, behauptete die Große, „Probiere einen Schluck!“, ordnete sie an.
Sabine nahm ein Schlückchen des herben Getränks.
„Ich weiß nicht“, bemerkte sie unsicher.
„Nimm Kartoffel, Sour-cream und dann Bier.“
„Joh“, meinte Sabine nach einem erst skeptischen Gesichtsausdruck, „kann man trinken.“
Ihr Appetit wuchs, der Wille, genau so sinnlich zu genießen wie die Freundin es ihr vorführte beflügelte sie. Sie erlaubte sich, schmatzend die Finger abzuschlecken und mit den immer noch fettigen Händen das Bierglas anzufassen und einen großen Schluck daraus zu trinken.
„Geil!“, entfuhr es ihr.
Sie konnte und wollte sich nicht dagegen wehren, dass das sinnliche Essen, diese außergewöhnliche, verbotene Art zu Schlemmen sie erregte. Die ungewohnte Aufmerksamkeit der männlichen Gäste, die sie durch die knappe Bekleidung erfuhr und die Nähe der Freundin steigerten ihre Unruhe. Hinzu kam, dass sie ganz sicher war, gleich erneut diesen betörenden und beglückenden Sex mit der Geliebten zu haben, von dem sie seit Tagen träumte.
Sabine wurde von einer Unruhe getrieben, über die sie nicht hinweg analysieren konnte, vor der sie versucht war, weg zu laufen, weil sie die Kontrolle zu verlieren drohte.
Stattdessen lächelte sie und ließ es geschehen.
Nicht die Frau Doktor war gefragt, hier saß Sabinchen und die war ein Frauenzimmer und nichts sonst. Kein funktionierender weiblicher Freak, der Dinge tat, die eine Frau normalerweise nicht anfasste, die einen Beruf ausübte und Ziele erreichte, die man einer Frau nicht zutraute, sondern hier saß sie, die Kleine. Die mit dem hübschen Gesicht und den großen Brüsten. Die, die nicht nur geil aussah, sondern auch geil war. Die sich das eingestand, eingestehen musste und sich gut dabei fühlte. Sie wollte es jetzt erleben, jetzt gleich.
Nach dem erregenden Mahl begleitete sie die Freundin, fest eingehakt und sich auf die Große stützend, in deren Wohnung.
Die lag überraschend zentral und entpuppte sich als erstaunlich große und geschmackvoll eingerichtete Altbauwohnung. Für die Schönheit ihrer Umgebung hatte die unruhige Kleine allerdings kaum ein Auge, die mindestens ebenso heiße Große nahm ihre ganze Aufmerksamkeit und ihren niedlichen Körper für sich in Anspruch.
Sabine fühlte sich blitzschnell in Beschlag genommen, gab sich der Geliebten mit Freuden hin. Wurde auf ein Bett geleitet und war wiederum Nehmende. Wurde liebkost, umschmeichelt, geküsst, gestreichelt, gereizt, penetriert, ins Glück hinauf gebracht, weit, weit hinauf.
Sie wurde mit Kosewörtern bedacht, von gierigen weichen Lippen verzehrt, genossen und geschmeckt. Sie wurde begehrt, geliebt und auf unfassbar heiße Art befriedigt.
Die Liebe der Freundin umgab sie wie ein fester Mantel, in dem sich beide traumhaft sicher bewegten. Auch als Sabine die empfangenen Wonnen und Freuden, das empfangene Glück und die genossene Lust vergalt, blieben sie in diesem Liebeskokon.
Keine von ihnen war bedacht auf die eigene Befriedigung, allein das geschenkte Glück zählte, nur die Lust und Zufriedenheit der Anderen hatte Gewicht.
Diese Selbstlosigkeit hatte die Kleine noch niemals erfahren und noch niemals empfunden. Wenn sie ein Synonym für höchstes Glück hätte nennen sollen, wäre ihr 'Jana' eingefallen, nichts sonst.
Für sie war das Erleben mit der Liebsten die höchste denkbare und erreichbare Freude. Am Ende der wunderbaren Entdeckungsreise in die Liebe schlief sie im Arm der Liebsten ein.

Erst frühmorgens erwachte sie im fremden Bett. Die liebste Freundin war nicht da. Sie erschrak, schaute auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis Dienstbeginn.
„Ohje!“, sie warf sich in die Kissen zurück. Was passierte mit ihr?
Sie hörte eine Tür klappen und folgte dem Geräusch, wickelte sich in das Laken, um ihre Blöße zu bedecken.
„Ich habe Brötchen und Croissants gekauft“, sprach Jana und hängte den Popeline-Mantel an den Haken, unter dem sie nichts trug, außer einem Fußkettchen. Sabinchen öffnete das Laken und schlang es um sie beide, vereinnahmte die Liebste, schmiegte sich an die Süße, als wolle sie mit ihr verschmelzen.
„Ogottogottogott!“, murmelte die Kleine an der Brust der Großen und seufzte tief.
Was sie für Jana empfand konnte sie nicht in Worte fassen.
„Kaffee oder Tee?“, fragte die Gastgeberin sachlich.
Sie saßen unbekleidet am Frühstückstisch und beobachteten einander, sie sprachen kaum.
„Wie hast du geschlafen?“, fragte die Große endlich.
„Ich weiß nicht“, erwiderte die Kleine verschmitzt, „ich war nicht dabei.“
„Du kannst wohnen hier immer, brauchst nicht Hotel. Wenn möchtest, hab ich Gästezimmer. Du brauchst auch nicht mehr Bank-Job machen. Kommst her, wohnst bei mir und wir arbeiten zusammen.“
Sabine hörte auf zu kauen.
Das war fast ein Heiratsantrag und drückte in etwa das aus, was ihr zu formulieren nicht gelang.
„Super, danke, denke ich gerne drüber nach. Freitag kann ich hier schlafen?“
„Natürlich, hier schlafen. Ich gebe Schlüssel. Wann du musst fahren?“
„Ach, ich könnte dich so ...“, die Kleine erhob sich und gab der Großen einen saftigen, intensiven Kuss, umarmte sie heftig, voll Überschwang und Frohsinn.
„Mein lieber Mann!“, sagte Jana atemlos, als sie sich trennten. Dann sprang sie auf, umarmte die Kleine und sprach in ihren Mund:
„Ich will dich fressen, ich will dich ganz haben in mir, ich will dich haben!“
„Huh!“, machte die Kleine und wedelte mit den Händen um ihre Gastgeberin zu erschrecken. Sie umarmten sich.
„Ich lieben dich!“, sagte die Große. Sie kniete neben Sabines Stuhl und lehnte ihren Kopf an die Brust der Kleinen.
Die lachte verlegen, packte die Große an der Nase und sagte entschlossen: „Ich muss los!“

Auf dem Weg nach Hause sang sie. Entgegen ihrer Gewohnheit fuhr sie langsam auf der rechten Spur und passte sich der Geschwindigkeit dort an.
'Ich lieben dich' hatte Tatjana gesagt und ihr damit aus der Seele gesprochen. Konnte eine Frau eine Frau lieben?

Das Werk saugte ihre gesamte Energie auf, kaum dass sie das Tor passiert hatte und spuckte zwei Stunden nach Feierabend eine total erschöpfte Frau Doktor wieder aus.
Abendessen, eine Stunde Fernsehen und ab ins Bett.
„Ich lieben dich!“, wiederholte die Geliebte, als sie sich am Telefon verabschiedeten, „Und ich dich!“, erwiderte schüchtern die Kleine.

Sie erlebte ein unfassbar harmonisches Wochenende mit ihrer Freundin. Dieser Einklang mit Jana, in dem sie sich befand, sobald sie in der Nähe war, hinterließ tiefe Spuren in ihrer Seele. Die übliche Analysetechnik versagte bei dem Versuch, die Innigkeit, die zwischen beiden herrschte, zu verarbeiten.
Auch an diesem Wochenende hatte sie sechs Termine auf dem Plan, der fünfte war wiederum der Mann in ihrem Stammhotel, der, mit dem sie diesen unglaublichen Sex hatte. Bei dem sie erstmalig zur echten Dienstleistenden geworden war, zur Liebedienerin.
Auch an dem Abend gelang es ihr, den Mann restlos zu befriedigen und gleichzeitig selbst größte Befriedigung zu erlangen.
Spät in der Nacht öffnete sie so leise wie möglich die Tür zu Janas Wohnung. Die Freundin saß im seidenen Morgenmantel in der Küche vor einem Glas Weißwein und malte sich die Fußnägel.
Sie küssten sich, Sabine setzte sich in ihren Morgenrock gekleidet dazu, trank ein Gläschen Wein mit und ratschte mit der Freundin über die Kunden. Sie amüsierten sich prächtig und gingen spät schlafen.

In der folgenden Woche nahm sich die Frau Doktor Kopenhauer-Breuer zwei Tage frei, sie musste die mündliche Befragung zu ihrer Diplomarbeit über sich ergehen lassen und Rede und Antwort stehen. Letztlich befragte man sie ausschließlich zum Stoff ihrer Diplomarbeit und nach sechs Stunden schwitzen und ängstigen bekam sie die Urkunde ausgehändigt.
Sie war nun Diplom-Ingenieurin!
Sie war sehr stolz darauf, sehr, sehr stolz. Ihre Mutter wäre ausgerastet vor Freude, wenn sie ihre akademisch gebildete Tochter erlebt hätte. Trotzdem sagte sie niemandem ein Wort. Sie fuhr von der Uni gleich durch zu ihrer Geliebten und verbrachte dort eine himmlische Nacht, die sie an ihrer bisherigen Zukunftsplanung zweifeln ließ.

In der Doktorarbeit schrieb sie die Umgestaltung des Werkes auf, haarfein und lückenlos. Das Thema begleitete ihr Doktorvater, ihr Maschinenbau-Prof.
Bereits drei Wochen nach dem Diplom reichte sie ihre Dissertation ein und hoffte das Beste.
„Mindestens magna cum laude“, versprach der Professor bei ihrem Anruf. Die Arbeit lag bereits zur Beurteilung aus und erregte großes Aufsehen. Weibliche Maschinenbauingenieure waren nicht sehr häufig und einen weiblichen Dr.-Ing hatte die Universität überhaupt noch nicht hervorgebracht.
Es gab eine kleine Feier im Konferenzsaal der Hochschule, als sie ihre Urkunde gegen die Aushändigung der gedruckten Dissertation erhielt.

Sabine betrat mit einer offiziell aussehenden Mappe in der Hand das Vorzimmer von Voss.
„Gehen Sie nur durch, Frau Doktor, der Chef ist schon ganz neugierig.“
„Gott, wie schauen Sie denn aus der Wäsche?“, empfing er sie und machte einen erschreckten Eindruck. Er deutete auf ihre Mappe und sagte: „Jetzt kommen Sie mir aber nicht mit einer Kündigung daher, wird nicht akzeptiert.“
Sabine lächelte schmal.
„Nein Herr Voss, ich habe etwas, was Sie Geld kosten wird.“
„Wie Geld kosten? Kommt nicht in Frage. Zeigen Sie mal her.“
Sie schlug die Mappe auf und legte dem ahnungslosen Boss ihre Promotionsurkunde vor. Der warf einen flüchtigen Blick darauf.
„Na, ich weiß doch, dass Sie Doktor sind und was soll daran Geld kosten?“
„Lesen Sie mal genau“, schlug die Kleine vor, der er so gerne auf die Brüste und den Hintern schaute.
Voss las und sprach verblüfft: „Wie, Dr-Ing, ich denke, Sie sind Betriebswirtin? Dr. Betriebswirtin?“
„Das war ich bisher und bin es immer noch. Das hier kommt oben drauf und das kostet Sie Geld.“
„Wie jetzt?“, Voss wollte es nicht verstehen.
„Ich bin promovierter Maschinenbauingenieur, -ingenieurin. Frau Doktor-Doktor.“
„Das können Sie mir nicht antun!“, ächzte Voss und ließ sich frustriert in den Sessel plumpsen, „Ich muss Sie jetzt mit Frau Doktor-Doktor-Kopenhauer-Breuer ansprechen? Das bringe ich nicht!“
Sabine lachte das helle fröhliche Lachen, das sie bei Jana gefunden hatte.
„Nein, Frau Doktor reicht.“
„Da bin ich aber froh!“, stöhnte Voss, um dann umgehend sachlich und ernst zu werden:
„Sie haben Maschinenbau studiert? Und promoviert? Wann denn? Sie mussten doch auch eine Diplomarbeit abliefern, wann haben Sie das alles gemacht?“
„Tja“, meinte die Frau Doktor-Doktor, ein wenig selbstgefällig. Sie war ein wenig stolz auf sich, berechtigterweise, „Nach Feierabend und am Wochenende, Fernstudium.“
„Allergrößte Hochachtung, Frau Doktor, Respekt!“, er kam um den Schreibtisch herum geeilt und gratulierte ihr mit dem üblichen sehr festen Händedruck. Ruckartig kam ihm ein Gedanke.
„Meine Güte!“, er rannte zur Rezeption und wies die Damen an:
„Wir brauchen zehn Flaschen gekühlten Champagner, Gläser und bitten Sie die Herren vom Vorstand schnellstmöglich her und alle Ingenieure der Produktion.“
Er knallte die Tür zum Büro, schnappte sich die Kleine und tat mit ihr zwei ausgelassene Galoppsprünge.
„Mann, sind Sie ein tüchtiges Mädchen und was bin ich froh, dass Sie für mich arbeiten.“
Er brabbelte gleich weiter, während er hinter seinem Schreibtisch Platz nahm:
„Wieviel Gehaltserhöhung haben Sie sich vorgestellt? Meingott, einen Doktor-Ing hatten wir hier noch nie. Was verdienen Sie denn dann? Mehr als ich oder? Ich bin nur Schlosser-Meister.“

Die Schreibkräfte versorgten die Anwesenden mit Getränken. Als alle Gäste eingetroffen und mit vollen Gläsern versorgt waren, klopfte Voss an einen metallenen Dekorationsartikel auf seinem Schreibtisch.
„Ich habe etwas zu verkünden! Hallo, Ruhe da! Unsere Frau Doktor hier, die unseren Betrieb so schön auf links gezogen hat, dass sich kein Mensch mehr auskennt und wir endlich wieder schwarze Zahlen schreiben, die hat uns einen deftigen Streich gespielt.“
Er machte eine Pause, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden gehörte ihm.
„Sie hat, sie werden es nicht glauben, sie hat nebenher, während sie hier alles umgebaut und neu strukturiert hat, nebenher Maschinenbau studiert. Ich sags nochmal, ihr könnt euch ihre Stundenabrechnung anschauen: keine Woche unter 50 Stunden, meistens sogar über sechzig. Das Mädchen, das so viel arbeitet, hat 'nebenbei'“, er malte theatralisch Anführungszeichen in die Luft, „ganz nebenbei Maschinenbau studiert.“
„Was?“, fragte man aus der Belegschaft, „Studiert?“
„Joup, Maschinenbau studiert. Und nicht einfach popelig Ingenieur, nein-nein. Auch nicht Diplom Ingenieur, nein, sie ist Doktor-Ingenieur. Kann sich das einer vorstellen, Leute? Promoviert hat sie auch noch!“
„Allergrößte Hochachtung und unser aller Respekt, Frau Doktor.“
Er berichtigte sich sofort auf: „Frau Doktor-Doktor.“
Alles klatschte oder klopfte auf Tische, irgendein Holz oder gegen die Türe.
Man wartete darauf, dass sie etwas sagte.
„Ich fand“, begann sie leise, räusperte sich und wurde lauter, „ich fand, dass ich das dem Werk schuldig bin. Ich musste mich fortbilden, um noch bessere Leistung abliefern zu können.“
Sie nutzte die Möglichkeit, eine Motivationsrede zu halten.
„Ich werde weiterhin alles geben, um uns hier zu mehr Erfolg zu führen. Zu Erfolg zähle ich nicht nur den Umsatz, der ist wichtig, aber nicht alles.
Ich rechne zum Erfolg auch die Kontinuität in der Belegschaft. Ich möchte jeden Azubi übernehmen und ich möchte ihn immer noch hier sehen, wenn ich in Pension gehe. Die Erhaltung der Arbeitsplätze, eine zufriedene Belegschaft und ein zufriedener Vorstand, das ist mein Ziel. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn Sie alle mit daran arbeiten, wenn wir alle daran arbeiten.
Mein Ziel war es, mit einem Beispiel voran zu gehen. Ich möchte, dass sich jeder Kollege im Rahmen seiner Möglichkeiten und Interessen weiter bildet und werde das vom Betrieb her anbieten und unterstützen.“
Es herrschte einen Moment Ruhe, dann begann Voss zu klatschen, alle fielen ein.
Sabines Mutter wäre so stolz auf sie gewesen.



In die Wochenenden der Kleinen hatte sich eine beruhigende Routine eingeschlichen. Es war zwar weder Kongress noch Messe in der Stadt, die Arbeit für Sabine blieb jedoch gleich, sechs Termine je Wochenende und jeden Samstag ihren liebsten Kunden. Sie schoss ihn und er sie bei jedem Termin bis zum Mond.
Jana holte sie zurück auf die Erde, um ihr die irdischen Genüsse zu bereiten, um sie danach zu verzaubern und in ein Elfenland zu entführen, in dem Zauberkräfte herrschten, die sie mit rationalem Denken nicht erfassen und keinesfalls kontrollieren konnte.
Sabine war glücklich, von ihr aus brauchte es keine weiteren Veränderungen zu geben, alles konnte so bleiben, wie es war.


Dann ergab sich jedoch eine Veränderung, die sie beinahe um ihre Existenz gebracht hätte.
Sie lag, glücklich und zufrieden neben ihrem Samstags-Kunden, Philipp. Sie hatten sich gegenseitig höchstes Glück geschenkt und ließen gemächlich die Gefühle sich beruhigen. Alles war Wölkchen, bis er ihr eröffnete:
„Heute war unser letztes Date.“
Sie war in Gedanken und fragte nebenher:
„Wie?“
„Ich bekomme einen anderen Job und ziehe weg. Ich steige in den Betrieb meines Vaters ein.“
„Wie, weg?“, fragte sie konsterniert. Weg? Ihr liebster Kunde?
„Ich verschwinde aus der Region, ich ziehe um. Ich gebe den Wohnsitz hier auf. Deswegen werden wir uns nicht wiedersehen.“
„Wieso? Wohin ziehst du? Das kann doch nicht ...“
Sabine fühlte Tränen aufsteigen.
„Och komm“, meinte Philipp, „ich bin ein Kunde unter Vielen, hast du selbst mehrfach betont. Warum heulst du denn dann?“
„Es war so … eine schöne … Routine“, plötzlich aufsteigende, tief aus dem Inneren kommende Schluchzer unterbrachen ihre Rede. Die Nachricht hatte sie tief getroffen, viel viel tiefer, als sie es sich jemals zugestehen würde.
„Ach, Kleines, du findest für Samstag garantiert eine andere, äh, Freizeitbeschäftigung.“
„Darum geht es nicht“, sagte die traurige Kleine.
Der Abschied fiel ihr sehr schwer, sehr sehr schwer.
Den Sonntag verbrachte sie in der Hauptsache weinend vor dem Fernseher. Ein Teil des Lebens war ihr geraubt, ein wichtiger Teil. Einer der wichtigsten Teile. Sie verfluchte den Job, der Liebe vorgaukelte, letztendlich jedoch ein Job war, nur ein Job.
Es war nur ein Job und sie nur eine austauschbare Dienstleistende, nichts sonst.

Am Montag rief Voss sie zu sich.
„Das ist Frau Doktor-Doktor Kopenhauer-Breuer, die Betriebs- und Produktionsleiterin. Ganz im Ernst gesprochen ist eigentlich sie der Chef des Unternehmens und ich bin ihr Lakai.“
Voss sprach zu einem Mann, der am Fenster lehnte und gegen das Licht von ihr nur schemenhaft wahrgenommen wurde.
„Frau Doktor, dies ist mein Sohn. Er hat unter dem Mädchennamen seiner Mutter alle Konkurrenzunternehmen besucht und in jedem ein Praktikum absolviert. Zuletzt war er bei unserem direkten Wettbewerber im Vertrieb tätig. Ich darf Ihnen Philipp Voss vorstellen.“
Beide starrten sich verblüfft an: Da stand ihr Samstagskunde. Der, wegen dem sie literweise Tränen vergossen hatte!
Voss senior wanderte hinter seinen Schreibtisch zurück und sah die Blicke nicht, die die beiden austauschten.
„Ich möchte, dass Sie ihn unter ihre Fittiche nehmen und in die Produktionsprozesse einführen. Vor allem dieses moderne Zeugs da, was auf ihrem Mist gewachsen ist, soll er sich anschauen, damit er weiß, was auf ihn zukommt. Bitte nehmen Sie ihn mit, ich habe einen wichtigen Termin mit meinem Arzt.“
Die Beiden hatten kein Wort gewechselt, das besorgte Gesicht des Seniors nahmen sie nicht wahr.
Für Sabine war der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten. Es erkannte sie jemand und dieser Jemand war auch noch der Sohn des Chefs. Was würde nun passieren? Würde ihr das gesamte Leben, ihre gesamte Zukunft um die Ohren fliegen?
Wenn in der Branche ihre gegenwärtige Vergangenheit ruchbar würde, bekäme sie nie mehr irgendwo einen ihrer Ausbildung entsprechenden Job.
Die Gedanken zischten wie Blitze durch ihr Hirn. Sie arbeitete an Plan 'B' und 'C' gleichzeitig, Plan 'A' schien zerstört und unmöglich in der Durchführung zu sein.
Sie könnte zu Jana ziehen und dort arbeiten. Diese Alternative blieb ihr. Sie verdiente dort ordentlich und was später kam, müsste man dann sehen.
Jedoch, so weit war es noch nicht, noch nicht ganz. Die Negativnachricht umschnürte ihr Herz und nahm ihr den Mut.
Philipp trottete hinter ihr her. Sie waren ständig von anderen Leuten umgeben, im Flur, im Lift und konnten nicht reden. Erst in ihrem Büro waren sie allein.
„Die Frau Doktor-Doktor von der Venus, sieh mal einer an“, meinte er leise.
Ihre Wangen glühten, sie wusste nicht, was zu tun war.
„Ich freue mich, dich zu sehen“, meinte er ruhig.
„Dito!“, bestätigte sie fest. Sie hatte sich hinter den Schreibtisch geflüchtet, dort verschanzt und suchte sich zu sammeln.
Sie packte den Stier bei den Hörnern:
„Und nun?“
Er saß ihr in einem der Besucherstühle gegenüber.
„Was, nun?“, zeigte er sich unverständig, „Du zeigst mir den Betrieb und weihst mich in deine Geheimnisse ein. Eines kenne ich ja schon.“
„Wirst du darüber reden?“, der Schreibtisch gab ihr Sicherheit, trotzdem hörte sie sich in ihren Ohren unsicher an.
„Nicht, wenn du heute Abend mit mir essen gehst“, meinte er gelassen.
„Wenn es öffentlich wird, ist mein Job weg“, sie hielt beinahe den Atem an, als sie das gesagt hatte.
Er überlegte kurz, sah sie dabei ausführlich an.
„Erstmal glaube ich das nicht, zum Zweiten ist es deine Privatsache. Wenn mir jemand vorschriebe, was ich in meiner Freizeit zu tun oder zu lassen hätte, dem würde ich aber prima heimleuchten.“
„Die würden mich hier achtkantig hinauswerfen, geteert und gefedert!“, behauptete Sabine. Sie war versucht, den Atem anzuhalten, pausenlos.
Philipp schaute sie nachdenklich an.
„Du müsstest hören, wie mein alter Herr von dir spricht, dann würdest du das nicht denken. Er ist der Meinung, dass du den Betrieb gerettet hast.“
Sabine fühlte ihre Wangen erneut erröten.
„Ach was!“, meinte sie verlegen.
„Außerdem hast du noch etwas gerettet.“
Sabine tauchte aus den trüben Gedanken auf, sie hob auf ganz aparte Weise eine Augenbraue an.
„Du hast meinen Glauben an die Chance gerettet, dass eine heterosexuelle Beziehung länger dauern kann als zwei Stunden, ohne dass man sich auf den Senkel geht.“
Er machte dabei ein Gesicht, als habe er ein großes Opfer gebracht, indem er sie mehr als einmal ertragen hatte.
„Nun“, ihr Ärger machte sich Luft, auch weil sie an den traurigen Sonntag denken musste, der ihr sehr deutlich in Erinnerung war. Sie sagte heftig: „Mit der Dankbarkeit für die Rettung ist es nicht weit her. Du hast mich Knall auf Fall abserviert. Wir hätten uns nie mehr gesehen, wenn uns der Zufall nicht diesen Streich gespielt hätte.“
„Frau Doktor, wenn du das glaubst, dann glaubst du auch an den Osterhasen. Ich hatte sogar bereits einen Plan, dich aus dem Milieu herauszuholen.“
„Was? Wie? Was hattest du?“, fragte sie erstaunt,
„Ach“, Philipp winkte ab, es schien ihm peinlich zu sein.
„Na, nu komm, erzähl schon“, seine Reaktion warf ein ganz anderes Licht auf ihn. Sie musste wissen, was er sich gedacht hatte und hakte auf die ihr eigene Art energisch nach:
„Du kennst von mir alles Peinliche, dann kannst du mir dein Peinliches auch erzählen.“
Ihr Telefon läutete.
„Herr Kroll“, meldete die Sekretärin.
„Ich rufe später zurück, spätestens nach dem Mittag, ich bin in einer Besprechung. Bitte keine weitere Störung.“
Philipp griente schief und meinte spöttisch:
„Viel beschäftigte Managerin, wa?“
„Es kann nicht schaden, wenn ich mal nicht zu erreichen bin. Es denken ja bereits alle, ich sei ihr Eigentum.“
„Wo sind wir stehen geblieben?“, fuhr sie fort, „Achja, du wolltest erzählen wie ...“
„Nee, wollte ich nicht“, wehrte er verlegen ab.
„Na, nu komm schon, mach es nicht spannend.“
Philipp lächelte.
„Also gut, dann lach mich aus. Ich bin davon ausgegangen, dass eine Dame aus dem Milieu irgendjemandes Eigentum ist, das er nur ungern wieder abgibt, weil es sich um seine Einnahmequelle handelt. Ich hatte die Illusion, dass ich dich irgendwo auslösen könnte und du mir in unendlicher Dankbarkeit dein gesamtes restliches Leben schenkst.“
„Aha!“, Sabine schmunzelte vergnügt, „Mein gesamtes restliches Leben!“
„Jou, da wusste ich ja noch nicht, dass du dir etwas Besseres erarbeitet hast, als ich dir je bieten könnte“, erwiderte der Sohn des Chefs mit geröteten Wangen und breitete die Arme aus, um das Büro und die gesamte Firma zu umfassen.
„Weißt du, dass du in ein paar Jahren Firmenanteile bekommen und in den Vorstand berufen werden sollst?“, fuhr er fort in aller Offenheit zu reden.
„Watt? Was ist?“, fragte Frau Doktor-Doktor überrascht.
„Na, sie wollen dich für den Rest deines Lebens hier anketten. Sie wollen dich haben, mit Haut und Haar.“
„Häh?“, fragte die kleine Blonde perplex.
„Joup!“, bestätigte der Sohn des Vorstandsvorsitzenden, „Für mich bleibt nur der Job eines Laufburschen. Haben Frau Doktor-Doktor etwas zu tun für mich? Darf ich Ihnen einen Kaffee holen? Ihre Füße lecken?“, er hechelte dabei wie ein Hund.
Sabine lachte, lachte hell und klar, vergnügt und unbeschwert, wie ein kleines Mädchen.
„Verrückter Kerl“, kicherte sie.
„Es ist gleich zwölf, gehen wir zu Mittag essen?“
Sie verbrachten eine vergnügte Stunde in einem Steak-House, lachten viel und waren sehr aufgeräumter Stimmung. Sie waren froh, einander wieder gefunden zu haben.
„Gehen wir zu dir?“, fragte Philipp, als sie die Rechnung bestellt hatten. Sie schaute ihn überrascht an. War das der Preis für sein Schweigen? Musste sie ihm ab nun jederzeit zur Verfügung stehen?
Er fuhr sich über den Mund und tat so, als verschlösse er ihn mit einem Reißverschluss und schließe mit einem Schlüssel ab, den er zwischen zwei Fingern hielt.
Sie zeigte sich einverstanden auf ihn einzugehen, indem sie die ausgestreckte Hand unter die Finger legte, die den Schlüssel hielten. Er ließ den imaginären Schlüssel fallen, führte sich ihre Hand zum Mund und küsste die Innenfläche.
Es beschlich sie ein mulmiges Gefühl, jedoch ebenfalls das Gefühl von unendlicher Zärtlichkeit, geleitet von Zuneigung und Vertrautheit.
Und Misstrauen.
Denn eine einmalige Erpressung wäre für keinen der beiden eine wirkliche Lösung. Die Wahrscheinlichkeit, dass er von seinem Wissen öfter als einmal Gebrauch machen würde lag nahe bei einhundert Prozent.

Sie hatte noch niemals Jemanden mit zu sich nach Hause genommen und wollte es auch dieses Mal nicht tun.
„Ich nehme nie jemanden mit nach Hause“, erklärte sie, „Ich weiß ein nettes kleines Hotel.“
„Wenn du es mir nicht freiwillig zeigst, schaue ich in den Firmenunterlagen nach wo du wohnst und bleibe so lange vor der Tür stehen und singe laut, bis du mir öffnest.“
Es war zu befürchten, dass er keinerlei Skrupel hatte, sie unter Druck zu setzen. Sie sah, zumindest auf mittlere Sicht, keine Möglichkeit, ihr Zuhause vor ihm geheim zu halten.
Sie nahm ihn mit.
Sie hatte das komplette Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses ausbauen lassen, nach ihren eigenen Entwürfen. Sie lebte in ihrer Höhle, wie sie es nannte, auf 160m² ohne Wände. Nur ihr 'Scheißhäuschen', wie sie ihre Toilette liebevoll nannte, war ummauert und mit einer Tür versehen, der Rest war frei und offen. Es standen einige Stellwände, deckenhohe Regale und andere Raumteiler herum, die dem suchenden Auge Halt boten, jedoch herrschte in der Hauptsache Freiheit.
„Gottchen, du bist aber toll untergebracht.“
Sie bemerkte zufrieden, dass er sich ohne Aufforderung die Schuhe auszog. Er wanderte umher, schaute dies und das und Jenes an, öffnete die Dachterrasse und erforschte die Aussicht.
„Toll!“, sagte er. Er trat auf sie zu, umfasste ihre Gestalt, die ohne die hohen Absätze noch winziger erschien, und küsste sie, zart und liebevoll.
„Krieg ich einen Kaffee?“
Sie goss den Kaffee in einer Bodum auf, deckte den Esstisch neben der Küchenzeile. Er nahm Platz und knabberte einen der Kekse, die auf dem Tisch standen.
„Gemütlich“, sagte er.
Sie tranken schweigend, Sabine schaute geschäftig auf die Uhr.
„Ich will ja nicht drängeln, aber das Werk ruft ...“, meinte sie mit einem Augenzwinkern.
Sie wurde aus den Absichten des Mannes nicht recht schlau. Was bezweckte er? Sie hatte sich bereits damit abgefunden, dass sie nach dem Essen gleich im Bett landen würden. Aber er hatte keinerlei Anstalten dazu unternommen.
'Versteh einer die Männer!' dachte sie einmal mehr.
Er begleitete sie den ganzen Tag, saß auch bei ihren Meetings neben ihr. Er hörte nur zu. Er schien ähnlich zu analysieren, wie sie es unentwegt tat. Er schien den Ton zu registrieren, in dem sie zu ihren Kollegen sprach und den, in dem sie mit ihr redeten.
Als sich die Sekretärin weit nach dem regulären Feierabend verabschiedete, entspannte er sich etwas. Er fläzte sich mehr liegend als sitzend in den Besuchersessel.
„Wie du das aushältst“, meinte er, für sie völlig unverständlich. Sie kontrollierte einen Arbeitsplan, nahm Verbesserungen vor, verglich etliche Arbeitsabläufe miteinander.
„Was?“, fragte sie abwesend.
„Na, du stehst doch den ganzen Tag unter Strom. Dich fragt doch jeder alles. Dass sie dich auch noch um eine Anleitung bitten wie sie scheißen sollen, ist für mich nur noch eine Frage der Zeit.
Und du weißt ja fast alles aus dem Kopf. Sagenhaft!“
„Weißt du, wieviel ich verdiene?“, fragte sie ernst.
„Nein, natürlich nicht“, gab er eben so ernst zurück.
„Ich verdiene in einem Monat mehr als meine Mutter im Jahr verdient hat. Da ist es doch wohl selbstverständlich, dass ich alles das kann was möglich ist, findest du nicht auch?“
„Arbeitet deine Mutter nicht mehr?“, fragte er, statt einer Antwort.
„Nein“, sagte sie kurz.
„Also, für mein Gefühl: Dich kann man nicht zu hoch bezahlen. Wie dich die gestandenen Mannsbilder anschauen, wie sie an deinen Lippen hängen, Frau Doktor hier, Frau Doktor da. Sagenhaft. Ich glaube, Vaddern hat Recht wenn er sagt, dass du die Chefin bist und alle anderen nur Lakaien.“
„Aha“, spottete sie, „das kannst du nach einem halben Tag erkennen, ja?“
Er zog nur arrogant eine Augenbraue hoch und sagte nichts mehr.
„Soll ich dich um sieben Uhr abholen? Zum Essen?“, fragte er nach kurzer Zeit.
„Ich habe heute Mittag warm gegessen. Ich gehe heute früh zu Bett, morgen gibt es einen harten Tag.“
„Kein Wunder, dass du am Wochenende Zerstreuung brauchst. Wir sehen uns morgen früh in alter Frische.“
Der Mann überraschte sie, sie sah sich außerstande, seine Absichten zu erraten.

Am nächsten Morgen passierte sie eine halbe Stunde vor dem regulären Arbeitsbeginn die Pforte. So konnte sie, ohne dass er ihr auf die Finger schaute, in Ruhe arbeiten.
Er erschien erst gegen halb Neun. Sie schwieg dazu.
Er wirkte merkwürdig bedrückt und schien nicht zum Scherzen aufgelegt.
„Ich komme gerade vom Alten. Du möchtest, sobald es das Tagesgeschäft zulässt, bei ihm reinschneien.“
Sie ging selbstverständlich sofort in die Chefetage. Hatte der Junior etwas verraten? Sie betrat das Büro mit großer Sorge.
„Nehmen Sie bitte Platz“, sprach der Senior.
Kein 'Frau Doktor', kein Lächeln. Bisher hatte er sie stets auf der Sitzgarnitur empfangen, nun sollte sie in einem der steifen Besucherstühle Platz nehmen.
Ohje!
Ihr Herz pochte vor banger Erwartung.
„Ich hatte ein ausführliches Gespräch mit meinem Sohn“, Voss schaute sie nicht an, sondern blickte auf die Schreibunterlage vor sich. Er räusperte sich.
„Also, eines vorweg. Ich schätze Sie und Ihre Arbeit sehr, aber das wissen Sie ja. Trotzdem oder besser deswegen, ich glaube im Interesse des Werkes zu handeln. Also“, das war nicht der Voss, den sie kannte. Er schien eine schlechte Nachricht nicht aussprechen zu können oder zu wollen.
Ohje.
„Also, ich sage es Ihnen als Erste. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie es für sich behalten würden, zumindest so lange, bis es offiziell ist.“
Er seufzte tief. Sabine wollte nicht hören, was er zu sagen hatte.
Ihr Hurentelefon läutete, sie stellte es ab.
„Also“, sie fand es furchtbar, diesen mächtigen und starken Mann so herum drucksen zu sehen. Sie war versucht aufzuspringen und zu rufen:
„Ja, ich bin eine Hure, ich bekenne mich schuldig.“
„Also“, nun schaute er sie an. Sie hatte nie einen so traurigen Menschen gesehen, „die Ärzte geben mir noch ein halbes Jahr, Bauchspeicheldrüse.
Philipp will die Firma nicht übernehmen, er sagt, er wäre dem nicht gewachsen. Und er sagte weiter, ich solle gefälligst die Augen aufmachen und sehen, wer der fähigste meiner Mitarbeiter sei und mich weder vom Aussehen, noch vom Geschlecht, noch von einer wie auch immer gearteten Reputation leiten lassen und sofort mit der Übergabe der Amtsgeschäfte beginnen.
Was er mit Reputation meinte, weiß ich nicht, jedoch den fähigsten Mitarbeiter und jemanden, dem ich ohne 'Wenn und aber' die Firma anvertrauen würde, den weiß ich natürlich.
Er sagte, ich solle gleich beginnen.
Der Notar kommt in einer Stunde her. Ich möchte, dass Sie sich bis dann entschieden haben, ob Sie die Leitung der Firma übernehmen wollen.
Verbunden mit der Übernahme ist die gleichzeitige Übertragung der Stimmrechte der Aktienmehrheit von einundfünfzig Prozent, damit Sie Handlungs- und Planungssicherheit haben.
Gehen Sie jetzt. Der Notar meldet sich bei Ihnen.“
Sabine war geschockt. Sie ließ sich jedoch nicht von ihrer zielgerichteten Denkweise abbringen. Bevor negative Gefühle sie überwältigen konnten fragte sie:
„Kann ich etwas tun? Soll ich recherchieren, welche die besten Ärzte der Welt sind, die sich darauf spezialisiert haben?“
„Ich denke, dass es Schicksal ist und ich es annehmen muss“, erwiderte der traurige alte Mann, „Danke Frau Doktor, ich weiß Ihre Sorge zu schätzen. Ich bin in der Klinik in Essen in besten Händen und werde dort vom Professor eigenhändig betreut. Die Diagnose ist eindeutig und wurde mir gestern von seinem gesamten Ärztestab als endgültig mitgeteilt.
Sie, Frau Doktor, würden mir helfen und einen Teil meiner Sorgen abnehmen, wenn Sie zusagten und sich schnellstmöglich in die Aufgaben einarbeiten.
Ich warte auf Ihre Entscheidung.“

Erst im Treppenhaus kam ihr die Tragweite einer solchen Entscheidung in den Sinn. Sie bekam weiche Knie. Sie war schließlich erst sechsundzwanzig und dieses hier war ihr erster Job.
Trotzdem begann sie, ihrer Art entsprechend, gleich zu analysieren und sich in der neuen Sachlage zurecht zu finden.
Welche ihrer jetzigen Aufgaben würde sie an wen delegieren? Sie kannte die Fähigkeiten ihrer Ingenieure mittlerweile recht gut.
Hartmann war mit Sicherheit der loyalste Mitarbeiter, sowohl loyal zur Firma, als auch zu ihr. Er war tüchtig, so weit es seine Anlage betraf, und verfügte über ein hohes Maß an Improvisationstalent.
Kroll war ein genialer Techniker mit Überblick. Er erkannte Zusammenhänge und war in der Lage, die Entwicklungen komplexer Vorgänge vorherzusehen und zu planen.
Menschlich war er eine Katastrophe.
Sie ging die Mitarbeiter der Reihe nach durch und schrieb die Aufgaben hinter die Namen, deren Erledigung sie den Leuten zutraute.
Mehr Entscheidungsgewalt bedeutete mehr Geld, sie müsste die Gehaltsstruktur anpassen.
Sie werkelte noch an dem Plan herum, als die Sekretärin den Notar meldete.
Er betrat das Büro gemeinsam mit einer unübersehbaren Welle der Bedeutung. In seinem maßgeschneiderten Anzug kanzelte er sie mit seinen Blicken herunter, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben.
„Wollen Sie tatsächlich die Bürde auf sich nehmen, trauen Sie sich eine solch große Verantwortung überhaupt zu?“, fragte er affektiert mit übertrieben geziert erhobenen Händen und blickte sie über eine lächerlich theatralisch wirkende halbe Brille an.
Er machte eine Effekt heischend erscheinende Pause.
Mit solch skeptischer Fragestellung und dem affigen Auftritt erreichte er das Gegenteil dessen, was in seiner Absicht zu liegen schien.
„Ja, die Aufgabe traue ich mir zu“, Sabine biss sich auf die Zähne, sie zwang sich geradezu, dem lächerlich auftretenden Mann sachlich zu begegnen.
Der legte erneut eine affektiert erscheinende Pause ein, die nicht einmal in einem deutschen Theater akzeptiert würde.
„Sind Sie bereit, auch das Stimmrecht für die Aktienmehrheit zu übernehmen?“, er trug immer noch die Hände erhoben, wie ein Chirurg, der sich frisch desinfiziert hatte.
„Auch das traue ich mir zu, ja“, Sabine bemühte sich, sachlich zu bleiben.
Der Notar seufzte, dass es eines Hans Albers würdig gewesen wäre.
„Ich brauche Ihren Personalausweis, bitte.“
Er setzte sich an den kleinen Konferenztisch und trug hochkonzentriert, immer wieder abwechselnd durch die Lesebrille und dann wieder darüber blickend, die Daten aus ihrem Personalausweis in mehrere Papiere ein.
Als er den Ausweis zurückgab, wagte er zu bemerken:
„Ich weiß ja nicht, was Sie mit dem alten Mann angestellt haben, aber ich finde es nicht in Ordnung!“ Er blickte strafend über seine Sehhilfe, „Es ist schamlos.“
„Sie finden den Ausgang allein?“, fragte sie. Die Stimmung die sie ausdrückte, lag deutlich unter dem Gefrierpunkt.

„Kommen Sie bitte in mein Büro“, ordnete Voss an. Er klang sehr ernst. Seine ansonsten leichte Art, sowohl mit Schwierigkeiten als auch mit den Mitarbeitern umzugehen, blieb hinter der ernsten, traurigen Fassade verborgen.
„Wie haben Sie sich entschieden?“
Der Notar saß an dem Konferenztisch, blickte wichtig durch seine lächerliche Brille auf Unterlagen. Es war augenscheinlich dass er lauschte.
„Muss ich mich wirklich heute und jetzt entscheiden?“, Sabines Herz war schwer und sie brachte es ihrem Vorgesetzten gegenüber zum Ausdruck.
Der Chef stand hinter dem Schreibtisch, sie davor. Er seufzte tief. Sie nahm ihn zum ersten Mal bewusst als Mann wahr, als Menschen mit Ängsten und Schwächen, ihren Boss.
Sie brachte es kaum übers Herz, ihre Entscheidung zu äußern. Natürlich war es eine Ehre für sie. Das Ansinnen, einen solch wichtigen Posten einzunehmen machte sie stolz. Jedoch, wenn sie den Posten annahm, dann stieß sie den Chef, ihren geliebten Vorgesetzten, den Lenker und Denker des Betriebes, den Mann, der sie gerufen und protegiert hatte, den verdammte sie auf das Altenteil, wahrscheinlich sogar in Siechtum und Tod.
Sie holte tief Luft und sprach:
„Ich fühle mich geehrt, dass Sie mich in eine so wichtige Position berufen. Meine Hoffnung geht dahin, dass Sie es sich anders überlegen und Ihre Position weiter ausfüllen. Wenn es Ihr Wunsch ist, dann möchte ich Vorstandsvorsitzende werden. Sollten Sie es sich anders überlegen, so trete ich sofort zurück, sofort.“
Sabine machte eine Pause, um ihre Rührung zu überwinden, um den Kloß im Hals, der sich immer mehr aufbaute, hinunter zu schlucken.
„Sie können sich darauf verlassen, dass ich alles in meiner Macht Stehende tun werde, um größtmöglichen Nutzen für das Werk zu erzielen.“
„Davon bin ich fest überzeugt“, sagte der Chef ernst, „bitte, nehmen Sie Platz.“
Sie nahmen beide Platz, beiden war die Rührung anzumerken.
„Walther?“, rief der Chef den Notar.
Der blickte höchst bedeutsam über die Brille hinweg, seufzte dann theatralisch und sprach:
„Ihnen, Frau Doktor Doktor Kopenhauer-Breuer wird das Stimmrecht über die Aktienmehrheit überschrieben werden. Dazu sind einige Urkunden auszufertigen und zu unterzeichnen. Auch die Ernennung zur Vorstandsvorsitzenden wird in einer Urkunde dokumentiert werden.
Überlegen Sie es sich bitte noch einmal, ob sie Ihrem Chef das antun wollen.“
„Walther!“, unterbrach ihn Voss unwillig und verfiel wieder in seine übliche Sprechweise, „Bring deine Zettel her, wir werden sie unterzeichnen und dann kannst du verschwinden. Los jetzt.“
Es kostete den Notar sichtlich Anstrengung, nicht weiter zu lamentieren. Er legte die Urkunden vor. Sie wurden erst von Voss, dann von Frau Doktor-Doktor Kopenhauer-Breuer unterzeichnet, vom Notar beglaubigt.
Der Notar hob erneut an, seinen Standpunkt zu äußern, Voss warf ihn mit einer herrischen Geste hinaus.
„Es weiß niemand von meiner Krankheit“, erklärte er, als der Notar das Büro verlassen hatte, „auch er nicht. Ich möchte sie auch so lange wie möglich geheim halten. Auf Ihre Verschwiegenheit kann ich rechnen, das weiß ich.
Sie bleiben erst einmal in Ihrem Büro hocken, ich gebe Ihnen Tag für Tag mehr Einblick in meine Geschäfte und ich delegiere nach und nach alles an Sie. Wir werden erst einmal erzählen, Sie hätten Prokura bekommen, verstanden?“
„Natürlich, Chef.“
Voss staunte sie an und zeigte ihr einen sehr ähnlichen Gesichtsausdruck, wie es der Notar gerade getan hatte.
„Sie haben noch nie 'Chef' zu mir gesagt“, meinte er vorwurfsvoll und machte einen verletzten Eindruck.
Sie gab sich sehr ernsthaft und einfühlsam:
„Aber immer so gemeint, Herr Voss. Ich hoffe, dass Sie einer Fehldiagnose aufgesessen sind, wir bald darüber lachen können und alles geht wieder seinen richtigen Gang“, Sabine bekam Tränen in die Augen.
„Ja, das hoffe ich auch“, meinte Voss. Er zeigte seine sensible Seite, seine Furcht war deutlich spürbar.
„Ich hab echt Schiss“, gab er zu. Er sah sie nicht mehr als 'Kleine Blonde mit großen Titten' an, sondern sie fühlte sich als Vertraute akzeptiert.
„Ich hoffe, dass der Kelch an Ihnen vorüber geht“, sagte sie in vollem Ernst.
„Gut!“, Voss sammelte sich, „Genug der Schwermut und des Schwulstes. Noch liege ich nicht unter der Erde. Was wollen Sie wissen?“
Sie wollte unbedingt scherzen, auch um den Frosch im Hals los zu werden und bemühte sich um einen leichten Ton als sie sagte:
„Was mich immer schon interessiert hat: Was tun Sie eigentlich den ganzen Tag?“
Voss blickte konsterniert, dann entspannte er sich plötzlich und lachte laut hinaus.
„Nee!“, sagte er und wischte sich Tränen aus den Augen, „Boh eh!“, meinte er, wedelte in seiner bekannten Art in ihre Richtung mit dem Zeigefinger und atmete dann einmal tief durch.
„Nee, Sie sind mir eine“, er trocknete mit einem Taschentuch seine Lachtränen.
„Tja, was mache ich den lieben langen Tag? Golf spielen, mit dem Notar“, er winkte mit dem Daumen über die Schulter in Richtung Ausgangstür, „ich werde Sie in den Golfclub einführen, das gehört dann zu Ihren Aufgaben.“
„Oh nee!“, rief sie in gespieltem Entsetzen, „Dann lassen Sie uns bitte die Ernennung rückgängig machen!“
Sie lachten beide aus vollem Hals.
„Ich glaube“, sagte er nach kurzer Zeit, „ich glaube, Sie sind noch besser für den Job geeignet, als ich hoffen konnte. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie dem Arschkriecher“, er wies wieder mit dem Daumen über die Schulter, es war klar, wen er meinte „wenn Sie dem den kleinen Finger geben, dann nimmt er die ganze Hand.“

„Und?“, fragte Philipp. Er lümmelte sich auf einem der Besucherstühle herum, als sie in ihr Büro zurückkehrte.
„Warum übernimmst du das nicht selber?“, fragte sie ihn auf die Art, als habe er sie übervorteilt.
„Sag nicht, du hast abgelehnt?“
„Nein, natürlich nicht. Ich weiß doch, was ich dem Werk und deinem Vater schuldig bin!“
„Also nur edle Absichten, die Dame?“
Der Blick, mit dem sie ihn bedachte erreichte ihn aus den stahlblauen Augen und ließ ihn frieren.
„Weißt du, was allein das Aktienpaket wert ist?“, fragte er locker in der eindeutigen Absicht, sie einzuschüchtern.
„Nein!“, erwiderte sie heftig, „Und es interessiert mich auch nicht. Mich interessiert, wie ich aus besten Kräften unser Werk vorwärts bringen kann. Wenn der Chef meint, ich solle einen anderen Posten einnehmen, dann mache ich das. Ich werde jeden Posten auf den er mich bestellt bestmöglich ausfüllen.
Ich habe im Praktikum an einer Drehbank gearbeitet und ich habe Hallen ausgekehrt. Ich kann jede Position ausfüllen, auf die er mich wünscht, jede.“
Sabine atmete schwer. Sie hob stolz den Kopf:
„Ich mache es nicht wegen des Geldes!“
Die Stahlblauen blitzten den Junior an. In die Ecke gedrängt gab er nach und beschwor sie:
„Is ja gut, is ja gut!“, und wedelte mit beiden Händen.
Die Pause zwischen den beiden vertrauten Menschen, die sich so nah sein konnten, dauerte lang. Philipp erklärte sich schließlich:
„Ich bin immer noch ganz von den Socken, was mein alter Herr uns gestern Abend eröffnet hat. Mutter ist fertig, kann ich dir sagen.“
Er machte eine Pause, in der er mit einem Bleistift spielte.
„Vatter und ich sind seit fünf Uhr auf und beraten uns. Ich weiß, dass ich seinen Posten nicht ausfüllen kann. Ich kenne nur einen Menschen auf der Welt der das genauso gut kann wie es Vattern kann.“
Er schaute die junge Frau an und bezog sie dadurch mit ein:
„Jetzt zieh die Krallen ein, Ok? Gehen wir Mittag essen?“

Wenige Minuten später saßen sie in einem China-Restaurant und hatten sich am Buffet bedient.
„Wieso hast du eigentlich eine so hohe Meinung von mir?“, fragte sie ihn, sie brachte es nicht fertig, ihm während der Frage ins Gesicht zu schauen, „Ich bin eine Hure.“
Erst jetzt sah sie ihn an.
„Das sind wir alle“, antwortete er, nachdem er einen Bissen gekaut und hinunter geschluckt hatte. Seine Gelassenheit beeindruckte sie wieder einmal.
„Du bekennst dich wenigstens dazu.“
„Du spinnst doch“, sie lächelte schief. Ihr Handy fiel ihr wieder ein, sie schaltete es ein und legte es wieder weg. Es summte und summte und summte, offensichtlich Nachrichten von der Mailbox. Sie kümmerte sich nicht darum.
„Ist doch wahr“, rechtfertigte sich Philipp, „Schau dir den Notar an, den Arsch. Er ist dagegen, dass Vattern das Geschäft abgibt, weil ihm keiner etwas von Bauchspeicheldrüsenkrebs erzählt hat. Obwohl er der Überzeugung ist, dass es falsch ist und auf einem Betrug deinerseits beruht, beurkundet er etwas, von dessen Unrechtmäßigkeit er überzeugt ist. Er macht es, weil er viel Geld dafür bekommt. Ist das eine Hure oder ist das eine Hure?
Du kannst dich umschauen, wohin du willst: Huren überall, wo man geht und steht.“
Er stieß mit seinem Bier- gegen ihr Wasserglas.
„Prost! Ich stehe auf dich!“
Sie schaute ihm lächelnd ins Gesicht. Seine Augen hatten die gleiche Farbe wie die seines Vaters.
„Gehen wir zu dir?“
„Gerne“, erwiderte sie. Sie war sich bewusst, dass ES früher oder später zwischen ihnen passieren würde. In ihrer Wohnung und ohne Bezahlung würde ES einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Sie war sich nicht sicher, ob sie das wollte.
Ihre Befürchtung war unbegründet, sie tranken in Ruhe Kaffee und brachen dann zur Arbeit auf.

Sie gelangte erst um zwanzig Uhr ins Fitnessstudio und aufs Laufband, wo ihr die Erkenntnis kam, dass die Arbeit sie aufzufressen begann. Die Freitagstermine für die Agentur konnte sie zumindest während der nächsten zwei Wochen nicht wahrnehmen, da die Abläufe im Werk ihre Anwesenheit erforderten.
Ihre Geliebte registrierte traurig, dass sie sich gegen ein Leben mit ihr entschieden hatte, ohne dass sie darüber ein Wort gewechselt hätten.
Den Samstag-Vormittag-Termin nahm sie wahr und stellte fest, dass Lebensgeister geweckt wurden, die ausschließlich bei dieser Art der Betätigung in Erscheinung traten und sie zufrieden machten.
Nach dem Termin mit einem Schlaffi, den sie dazu gebracht hatte, zwei Mal seinen Samen zu versprühen und der sich danach vorkam, wie 'Superman' und 'Hulk' zusammen, fühlte sie sich befreit. Anders frei als nach ihrer Laufrunde um den See, jedoch ähnlich zufrieden. Nur durch diesen Sex, den sie für sich den 'schrägen Sex' nannte, bekam sie dieses Gefühl. Als Dienende, wenn sie einen schwachen Mann aufbaute, ihm durch ihre Arbeit Befriedigung verschaffte, gab sie ihm Selbstvertrauen. Sowohl der damit verbundene Akt, als auch das Dienen selbst gaben ihr das Gefühl der Macht und Überlegenheit und eine ganz besondere Zufriedenheit.

Ihre Geliebte schlief noch, als sie nach dem Termin mit frischen Croissants die Wohnung betrat. Sie schlüpfte nackt unter die Decke zu der großen, sanften Blonden. Die lächelte im Halbschlaf, als Sabine sich an sie schmiegte und sich an ihr wärmte.
Dieses Gefühl willkommen zu sein, das Gefühl der seelischen Wärme, die körperliche Nähe, die Geborgenheit und das entgegen gebrachte Vertrauen mündeten in einem Wohlgefühl, das die Besucherin empfing und gab. Die Gegenseitigkeit ließ sie sich gestreichelt fühlen, ohne dass sich eine von ihnen bewegte.
Sie umschlangen sich mit ihren Gefühlen, vereinnahmten einander, schöpften Kraft und verwendeten einander wie die Biene den Nektar, wie die Blume den Sonnenstrahl, wie die Mutter das Kinderlächeln.
„Ich lieben dich“, hauchte die Große ins Ohr der Kleinen, „Ich liebe dich“, flüsterte die zeitgleich zurück.
Das Gefühl, das sie beide beseelte, wärmte sie innen und außen, ganz zart streichelten sie sich mit den Fingern den Rücken, ganz, ganz zart, blieben nahezu regungslos in Liebe vereint, einander in den Mund atmend.

Sabines Samstagabendtermin führte sie zu einem stark dominierenden Mann, der sie 'Schlampe' schimpfte und sie wie Dreck behandelte. Sie nahm sein Geld, ließ ihn in dem Glauben, der Herr der Welt zu sein und freute sich, schnell wieder bei der Geliebten sein zu können.
Sie brauchte deren Halt, weil der nächste Termin in dem Hotel sein würde, in dem sie sich immer mit Philipp getroffen hatte. Jana brach gleichzeitig mit ihr auf, begleitete sie bis zum Hotel.
„Ich freue mich auf dich“, sagte sie zum Abschied und küsste sie.
Sabine betrat das Hotel, ihr Herz klopfte, obwohl es dafür keinen Anlass gab. Philipp war nicht der einzige Kunde, den sie hier zufrieden gestellt hatte.
Jedoch die Zeit, Samstag dreiundzwanzig Uhr war genau seine Zeit. Andererseits, warum sollte er das tun? Er war während der Woche jeden Tag mit ihr zusammen.
Dann saß er da in der Bar und wartete auf sie.
Der Tresen verlief in einer Kurve, über die hinweg fragte sie ihn lautlos:
„Was machst du hier?“
„Du bist wunderschön“, antwortete er, als sie ihn erreichte. Sie gaben sich einen Wangenkuss.
„Was machst du für verrückte Sachen?“, sie war Dienstleisterin, allerdings kannte sie diesen Kunden bereits längere Zeit und erlaubte sich eine solche Frage.
„Du liebst verrückte Sachen“, antwortete er und zauberte eine rote Rose hervor.
„Verrückter Kerl!“, sagte sie leise und trat nah an ihn heran. Er umarmte sie und küsste sie mit sehr viel Gefühl. Erregung ergriff Besitz von ihr. Sie nahm die Rose entgegen und sog begierig deren Duft ein.
„Wunderschön!“, meinte sie strahlend und küsste ihn. Es war ihr erstes Geschenk von ihm.
„Dankeschön“, sagte sie und rückte noch näher an ihn heran, machte kein Hehl aus ihrem Verlangen.
„Dann wollen wir mal“, sagte er und geleitete sie zum Lift.

Sabine lag auf dem Rücken, alle Viere von sich gestreckt. Ein dünner Schweißfilm ließ ihre Haut matt glänzen und ein entrücktes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
Philipp lag neben ihr, ebenfalls in entspannter Haltung und atmete schwer. Noch keuchend richtete er sich auf, hockte sich auf die Fersen und sprach, unsicher und nur halblaut.
„Sabine Breuer“, seine Stimme klang heiser, er räusperte sich, „Sabine Breuer, willst du meine Frau werden?“
Seine Angebetete hatte ihn nicht gehört, sie lauschte dem Nachhall der Gefühle.
„Wahnsinn!“, sagte sie, tupfte sich mit einem Finger auf die Scham und roch daran.
„Wahnsinn!“, wiederholte sie, „Einmal Mond und zurück. Ich bin immer noch nicht auf der Erde angekommen.“
Sie schaute den Liebhaber an und entdeckte da erst seine angespannte Haltung und dass er von ihr die Antwort auf eine Frage erwartete.
Sie richtete sich rasch auf:
„Was? Wie bitte?“, sie war wieder Dienstleistende, ihr Herr und Meister wollte etwas von ihr.
„Sabine Breuer“, wiederholte ihr Freier, „willst du meine Frau werden?“
„Was?“, fragte sie, lachte verlegen, völlig perplex, „Wie bitte?“
Philipp lächelte, die Überraschung schien ihm zu gefallen.
„Willst du meine Frau werden?“
Sabine warf sich rücklings in die Kissen. Sie fühlte sich, als sei sie jäh aus einem schönen Traum erwacht.
„Wieso fragst du mich das jetzt?“, fragte sie weinerlich, den Unterarm über die Augen gelegt.
Seine Antwort hörte sich an, als würde er betont geduldig auf sie eingehen:
„Weil ich die Frau hier, die Sabine Breuer, weil ich die haben will, keine Andere.“
„Die war ich doch gestern auch“, sie verstand nicht, warum er sie heute etwas fragen konnte, was er gestern nicht fertig brachte.
„Nein!“, widersprach er heftig, „Gestern warst du Frau Doktor-Doktor Kopenhauer-Breuer, die Vorstandsvorsitzende, die Unnahbare, die Unerreichbare, gottähnlich.
Hier und heute bist du meine Traumfrau.“
„Gottähnlich“, schnaubte sie ungläubig, „ist der Unterschied so groß?“
Sabine erholte sich von der Überraschung, sie lächelte bereits wieder.
„Ah!“, Philipp winkte nur ab, unaussprechlich und übergroß schien der Unterschied zu sein.
Sabine kletterte in seinen Schneidersitz und war ganz nah bei ihm.
„Und du bist mein Traummann“, sagte die Dienstleisterin zu ihrem Kunden, „Und mit meinem Traummann muss ichs nochmal treiben.“
„Aha?“, erwiderte Philipp mit schiefem Lächeln. Seine Wunschvorstellung schien sich bisher nicht erfüllt zu haben, „Treiben? Wohin willst du mit ihm treiben?“
„Er soll es mit mir treiben“, erwiderte sie geduldig und lachte ihn dabei aus, „ich will, dass er mich nochmal rannimmt, dass er es mir besorgt, dass er mich befriedigt, dass er mich fickt. Traummann, schaffen wir das noch einmal?“
„Logisch!“, antwortete der Traummann und überzeugte sie umgehend davon, dass er es ernst meinte.

Ein halbes Stündchen später lagen sie, wohlig entspannt, erneut in den Kissen.
„Und? Willst du?“, fragte er, er lehnte sich am Kopfende an.
„Ist das dein Ernst?“, fragte sie zurück, legte sich auf die Seite und stützte den Kopf mit der Hand.
„Ja!“, antwortete er, er schien angespannt, die Antwort schien ihm sehr wichtig zu sein.
„Du hast mir gerade einen Heiratsantrag gemacht, ist dir das klar?“
„Ich bin nicht Doktor-Doktor, aber ich bin nicht blöd!“, sprach er mit einem Anflug von Ärger. Er sammelte sich rasch, hockte sich erneut auf seine Hacken und wiederholte:
„Sabine Breuer, willst du meine Frau werden?“
Die Kleine hockte da auf ihrem Kopfkissen im Schneidersitz.
„Weißt du, was du da verlangst?“, fragte sie. Es befiel sie Schüchternheit und Unsicherheit, abrupt aus einem Traum gerissen.
„Ja, ewige Treue. Oder kannst du das nicht?“
„Ich habe eine Freundin.“
„Na sicher“, meinte er lässig, „wer nicht?“
„Mein lieber Freund und Kupferstecher!“, meinte sie empört und lachend, nachdem sie ihre Überraschung über die schlagfertige Antwort überwunden hatte.
Er lachte fröhlich über seinen kleinen Scherz.
'So ein lieber frecher Kerl', dachte Sabine und strahlte ihn an.
„Nein“, sagte sie nach einigen Minuten der Stille, „Nein, ich kann nicht deine Frau werden.“
„Wegen der Freundin? Ist es so ernst?“
„Nein, nicht wegen der Freundin, obwohl ich sie nicht aufgeben würde, nicht aufgeben werde, niemals.“
Philipp schien für seinen Traum kämpfen zu wollen.
„Warum dann? Wieso nicht? Was missfällt dir an mir?“
„Nichts, es missfällt mir nichts an dir.“
„Und wieso …?“, begann er heftig, mäßigte sich, atmete einige Male durch und meinte dann:
„Was hindert dich daran meine Frau zu werden, wenn ich dir gefalle?“
Sabine sah sich in eine Diskussion mit einem Kunden verstrickt, das wollte sie nicht weiter. Sie schaute eifrig auf die Uhr und sagte:
„Ich muss noch ein Häuschen weiter, wir sehen uns“, und sprang aus dem Bett.
„Du kannst doch nicht ...“, stotterte er sprachlos.
Die Hure machte sich im Bad frisch, wich dem Kunden aus, als er sie auf dem Weg zur Tür aufhalten wollte und verschwand in der Nacht.

Montag morgen kam er ein paar Minuten nach Dienstbeginn in ihr Büro. Er sah übernächtigt und verkatert aus.
„Moin!“, sagte er kurz. Er balancierte eine Kaffeetasse auf dem Unterteller vor sich her und nahm in einem der Besucherstühle am Schreibtisch Platz. Sabine war bereits seit sieben Uhr bei der Arbeit. Sie war es gewohnt, auch den Sonntag mit Arbeit zu verbringen. Die Zeit, die sie sonst mit dem Studium verbracht hatte, kam ihr lang vor, jetzt, wo es nichts mehr zu studieren gab.
Sie hatte überlegt eine Habilitation anzustreben oder ein Physikstudium anzuschließen. Sie war zu keinem Schluss gekommen, der Langeweile war sie durch Arbeit für das Werk entkommen.
Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die elf Anlagen, die das Werk ausmachten, effektiver zusammen zu binden. Die Arbeitsabläufe waren bisher unkoordiniert durchgeführt worden, obwohl etliche Werkstücke mehrere Anlagen durchlaufen mussten. Sie wurden, bis zur Weiterverarbeitung, zwischengelagert. Diesen aufwendigen und kostspieligen Prozess wollte sie umgehen.
Sie hatte sich in die Materie eingearbeitet und versuchte nun den Junior-Chef darin einzubinden.
„Wie weit bist du mit den Produktionsprozessen vertraut?“
Philipp Voss stierte sie sprachlos an.
„Du kannst doch nicht ...“, etwas verschlug ihm offensichtlich die Sprache, „Du willst doch nicht ... du kannst doch nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Weißt du, was du mit mir gemacht hast?“
„Na sicher, weiß ich, was ich getan habe. Hier jedoch sind wir nicht zum Diskutieren, sondern haben zu arbeiten. Gibst du mir bitte eine Antwort auf meine Frage?“
„Eh, spinnst du? Ich habe dir mein Herz geöffnet und dir mein Innerstes gezeigt. Du hast es abgelehnt und mich verletzt. Da kannst du nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“
Die kleine Blonde mit den unvermittelt stahlblauen Augen sah ihn eiskalt an:
„Was Sie in Ihrer Freizeit unternehmen, Herr Voss, ist Ihre Sache. Hier sind Sie zum Arbeiten. Wenn Sie kein Interesse an der Arbeit haben, nehmen Sie sich Urlaub. Ich will keine Privatgespräche während der Arbeitszeit führen.“
„Gibts doch nicht!“, Sabines Traummann schaute frustriert aus dem Fenster, er rang offensichtlich um Fassung.
„Philipp“, Sabine sah ein, dass sie zu hart vorgegangen war, „wir haben etwas zu klären, das sehen wir genau gleich. Aber nicht während der Arbeitszeit. Dafür ist die Arbeit zu anspruchsvoll und das Thema zu wichtig. Wir sprechen heute zum Abendbrot, einverstanden?“
Er schaute sie verletzt an, sah wieder aus dem Fenster, überwand sich und sagte: „OK!“
„Wie weit bist du mit den Produktionsprozessen vertraut?“, wiederholte sie.
Philipp sah sie sprachlos an.
„Dass du so einfach zur Tagesordnung zurückkehren kannst halte ich nicht aus“, sprach er, stand auf und stürmte hinaus.
Sie wendete sich der Arbeit zu.
Zum Feierabend erschien er mit einem Strauß Blumen und einer Flasche Wein erneut in ihrem Büro. Sie schaute überrascht auf die Uhr und sagte:
„Ich habe noch zu arbeiten, wir treffen uns um neunzehn Uhr dreißig im Steakhaus.“
Er schien gefestigt, trotzdem äußerte er überrascht:
„Mein Gott, was bist du taff.“
Sabine nahm etwas Abstand zu ihrer Arbeit und lächelte ihren Traummann an.
„Ich dachte, wir gehen zu dir?“, fuhr er fort.
„Nein, lieber nicht. Ich habe nichts im Haus und keine Lust mehr zu kochen.“
In Wahrheit wollte sie eine Besprechung, die leicht eskalieren konnte, lieber auf neutralem Boden durchführen.
„Ich kann dich abholen“, bot er an.
„Nee, dann hab ich das Auto nicht dabei und muss eventuell ein Taxi nehmen.“
„Ich kann dich bringen“, schlug er vor.
Sabine nahm die Brille ab und rieb sich die Stirn, sie war müde und angespannt und wollte nicht diskutieren.
„Wir treffen uns neunzehndreißig im Steakhaus“, sprach sie und wendete sich wieder der Arbeit zu.
Sprachlos und frustriert verließ er das Büro.

Sie erschien einige Minuten zu spät und traf ihn an der offenen Fensterfront, die einen Blick auf den öffentlichen Park bot.
„Entschuldige, hab nicht gemerkt, wie spät es ist“, sagte sie beim Platznehmen.
„Kommst du jetzt erst von der Arbeit?“, fragte er mitfühlend. Er wollte ihre Hand ergreifen, sie fasste damit jedoch die Handtasche auf dem Schoß.
Der Ober erschien, brachte die Speisenkarte und fragte nach den Getränken.
„Teilen wir uns eine Flasche Wein?“, fragte er, „Der Nero d'Avola, den sie hier anbieten, ist sehr ordentlich.“
„Mir bitte nur ein Wasser, ich muss noch arbeiten.“
Der Ober verschwand.
„Du musst noch arbeiten?“
„Ja, stell dir vor“, patzte sie, gereizt wegen ihres Hungers und unwirsch, weil sie die Arbeit für einen privaten Termin unterbrechen musste.
Sobald man sich mit einem Mann näher einließ, wurde es kompliziert und nervenaufreibend. Zeitraubend und unerfreulich obendrein.
Sie war fest entschlossen, dem hier und jetzt ein Ende zu bereiten. Allerdings musste sie bisher Vorsicht walten lassen, denn er hatte ein Druckmittel gegen sie in der Hand. Auch dem wollte sie hier und jetzt ein Ende bereiten.
„Ich habe deinem Vater mein Geständnis auf den Schreibtisch gelegt und meine Kündigung angeboten. Mit der Geheimniskrämerei ist jetzt Schluss.“
„Was?“, fragte er langgezogen entgeistert.
„Unterbrich mich nicht“, herrschte sie ihn an, „und nein, ich kann nicht deine Frau werden, das geht nicht. Und jetzt lass uns schauen, ob wir wie zivilisierte Menschen auseinander gehen können. Guten Abend!“
Sie stand auf und wendete sich dem Ausgang zu.
Vor dem Restaurant hatte er sie eingeholt. Er rannte neben ihr her und redete auf sie ein.
„Das kannst du nicht tun. Um Himmels Willen. Das bringt ihn um. Er baut alles auf dich, alles.“
„Wer?“, fragte sie und blieb stehen.
„Na, mein Vater. Er klammert sich an dich, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Du glaubst nicht, wie verzweifelt er ist. Er kann eine weitere Belastung nicht ertragen. Nimm das Geständnis zurück.“
„Das kann ich nicht, selbst wenn ich wollte. Der Wachmann hat es in sein Büro gelegt und die Tür wieder verschlossen. Außerdem ist es besser so.“
Sie ging energisch weiter zu ihrem Auto.
„Es ist nicht besser, es bringt ihn um. Bitte, lass uns noch ein paar Minuten reden. Komm wieder rein. Du musst etwas essen, du musst eine Pause machen. Lass es uns jetzt klären, aber in Ruhe, nicht hier, nicht auf der Straße.“
„Zivilisiert“, fügte er an, als er ihr Zaudern bemerkte.
„Okay“, erklärte sie sich einverstanden.
Sie nahmen wieder Platz. Ihre Speisen wurden gebracht, sie aßen schweigend. Sabine fühlte sich gestärkt, sie hätte am Liebsten geschlungen, so hungrig war sie. Ihr Gesichtsausdruck schien sich verändert zu haben, Philipp lächelte sie an.
„Siehste“, er ergriff ihre Hand, „da wendet sich doch das Stahlblaue in Himmelblau. Willkommen bei uns Normalsterblichen.“
„Mpf“, machte sie verlegen.
„Bitte, gib ihm den Brief nicht. Ich schwöre dir bei allem was mir heilig ist, sogar bei meiner Liebe für dich, ich werde niemals, nie-nie-niemals jemandem etwas über dein Hobby sagen. Hoch und heilig versprochen.
Tu das meinem alten Herrn nicht an, bitte.“
Mit gesenktem Blick ging sie in sich. Sie seufzte.
Sie gab sich geschlagen.
„Wie bekommen wir den Schrieb aus dem Büro heraus?“
„Ich fahre nach Hause, hole seinen Generalschlüssel und bringe dir den Brief ins Büro. Lass mich nur machen.“
Er traf sie eine Stunde später hinter dem Schreibtisch, in Arbeit vertieft.
„So, Schätzchen, hier hast du das unglückselige Ding“, meinte er und warf den Umschlag auf den Schreibtisch.
„Können wir jetzt bitte mal über uns reden?“, er nahm im Besucherstuhl Platz.
Sabine seufzte.
„Ich möchte, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist“, sagte sie fest, „ich brauche und will keine Veränderung.“
Ihr Traummann schaute sie unverwandt an, er schien mit Emotionen zu kämpfen.
„Ich will“, hob er energisch an, besann sich und fuhr leiser fort: „Ich würde gerne mit dir gemeinsam wach werden, ich würde gerne mit dir frühstücken und morgens bereits lachen. Ich will mit dir unter die Dusche gehen und mit dir nach Hause kommen, mit dir den Sonntag im Bett verbringen, dich lieben, dich küssen, dich ärgern und zum Lachen bringen. Ich will, dass wir ein Paar sind, dass wir gemeinsam ins Kino, in die Oper, zum Italiener gehen.“
Er schaute sie aus seines Vaters Augen an.
„Ich liebe dich“, fügte er leise hinzu.
Sie war sich im Klaren darüber, dass sie ihn ebenfalls liebte.
Sie wollte das nicht zulassen, sie verachtete sich regelrecht für diese Schwäche.
Alles in ihr sträubte sich dagegen, sich so weit auf einen Mann einzulassen, dass er ein Recht darauf hatte, ihr nahe zu sein. Sie wollte unbedingt vermeiden, sich einem Mann emotional auszuliefern, sie musste vermeiden ihn so nahe heranzulassen, dass er sie verletzen könnte.
Trotzdem schrie in ihr alles danach, sich auf ihn einzulassen. Sie wollte unbeschwert mit ihm zusammen sein. Alles das was er sich wünschte, wünschte sie sich genau so, wie er es geschildert hatte.
Jedoch die Alarmsignale schrillten überlaut. Das Leiden der Mutter, die Alkoholexzesse, die Sucht, der Krebs in seiner hässlichsten Phase, alles das sah sie auf sich zukommen, wenn sie sich auf ihn, auf einen Mann einließ. Sie hatte unsagbare Angst davor, das gleiche Schicksal zu erleiden wie die Mutter.
Er kam um den Schreibtisch herum.
„Sabine Breuer“, meinte er und nahm ihre Hand, „lass mich dich jetzt nach Hause bringen, in dein Bettchen. Ich werde dich zudecken, ein Nachtlied singen und dir beim Einschlafen zuschauen.
Oder, wenn du möchtest, dann schieße ich uns beide bis zum Mond.
Lass uns gemeinsam wach werden.“
Sabine lächelte. Die Vorstellung war schön, sein Bemühen war schmeichelhaft, das Gefühl, das er ihr vermittelte, war warm und heimelig.
„Ich liebe dich“, wiederholte er, „dein Lächeln ist zum Küssen.“
Er eilte um den Schreibtisch herum, hockte sich neben die Angebetete und küsste die lächelnde Kleine, er schien merkwürdig schüchtern. Sabine küsste zurück. Ihr Widerstand, der nicht auf ihren Erfahrungen sondern auf denen der Mutter beruhte, zerbröselte unter der Einwirkung ehrlicher und starker Gefühle.
Ihre Leidenschaft, ihre Liebe zerbrach den Schutzdamm um ihre Seele, überschwemmte sie und ihn und riss sie beide in einen Strudel, der sie sich ihm zuwenden ließ, seinem Werben nachgeben und sich hingeben ließ.
Dieser Strudel riss sie aus der Arbeit heraus, ließ sie ihm folgen, ihn in ihr Privatleben Einzug halten. Sie öffnete die Wohnung für ihn, ließ ihn sie entkleiden, ließ die Liebe und die Leidenschaft obsiegen, sich hingeben, bedingungslos, rückhaltlos.
Der Strudel spie sie erst in ihrem Bett wieder aus, nachdem sie die Leidenschaft abgearbeitet hatten und die reine Liebe übrig geblieben war.
„Ich liebe dich“, flüsterte er, drückte sie an sich, umarmte sie sanft, beschützend und gefühlvoll.
Sie lächelte entrückt.
Sie schliefen Arm in Arm ein.

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EviEngel
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Danke für den Hinweis, nun müsste sie komplett sein

Gruß Evi :-)

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Miro
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schade - eigentlich ...

der Anfang und diese eloquente Frau haben mich echt beeindruckt. Diese Rotlicht-Angelegenheit jedenfals versteht man nicht, aber weil es wirklich gut geschrieben ist, liest man weiter.
Für die LL eine echt lange Geschichte. (Da fragt man zwischendurch, ob damit, es zu lesen der ganze Abend ausverkauft wäre).
Am Ende wird die Geschichte eher nett und schwulstig, aber womöglich würde gerade deshalb davon sogar ein Hollywood-Film gemacht.
Warum diese total schöne 26-Jährige Doppel-Dr. diesen extremen Weg geht, bleibt unerklärt und unerkannt.
Das Leben ist anders: da wäre sie eben nicht ganz so schön, aber alles andere gewesen.
Da hätte Aschenputtel gewinnen können und es wäre auch verständlich, warum.
Jedenfalls:
Tolle Geschichte, schön geschrieben - etwas märchenhaft, aber macht jedenfalls Spass!

Gruß Miro



PS @ admins: wieso kann ich nicht mehr "bewerten"?

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Es mag bessere Zeiten geben, aber dies ist die unsere (J.P.S.)

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EviEngel
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Hi Miro,

danke für deinen Kommentar,
ich dachte, ihre Beweggründe, den 'roten' Weg zu gehen, seien klar?

quote:
Der Fluch der Schönheit
quote:
Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt ...

Schönheit und Bildung schreckt Männer ab und verhindert unverbindliche, zielführende Kontakte.
Da sie keine Beziehung haben wollte und das auch begründet hat, sondern ausschließlich auf körperliche Liebe abzielte und sie die nicht bekam, hat sie, konsequent und logisch, den erfolgversprechenderen Weg eingeschlagen.

Gruß Evi :-)

BTW: auch deine versprochene Bewertung von 'Green,green Grass...' ist nicht registriert.

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Walther
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lb. eviengel,

du hast mal geschworen, keine so langen einleitungen zu lesen. aber schreiben tust du sie.

ich denke, das geht - vorne - mindestens um 50% kürzer, damit der eigentliche grund, die sprühbeihilfe nämlich, etwas schneller zu ihrem recht kommt. noch besser wäre, zwei geschichten zu machen. eine ohne sprühstärke und eine mit.

lg w.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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EviEngel
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Hi Walther,

ich gebe dir unumwunden Recht. Es stimmt, die Einleitung ist ellenlang, die Handlung ist auch zwischendurch abgeschweift, mea culpa.
Allerdings trifft das nur dann zu, wenn ich eine Geschichte hätte schreiben wollen, die als Masturbationsvorlage dienen sollte.
Sollte sie aber nicht.
Es sollte eine Geschichte sein, die eine starke Erotik-Komponente beinhaltet.
Das ist die Crux bei meinen Geschichten, ich schreibe aus dem Leben und ein Leben ohne Erotik gibt es nicht.

Ich hab kein Problem damit, wenn sich Leser an/mit meinen Geschichten vergnügen, allerdings sind sie nicht als, äh, Vorlagen gedacht, deswegen kannst du das auch nicht reklamieren, verstehst?

Vielen Dank für deinen Kommentar, ich freue mich über jeden, der meine Geschichte liest und sich an ihr erfreut.

Gruß Evi :-)

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