Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95276
Momentan online:
140 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Frau mit Blüte
Eingestellt am 28. 12. 2016 00:05


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1266
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Fischbach ist eine S-Bahnstation am Rand von Nürnberg. Rundum große Wälder und ein Gewerbegebiet, parallel zur Bahn eine laute Schnellstraße. Die Wohnviertel liegen weiter entfernt. Die Gegend wirkt unwirtlich, hier hält man sich nur auf, solange man muss.

Die Züge stadtein- wie stadtauswärts halten am selben Bahnsteig, ich will hinaus. Außer mir warten nur wenige Menschen, sie stehen weiter weg. Da nähert sich mir eine kräftige junge Frau. Sie ist blond, scheint etwas unsicher und spricht mit russischem Akzent. Ich soll ihr erklären, wie sie einen Fahrschein ins Zentrum von Nürnberg lösen kann. Wo mag sie jetzt herkommen, hier treten gewöhnlich keine Ortsfremden eine Fahrt an. Und wer aus einem der Wohnviertel kommt, hat den Bus hierher genommen und den Fahrschein schon in der Tasche.

Ich versuche ihr mein Wissen zu vermitteln. Während ich für sie die Tasten bediene, fällt mir auf, dass sie nicht vollkommen ahnungslos sein kann. Sie bemerkt einen Fehler, den ich mache, und unterbricht meine Aktion. Dann wird der Fahrpreis angezeigt und es erweist sich, dass ihr Kleingeld dafür nicht ausreicht. Es fehlen etwa fünfzig Cent. Ich biete ihr gleich eine Münze an - doch das ist nicht in ihrem Sinn. Ihr Deutsch, vorher recht flüssig, versagt auf einmal. Sie sieht mich mit unbestimmtem Ausdruck an und hält jetzt eine Fünfzig-Euro-Note gefaltet zwischen den Fingern der rechten Hand. Das erinnert ein wenig an einen Zaubertrick. Ich soll wechseln? Aber nimmt der Automat nicht doch einen so großen Schein? Ich biete ihr erneut fünfzig Cent an.

Sie wirkt frustriert und verlässt mich, ohne noch etwas zu sagen. Sie geht zu den anderen Fahrgästen und verhandelt mit ihnen. Es ist so weit weg, dass ich nichts davon verstehen kann. Sie hat noch immer keinen Fahrschein. Da kommt meine Bahn nach Altdorf. Und während sie langsam am Bahnsteig einläuft, sehe ich, wie die junge Russin die Station verlässt und rasch die Treppe zum Bahnhofsplatz hinuntergeht. Er ist wie eine Sackgasse angelegt. Einige Autos parken dort. Im Wegfahren kann ich noch erkennen, dass sie auf eines von ihnen zugeht, um einzusteigen.

Zehn Jahre ist das jetzt her, ich sehe den Ablauf noch vor mir. Sagen Sie nicht, ich hätte die Polizei anrufen sollen. Unterwegs habe ich nie ein Telefon bei mir. Dieses eine Mal habe ich es bedauert.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Arno,

diese Geschichte ist mir zu holzschnittartig angelegt. Sie wirkt sehr nüchtern. Wörtliche Rede, mehr Adjektive und mehr Emotionen würden sie m.E. verbessern.
Das Ende ist klar. Schade, ein offenes wäre nicht nur der Form der Kurzgeschichte zuträglicher, sondern auch der gesamten Geschichte, die das Wort kurz wörtlich nimmt.

LG
DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1266
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Na ja, Doc, es ist halt eine Kürzestgeschichte. Sie ist bewusst so knapp und trocken gehalten, um den Eindruck von Authentizität zu verstärken. Gerade an Adjektiven und Emotionen herrscht in deinem Forum gewöhnlich kein Mangel, eher Überfluss. Eine gelegentliche Diät würde hier und da guttun.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


DocSchneider
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Arno,

ich kenne seit langem Deinen Stil und auch diese Geschichte entspricht ihm - genau beobachtend und eher nüchtern. Trotzdem fehlen mir hier ein paar Emotionen, die es in anderen Texten von Dir durchaus gibt. Das meinte ich.

LG
DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1266
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke, Doc, für Ergänzendes. Diese Aufnahme oder Verarbeitung des Textes muss ich natürlich akzeptieren, wie jede andere ernsthafte auch. Immerhin freut es mich, dass meine sonstigen Texte nicht als vollkommen emotionslos rüberkommen ... Hier konkret frage ich mich allerdings, welche Emotionen denn bei so knapper Handlung unter einander gänzlich Fremden, nur wenige Minuten dauernd und folgenlos, überhaupt in Frage kommen könnten.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


DocSchneider
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hat das Ich sich bedroht oder verunsichert gefühlt? Hatte es keinen Impuls, der Frau nachzulaufen? Hatte es keinen Wunsch, das Ganze mit Umstehenden zu klären? Fühlte es Vorurteile bestätigt?
So in der Art.
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1266
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gut, Doc. Man muss allerdings bedenken, dass die einfahrende S-Bahn alle evtl. möglichen Reaktionen bedeutungslos machte. Einzige Ausnahme: der Wunsch, per Telefon die Polizei zu verständigen. Da das unmöglich ist, verspürt der IE Bedauern - hurra, da habe ich doch noch eine Emotion im Text gefunden!

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


9 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung