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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Frederic
Eingestellt am 15. 08. 2002 12:28


Autor
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Rubinuit
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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Frederic

Vielleicht kann ich meinem Schicksal doch nicht entfliehen. Was ich auch unternehme, es holt mich immer wieder ein. Trotz aller Bem├╝hungen meinem tristen Alltag zu entkommen, mu├č ich feststellen, da├č es mir versagt ist meinem Leben irgendeine Bedeutung zu verschaffen. Nicht da├č sie glauben, ich w├Ąre einer dieser geb├Ąudebeschmutzenden Artgenossen, die sich damit zufriedengeben, Brotkrumen aufzupicken, mit T├Ąubinnen zu schn├Ąbeln und bl├Âde zu gurren. Mein Sinnen steht eher nach kulturell H├Âherwertigem und so begann ich schon fr├╝h, mich k├╝nstlerisch zu bet├Ątigen, experimentierte mit mir zur Verf├╝gung stehenden Materialien, um deren zuvor profane Anwesenheit zum ├Ąsthetischen Dasein zu verwandeln. Doch brachten diese Gestaltungsversuche nicht den Erfolg, den ich mir erhoffte. Meine Kunstwerke wurden mir immer wieder von wei├čbekittelten Herren entrissen, deren Reinlichkeitszwang die Ergebnisse meines individuellen Ausdrucks nicht verschonte. Auch meine von mir komponierte „Gurrophonie“ verhalf mir nicht so recht zum Durchbruch, hatte aber zur Folge, da├č mir mein Ausblick, sobald ich meinen musikalischen Vortrag begann, verdunkelt wurde. Wenigstens verhalf mir dies dazu, allein zu sein, wenn ich das w├╝nschte. In dieser Zur├╝ckgezogenheit vermochte ich die genialsten Gedanken zu entwickeln.
Nur einer der mich umgebenden Wei├čkittel schien mein Genie zu bemerken. Ich erkannte, da├č dieser, der selber unzufrieden und verkannt schien, etwas Gro├čes im Sinn hatte. Dieser Mann besa├č eine Vision und ich sollte dazu beitragen, diese Vision zu verwirklichen. Ich sollte die M├Âglichkeit erhalten meine bis dahin unvollkommenen Kompositionen in einer Weise zu entwickeln und umzusetzen, die ich mir nicht hatte ertr├Ąumen lassen.
Eines Tages wurde ein sehr gro├čer Kasten in mein Blickfeld ger├╝ckt, welcher eine makellose Reihe wei├čer und schwarzer Tasten wie Z├Ąhne bleckte. Herr Burruk, oder so ├Ąhnlich, bef├Ârderte mich unsanft, aber nicht ohne eine gewisse Feierlichkeit auf diesen Kasten und blickte mich erwartungsvoll an. Emp├Ârt ├╝ber den unerbetenen Ausflug wandte ich mich ab, wollte fort und folgte dem schwankenden Steg zum anderen Ende des Kastens, der bei jeder Ber├╝hrung nachgab. Ein Schaudern durchfuhr mich, als ich blindlings ├╝ber die Tasten hastete und hunderte von T├Ânen in meinen Ohren dr├Âhnten. Trotz des anf├Ąnglichen Schreckens erwachte mein musikalischer Geist in voller Gr├Â├če. Von jetzt an sollte ich jeden Tag Gelegenheit erhalten, mich mehr und mehr mit dem Instrument vertraut zu machen. Wie mickrig erschien mir nun meine „Gurrophonie“, der ich immer versch├Ąmter gedachte. Dennoch nutzte ich sie weiterhin, um die Abgeschiedenheit herzustellen, die ich f├╝r den sch├Âpferischen Proze├č so sehr ben├Âtigte.
Ich begann fieberhaft mit der Arbeit. Notenskalen und Tonleitern tanzten vor meinem inneren Auge und in meinem Geiste formte sich eine Symphonie, die mein ganzes Wesen beanspruchte. Nun l├Ą├čt sich so ein gro├čer Sch├Âpfungsakt nicht von heute auf morgen erzwingen und Herr Burruk zeigte sich ungeduldig, wenn ich aufgrund der gro├čen geistigen Arbeit, die ich zu verrichten hatte, nicht in der Lage war, mir f├╝r die Zwischenzeit kleine Bagatellimprovisationen zu ersinnen. Teilweise k├╝rzte er mir sogar meine t├Ągliche Futterration und zwang mich dazu hirnlose, armselige Tonfolgen auf den Tasten zu vollf├╝hren, die keinem kulturellen Anspruch gen├╝gten. Und obwohl dieses, in innerster Zerrissenheit vollzogene Geh├╝pfe auf dem Instrument selbst f├╝r eingefleischte Avantgardisten schrecklich klingen mu├čte, verdiente ich mir damit mein t├Ąglich Brot. Ich zweifelte an der vision├Ąren Einstellung des Herrn Burruk und h├Ątte Ihn zur Rede gestellt, w├Ąre er ein Artgenosse gewesen. So aber geriet ich ins Gr├╝beln und philosophierte ├╝ber interspezielle Kommunikation und kam zu dem Schlu├č, da├č, selbst wenn wir dieselbe Sprache sprechen w├╝rden uns dennoch nicht zu verstehen w├╝├čten. Es blieb mir nichts weiter ├╝brig, als auf die universelle Sprache der Musik zu vertrauen und besch├Ąftigte mich weiter mit meiner Komposition. Ich arbeitete haupts├Ąchlich nachts und verbrachte den Tag mit hirnrissigen Kapriolen auf schwarzen und wei├čen Tasten, die Herrn Burruk auf seltsame Weise, gleichzeitig aber auch mein Bed├╝rfnis nach Nahrung befriedigten. Ja, als sich mein gro├čes Werk der Vollendung n├Ąherte, schien Herrn Burruk eine eigenartige Gl├╝ckseligkeit zu umwehen. Sollte er etwas ahnen vom kolossalen Durchbruch meiner k├╝nstlerischen Schaffenskraft? Noch in jener Nacht vollendete ich mein Werk.
Als am n├Ąchsten Morgen das Tuch von meiner Behausung entfernt wurde, traute ich meinen Augen nicht. Der gro├če Kasten war verschwunden. Auch Herr Burruk erschien nicht wie gewohnt, ich erhielt mein Futter ohne etwas daf├╝r zu tun. Statt dessen sollten noch weitere einschneidende Erlebnisse folgen, die mein weiteres Leben von Grund auf ver├Ąndern sollten. Ich mu├čte meine bisherige Behausung verlassen und einem gr├╝nschn├Ąbligen Nichtsnutz Platz machen, den ich vom ersten Augenblick an verachtete. Ich wurde in eine Gemeinschaftsunterkunft verlegt, die ich mir seitdem mit elf anderen Artgenossen teilen mu├č. Welch eine Erniedrigung f├╝r einen K├╝nstler wie mich! Die Tage vergehen in ├Âdem Stumpfsinn mit Gespr├Ąchen ├╝ber Drei- Saaten Di├Ąten oder den neuen Federkleidern der Herbstsaison. Nur nachts, wenn alles still ist, und meine Artgenossen die K├Âpfe in das Gefieder gesteckt haben, spiele ich im Geiste meine Symphonie, die ich wohl nie mehr zur Auff├╝hrung bringen werde. Ich gelte als Sonderling in dieser Gemeinschaft und nur eine T├Ąubin, die ansonsten sehr schweigsam ist, r├╝ckt manchmal des nachts an mich heran, legt den Kopf auf mein Gefieder und gurrt leise vor sich hin. Was mehr sollte ich mir w├╝nschen ?

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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Abgesehen von der Verwendung unzaehliger Fremdwoerter, die das ganze etwas ( wohl gewollt ) "steif" machen, wird die Geschichte doch eher in das Forum "Humor" passen, oder?

Irgendwie finde ich das Ende etwas duenn, da koennte ich mir Verbesserungspotential vorstellen.

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