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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Frederik
Eingestellt am 21. 06. 2013 00:24


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Hagen
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Frederik

Lange schlafen ist momentan der einzige Luxus, den ich mir leisten kann.
Als ich dann so eines Morgens zwar noch etwas müde aber immerhin frisch genug um zu entscheiden, ob meine liebe Frau und ich auf der Terrasse frühstücken könnten, oder in der Küche, vernahm ich unseren Frederik, der auf der Bank saß und meinte:
„Na, es wird aber auch Zeit, dass du mir was zu essen bringst! Guck dir doch mal die Schale für das Futter an! Total leer! Kannst du nicht ein bisschen eher aufstehen und mir was zu essen bringen? Frühes Aufstehen ist nämlich eine Tugend!“
Um irgendwelchen Missverständnissen vorzubeugen; - Frederik ist eine ‘unserer‘ Amseln.
Als ich eines Tages mal nach Hause kam, ich bin nämlich auch mal einem ordentlichen Beruf nachgegangen, war er dabei, Regenwürmer aus dem Rasen zu ziehen.
„Na“, fragte ich, „was bist du denn für einer?“
„Frederik!“, antwortete er, es hörte sich jedenfalls genauso an.
Da meine liebe Frau allen Lebewesen Namen gibt, blieb es bei ‘Frederik‘.
So ist es auch bei ‘unseren‘ Eichhörnchen, das sind ‘Fitzgerald‘ und ‘Schewardnadse‘, aber das nebenbei.
Ich war zunächst etwas irritiert, aber als Frederik dann „Na, wird’s bald?“ sagte, beeilte ich mich doch, Fettfutter und Sonnenblumenkerne in die Schale zu tun. Noch ein neuer Meisenknödel an den Ast des Hibiskus gehängt und Erdnussbruch in das Futterhäuschen getan.
„Danke schön“, sagte Fitzgerald, der schon eine Weile gewartet hatte, „kannst du mir nicht auch mal ein Paar richtige Nüsse bringen? Ich habe so einen Hunger.“
„Ja, natürlich. Wallnüsse?“
„Wäre nicht schlecht. Hauptsache in einer Schale, sonst kommt nämlich immer der Eichelhäher, dieser blöde Hund, und nimmt die Erdnüsse mit.“
„Das verstehe ich. Bei meinem nächsten Einkauf werde ich dran denken.“
„Oh, danke schön. – Du bist ein richtig lieber Mensch.“
„Das ich nicht lache!“, ließ Frederik sich wieder vernehmen, „Der und lieb? Wo sind denn meine Regenwürmer und Käfer? Wo denn wo? Schnecken, Blutegel, Tausendfüßer, Spinnen, Eidechsen, Schwanz- und Froschlurche, Mäuse und Spitzmäuse? Die esse ich nämlich viel lieber, als immer nur diese Scheißkörner! Besorge mir gefälligst mal sowas!“
„Wie hast du dir das denn vorgestellt?“
„Ist mir doch egal, wie du das Zeugs beschaffst! Den Scheißmeisen hängst du ja auch Knödel hin!“
„Ja, aber …“
„Nix aber! Für dieses fliegende Kroppzeug hast du das Futter, das die brauchen! Aber für mich, die Krone der Schöpfung, sind nur ein paar Körner übrig! Da solltest dich aber schämen! - Und jetzt sieh zu, dass du Land gewinnst. Ich will endlich in Ruhe frühstücken, auch wenn es nur diese Scheißkörner sind! Und das nächste Mal gefälligst etwas eher und was Anständiges!“
Etwas irritiert begann ich in der Küche den Frühstückstisch zu decken. Als meine liebe Frau runter kam, fand sie mich etwas ratlos vor.
„Wo soll ich bloß Schnecken, Blutegel, Tausendfüßer, Spinnen, Eidechsen, Schwanz- und Froschlurche herkriegen?“
„Ach, hast du dich wieder mit Frederik unterhalten? Langsam wird der Bursche etwas unverschämt! - Schau mal, da ist ein Buchfink zum Essen gekommen, und der hat sogar seine Frau mitgebracht. Wie wollen wir die denn nennen?“
„Goethe.“
„Wieso denn Goethe?“
„Weil Goethe Bücher geschrieben hat, und das ist ein Buchfink.“
„Ah ja. Leuchtet ein. - Schau, Goethe isst Körner.“
„Theodor Körner?“
„Komm, trink erst mal Kaffee. Vorher bringst du alles durcheinander!“

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