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Leselupe.de > Kurzprosa
Freie Fahrt
Eingestellt am 10. 07. 2011 22:21


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anbas
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Freie Fahrt

"Nach 50 Metern rechts abbiegen."

Bei strahlendem Sonnenschein ist sie gleich morgens aufgebrochen. Vorher hatte sie es sich aber nicht nehmen lassen, ausf├╝hrlich zu fr├╝hst├╝cken.

"Jetzt rechts abbiegen."

Die beiden vorderen Fenster hat sie heruntergelassen. Sie mag die k├╝hle Zugluft, die ihr durchs Haar weht. Auf ihrem Lieblingssender spielen sie die Musik ihrer Jugend. Sie hat die Lautst├Ąrke h├Âher gedreht als sonst. Es ist ja niemand da, der sich beschweren k├Ânnte.

"Bei der n├Ąchsten M├Âglichkeit links abbiegen und wenden."

Sie will an die Ostsee. Ist einfach so losgefahren ÔÇô ohne langes Planen, ohne viel einzupacken, ohne weitere Vorbereitungen, ohne ihn.

"Nach hundert Metern rechts abbiegen."

Ihr Ziel ist die K├╝ste ├Âstlich von Priwall. Die Gegend kennt sie noch nicht. Sie hat "Priwall" ins Navi eingegeben. Vor Ort wird sie sich dann eine ruhige Ecke suchen. Wird schon klappen, irgendwie. Doch zun├Ąchst muss sie aus der Stadt herauskommen - dieser f├╝r sie immer noch so fremden Stadt, in die sie vor drei Jahren seinetwegen gezogen war.

"Jetzt rechts abbiegen."

Sie hat Zeit und will die Fahrt genie├čen. Leise summt sie die Melodie mit, die gerade gespielt wird. Und niemand sagt, dass ihre Summerei nervt. ÔÇô Sie biegt links ab.

"Bei der n├Ąchsten M├Âglichkeit bitte wenden."

Das Industriegebiet, durch das sie nun f├Ąhrt, kennt sie nicht. Hier ist sie noch nie gewesen. Es ist Sonntag, die Stra├čen sind leer, keine Menschenseele ist zu sehen. Sie dreht die Musik noch weiter auf und singt laut mit.

Das Navi schweigt. Muss wohl den Weg neu berechnen. Sie grinst.

Schon seit Jahren will sie mal wieder an die Ostsee fahren, um dort zu baden. So, wie sie es als Kind in jedem Sommer getan hat. Heute ist es endlich so weit. Irgendwo dort an der K├╝ste bei Priwall wird sie ins Meer laufen und schwimmen ÔÇô ohne Badeklamotten. Mit ihm zusammen w├Ąre das nie m├Âglich gewesen.

"In 50 Metern rechts fahren."

Die Wohnung hat sie einfach so verlassen. Ohne zu pr├╝fen, ob das Licht ├╝berall ausgeschaltet ist, ohne alle Fenster zu kontrollieren, ob sie auch wirklich geschlossen sind, ohne mehrfach an der bereits verschlossenen T├╝r zu r├╝tteln.

"Jetzt rechts fahren und dann dem Stra├čenverlauf 3 Kilometer folgen."

Sie f├Ąhrt rechts und biegt dann gleich in die n├Ąchste Stra├če links ab.

"Bei der n├Ąchsten M├Âglichkeit bitte wenden."

Die Stimme des Navis bleibt ruhig und sachlich, egal, wie sie f├Ąhrt. ÔÇô Gleich wird sie wieder falsch abbiegen.

Die Ostsee kann warten.

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 10. 07. 2011 22:21
Version vom 16. 07. 2011 17:04
Version vom 24. 07. 2011 18:03

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Ralf Langer
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hallo anbas,

ein meiner meinung nach sehr gelungenes st├╝ck.
liest sich leicht und bek├Âmmlich, hat eine
sch├Ân erkennbare metaebene ( welche richtung)
und ist auf eine bescheidene art und weise
eine art: road movie.

eine gute grundlage f├╝r mehr!
w├╝rde ich nicht aus den augen verlieren

lg ralf
__________________
RL

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Donkys Freund
Guest
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Hallo anbas,

die Idee und Umsetzung gef├Ąllt mir.
Ich finde nur, dass Du zum Schluss zuviel erkl├Ąrst (und sogar wiederholst). Weniger w├Ąre da mehr.

Beispiel:

quote:
Die Stimme des Navis bleibt ruhig und sachlich. Niemand meckert mehr. Diesmal wei├č sie es besser, nicht er. Sie liebt diese Stimme, diese Unaufgeregtheit. Er konnte nie ruhig bleiben, wenn sie zusammen unterwegs waren. Immer fand er etwas zum Meckern, zum Korrigieren. Heute ist es anders. Heute kann sie fahren, wie sie will ÔÇô die Stimme, die sie lotst, bleibt so wunderbar ruhig und sachlich. Sie genie├čt es, Fehler machen zu d├╝rfen, ohne dass sie genervte Spr├╝che ├╝ber sich ergehen lassen muss, jemand tief durchatmet oder sich theatralisch mit der flachen Hand auf die Stirn schl├Ągt.

Da vorn ist eine Sackgasse.

Die Ostsee kann warten.

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anbas
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Hallo Donkys Freund,

vielen Dank f├╝r Deine R├╝ckmeldung und die Vorschl├Ąge bez├╝glich des letzten Absatzes. Ich war mit dem auch nicht so ganz gl├╝cklich und habe ihn noch mal ├╝berarbeitet, vor allem gek├╝rzt.

Liebe Gr├╝├če

Andreas
__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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KaGeb
Guest
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Hallo anbas,

zauberhafte Prosa, die ich sehr gern gelesen habe.
am Ende schlie├če ich mich Donkys bez├╝glich K├╝rzungen an:


quote:
Die Stimme des Navis bleibt ruhig und sachlich. Heute kann sie fahren, wie sie will ÔÇô niemand macht ihr Vorw├╝rfe, korrigiert sie st├Ąndig oder n├Ârgelt an ihrer Fahrweise. Sie genie├čt es, Fehler machen zu d├╝rfen.

Gleich wird sie wieder falsch abbiegen.

Die Ostsee kann warten.

Ihre Herangehensweise finde ich spitze, aber in der K├╝rze liegt die W├╝rze.

quote:
ÔÇô niemand macht ihr Vorw├╝rfe, korrigiert sie st├Ąndig oder n├Ârgelt an ihrer Fahrweise. Sie genie├čt es, Fehler machen zu d├╝rfen.
- w├╝rde ich streichen.

Beste Gr├╝├če

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo anbas,

ein gelungenes Werk, besonders in der jetzigen Fassung. Mir pers├Ânlich taucht das Navi noch zu oft auf, aber das ist reine Geschmacksfrage.

Apropo Navi:
Das finde ich besonders gelungen. Die Stimme des Navi ist die Stimme der Vergangenheit. Sie verk├Ârpert das schlichte Funktionieren, das eine tote Liebesbeziehung weiter bestehen l├Ąsst. Herrlich mit anzusehen, wie es ignoriert wird.

Ein sch├Ânes St├╝ck Prosa. Gratuliere. :-)

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