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Leselupe.de > Kurzprosa
Freiheit
Eingestellt am 24. 11. 2008 05:58


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EscheEsche
???
Registriert: Nov 2008

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Freiheit

Der WĂ€rter geht jeden Tag durch die Schleuse, er weiß nicht, was Freiheit ist. Sein Schritt hallt zwischen den Kakaoflecken der Kinder, der zu reparierenden Waschmaschine, dem Schreiben mit der Mieterhöhung – und dem Blick seiner Frau, der manchmal zwischen den Werbeblöcken abschweift vom Schirm und schon fast aufgehört hat, ihn anzuklagen.
Hinter den Werbeblöcken liegt die Welt.
Umsteigen am Busbahnhof. In jedem Schaukasten dasselbe Plakat: Cowboys zu Pferde am Wasserfall. Die HĂŒgel sind grĂŒn, der Himmel blau, prickelnd das sprudelnde Wasser. Baumeln lassen Lasso und Colt.
Frei sein wie der Ausgestoßene, der Gesetz- und Besitzlose, der Mensch ohne GefĂ€hrten und ohne Stimme, und ohne Halt, frei wie ein Vogel – vogelfrei. Sich selbst wieder spĂŒren, in der EntblĂ¶ĂŸung, in der Gefahr. Das Murmeln der Stimmen verstummt. Du bist allein in der Stille.
Frei gesetzt hat das Herz des Angestellten zu pochen beschleunigt. Die Betonwand erscheint kĂŒhl. Doch wenn er hinaustritt ins Offene, ins gleißende Licht ... Und wenn er den Kopf hebt, wenn in den Himmel er schaut, und zu den Bergen am Horizont ... Irgendwann wird sich der Herzschlag wieder beruhigen, und ruhiger werden denn je.
Freiheit ist im Traum des Gefangenen.

Die Welt ist weit einsehbar. Dein Blick gleitet durch die Fernsehaugen in ferne LĂ€nder. Vergangenheit und Zukunft starren dir blind entgegen, verantwortungslos fĂŒr dein Herz, sie liegen einfach nur da, ausgebreitet. Doch wer flĂŒstert dir zu, dass Wissen, dass Einsichtnahme eine Form der Mitwirkung ist, dass Verantwortlichkeit aus deinen geöffneten Augen entspringt? Es sind die runden BĂ€uche der Kinder, die HĂŒhneraugen der Korruption, die Schönheit ferner StrĂ€nde ... Du musst Nein sagen, immer mehr, immer entschlossener Nein!
Wieviel von dem, was ein Mensch vor tausend, vor zehntausend, vor hunderttausend Jahren sah, stand in seiner Macht zu verĂ€ndern? Sein ferner Nachfahr sieht heute beim Blick durch die Kameralinsen fĂŒr seine HĂ€nde fast nichts.
Das Unbehagen, nur ein Sandkorn unter Sandkörnern zu sein. Man wird geformt; was man mitformt sind fĂŒnf andere Sandkörner um sich, aber man sieht einen Strand, man sieht alle StrĂ€nde der Erde.
Der Mann am Pult redet von Freiheit. Er kann meinen Blickkreis kaum mehr erweitern, er wird die Gestaltungsmöglichkeit meiner HĂ€nde weiter verringern. Nach der Wahl wird er mehr Geld verdienen, ein anderer dafĂŒr weniger. Selbst schuld, wenn ich in den sich anbietenden Politikern auch nur Sandkörner sehe, andere ziehen sich aus ihrer Stimmabgabe Kraft. Aber solche Wahlen sind nur eine Manipulation des GefĂŒhls. Backe, backe Kuchen ...
In einer Gesellschaft werden die Dinge betont, und ĂŒberhöht, an denen ein Mangel besteht. Wenn der Mangel zum Himmel schreit, ist das Potenzial fĂŒr die FĂŒlle am grĂ¶ĂŸten.
Freiheit!
Schon der Grundstein fĂŒr den Palast hat die Freiheitsgrade vermindert, jeder weitere Stein reduziert sie noch mehr. Je genauer sie gestaltet wird, je sicherer sie erscheint, umso festgelegter ist deine Welt.
Noch höher tĂŒrmen, noch höher, neue Steine bringen die Barken. Statistiker stehen am Nil: Effizienzberechnung, Wachstumsraten, KreditspielrĂ€ume, Fördermittel fĂŒr Kinderspielzeug. Doch irgendwann fallen die Mauern, und die Erde liegt wieder brach.

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