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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Freitag der 13.
Eingestellt am 11. 09. 2010 13:05


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M├Ąuschen
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Registriert: Aug 2010

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Freitag der 13.


Es war ein Freitag der 13., an dem ich beschloss, meinem Leben ein Ende zu setzen.
Weshalb?
Es gab keinen besonderen Anlass. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Basta.
Und welcher Tag war geeigneter daf├╝r, den L├Âffel abzugeben, als ein Freitag der 13.? Wenn ich Gl├╝ck hatte, musste ich mir gar nicht selbst die H├Ąnde schmutzig machen, denn dann ├╝berfuhr mich ein Auto. Nein, viel zu simpel f├╝r diesen Tag, der der ganzen Welt solche Angst einfl├Â├čte. Ein Klavier w├╝rde aus dem zehnten Stock st├╝rzen und mich erschlagen. Oder ein Blitz traf mich. Nein, f├╝r heute war ja sch├Ânes Wetter angesagt. Trotzdem w├╝rde das gut zu Freitag dem 13. passen. Mehr Ungl├╝ck, als bei gutem Wetter von einem Blitz erschlagen zu werden, kann ein Mensch gar nicht haben, oder?
Ich wartete bis 13 Uhr (13 ÔÇô das war ja wohl klar), aber nichts passierte. Ich hatte meine ├╝blichen Eink├Ąufe erledigt (kein Auto hatte mich ├╝berfahren), war dabei an zahlreichen Hochh├Ąusern vorbeigekommen (kein Klavier hatte mich erschlagen) und hatte mir schlie├člich mein Mittagessen gekocht (nicht einmal der Herd war explodiert). Bevor mich das lahme Fu├čballspiel im TV umbrachte, beschloss ich deshalb, selbst zur Tat zu schreiten.
Wochen zuvor hatte ich mir ├╝berlegt, was wohl der angenehmste Tod sein mochte. Meine Wahl fiel schlie├člich auf Schlaftabletten. Jedoch hatte ich nicht so weit gedacht, dass man diese zuerst auch besorgen m├╝sste, und wie es der Zufall so wollte, hatte die Apotheke heute ihren Ruhetag. Eine Stunde lang suchte ich in der ganzen Wohnung und hielt letztlich als kl├Ągliches Ergebnis drei Tabletten in der Hand, die ich frustriert in den M├╝lleimer warf.
Da mein friedlicher Schlummer auf diese Weise wohl aus dem Rennen war, machte ich mir neue Gedanken ├╝ber meine n├Ąchsten Schritte. Mich zu erh├Ąngen w├╝rde in dieser Bruchbude kaum funktionieren. Schon jetzt br├Âckelte der Putz von der Decke, wenn der Mieter ├╝ber mir nur die Stereoanlage anschaltete. Irgendetwas mit Blut kam auch nicht in Frage ÔÇô Ich wollte schlie├člich niemandem zumuten, die Sauerei sp├Ąter aufwischen zu m├╝ssen.
Als meine Wohnzimmeruhr sechs schlug und ich mir zwei Katastrophenfilme angesehen hatte (Die haben vielleicht Gl├╝ck. Da passiert wenigstens was!), traf ich meine Entscheidung: Ich wollte mich von der naheliegenden Br├╝cke in den Fluss st├╝rzen. Es war zwar kein rei├čender Fluss, aber die Str├Âmung w├╝rde doch stark genug sein, sodass ich nicht mehr ans Ufer k├Ąme. Voll Zuversicht machte ich mich auf den Weg.
Was soll ich lange um den hei├čen Brei herumreden: Es wurde nichts daraus. Mein Sprung von der Br├╝cke und auch das Eintauchen gestalteten sich ziemlich unspektakul├Ąr. Obwohl Sommer war, war das Wasser eiskalt und verlangsamten meine Schwimmreflexe, war mir eigentlich nur recht war. Aber ehe ich mich versah, hatte ich pl├Âtzlich wieder festen Boden unter den F├╝├čen. Die Str├Âmung musste gerade an dieser Stelle so ung├╝nstig verlaufen, dass sie mich geradewegs wieder ans Ufer gesp├╝lt hatte.
War das denn normal? Und gerade an einem Freitag den 13.?
Entt├Ąuscht ├╝ber diesen armseligen Ausgang meines genialen Vorhabens kroch ich ein St├╝ck weit aus dem Fluss und legte mich dann vollkommen durchn├Ąsst auf den R├╝cken. Ich erw├Ągte einen weiteren Versuch, lie├č es dann aber aus Faulheit bleiben.
Ich war noch nicht einmal zu Tode ersch├Âpft oder todm├╝de. Nur nass und hungrig. Dieser Tag war wie verhext.
Trotz recht angenehmer Lufttemperatur begann ich bald zu zittern. Mir kam in den Sinn, dass es gar nicht so unwahrscheinlich war, sich durch Unterk├╝hlung den Tod zu holen, selbst im Sommer. Also lag ich da und wartete. Fror und wartete. Ich wei├č nicht, wie lange ich da gelegen habe (und gewartet und gefroren), aber irgendwann wurde es mir zu dumm. Au├čerdem ging es mir viel zu langsam. Immerhin sollte mein Todestag Freitag der 13. sein und nicht der Sankt Nimmerleinstag.
Wegen des nagenden Zeitdrucks (und auch wegen meines knurrenden Magens, der einfach keine passende Atmosph├Ąre erzeugte), stand ich notgedrungen von meinem kalten Totenbett wieder auf und erklomm den steilen Grash├╝gel, der mich zur├╝ck auf die Stra├če f├╝hrte. Kurz bevor ich dort ankam, kam mir eine letzte Idee, wie ich diesen Tag doch noch erfolgreich beenden k├Ânnte.
Wenn ein Auto mich schon nicht zuf├Ąllig ├╝berfuhr, w├╝rde ich eben ein wenig nachhelfen. Das gab zwar wohl eine kleine Sauerei, die ich ja zwecks R├╝cksicht auf andere vermeiden wollte, aber man muss eben auch Opfer bringen k├Ânnen.
Ich wollte ├╝ber diese kleine gedankliche Zweideutigkeit gerade am├╝siert schmunzeln, als ich pl├Âtzlich abrupt stehenblieb.
Ich hatte die Macht von Freitag dem 13. bei Weitem untersch├Ątzt.
Stau.
Fassungslos ging ich an den wartenden Autos entlang, die Sto├čstange an Sto├čstange standen und sich keinen Zentimeter vorw├Ąrts bewegten. Ich folgte der Fahrzeugschlange bis zu meiner Wohnung, wo sie noch lange nicht an ihrem Ende angekommen war.
Jetzt war es auch f├╝r mich offiziell.
Freitag der 13. war ein Ungl├╝ckstag.

Als ich gerade geschlagen die Treppe hinauf bis zu meiner Wohnung gehen wollte, kam der Mann aus der Wohnung unter mir gerade aus seiner T├╝r getreten.
Besorgt musterte er mich. ÔÇ×Sie sind ja ganz durchn├Ąsst! Passen Sie nur auf, dass Sie sich nicht den Tod holen!ÔÇť
Mein trockenes Lachen hallte laut durch das Treppenhaus und entlockte meinem Gegen├╝ber ein Stirnrunzeln.
ÔÇ×Heute unm├Âglich, verehrter Nachbar. Unm├Âglich.ÔÇť

__________________
Wenn Augen der Spiegel zur Seele sind, zerschlage ich ihn dann mit meinen Taten und spucke mit meinen Worten die Scherben aus?

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Tala
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2010

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Freitag, der 13.

Liebe Christine,

deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen, da sie mich sehr oft zum Lachen gebracht hat. Besonders komisch finde ich es ja, dass, obwohl der Protagonist sich umbringen will, er es einfach nicht schafft, und du es wirklich gut umgesetzt hast.

Weiter so! =)

Liebe Gr├╝├če,
Maria

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