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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fremd geworden
Eingestellt am 11. 07. 2001 00:01


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traumtÀnzer
Möchtegern-Schreiber
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Fremd geworden

Es muß etwa sechs Jahre hergewesen sein als ich Sonja das letzte mal sah. Ich saß nahe dem KĂŒhlschrank. Es waren mehrere Tische im Partykeller verteilt. Sie kam mit ihrem Mann ungefĂ€hr eine Stunde nach mir. Sie setzte sich mit Sabine und Kerstin ein Tisch weiter. Ich konnte die Unterhaltung mitvervolgen, obwohl, wie auf einer Party halt ĂŒblich, ein mĂ€chtiges Gebabbel stattfand. Ich hörte ihr mehr oder weniger gespannt zu. „Ich trage mein Fingernagellack...“ Ich erinnerte mich an unsere schöne Zeit zusammen: die GesprĂ€che ĂŒber die tiefen unserer Psyche, das Philosophieren ĂŒber die Liebe und das Leben, das gemeinsame Lachen und Weinen, die rauschenden NĂ€chte, das Vögeln in der Umkleidekabine, die heissen KĂŒsse im Sonnenuntergang. Ich holte mir das nĂ€chste Bier aus dem KĂŒhlschrank. Ich versuchte mal unauffĂ€llig rĂŒberzusehen. Nein, sie wĂŒrdigte mich keines Blickes. Habe ich sie denn so verletzt, das sie mich nun nicht mehr kennt? Es war nicht einfach gewesen, klar. Unsere Ecken und Kanten hatten das Feuer der Liebe bekĂ€mpft. Ich holte mir noch ein Bier. Wieder sah ich zu ihr rĂŒber. Sie setzte gerade eine ich-mach-jetzt-mal-ein-kompliment-miene auf. Sie sagte: „Kerstin, deine Frisur sitzt heute wieder wie angegossen...“ Sie hatte sich ganz schön verĂ€ndert. Sie hatte wohl das pure Leben gegen OberflĂ€chlichkeiten ausgetauscht. Sie war mal so lebensfroh. FrĂŒher hĂ€tte sie die Musik aufgedreht und einen Tanz hingelegt statt dort mit den Tussis ĂŒber Nagellack und Frisuren zu tratschen. FrĂŒher konnte sie zaubern.

Es war bestimmt sechs Jahre her als ich Michael das letzte mal sah. Er saß schon am Tisch gegenĂŒber, in der NĂ€he des KĂŒhlschranks, als wir kamen. Er sah sehr ernst aus. Er schien sich einen zu trinken. Alleine saß er da. Er sah so stur aus, so verklemmt, so kraftlos. StĂ€ndig ging er zum KĂŒhlschrank und holte sich Bier. Ich erinnerte mich an unsere schöne Zeit: die GesprĂ€che ĂŒber die tiefen unserer Psyche, das Philosophieren ĂŒber die Liebe und das Leben, das gemeinsame Lachen und Weinen, die rauschenden NĂ€chte, das Vögeln in der Umkleidekabine, die heißen KĂŒsse im Sonnenuntergang. Ich versuchte unauffĂ€llig rĂŒberzuschauen. Er wĂŒrdigte mich keines Blickes. Er stand einfach auf und holte sich sein nĂ€chstes Bier. Habe ich ihn denn so verletzt, das er mich jetzt nicht mehr kennt? Ja, ich hatte meine Ecken und Kanten, aber er doch auch. Diese Liebe war nicht einfach gewesen. Ich redete weiter mit Sabine und Kerstin. Ich sah noch einmal rĂŒber. Er holte sich das nĂ€chste Bier. Er hatte sich ganz schön verĂ€ndert. Er war mal so lebensfroh. Er hatte wohl das wahre Leben gegen ein Saufgelage eingetauscht. FrĂŒher wĂ€re er auf die Leute zugekommen und hĂ€tte mit ihnen geplaudert statt dort stumm zu sitzen und sich ein Bier nach dem anderen reinzuziehen. FrĂŒher war er ein Zauberer.

Ihr Mann sagte irgendwann zu ihr: „Wir wollen jetzt gehen“. Sie gehorchte.

Als wir gingen holte er sich das nÀchste Bier.

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flammarion
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auaaua,

so kann es einem gehen! den mann verstehe ich, aber die frau? was will sie denn noch, sie ist doch verheiratet! die geschichte gefÀllt mir. gut umgesetzt und nicht alltÀglich. lg
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Old Icke

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