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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Freunde
Eingestellt am 29. 10. 2003 20:51


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asdff
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2003

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Ich lebe im Vergangenen.
Ich habe so Angst darum, meine Kindheit zu verlieren, meine Jugend, meine Freunde.
All die guten Menschen, die ich in mein Herz geschlossen habe, die fĂŒr mich da sind, die mir immer geholfen haben... und die mich nie losgelassen haben.
Ich schaff das einfach nicht. Die Agnst davor, dieses stille Bewusstsein darĂŒber, dass das Leben aufhört, dass es vorangeht, dass sich Lebenswege trennen... ein Albtraum, und niemand wacht auf.
Der Gedanke, all die Menschen, die ich liebe, in Zukunft nie wieder auf einem Fleck zu sehen, macht dieses Leben unertrĂ€glich. Jeden Tag, an dem ich sie sehe... wie sie mit mir irgendwohin setzen, wie wir reden, wie wir Spaß haben... da sehe ich jeden einzelnen als ein Wunder. Sie alle bedeuten mir
unglaublich viel, und ich möchte sie nie verlieren, möchte niemals meine Jugend verlieren, diese Zeit der Freiheit, der Leichtigkeit. Mag sein, dass sie durchzogen war von einigen Problemen, von Schmerzen, doch immer konnte ich weitergehen, immer gab es etwas zum Freuen, Sicherheit, Vertrauen... ohne es zu merken. Das ist die höchste Leichtigkeit, die man nur erreichen kann. Der höchste Berg, unter 1000
Strapazen erklommen... und nun schaut man hinunter, die Welt zu Deinen FĂŒĂŸen, und niemand, der dir
diesen goldenen Moment, diese Ewigkeit nehmen kann.
Ja, dieses GefĂŒhl weiß ich nun zu schĂ€tzen. Gehe ich in die Stadt, dann sehe ich zahlreiche Menschen.

Viele davon liebe ich, mehr als sie es wissen, mehr als ich es weiß... und ich weiß, sie alle sind ganz
nah bei mir. Ich befinde mich in einem Netz, das so eng geknĂŒpft ist, dass ich nicht fallen werde, niemals.
Jetzt sitze ich hier, verheult, erschöpft, wie ein alter König, der mitansieht, wie sein Reich auseinanderbricht, wie die Jungfrauen geschĂ€ndet und die Burg geplĂŒndert. Wie er dasteht, ratlos, Panik in seinen Augen, die stille Verzweiflung seinen Nacken hochkriechend. Die stille Angst schnĂŒrt ihm die Kehle zu... er sieht das Geschehen... und doch lebt er im Gestern, weil er weiß, in dieser Welt, da gibt es keinen Platz fĂŒr ihn. Er hĂ€ngt an seinem Reich, seiner Zeit...
Ich weiß, wie er sich fĂŒhlt...

Ich sehe sie. Und ich lache mit ihnen, als gĂ€b es nur diesen Moment des GlĂŒcks. Mit jedem verbinde mich ein Band. Ich bin ein Teil von ihnen, und sie von mir. Wir sind miteinander groß geworden. Und nichts, und niemand, und kein Mensch auf dieser Welt kann fĂŒr mich das sein, was sie mir geworden sind. Kein Mensch kennt unsere Gemeinschaft, unseren Zusammenhalt. Das stille Wissen um unsere gemeinsamen Erfahrungen; um die gemeinsamen Abende, betrunken und verraucht auf iregndwelchen Parties; die StreifzĂŒge durch die Stadt, bei Tag, bei Nacht; der Schmerz und die Trauer um Dinge, die wir so geliebt hatten; all das machte uns zu solchen Freunden. Und wenn wir uns versammeln, wenn wir eine Einheit bilden... einen Kreis aus Freundschaft, aus Vertrauen, dann funkelt es nur so vor GlĂŒck und
Leichtigkeit, dann sind wir unsterblich. Und jeder Witz, jeder Blick ist wie eine Liebkosung, als Dank
fĂŒr das, was wir uns gegenseitig bedeuten.

Doch inzwischen weiß ich - habe es mit einer gnadenlosen HĂ€rte zu spĂŒren bekommen - dass das ein Ende
haben wird. Das Leben ist nicht dazu geschaffen worden, einen einheitlichen Eindruck zu hinterlassen.

Das Leben geht voran, os wie wir es tun. Wir werden uns trennen. \"Uns trennt das Leben\", so wie Thomas
D. es mal so schön gesagt hat. NatĂŒrlich wird man Kontakt aufrecht erhalten. Aber niemals, und fĂŒr keinen von uns, wird es so sein, wie es jetzt fĂŒr uns ist. Es geht vorbei. Und wir mit ihm.

Und der Gedanke daran, dass es in Zukunft wohl keinen Moment mehr geben wird, in dem wir einmal wieder
in einer Runde sein werden, der lĂ€sst mich schier sterben. Jeder ist fĂŒr sich schon ein Wunder, doch das GefĂŒhl der vollkommenen Geborgenheit zeigt sich mir nur in einer Gemeinschaft. Wenn wir uns in ein paar Jahren ienmal sehen werden, mit ein paar Einzelnen, dann werden wir uns anlĂ€cheln, mit jenem verliebten, trĂ€umerischen Verstehen im Blick, an eine Zeit, die uns unser GlĂŒck schenkte und uns sorgsam behĂŒtete.

An eine Zeit, in der wir das kosten durften, was das Leben so lebenswert machte. An eine Zeit, in der uns niemand im Weg stehen konnte. An eine Zeit, die uns niemand mehr nehmen kann, wie sie uns schöner nicht hÀtte sein können.

...

An eine Zeit, die niemals wiederkehren wird.

... und dann, wenn man nach durchzechter Nacht, in der man 1000 Worte an die Vergangenheit verschwendet hat, dann kommt das Morgengrauen ...

... unaufhaltsam ...

bis in alle Ewigkeit.

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Morgainchaild
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2003

Werke: 7
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Hallo asdff,

dein Tagebuch-Beitrag stimmt mich irgendwie bedrĂŒckend.

FĂŒr mich ist in deinem Text kein Gleichgewicht drin. Du deutest es ja schon mit dem ersten Satz an: "Ich lebe im Vergangenen."
In mir erweckt sich der Eindruck, dass der Ich-ErzĂ€hler an einer Schwelle, an der Wand oder einem tiefen Abgrund steht. Der Blick nach vorn wird vermieden, bzw. direkt wieder nach hinten, auf die Vergangenheit gerichtet ("Wenn wir uns in ein paar Jahren ienmal sehen werden, mit ein paar Einzelnen, dann werden wir uns anlĂ€cheln, mit jenem verliebten, trĂ€umerischen Verstehen im Blick, an eine Zeit, die uns unser GlĂŒck schenkte und uns sorgsam behĂŒtete.

An eine Zeit, in der wir das kosten durften, was das Leben so lebenswert machte. An eine Zeit, in der uns niemand im Weg stehen konnte. An eine Zeit, die uns niemand mehr nehmen kann, wie sie uns schöner nicht hÀtte sein können.")

Dein Text enhĂ€lt einiges, was mich auf einen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt (privat, beruflich oder rĂ€umlich) schließen lassen kann, oder auch auf grĂ¶ĂŸere gesellschaftliche VerĂ€nderungen, die sich auf jeden einzelnen (unterschiedlich) auswirken. Mir ist jedoch nicht ganz klar, ob es nicht besser wĂ€re, bei solchen Ereignissen auch die positiven Aspekte fĂŒr kĂŒnftige Entwicklungen mit einzubeziehen. Aber das liegt wohl an mir, dass ich die Hoffnung nicht so schnell aufgeben will.

Liebe GrĂŒĂŸe

__________________
Morgainchaild of Glenmorgan

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