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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Freunde in der Fremde
Eingestellt am 07. 08. 2015 23:06


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Dyskolos
Hobbydichter
Registriert: Aug 2015

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Wasser tropfte von ihrer Stirn herunter. Einzelne schwarze Haarstr├Ąhnen verklebten ihr Gesicht und nahmen ihr die Sicht. Sie strich sie mit dem Handr├╝cken aus dem Gesicht. Die Sonne war am Aufgehen und ein kurze Regenschauer hatte sie v├Âllig ├╝berrascht. Sie sch├╝ttelte das Wasser aus der Isoliermatte, rollte sie ein und verstaute diese zusammen mit dem Zelt in einem wasserdichten Seesack. Heute war Tag eins in einem fremden Land, der Beginn einer langen Reise. Ihre gro├če Kajaktour. Sie sp├╝rte die innere Aufregung, eine kindliche Vorfreude auf das was ihr bevorstand.
Ihr Seekajak wog lediglich 26 Kilo, war aber aufgrund seiner L├Ąnge von knapp ├╝ber sechs Metern sehr unhandlich. Sie hob es mit Leichtigkeit an und trug es ans Ufer. In ihrem Alter f├╝hlte sie sich der Herausforderung dieser Tour v├Âllig gewachsen. Mehr noch, dachte sie, k├Ârperlich so fit hatte sie sich in keinem der 42 Lebensjahre vorher gef├╝hlt. W├Ąhrend sie den Seesack mit Zelt im Kajak verstaute, hielt sie penibel an ihrem Ordnungssystem fest. Essen war von Ausr├╝stung und letztere von Kleidung getrennt. Kleidung wiederum war nach Winter- und Sommerkleidung sortiert. Die Ausr├╝stung trennte sie in Koch, Lager und andere Ausr├╝stung wie Stirnlampen, Angelausstattung oder Filetiermesser. Alles war doppelt abgesichert vor Wasser und vor tierischen Sch├Ądlingen. Es war Zeit f├╝r ein ausgiebiges kalorienreiches Fr├╝hst├╝ck. Speck und Eier sowie Haferflocken hatte sie gestern noch im nahegelegenen Supermarkt besorgt. Das sollte ihr einen ausreichenden Energieschub f├╝r die erste Tagesh├Ąlfte geben. Der war auch unbedingt notwendig. Ihr stand mit zahlreichen Entbehrungen bevor. Die Konturen ihrer muskul├Âsen kr├Ąftigen Statur zeichneten sich unter dem Neoprenanzug ab. Ihr Aussehen verlieh ihr etwas kriegerisches als sie das Paddel zum Kajak trug und quer ablegte. Ihr Gang war dabei federnd w├Ąhrend ihre Beine zwischen den Knien ein schmales O formten.
W├Ąhrend Ei und Speck in einer Pfanne ├╝ber dem Campingkocher brieten, blickte sie sich suchend um. Kaffee durfte nicht fehlen. Sie war zwar hellwach, hatte kaum ein Auge die Nacht zubekommen, aber kein Tag durfte ohne eine Tasse guten schwarzen Kaffee beginnen. Sie fand ihn schlie├člich noch verpackt genau dort, wo sie ihn auf ihrer Packliste vermerkt hatte. Ihre zierlichen H├Ąnde ├Âffneten hastig die Kaffeeverpackung als wollte sie die durch den Regenschauer verlorene Zeit wieder einholen. W├Ąhrenddessen beobachtete sie angespannt das Blinzeln der Sonnenstrahlen zwischen den Baumzweigen. Sie hatte ihren Lagerplatz f├╝r die erste Nacht nicht weit von einer s├╝damerikanischen Pinie gew├Ąhlt. Als sie die Sonnenstrahlen auf ihrem wettergegerbten Gesicht sp├╝rte, kniff sie die Augen f├╝r einen Moment zusammen. Ihrem neugierigen Beobachter entging das Zucken unterhalb des linken Augenliedes nicht. ├ťber ihr Gesicht glitt ein zufriedenes L├Ącheln. Ihre kurz f├Ârmige Nase zuckte leicht als sie den salzigen Geruch von Seeschlick und Tang wahrnahm der ├╝ber Nacht an Land gesp├╝lt worden war. Zwanzig Meter von ihr entfernt waren bereits einige Halbw├╝chsige damit besch├Ąftigt ihre Angelruten mit K├Âdern auszustatten. Einer von ihnen starrte immer noch her├╝ber als sie ihren Blick hob. Sie hob ihre Hand gr├╝├čend, er nickte ihr freundlich leicht versch├╝chtert zu und dreht sich dann zu seinen Freunden um. Diese hatten bereits die K├Âpfe zusammengesteckt und angefangen ├╝ber ihn und seine neue Freundin zu feixen.
Das Wasser f├╝r den Kaffee kochte. Sie hatte das Kaffeepulver bereits in eine Tasse gegeben und f├╝llte diese eilig mit dem hei├čem Wasser auf. Das R├╝hrei und den Speck hatte sie bereits zur H├Ąlfte herunter geschlungen. Schnell setzte sie die Tasse wieder ab als die Hitze des Wassers auch den Henkel erfasste. Der Rest ihres R├╝hreies war in wenigen Sekunden ebenfalls verzehrt. Niemand war da der sie dr├Ąngte. Es war ihre Angewohnheit sich hinterher immer einzureden, das sie sich Zeit zum Genie├čen genommen hatte. Der Eindruck, das es sich hierbei um ein Fr├╝hst├╝ck am Flughafen handelte, w├Ąhrend sie auf den Flug wartete, dr├Ąngte sich auf. Der Kaffee musste noch kurz ziehen als der Abwasch bereits getan war. Sie wickelte ihr Halstuch um den Henkel der Kaffeetasse. Mit einem kleinen L├Âffel r├╝hrte sie an der Oberfl├Ąche, damit die letzten Kaffeekr├╝mel sich am Tassenboden absetzten. Danach setzte sie die Tasse vorsichtig an, trank kleine Schlucke und sp├╝rte einen sandigen Kaffeegeschmack. Angewidert sch├╝ttete sie den Rest weg und verstaute die letzten Sachen im Kajak. Sorgf├Ąltig verschloss sie die vordere und hintere Ladeluke und ging noch einmal pr├╝fend um ihr Kajak. Dann schob sie dieses langsam ins flache Wasser. Es lag nun parallel zum Ufer und hatte noch immer leichten Kontakt zum sandigen Untergrund. Wahrend sie einstieg, war das Paddel wieder senkrecht zum Kajak ausgerichtet. So stabilisierte sie das Kajak und gab den niedrigen rein rollenden Wellen keine Gelegenheit, es umzukippen. Als sie endlich sa├č und den Wasserspritzschutz um ihren Sitz befestigt hatte, stemmte sie sich mit beiden F├Ąusten vom Boden ab. Ohne ihr Gewicht wurde ihr Kajak vom Wasser rausw├Ąrts gezogen. W├Ąhrend sie mit dem R├╝cken zum offenen Ozean weiter versuchte, das Kajak vom Untergrund zu l├Âsen, war der Halbw├╝chsige dem sie vorher freundlich zugewunken hatte, herbei gesprungen. Mit seiner Hilfe war ihr Kajak in Sekundenschnelle im knietiefen Wasser und voll man├Âvrierf├Ąhig. Sie rief ihm noch auf portugiesisch ein Danke zu dann trennte sie bereits eine Paddell├Ąnge.

*

Neugierig blickte der Doktorfisch Maria an. Dies war seine Welt nicht ihre. Ruhig schwamm der Fisch ein St├╝ck weg und kam wieder n├Ąher. Alles sah verschwommen aus. Maria f├╝hlte wie ihr die Luft ausging.
Hektisch schaute sie sich um. Woran sollte sie sich orientieren? Die Wasseroberfl├Ąche war es wonach sie suchte. Sie unterdr├╝ckte den Reflex Luft zu holen. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Anstrengung. Von wo kam das Licht, musste dort nicht oben sein? Luftblasen stiegen rund um sie auf und wiesen ihr die Richtung. Mit letzter Kraft brachte sie sich mit kurzen, kr├Ąftigen Schwimmst├Â├čen zur├╝ck an die Oberfl├Ąche. Wasser hustend, rang sie nach Luft, und f├╝hlte wie diese in ihre Lunge schoss. Ihr Gesicht verzog sich als sie den salzigen Geschmack ihres Speichels sp├╝rte und f├╝r einen Moment ein Brechreiz hinzukam.
Dann besann sie sich. Der Neoprenanzug hielt sie dank seines guten Auftriebs zus├Ątzlich oben. Das Wasser war nicht kalt. Wenigstens etwas, war alles was ihr dazu einfiel, sie versuchte sich zu konzentrieren. Ihre Gedanken wollten sich nicht ordnen.
Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Geistesabwesend hatte sie das Kajak in die Brandung gesteuert. Wie konnte sie sich nur so ├╝bersch├Ątzen? Wozu war eigentlich das Training all die Jahre gut, um dann solch einen kapitalen Fehler zu begehen? St├Ąndig hatte sie den Kurs korrigieren m├╝ssen. Das allein h├Ątte reichen sollen, um ihr zu zeigen, dass sie nicht voll bei der Sache war. Sie blickte in alle Richtungen, erwartete, dass das Kajak jeden Moment neben ihr auftauchte. Da war nichts. Die Erinnerung an das was passiert war, kam langsam zur├╝ck. Die Brandung hatte sie mitsamt des Kajak zuerst ├╝ber diesen Felsen geworfen. Wie aus dem Nichts war das Steinmassiv aufgetaucht. In dem Moment als das Wasser sie ├╝ber den Felsen schob und sie das Paddel dabei verlor, hatte sie das Splittern von Glasfiber geh├Ârt. Scharfe Felskanten hatten sich in Kajakunterseite und ihre Hand geschnitten. Ihr Handr├╝cken blutete zum Gl├╝ck nicht sehr stark. Vorsichtig bewegte sie die Hand, tastete ihren Arm ab. Wie durch ein Wunder schien nichts gebrochen zu sein. Nach dem Felsen ├╝berschlug sie sich mitsamt dem Kajak noch einige Male unter Wasser. Dann hatte sie sich endlich in der Tiefe aus dem Kajak befreit. Das Kajak war dabei voll Wasser gelaufen.
Sie schaute sich an er Oberfl├Ąche noch einmal pr├╝fend rundum, aber das Kajak kam nicht mehr hoch. Die Entfernung zum Ufer sch├Ątze sie auf f├╝nfhundert Meter. Langsam kehrte die innere Ruhe zur├╝ck. Das war leicht zu schaffen. Sie hatte l├Ąngere Strecken unter solchen Bedingungen geschwommen.
In gleichm├Ą├čigen Schwimmbewegungen glitten ihre Arme durch das Wasser. Nach einer kurzen Zeit tauchte zu ihrer Linken der Felsen wieder auf, der dem sie das hier verdankte. Panik stieg in ihr auf.
Hatte sie diesen Felsen nicht bereits hinter sich gelassen?
Das konnte nur eines bedeuten. Es musste hier eine Str├Âmung geben und diese war st├Ąrker als sie und zog sie weiter raus. Ihr Puls schnellte in die H├Âhe. Sie schrie in Richtung Ufer, die H├Ąnde zu einem Trichter formend, dann wild winkend. Doch niemand nahm Notiz. Sie startete noch einen Versuch und schwamm erneut los, verdoppelte ihre Anstrengungen, ihre Arme pfl├╝gten wie wild gewordene M├╝hlr├Ąder durch das Wasser. Kurze Verschnaufpausen nutzte sie und blickte sich zweifelnd um. Der Felsen entfernte sich jedoch immer mehr von ihr. Sie rief erneut jedoch ohne Erfolg. Ihr war klar, ihre Kr├Ąfte lie├čen nach. Das einzig Richtige in einer solchen Situation war,
nicht gegen die Str├Âmung ank├Ąmpfen, sondern mit ihr treiben und Ruhe bewahren. Einfach mal nichts tun, sich dem Schicksal ├╝berlassen. Nichts lag ihrem Wesen ferner.
Widerwillig drehte sie sich auf den R├╝cken und bem├╝hte sich zu entspannen. Es fiel ihr seltsam schwer nichts zu tun wie einem Fisch nicht zu schwimmen schwer fiele. Sie haderte. Maria ├╝berlegte was schlimmer war. Die Str├Âmung, die sie hinaustrug oder die Wunde an ihrer Hand, die immer noch blutete und Haie anlockte. Die Wolken ├╝ber sich und das Meer unter sich, ├╝berkam sie eine seltsame Ruhe, die sie nicht richtig anzunehmen wusste. Wie ein Korken im Weltmeer tanzte sie und trieb weiter hinaus. Unschl├╝ssig, ob sie es auf einen neuen Schwimmversuch ankommen lassen sollte und dabei riskieren ihre letzten Reserven zu verbrauchen, fing sie an die Sekunden zu z├Ąhlen.
Nach einer Weile, Maria kam es wie eine Ewigkeit vor, in der sie auf dem Wasser treibend dem Spiel der Wolken zugesehen hatte, sp├╝rte sie wie H├Ąnde nach ihr griffen. Erschrocken wandte sie den Kopf nach hinten. Das Gesicht des Jungen, dem sie vorher noch zugewunken und eine Danke zugerufen hatte, tauchte ├╝ber ihr auf. Sie lies sich aus dem Wasser ziehen. Ersch├Âpft aber voller Dankbarkeit, sank sie am Strand nieder.
__________________
Viele Gruesse Dyskolos

Version vom 07. 08. 2015 23:06

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DocSchneider
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