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Leselupe.de > Kurzprosa
Freunde unter dem Stern (2.Versuch)
Eingestellt am 09. 03. 2003 20:13


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VanOldi
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2000

Werke: 115
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[Vorwort: Ich habe versucht hier die Kritiken zum ersten Teil aufzunehmen und in ErzÀhlung umzusetzen]

Jakob Eismann hatte den Austausch seines Mantels nicht bemerkt. Zusammen mit seinem Freund Franz Dagen verbrachte er einen gemĂŒtlichen Abend in dessen Wohnung. Beide kannten sich aus ihrer Kindheit, als sie gemeinsam durch die Strassen von Dresden gezogen waren und die GesprĂ€che der Einwohner um die Empörung ĂŒber neue Streiche von "irgendwelchen Lausejungs" bereicherten. Auch als sich ihre Wege nach der Schulzeit trennten, verloren sie nie den Kontakt. Als Franz dann einen Stelle in der Dresdener Verwaltung bekam und in die Stadt zurĂŒckzog, wurde ihre Freundschaft wieder so eng wie zu Schulzeiten, und die beiden trafen sich nun regelmĂ€ĂŸig. Jakob hatte in der Zwischenzeit Medizin studiert und gerade die Praxis seines kranken Vaters ĂŒbernommen.

An diesem Abend sprachen sie ĂŒber die alten Zeiten, was ihnen eine Menge Anlass zu lautem GelĂ€chter gab, aber es fehlten auch nicht die nachdenklichen Momente. Gemeinsam waren sie durch die Höhen und Tiefen der Jugend gegangen, und mehr als einmal hatte Jakob seinen Freund Franz vor Dummheiten bewahrt und ihn aus brenzligen Situationen geleitet.
Die gemeinsamen Erinnerungen hatten den Abend spĂ€t werden lassen, als Jakob kurz im Bad verschwand und Franz die Gelegenheit nutzte. Er nahm Jakobs Mantel vom Haken und schmiss ihn ins Schlafzimmer, dann hĂ€ngte er seinen eigenen Mantel auf die frei gewordene Stelle. Zusammen hatten sich die Freunde vor knapp zwei Wochen das gleiche StĂŒck schneidern lassen, und da sie von der Statur her sehr Ă€hnlich waren, war Franz sicher, dass Jakob den Tausch nicht sofort bemerken wĂŒrde.
Jakob kam zurĂŒck, rieb sich die HĂ€nde trocken, nahm den Mantel und zog ihn ĂŒber. Franz begleitete ihn zur WohnungstĂŒre, wo sich die beiden umarmten und verabschiedeten.

Am nĂ€chsten morgen machte sich Jakob auf um Besorgungen fĂŒr die Praxis zu erledigen. Als er das Haus verließ sah er die Menschenmenge am Ende des Fliederweges. Sie drĂ€ngten sich um zwei Pritschenwagen auf denen mehrere Personen eng beieinander standen. Zwischen Wagen und Menge sah Jakob mehrere braun Uniformierte, die die Neugierigen davon abhielten nĂ€her an die Wagen zu gehen. Er ging in die Richtung der Menge, hörte wie Namen gerufen wurden und versuchte durch die hochgereckten Armee einen Blick auf die Wagen zu bekommen. Dann stockte sein Herz, war das nicht sein Freund Franz, dort auf dem vorderen Laster? Jakob versuchte sich durch die Menge zu drĂŒcken. "Franz! ,Franz!", ja er war es.

Plötzlich schlug eine HandflĂ€che krĂ€ftig auf Jakobs Brust, "HALT! ZurĂŒckbleiben, sonst nehmen wir Dich auch mit!" schnauzte ihn ein Uniformierter an. Jakob prallte zurĂŒck in die Menge, seinen Blick dabei fest auf Franz gerichtet, und dann sah er den gelben Stern. Instinktiv griff er sich an die Brust, aber dort fehlte das aufgenĂ€hte Abzeichen. Er sah auf seinen Mantel hinunter und begriff.

Franz Dagen hatte sich nie besonders fĂŒr Politik interessiert, er war aber in die Partei eingetreten, da dies eine Menge an gesellschaftlichen Vorteilen fĂŒr ihn brachte. So wĂ€re eine Bewerbung um die Anstellung in der Dresdener Verwaltung ohne Mitgliedschaft sinnlos gewesen. In den BĂŒros gab es niemanden ohne Parteibuch und die großen Taten des FĂŒhrers waren dort immer ein Thema. Franz versuchte, so gut er konnte, in der allgemeinen Begeisterung unauffĂ€llig mitzuschwimmen.
Als er diese Woche dann im Einwohnermeldeamt Akten holen mußte, bekam er mit, wie sich ein Mann im schwarzen Ledermantel die Karteikarten aller Juden aus dem Stadtteil aushĂ€ndigen ließ, in dem auch Jakob und er wohnten. Franz blieb hinter den Aktenregalen stehen und tat so, als suche er dort noch irgendwelche Ordner. Er strĂ€ngte sich an, dem GesprĂ€ch des Mannes mit dem Beamten zu folgen, bekam aber nur ein paar Wortfetzen mit, bis der Mann sich verabschiedete und laut rief:" Am Freitag morgen werden wir es diesen Juden mal zeigen, diese Lektion werden sie so schnell nicht vergessen - Heil Hitler!".
Franz zuckte zusammen, was meinte der Mann mit der Lektion, die man anscheinend den Juden erteilen wollte? Er wußte, dass man in der Partei den Juden nicht wohl gesonnen war, aber er konnte diese Meinung nicht mittragen. Mit Niemandem verstand er sich so gut, wie mit Jakob und all das Schlechte, was man öffentlich ĂŒber die Juden sagte, konnte er darum nicht nachvollziehen.

Wieder zurĂŒck an seinem Schreibtisch dachte Franz nach, bei dem wenigen, was er im Einwohnermeldeamt aufgeschnappt hatte, war auch das Wort Deportation gefallen. Anscheinend wollte man einige der Juden kurzzeitig woanders hinbringen, sie so wahrscheinlich an ihrer Arbeit hindern und ihre Gewinne schmĂ€lern, denn die GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit und der Besitz der Juden war immer wieder Punkte der Hassesparolen gegen sie gewesen. Und das ausgerechnet jetzt, wo es der Praxis von Jakob schlecht ging, da viele deutsche Patienten nicht mehr zu ihm kamen.
Nein, Jakob wurde hier gebraucht, entschied sich Franz, ich werde seinen Platz einnehmen, es wird schon nicht so schlimm werden. Etwas davon erwĂ€hnen wollte er Jakob gegenĂŒber jedoch nicht, denn dieser hĂ€tte einen solchen Tausch nicht zugelassen. So verfiel Franz auf den Plan die MĂ€ntel auszuwechseln. Als die Gruppe mit den Pritschenwagen auftauchte, stand Franz bereits vor der Praxis seines Freundes und gab sich, mit der Hilfe der Papiere aus der Innentasche, ihnen gegenĂŒber als Jakob Eismann aus.

Die Fahrzeuge setzte sich in Bewegung und die Uniformierten achteten darauf, dass Niemand aus der Gruppe folgte. Jakob konnte noch einen letzten Blick auf Franz werfen, der nun auch seinen Freund entdeckt hatte und ihm etwas zurief. Auch wenn Jakob durch den LĂ€rm der Menschen auf der Strasse nicht hören konnte, was sein Freund da sagte, so verstand er doch die Worte: "Du hast viel fĂŒr mich getan, nun tue ich etwas fĂŒr Dich - Wir sehen uns!". Damit verschwanden die Kraftwagen hinter der nĂ€chsten Hausecke.

__________________
(C) 2003 by Stefan Mollenhauer
Gedichte berichten verdichtet Geschichten

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flammarion
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hm,

nach meiner meinung haste die sache jetzt ziemlich verwĂ€ssert, aber fĂŒr die, die in geschichte nicht aufgepasst hatten, ist sie jetzt wohl verstĂ€ndlicher.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Jas, ich bin auch der Meinung, jetzt hast Du entschieden verschlimmbessert. Es klingt, als ob Du zwei getrennte Geschichten erzĂ€hltest. Die RĂŒckblende in Franz' Arbeitsleben ist viel zu lang und ausfĂŒhrlich, vor allem wenn man bedenkt, daß der dramatische Höhepunkt der Geschichte - der Blickkontakt der beiden, als Franz auf dem Laster steht - vor dieser RĂŒckblende liegt. Das verschleppt die ganze Struktur der Geschichte.

Eine Möglichkeit, die Geschichte am Ende zu einem zweiten Effekt hinzufĂŒhren, wĂ€re Franz' Gedanke, daß es "so schlimm schon nicht werden wird", was ihn erwartet. Ich denke mir das etwa so: am Anfang den Manteltausch, die Szene auf dem LKW mit dem Blickkontakt, dann eine stark gekĂŒrzte RĂŒckblende (das ist jetzt viel zu viel, sollte auch allgemeiner gehalten werden; einfach nur erwĂ€hnen, daß Franz durch seine Arbeit in der Stadtverwaltung mitbekommen hat, daß der Abtransport aller Juden geplant ist) und dann das Ende nicht aus Jakobs, sondern aus Franz' Perspektive schildern: wie er auf dem LKW steht, Jakob zuwinkt und sich denkt "mein Freund hat mir so viel geholfen, jetzt kann ich auch mal was fĂŒr ihn tun. So schlimm wird es ja nicht werden."

Liebe GrĂŒĂŸe,
Zefira

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