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Leselupe.de > Kindergeschichten
Freundin
Eingestellt am 11. 07. 2005 09:35


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coxew
???
Registriert: Jun 2005

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Eine Geschichte fĂŒr Leser ab 12 Jahre


Freundin

Ich koche, vibriere vor Aufregung unter meinem Sonnenbrand in den viel zu engen Klamotten. Ich, fĂŒnfzehn und völlig kirre ... heute muss es klappen. Seit Mittwoch hungere ich in der törichten Hoffnung fĂŒnf Kilo Babyspeck loszuwerden. Einen Kerl abfassen, das ist heute mein erklĂ€rtes Ziel.
Mein Bruder, ein Jahr jĂŒnger als ich, teilt das selbe Los, nur dass er eher auf Weiber steht und nicht hungern muss, weil er schlank ist. Wir fahren auf eine Klitsche. Im Volkshaus ist immer was los. Ehe wir aufbrechen, trinke ich mir Mut an.

Am Einlass drĂŒckt uns einer lila Stempelfarbe auf die HandrĂŒcken. BEZAHLT! Der Saal fĂŒllt sich gerade. Bald brodelt es hier wie in einem Hexenkessel. Gelegenheit fĂŒr mich "das Material" zu sondieren. HĂŒbsch muss er sein und schlagfertig und vor allem lieb. Ich fĂŒhl mich nicht besonders gut dabei. Rauche eine Filterlose nach der anderen. Sich begehrt fĂŒhlen und gleichzeitig abgelehnt, ist oberstressig. GegensĂ€tze in mir wohnen seit je her dicht an dicht.

Mein Bruder holt Promille. Ich schĂŒtte rein, was runtergeht und postiere mich, sehen und gesehen werden, neben der SaaltĂŒr. Dort fang ich gierig Blicke ein. Sie reißen ab.
Die Band legt los mit Oldies der Achtundsechziger. Schwarze Lautsprecherboxen dröhnen den Rhythmus in den Raum, schwĂŒlwarme Juninacht. Die ersten Paare und TĂ€nzerinnen nehmen die TanzflĂ€che in Beschlag. Ich will auch tanzen, mich drehen, meinen Körper im Rhythmus wiegen trotz sonnenverbrannter Haut in quĂ€lend engen Jeans. Aber mit wem? Ich zerre meinen Bruder auf die TanzflĂ€che. Das find ich mindestens so abartig wie miteinander tanzende MĂ€dchen, wenn's geht noch mit anfassen. Nach fĂŒnf Liedern kann ich nicht mehr. Erschöpft beziehe ich wieder Posten neben der SaaltĂŒr. Mein Bruder verschwindet unter dem Vorwand GetrĂ€nke zu holen. Wieso bin ich immer noch hier?

Draußen im Foyer fliegen BierglĂ€ser und zerkrachen auf den Steinfliesen. Ich geh auf's Klo. Dort ist es im Sommer angenehm kĂŒhl. Heute steht Alice im Klo, einsam wie auf einer abgetriebenen Eisscholle, heulend und mit blutĂŒberströmten HĂ€nden. Fast neben ihr und doch meilenweit weg flĂŒstern MĂ€dchen, schauen sich verstohlen nach Alice um. "... in die SchlĂ€gerei geraten ... Splitter ... HĂ€nde zerschnitten." Jetzt heult Alice richtig los. Ihr hĂ€ssliches, verletzbares Gesicht eine einzige Anklage, die kleine, alterslose Gestalt, ihre blutigen HĂ€nde. Alice ist bekannt im Volkshaus. Wie eine Ausgestoßene bewegt sie sich zwischen den LĂ€rmenden, Tanzenden, Trinkenden, Johlenden, wird angerempelt, beiseite gedrĂ€ngt, ĂŒbersehen. Jeden Samstag kommt Alice wieder. Tödlich treffen die mitleidigen Blicke der Schönen.

Ich kann Alice nicht anschauen, kann nicht wegschauen. Dann sagt meine Stimme, "deine HĂ€nde mĂŒssen verbunden werden." Mein Körper geht zu Alice, zieht sie sanft zum Waschbecken. Meine HĂ€nde schrauben den Hahn leicht auf, halten Alices HĂ€nde unter das still herausfließende Wasser. Alice heult lauter. Ich ziehe Glassplitter aus ihren Haut. Bleiben noch die seelischen Wunden.

"Ich will nicht nach hause", sagt Alice draußen mit kehliger Stimme. "Dann fahren wir zu mir", erwidere ich. Alice starrt mich fassungslos an. "Ja, aber du bist doch ein MĂ€dchen?" Ich lĂ€chle und nicke. Etwas wird geboren, uralt und wieder neu.

Alice und ich sind den ganzen Sonntag zusammen. Abends bringe ich sie zum Zug.

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Mimmikux
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2005

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Kinder oder Jugendliteratur?

Eine nette Geschichte. Leider gibt es hier im Forum keine Untergliederung zwischen Kinder und Jugendliteratur, doch ich wĂŒrde es als Jugendliteratur sehen.

Zum Inhalt:

Warum findet sie mit MÀdchen tanzen doof und geht dann mit einem MÀdchen nach Hause. Vielleicht solltest du noch etwas mehr darauf eingehen, warum sie das MÀdchen mit nach Hause nimmt. Es wirkt etwas unlogisch. Vielleicht einen kurzen Satz, was es logisch erscheinen lÀsst.

Ansonsten eine gute Idee.

LG
Mimmi
__________________
SCHREIBEN IST LEICHT. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. (Mark Twain)

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flitze
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Freundin

Hallo!
Eine gute Idee, die absolut gut mir Worten umgesetzt wurde!
Ich stimme ĂŒbrigens mit Mimmi ĂŒberein, dass der Schluss ein wenig unlogisch erscheint. Auch ich kam an dieser Stelle ins GrĂŒbeln, warum sie das MĂ€dchen (und ausgerechnet auch noch ein MĂ€dchen) mit nach Hause nimmt. Sicherlich genĂŒgt wirklich nur ein kleiner Zusatz, um es dem Leser zu verdeutlichen.
Ansonsten wirklich klasse!

Liebe GrĂŒĂŸe

Birgit

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coxew
???
Registriert: Jun 2005

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also, ich hab den text umgeschrieben. denke aber, dass dies noch nicht die allerletzte fassung ist.


fĂŒr Leserinnen und Leser ab 12 Jahre

Freundin

Ich koche, vibriere vor Aufregung unter meinem Sonnenbrand in den viel zu engen Klamotten. Ich, fĂŒnfzehn und völlig kirre ... heute muss es klappen. Seit Mittwoch hungere ich in der törichten Hoffnung fĂŒnf Kilo Babyspeck loszuwerden. Einen Kerl abfassen, das ist heute mein erklĂ€rtes Ziel.
Mein Bruder, ein Jahr jĂŒnger als ich, teilt das selbe Los, nur dass er eher auf Weiber steht und nicht hungern muss, weil er schlank ist. Wir fahren auf eine Klitsche. Im Volkshaus ist immer was los. Ehe wir aufbrechen, trinke ich mir Mut an.

Am Einlass drĂŒckt uns einer lila Stempelfarbe auf die HandrĂŒcken. BEZAHLT! Der Saal fĂŒllt sich gerade. Bald brodelt es hier wie in einem Hexenkessel. Gelegenheit fĂŒr mich "das Material" zu sondieren. HĂŒbsch muss er sein und schlagfertig und vor allem lieb. Ich fĂŒhl mich nicht besonders gut dabei. Rauche eine Filterlose nach der anderen. Sich begehrt fĂŒhlen und gleichzeitig abgelehnt, ist oberstressig. GegensĂ€tze in mir wohnen seit je her dicht an dicht. Und dann sind da noch die anderen Schönen, Stress pur.

Mein Bruder holt Promille. Ich schĂŒtte rein, was runtergeht und postiere mich, sehen und gesehen werden, neben der SaaltĂŒr. Dort fang ich gierig Blicke ein. Sie reißen ab.
Die Band legt los mit Oldies der Achtundsechziger. Schwarze Lautsprecherboxen dröhnen den Rhythmus in den Raum, schwĂŒlwarme Juninacht. Die ersten Paare und TĂ€nzerinnen nehmen die TanzflĂ€che in Beschlag. Ich will auch tanzen, mich drehen, meinen Körper im Rhythmus wiegen trotz sonnenverbrannter Haut in quĂ€lend engen Jeans. Aber mit wem? Ich zerre meinen Bruder auf die TanzflĂ€che. Das find ich mindestens so abartig wie miteinander tanzende MĂ€dchen, wenn's geht noch mit anfassen. Nach fĂŒnf Liedern kann ich nicht mehr. Erschöpft beziehe ich wieder Posten neben der SaaltĂŒr. Mein Bruder verschwindet unter dem Vorwand GetrĂ€nke zu holen. Wieso bin ich immer noch hier?

Draußen im Foyer fliegen BierglĂ€ser und zerkrachen auf den Steinfliesen. Ich geh auf's Klo. Dort ist es im Sommer angenehm kĂŒhl. Heute steht Alice im Klo, einsam wie auf einer abgetriebenen Eisscholle, heulend und mit blutĂŒberströmten HĂ€nden. Fast neben ihr und doch meilenweit weg flĂŒstern MĂ€dchen, schauen sich verstohlen nach Alice um. "... in die SchlĂ€gerei geraten ... Splitter ... HĂ€nde zerschnitten." Jetzt heult Alice richtig los. Ihr hĂ€ssliches, verletzbares Gesicht eine einzige Anklage, die kleine, alterslose Gestalt, ihre blutigen HĂ€nde. Alice ist bekannt im Volkshaus. Wie eine Ausgestoßene bewegt sie sich zwischen den LĂ€rmenden, Tanzenden, Trinkenden, Johlenden, wird angerempelt, beiseite gedrĂ€ngt, ĂŒbersehen. Und doch kommt Alice wieder, jeden Samstag. Tödlich treffen die mitleidigen Blicke der Schönen.

Ich kann Alice nicht anschauen, kann nicht wegschauen. Dann sagt meine Stimme, "deine HĂ€nde, ... wenigstens ein Pflaster ..." Mein Körper geht zu Alice, zieht sie sanft zum Waschbecken. Meine HĂ€nde schrauben den Hahn leicht auf, halten Alices HĂ€nde unter das still herausfließende Wasser. Alice heult noch lauter. Ich ziehe Glassplitter aus ihren Haut.

"Komm mit." Ich gehe Alice voraus in den Saal.
"Da geh' ich nicht rein." Entsetzen schreit aus Alices Gesicht.
"Du gehst, und zwar mit mir." UngerĂŒhrt nehme ich Alices Hand und laufe weiter. Alice will sich klein machen. Aber es gelingt ihr nicht. Sie geht neben mir vorbei an Gaffenden, Trinkenden, Redenden auf die TanzflĂ€che. Die uns kommen sehen, treten unwillkĂŒrlich zur Seite.
"Tanze!" Und ich beginne selbst zu tanzen. Alices Körper bewegt sich zögernd. Sie findet den Rhythmus und wird sicherer, behauptet sich. Eine lacht auf. Alice schaut ihr fest in die Augen. Das Lachen verstummt. Mit Alice jetzt, hier zu tanzen, das ist es. Was gehen uns heute die Kerle an?

"Ich will nicht nach hause", sagt Alice draußen mit kehliger Stimme. "Dann fahren wir zu mir", erwidere ich. Alice starrt mich fassungslos an. "Ja, aber du bist doch ein MĂ€dchen?" Ich lĂ€chle und nicke. Etwas wird geboren, uralt und wieder neu. "Ich zeig' dir meine Bude."

Fast bis zum Morgen probieren wir meine Röcke und Kleider, schminken und frisieren uns gegenseitig und Alice erklĂ€rt mir, wie man Tomaten zĂŒchtet, die statt wĂ€ssrig, nach Tomate schmecken.

Wir sind den ganzen Sonntag zusammen. Als nÀchstes planen wir eine Radtour. Alice lacht wieder.

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Mimmikux
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Neue Version ist gelungen

Hallo,

Diese Version ist in Ordnung, gefÀllt mir schon viel besser. Habe nichts mehr gefunden, was nicht passt.


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coxew
???
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freundin

den text nehme ich mir in ein paar wochen noch einmal vor. lieb von dir, dass du die neue fassung gleich gelesen hast.

ganz lieb gegrĂŒĂŸt,
karin

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