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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fritze
Eingestellt am 18. 06. 2002 21:30


Autor
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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Fritz konnte in der Schule wieder einmal nicht still sitzen. Ungeduldig schabte seine Lederhose ├╝ber den Sitz hin und her. Frau Hagen, seine Klassenlehrerin sah ihn aus den Augenwinkeln m├╝rrisch an. Sicher hatte sie ihren Schlachtplan schon gesteckt und sicher sah der f├╝r Fritz nicht gut aus. W├Ąhrend sie einen Vortrag ├╝ber die Silbentrennung hielt stellte sie sich neben seine Bank und zwischen ihren Z├Ąhnen raunte sie dem Jungen zu: „Erste Verwarnung!“ Fritz wusste, was das zu bedeuten hatte. Es war ihm des ├Âfteren schon passiert, von seiner Lehrerin verwarnt zu werden. Das ging sogar manchmal bis zur Dritten Verwarnung, aber dann konnte er bald die Tasche packen, denn das bedeutete: Raus aus dem Klassenraum.

Es war nun nicht so, dass Fritz das nicht wollte. Ganz im Gegenteil, oft legte er es gerade darauf an, hinausbef├Ârdert zu werden. Besonders an so Tagen, wo die Sonne schien und er nachmittags das Schwimmbad aufsuchen wollte. Unangenehm dabei war zwar die Strafe, die er trotz der Hitze auf bekam, aber das war zweitrangig, denn er hatte bei Regenwetter schon einige gel├Ąufige Texte vorgeschrieben und wenn er auch manchmal lange danach suchen musste, so fand er sie doch und ihm war aufgefallen, dass die Lehrerin sich f├╝r den Text nicht weiter interessierte, Hauptsache die Zeilen waren voll geschrieben und er achtete peinlichst darauf sie so eng wie m├Âglich zu beschreiben.

Die Lehrerin zog jetzt ihren „b├Âsen Blick auf.“ Gerade rechtzeitig konnte Fritz diesen noch erhaschen und das bedeutete: ├äu├čerste Alarmstufe! Aber warum? Es war Fritz nicht so recht klar. Was mochte sie nun schon wieder haben? – Weiber! – dachte er sich – Wer kennt sich mit denen schon aus? Papa sagte ihm das auch immer wieder. Nachdenklich versuchte Fritz aus ihrer Mimik zu entnehmen, was sie jetzt so ver├Ąrgerte. Dass es allein seine Ger├Ąusche waren, die er durch sein Hin- und Hergewetze mit der Lederhose verursachte und dazu jetzt noch mit den F├╝├čen die ├╝ber den Fu├čboden scharrten, darauf w├Ąre Fritz nicht gekommen. Doch Frau Hagen hielt es sogar f├╝r wichtig, diese Verfehlung in ihr Klassenbuch einzutragen,
damit die Eltern beim n├Ąchsten Sprechtag auch erf├╝hren, was f├╝r ein unm├Âgliches Kind ihre Brut sei.

Nun interessiert uns nat├╝rlich alle: Wurde der Junge ein zweites Mal verwarnt? Antwort: Nicht bei dieser Lehrerin, da hatte er heute Gl├╝ck, obwohl es haarscharf an einer zweiten Verwarnung vorbei ging. Aber als er beim Verlassen der Klasse unbeabsichtigt Maresa anrempelte packte ihr Vater, der sie abholen wollte Fritz am Schlafittchen und lie├č ihn nicht eher los, bis er sich bei der Tucke entschuldigt hatte. Zu Hause verwarnte ihn Mutter, weil er bei seiner Suppe so schl├╝rfte, die Nachhilfe-Lehrerin, weil er nicht Lesen ge├╝bt hatte, der Schwimm-Meister, weil er vom Seitenrand sprang und hab ich noch etwas vergessen? Ach ja, sein Freund, weil er mal wieder keine Badehose eingepackt hatte und er ihm eine leihen musste. Das war’s dann aber wohl, glaub ich.

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