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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Froehliche Weihnachten
Eingestellt am 21. 12. 2009 21:38


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Retep
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Froehliche Weihnachten!

I

Die Kinder rannten auf der Strasse umher, froh, dass sich niemand um sie kuemmerte. Ihre Vaeter waren damit beschaeftigt, sich mit Alkohol volllaufen zu lassen, ihre Muetter versuchten etwas Weihnachtliches in ihren Huetten vorzubereiten.
Dann tauchte ploetzlich Manolo auf, erzaehlte von einem Weihnachtsbaum, den er und Quique im Park unter einer Strassenlaterne aufgebaut haetten.
Es wurde langsam dunkel. Die Horde jagte begeistert zum Park, um das Werk anzusehen.
Still standen alle vor dem Baum und bestaunten das Wunder. Sogar die Tauben, die sonst immer hier herum flatterten, sassen ruhig auf den Aesten. Es schien, dass sie Angst hatten, sie koennten etwas kaputt machen.
Stolz erklaerten die beiden Kuenstler ihr Werk. Eine Kiefer hatten sie aus dem Wald geholt und an eine Strassenlaterne angebunden. Blankgeputzte Blechdosen hingen an den Aesten. Sterne und Engel aus Silberpapier schmueckten den Baum. Manolo hatte sogar die Jungfrau auf Papier gemalt und dann ausgeschnitten. Sie schaute jetzt von der Spitze des Baumes herab.
Alle bestaunten das Wunder, auch Erwachsene waren gekommen. Sie hatten sich ueber die ploetzliche Stille auf der Strasse gewundert.

II

ÔÇŽ und dann machte sich ein Schweinchen ein Haus aus Stroh, damit der Wolf es nicht fressen konnte. Aber der kam und fing an zu blasen und alles flog auseinander. Aber das Schweinchen konnte noch wegrennen.
Mit seinem Bruder bauten sie dann ein Haus aus Holz, aber auch das blies der Wolf um. Die beiden konnten aber ausreissen. Nachdem sie sich eine Weile versteckt hatten, holten sie noch einen Bruder dazu.
Dieses Mal bauten sie zusammen ein Haus aus Backsteinen. Der Wollf blies wieder, ganz rot war er schon im Gesicht, aber das Haus hielt und die Schweinchen waren gluecklich.
┬ź Papa, hat der Wolf unser Haus auf dem Huegel auch weggeblasen ? ┬╗
Er sah seinen Sohn an, so jung und schon ein altes Gesicht, schuettelte nur den Kopf.
┬ź Und jetzt wird geschlafen. Morgen erzaehle ich eine andere Geschichte.
Armer Kleiner. Ich glaube, dass er die Schweinchen und den Wolf gesehen hat, wie der sich angestrengt hat, das Haus umzublasen.
Weisst du, diese Geschichte hat mir meine Mutter vor langer Zeit erzaehlt, ich bin froh, dass ich mich noch an den Schluss erinnern konnte.
Arbeit habe ich heute wieder keine gefunden.
Gehen wir auch schlafen Frau, ich bin ein bisschen muede, Weihnachten mit Geschenken gibt es fuer uns nicht. ┬╗
Er gab ihr einen Kuss. Eng lagen sie aneinader gedraengt unter der loechrigen Wolldecke, um sich vor der Kaelte zu schuetzen.
Froh konnten sie sein, dass sie ueberhaupt ein Dach ueber dem Kopf hatten, dachte er. Auch wenn alles feucht und eng hier war. Vorher hatten sie auf dem Huegel gewohnt. Eiines Morgens kamen Bulldozer, alles wurde niedergewalzt, auch ihre Huette.
Da hatten die Windeln von Tonio auf dem Holzzaun gehangen, hatten im Wind geflattert wie Fahnen.
Sie hatten von ein bisschen Glueck getraeumt.
Ein Park war entstanden, Paare gingen da jetzt, Kinder fuhren mit Fahrraedern umher. Die Stadt brauche einen schoenen Park, wurde gesagt.

III

Der betrunkene Parkwaechter versuchte gerade zu gehen und sicher aufzutreten. Trotz der ausgebeulten Jogginhose konnte man sehen, dass seine duennen Beine nach Innen gebogen waren. Ein alter, glatzk├▒pfiger Mann mit buschigen Augenbrauen. Seine Zaehne waren gelbbraune Stummel, seine Wangen eingefallen, sein Schnauzer nikotingelb.
┬ź Verschwindet hier aus dem Park ┬╗, bruellte er Kinder und Erwachsene an.
Niemand ruehrte sich. Niemand konnte ihnen verbieten hier um den Weihnachtsbaum herumzustehen. Die Natur stellte nirgendwo Schilder ┬ź Verboten ┬╗ auf.
Der Waechter schaute veraechtlich auf den Baum. Sein Revolver am Guertel gab ihm Macht.
┬ź Schafft sofort diesen Muell hier weg ! ┬╗
Manolo hob einen Stein auf. Niemand hatte das Recht, sein Werk Muell zu nennen. Niemand konnte ihm, Quique, den Kindern und Eltern verbieten, einen Weihnachtsbaum zu haben.
Sein Gesicht versteinerte. Er sah ploetzlich aelter, faltiger und hagerer aus. Einen Moment hatte er das Gefuehl gehabt, nahe bei den Sternen zu sein.
Quique stand neben ihm, stand einfach nur da, wollte etwas sagen, aber dann fiel ihm nichts ein. Er schuettelte nur immer wieder den Kopf, fassungslos.

Jemand holte andere Eltern, die auf die Rueckkehr ihrer Kinder gewartet hatten.
Der Kreis um den Baum wurde immer groesser, niemand bewegte sich, niemand sagte ein Wort.
Der Waechter sah in die finsteren Gesichter, trat einen Schritt zurueck und zog seine Waffe.
┬ź Zum letzten Mal sage ich, haut hier alle ab, nehmt diese Schweinerei mit, verzieht euch. Ich werde sonst Verstaerkung anfordern ! ┬╗
Manolo hielt noch immer den Stein in seiner Faust.

IV

Antonio Mu├▒oz konnte nicht einschlafen, obwohl es auf der Strasse ruhig geworden war.
Gedanken und Bilder gingen ihm durch den Kopf :
Sein kleiner Sohn Tonio, wie er barfuss durch den Schlamm lief und mit den Huehnern der Nachbarin spielte, sich die Popel mit dem Aermel seiner Jacke abwischte.
Seine Frau, wie sie Waesche wusch, sie immer wieder auswrang, dabei traurige Lieder sang. Zumindest hatte sie noch Arbeit.
Die Umgebung, wo sie jetzt hausten, alles voller Muell, Dreck und Gestank.
Herrenlose Hunde, die herumstreunten.
Betrunkene auf der staubigen Strasse.
Hoffnungslosigkeit.

Ploetzlich hoerte er einen Schuss. Er sprang aus dem Bett und nahm den Revolver aus dem Versteck unter der Matratze. Er hatte ihn einem betrunkenen Polizisten gestohlen.
Es war einer dieser Augenblicke, in denen man etwas tun, aber auch alles bleiben lassen konnte, dachte er.
Anziehen musste er sich nicht, war wegen der Kaelte in seinen Kleidern ins Bett gegangen.
Noch einmal schaute er seine Frau an, gab ihr einen sanften Kuss, um sie nicht zu wecken.
Es war wie ein Abschied.
Er lief aus dem Haus in Richtung Park. Eine grosse Muedigkeit und Wut fuehlte er. Den geladenen Revolver hielt er in der Hand.


__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

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