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Leselupe.de > Humor und Satire
Fröhlichen Entzug noch !!! (Teil2)
Eingestellt am 23. 08. 2002 10:09


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Mike vom Sternforum
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

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FEN = Fröhlichen Entzug noch !!! (Teil 2)

11 - Man ahnt nichts Böses . . .

Als ich wieder aufwache, ist es schon dämmerig, ich schätze, noch eine halbe Stunde bis zum Abendessen. Man merkt schon, dass es aufs Wochenende geht, ziemlich ruhig ist es. Helmut liegt entspannt auf seiner Koje und schläft, dann ist Frau Ritter-Sport wohl auch wieder los. Ein leichter Qualmgeruch liegt in der Luft: "Hat es hier irgendwo gebrannt?" --- Und da springt er mich an, der Suchtteufel: Schweißausbrüche, Fingerzittern, Herr, stehe mir bei. Der Fall X ist eingetreten, beim einsetzenden Herzrasen versuche ich, mich an die Lage der Intensivstation zu erinnern. - Nicht möglich, alles wie Watte im Kopf, Denken Glücksache, da scheint einiges mit der Durchblutung nicht mehr zu stimmen, nochn Fall X --- Schlaganfall + Infarkt, das haut den stärksten Eskimo vom Schlitten, Omannomannomann. Ich reiße meine Nachttischschublade auf, gibt es hier die rettende Droge? Nichts mehr da, alles leichtfertig an ZEE transpiriert vorhin. Ist der Carr eigentlich bescheuert, was hat der aus mir gemacht? Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, Lebensmittel einfach so wegzuschenken. Was soll ich jetzt bloß machen?
Ich versuche, Bestandsaufnahme zu machen und fange mal mit dem Puls an. Keiner da, oder doch, war eben die falsche Stelle. Jetzt Uhr zur Hand und mitgezählt: hochgerechnet ca. 80 Schläge die Minute, das habe ich schon mal überlebt. Wieso kann ich überhaupt die Uhr sehen, zählen und hochrechnen? --- Wunderheilung !!! --- Da öffnet sich die Tür und es erscheint --- NEIN, NICHT DER KIPPENFLÜSTERER! --- mein Stubenkamerad Jan. Ich mache das linke Auge zu, ja da ist ein Jan und dann das rechte Auge, wieder ein Jan. Dann schaue ich mit beiden Augen, und es bleibt ein Jan. Das nenne ich einen Kumpel! Der erscheint nicht einfach doppelt! Dann kann es mit meinem Schlaganfall ja nicht so weit her sein. . .
"Mann", sage ich zu Jan, "ich war wohl eben auf Turkey!" Da erzählt er mir, dass er Zuhause in die Badewanne gegangen sei und als er drin lag, kam sein Schmachtanfall. Er wollte seiner Lütten dann erzählen, von wo sie dem Papi die Zigaretten bringen soll, ist aber wohl doch noch ein bisschen klein, seine Tochter, oder besonders gerissen und hat sich blöd gestellt. Jedenfalls gab es nix zu rauchen. Und das ist ja eigentlich auch besser so. "Schnauze!", faucht er nach links, und ja, "Schnauze!" fauche auch ich. Das weckt Helmut aus seinen Träumen, wat denn, hab doch gar nix gesacht! -- Nee, nicht Du, Helmut. Bist doch unser Bester !!! --- Wenn wir da schon gewusst hätten, was der Entzug aus einem macht, und wie Helmut darunter leiden würde. . . --- "Abendessen, meine Herren !" , ertönt es, und so mache ich erstmal Pause . . .



12 - Methadon für Raucher + Viel zu gesund

Nach dem Abendessen schiebt mir Jan zwei Päckchen rüber. "Hier, habe ich Dir mitgebracht." Das sind Kaugummis, die heißen Airwaves, kenne ich nicht. Ich hasse eigentlich Kaugummi, aber zur Zeit . . . - Ein Päckchen verspricht Aroma Honig+Zitrone, das liegt mir jetzt nicht. Das andere Päckchen ist blau, wie das Aroma heißt, weiß ich nicht mehr. Ich nehme mir jedenfalls mal so 3 Pastillchen und werfe sie in den Mund.
Dann beginne ich, sie zu zerkauen. --- ALARM !!! --- Ein Durchzug geht durch mein Innenleben, als ob einer den Schädel geöffnet hätte, von den tränenden Augen bis zum Mageneingang !!! Und scharrrrrrff, die Dinger. Das Luftholen, das kenne ich, ist das die Werbung, wo der Kanarienvogel tot von der Stange fällt? - Ich bin aber kein Kanarienvogel ! - Allmählich geht es wieder, und nun, wo die Überraschung vorbei ist, vergeht auch der Aromageschmack ziemlich schnell. Das "geschmacklose" Kaugummi hat übrigens ein grausiges Aroma, ich nenne es mal Raucherware. - Insgesamt ist die ganze Geschichte nicht so mein Ding, aber man könnte ja noch eins, sagt eine Stimme von meiner RECHTEN Schulter. Ziemlich fix ist das Päckchen leer. Das mit Honig+Zitrone bewahre ich für morgen auf.
Später versuche ich, mal meinen Nachtschrank und das dort befindliche Obst zu ordnen. Ich habe neulich vom Besuch ein halbes Obstgeschäft mitgebracht bekommen. Nun sichte ich die Dinge mal. Ich erkenne: 1 Apfel (eindeutig zu groß für 1 Person), 1 Birne (schon etwas weich), 1 Banane (auch sehr groß), 1 Beutel Weintrauben (grün, für Weißwein, ungekeltert). Dazu 1 Paket Mirabellen (backobstähnlich), 1 Frucht, groß, melonenähnlich aber gelb. Kein Kürbis, der würde etwas mehr auftragen.
Da ich dieser Geschichte irgendwie Herr werden muss, gehe ich mal die Weintrauben abwaschen, die sind dann heute fällig. Ich kehre mit den gewaschenen Weintrauben, ganze Masse Menge in mein Zimmer zurück (übrigens ohne auf den Kippenflüsterer zu treffen).
Dann versuche ich, meine Stubenkameraden ins Vitalboot zu zerren. Helmut will schon mal nicht, - ach danke du, ist ja nett, aber ich wollte eigentlich sowieso gerade runter, mal eine dampfen und so; auch Jan lässt mich mit meinem Vitamintrip allein. Er erklärt sich aber bereit, mit der ominösen gelben Frucht loszuziehen und botanische Meinungen einzuholen. Also haue ich die Weintrauben allein weg, sie sind auch schön süß und ziemlich ohne Kerne. Dazu etwas Schimpf im TV, Motto: "Schaust Du Dir den Alten an, ersparst Du Dir den Zimmermann." So geht der Freitagabend dahin. Und dann bekomme ich Krämpfe, Krämpfe und nochmal Krämpfe. Die Weintrauben werden von meinem Körper abgestoßen, ich halte keine gesunde Kost aus! Ich kann nur Currywurst und Burger und aufgefegtes beim Chinamann. Das kennt mein Innenleben! Nur keine voreiligen Änderungen. Naja, erstmal muss ich das hier überstehen, dann werde ich mir das für die Zukunft merken.
Irgendwann schlafe ich dann doch ein und mein 2. rauchfreier Tag ist zuende.



13 - Jan's Biest ist da !!!

Am nächsten Morgen werden wir nicht um 07.00 Uhr aus den Betten geholt, es ist schon fast 1/2 9 Uhr. Bauchweh habe ich keins mehr, muss nur mal schnell laufen. - Puuh, hier hat schon wieder einer geraucht. Wochenende im Krankenhaus, das verspricht, langweilig zu werden. --- Also, über das Frühstück kann ich schon mal nix berichten. --- I'm bored, bored, bored.
Und dann kommt auf einmal Jan herein, die Zeitung von heute in der Hand (oder zumindest einen Teil davon) und ruft, da isser, da isser !!!! Na, denke ich, der hat jetzt auch den Blues, oder einen Haftkoller oder zumindest so ähnlich - seit wann steht der Kippenflüsterer in der Zeitung? Der wird übrigens auch mein Trauma, wenn ich den nicht bald mal erwische ...
Aber nix, Jan zeigt mir ein Bild mit einem merkwürdigen Viech, so ein kleines Monster oder so ähnlich. "Das ist mein kleines Biest !!!", ruft Jan, "so habe ich mir das schon immer vorgestellt." --- Naja, ein heißes Viech ist das schon, und auch irgendwie nicht niedlich. Jan reißt sich das Bild heraus und packt es in seine Nachttischschublade. Später will er es sich an die Wand hängen, er will sich nachher von Zuhause Tesa-Film mitbringen.
Die Tür von unserem Krankenzimmer öffnet sich und (Nein!!!! Nicht der ...) ein Mitpatient mit verbundenem Auge kommt nach seiner Untersuchung im Arztzimmer nebenan herein. Er sucht den Rest seiner Zeitung, hat er eben da liegenlassen. Jan gibt ihm wortlos die Seite mit dem hineingefetzten Loch. Ich sage, ich hätte eben auch schon ein Auge riskiert, aber da war das Loch schon drinnen. Der Mitpatient guckt ziemlich verständnislos auf das Blatt und will eine längere Geschichte von sich geben. Aber Jan schiebt ihn Richtung Tür, murmelt was von Seuchengefahr, und daß er doch nächstesmal beide Augen offenhalten solle, wegen seiner Zeitung und so, und dann ist die Tür zu und wir müssen tierisch lachen.
Nun schauen wir uns das Biest mal in Ruhe an und stellen fest, das isses! (Das ist übrigens aus einer Kinderstory "Wo die wilden Kerle wohnen"). Dann ruft Jan auf einmal wieder nach links "Schnauze!" und ich auch gleich vorsorglich mit: "Schnauze!" --- Aus der Waschecke hinter dem Vorhang grummelt es: "Habe doch gar nix gesacht." - Nein, Helmut, nicht Du, bist immer unser Bester !
Und so langweilig ist der Samstagmorgen auf einmal auch nicht mehr !!
Gruß + tollen Entzug !!



14 - Kennen Sie Anneliese ?

Auf einmal höre ich ein vertrautes Geräusch, auch Jan, der wohnt ja so gut wie nebenan , hebt den Kopf und lächelt wissend. Helmut ist noch unten, eine dampfen und so. Es erscheint jedenfalls der RTH (Rettungstransporthelikopter) über dem gegenüberliegenden Dach.
Das ist die Antwort auf viele Fragen, die mich schon seit langem bewegen. Denn ich bin ein erklärter Fan der Rettungsfliegerserie im TV. Nicht die Medicopterbesatzung in RTL-Stuss, die bei jedem Einsatz in Schießereien verwickelt wird, Luftkämpfe bestehen muss und Kernkraftwerke löschen, und alles das als Rettungssanitöter; nein, ich stehe mehr auf die etwas realistischere Variante aus dem ZDF. Die Hauptrolle spielt da Anneliese, der 30 Jahre alte Teppichklopfer von der Bundeswehr und ihre Besatzung. Ich könnte vor Rührung immer fast heulen, wenn ich sehe, wie da durch entschlossenes Handeln und bedingungslose Teamarbeit die aussichtslosesten Fälle doch noch gerettet werden. Beispielsszenerie für alle, die die Serie nicht kennen: Lebloser Mann liegt auf dem Rücken auf einer Wiese. Durch ihn gebohrt, schaut oben ein Zaunpfahl heraus. RTH landet, überall weht es, alles rast gebückt unter dem Rotor entlang auf den Verletzten zu. Den brauchen sie aber gar nicht festzuhalten, der (3Wetter-) Zaunpfahl hält.
Als nächstes stellt sich die Dame vor: "Hallo, ich bin die Notärztin, können Sie mich hören?" - Bevor der arme Kerl jetzt antwortet, ja ich bin der Soundso, ich kann leider nicht aufstehen, um Ihnen guten Tag zu sagen, und meine Versichertenkarte ist natürlich mal wieder in der falschen Jacke, spielt der erstmal auf Zeit. Rührt sich nicht, und nach kurzer Bedenkzeit wird er trotzdem behandelt. Dann muss er natürlich mit dem RTH ins Krankenhaus, müsste er in dieser Serie auch, wenn er sich in den Finger geschnitten hätte und ein halbes Dutzend RTW (Rettungstransportwagen) um ihn herumstehen würden. Den Zaun nimmt man dann auch lieber komplett mit, vielleicht ist dem ja noch zu helfen (bei den Medicoptern würden sie die ganze Wiese ausfliegen, wenn sie nicht vorher gesprengt würde, und der Zaunpfahl wäre natürlich auch eine startende Cruise-Missile). Naja, und dann kommt das, was ich hier und heute mal live erleben möchte: RTH kündigt sich zur Landung an, wenn er wegen voller Belegung vom Krankenhaus abgewiesen wird, kommt er trotzdem. Alle verfügbaren Weißkittel des Krankenhauses versammeln sich in der Nähe der Landestelle. RTH landet, überall weht es, alles rast gebückt unter dem Rotor entlang auf den ausgeladenen Verletzten zu. Nächster Einsatz folgt sogleich. --- Ich sehe keinen einzigen Weißkittel. RTH landet, überall weht es, keiner rast gebückt irgendwo hin. RTH wird abgestellt. - Endlich, ich bin schließlich wegen Hörsturz hier, Anneliese, 30 Jahre und kein bisschen leise. Irgendwann wird höchst gemächlich ein Patient ausgeladen und die Besatzung entschwindet mit ihm aus meinem Blickfeld. Als nach ca. 15 Minuten immer noch keiner wieder erschienen ist, wird mir die Sache langweilig und ich gehe vom Fenster weg. Helmut kommt inzwischen wieder und erzählt, dass nebenan der Kippenflüsterer im Behandlungszimmer sei. Da muss ich gleich mal hin. Irgendwann, nach über einer Stunde lärmt es draußen, und ich stelle fest, dass ich vergessen habe, dass Anneliese noch da ist.
FEN (Fröhlichen Entzug noch, habbich mir gerade ausgedacht) !!

(Nachtrag: Diese Geschichte habe ich irgendwann im Januar zum Besten gegeben. Im Frühjahr 2002 ist über Hamburg dann der RTH abgestürzt, alle Insassen sind dabei getötet worden. Die Untersuchungsergebnisse werden von der Bundeswehr nicht veröffentlicht. Es soll evtl. bei den Piloten Alkoholeinfluss nachgewiesen worden sein. Trotzdem gilt, dass diese Helfer in der Not zu den Guten zählen. Ihr Tod bleibt tragisch und man sollte ihnen ein ehrendes Andenken bewahren.)



15 - Aller Anfang ist schwer

Jetzt will ich doch auch mal das zweite Päckchen Kaugummi probieren, das mir Jan gestern geschenkt hat. Honig und Zitrone, das ist ja ein irrer Mix und so schmeckt es dann auch. Aber längst nicht so scharf wie die Variante von gestern, da kann man ruhig 3 Stück nehmen und dann kräftig draufbeissen und "AAAAAAAUUUUUUUAAAAAAAAA!!!!!!!" ich kann gar nicht so viel schreien, wie es wehtut, meine Fresse, da habe ich mir volles Rohr innen in die Wange gebissen, jaul, da bleibt kein Auge trocken. Glücklicherweise bin ich gerade allein im Zimmer, und auch das wütend in die Gegend geschmissene Carr-Buch (ich lese gerade den zweiten Durchgang) ist weitgehend unversehrt.
Das kenne ich doch irgendwoher? Und da fällt mir die Geschichte wieder ein, wie ich mir mit 40 das Rauchen abgewöhnen wollte. Ich besorgte mir damals die Nicorette-Kaugummis und nahm diese als Entzugbegleiter. Ich schreibe absichtlich nicht Entzugshilfe, denn geholfen haben sie mir gar nix, ganz im Gegentum. Ich bin 4 1/2 Monate mit Kaugummi und ohne Zigaretten täglich nur damit beschäftigt gewesen, nicht zu rauchen. Dann war ich sturmreif für die erste "Prince Denmark", die ich mir schnorrte. Ich dachte, ich hebe ab, es zerlegt mich, ich fliege im Sitzen. Sauschwindelig - aber guuut !! Das wars dann für über sechs weitere Jahre !
Aber ich schweife ab. - Kaugummi. Ich mag eigentlich überhaupt keinen Kaugummi. Der damals war, so dachte ich jedenfalls, therapeutisch. Und auch den konnte ich schon nicht unfallfrei kauen. Die Nikotinvariante hielt natürlich eigene Schweinereien bereit, so z. B. nach einem gierigen Anfangskau (gibt es auch den Morgenkau, den Verdauungskau und den Kau danach? Vergessen.). Dann hatte man auf einmal so viel Flüssigkeit im Mund, das dieser das nicht halten konnte. Weil man nun aber nicht bei jedem Gastgeber, Chef usw. auf den Boden speien darf kam es leicht soweit, dass einem die Brühe in den Hals lief. Klasse !!! Ein so übler Scheißgeschmack, als ob man im Ascher wohnen würde und dann ein Brennen ! Was anschließend der Magen noch sagte, habe ich vergessen. Ich weiß aber noch, dass nach einem solchen Unfall die Stimme auch in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Meine Zimmergenossen sind inzwischen auch wieder da, wollen aber nichts vom Kaugummi abhaben. So nehme ich mir noch welche und bin mir der Gefahren voll bewusst. Ich achte nun auf meine Wange. - "AAAAAAAAAAUUUUUUUUU!!!" - Scheiße, diesmal die Zunge! Mein Geschrei lässt die Tür auffliegen, eine Schwester fragt, was denn los sei und auch der auf den Arzt wartende Kippenflüsterer kommt dazu. JETZT HABE ICH IHN !!! Und Ihr auch bald, lieste weider !!
FEN !!



16 - Der Kippenflüsterer

Da habe ich ihn also endlich erwischt, den Kippenflüsterer. Ich halte ihn mit der einen Hand am Ärmel fest, mit der anderen Hand wische ich mir die Tränen von dem Kaugummiunfall eben aus den Augen.
Der Kippenflüsterer, von dem ich eigentlich schon längst mal hätte erzählen sollen, ist ein netter Mann Anfang 60, gerade in Rente gegangen. Er kann nur noch flüstern, weil die Zigaretten von Jahrzehnten ihm den ganzen Schlund zerschunden haben. Sein HNO-Arzt hat ihn wohl schon als hoffnungslosen Fall aufgegeben und ihm gesagt, da gäbe es keine Aussicht auf Besserung und damit müsse er halt leben. Als sein Arzt im Urlaub war, ist der Kippenflüsterer nun zu dessen Vertretung gegangen. Dieser Arzt hingegen sagte ihm, da wäre was zu machen und er sollte sich mal in der HNO-Ambulanz vorstellen. Die Ärzte sagten dann auch, eine Operation würde da helfen und nun ist er hier stationär aufgenommen.
Das war der Sachstand vom Wochenanfang, und als ich ihn neulich bei der Ausgabe des Mittagessens getroffen habe, fragte ich ihn, wann er mir denn nun endlich das hohe "C" vorsingen wolle. Ist nix mit Operation, sagte er, und das wollte ich nun mal genauer wissen. Endlich kann ich mich jetzt mal in Ruhe mit ihm unterhalten ... - da will Jan mal eben durch, nochmal wohin vorm Mittag, hoffentlich stinkt es da nicht wieder so nach Qualm und SCHNAUZE!, raus ist er. "Na, erzähl mal," frage ich den Kippenflüsterer ... - aber da will Helmut mal durch, will noch mal an die Raucherurne vor dem Mittagessen, eine dampfen und so.
Nun kommen wir endlich zum Reden und er sagt, dass es Essig wäre mit der Operation, alles dermaßen entzündet, da ist nicht dran zu denken. Auf meine Frage, was er dann noch am Samstag hier machen würde, sagt er: "Tja, jetzt haben die auch noch irgendwelche Gewebeproben genommen und bis die ausgewertet sind, bleibe ich erstmal hier". Da erinnere ich mich, wie wir zusammen Anfang der Woche an der Raucherurne gestanden haben. Er holte aus seiner einen Tasche von der Jogginghose eine Familienpackung mit 25 WEST Light. "Die sind für vormittags", krächzte er. Dann förderte er aus der anderen Tasche eine ebenso große Schachtel WEST rot normal zutage. "Und die sind für den Rest des Tages!", kam es wie von einem Reibeisen. Er dachte wohl auch gerade daran. -"Ja mein Lieber, da hast Du Dir wohl vor Begeisterung alles verheizt" , sage ich. "Hättest die WEST man lieber nur zeigen als rauchen sollen." Er nickt unglücklich, und nur die Mitteilung, dass das Mittagessen abgeholt werden kann, bringt uns aus dieser peinlichen Lage. Und dann ist er wohl doch nur der, der sich den Wolf raucht.
FEN!!



17 - Ehre, wem Ehre gebührt

Das Beispiel vom Kippenflüsterer wirft recht anschaulich ein Licht auf die oft irrwitzigen Verhaltensweisen von Rauchern. Allein steht er damit beileibe nicht. Wer kennt sie nicht, die Zigaretten bei Halsentzündungen, Hustenreiz und was weiß ich nicht alles für Unpässlichkeiten, die einen Nichtraucher längst aufs Krankenlager geworfen haben. So gesehen hat Carr wohl recht, wenn er sagt, dass Rauchen nix für kränkelnde Weicheier sei (Meine Worte, er sagte nicht: Softeggs).
Ich möchte da mal ein eigenes Erlebnis zum besten geben, wenn ich darf. Es ist schon über 7-8 Jahre her, da hatten wir in unserer Dienststelle noch ein Fotolaboryntorium, in dem ich häufiger mitwirkte. An einem Montagmorgen setzte ich eine neue Entwicklungslösung (oder sowas) an. Weil es Montag war, und gestern Sonntag war, und ich gestern länger auf war, und das nicht ohne einige Bierchen war, war mir heute nicht ganz so gut. Und so vergaß ich, die Raumbelüftung einzuschalten. Beim Zusammenschütten der notwendigen Flüssigkeiten bekam ich eine total pelzige Zunge, das war eklig. Und irgendwie hatte ich dann das Gefühl, nicht mehr so gut einatmen zu können. Es wurde immer schlimmer und auch am offenen Fenster wurde mir nicht besser. Daraufhin setzte ich mich erstmal hin und versuchte, meinen Zustand zu analysieren. Klappte nicht, irgendwie wurde ich immer unruhiger, auch die Zigarette schmeckte nicht, wegen dieses pelzigen Ekelgeschmacks. Nach reiflichem Überlegen kam ich dann zum Schluss, da habe ich mir wohl die Bronchien verätzt. Ich holte mir also den Waschzettel dieser Chemikalie und meldete mich bei meinem Chef ab zum Durchgangsarzt. Da fuhr ich dann mit meinem Privatauto hin.
Auf dem Weg stellte ich fest, dass die Zigarette weiterhin supermies schmeckte, und die Atemprobleme blieben auch. Beim Durchgangsarzt musste ich dann eine ganze Zeit warten, macht ja nix, ist Arbeitszeit, und zwischendurch mal raus und eene roochen... - Tja, sagte der Doktor dann, da kann ich gar nichts feststellen von wegen Verätzung und so. Da müssen Sie zum Krankenhaus fahren, HNO-Ambulanz ! Naja, da habe ich mich dann gleich auf den Weg gemacht.
Im Auto merkte ich dann, dass die Zigaretten wohl heute nur noch mies schmecken würden, und Luftholen, nee, irgendwie wie eine Sperre war das. Im Krankenhaus musste ich dann auch noch eine ganze Zeit warten, siehe oben, aber irgendwann war ich dann an der Reihe. Ich zeigte also die Chemikalienbeipackzettel und erklärte, was mir widerfahren war. Nach Blick in den Hals, Abhorchen und so weiter kam die Diagnose: Keine Diagnose. War nichts weiter festzustellen, aber zur Sicherheit sollte ich mal so ein Spray inhalieren. Die Zerstäuber kenne ich von meiner Schwiegermutter (wer weiß, was die Strafe für Bigamisten ist? - Zwei Schwiegermütter !), die hat Asthma, aber nun sollte ich daran lutschen. Oder eben nicht, die Weißkittel versuchten geschlagene 10 Minuten, mir beizubringen, wie man so ein Ding benutzt. Ich habe Atmen und Sprühen einfach nicht synchronisiert bekommen. Und mal unter uns, man weiß ja gar nicht, was man da für ein Zeugs inhaliert!
Dann bin ich gegangen, war ja sowieso keine Verätzung. Rauchen auf dem Weg zum Auto klappte einwandfrei, schmeckte auch wieder einigermaßen. Aber zur Arbeit bin ich an dem Tag nicht mehr gegangen, ich fühlte mich einfach nicht so doll !
Nun könnte ich noch ein Ding vom letzten Jahr erzählen, wie man auf der Intensivstation mit 3 Flaschen künstlicher Ernährung und Dosiergeräten in ein Krankenhausklo kommt, aber das führt dann doch zu weit und ist eigentlich auch eine ganz andere Geschichte.
Wir Raucher sind schon pfiffige Kerlchen !
FEN!!



18 - Eichel und die gelbe Kugel

Nach dem Mittag sollst Du ruhen, vor allem Samstag, wenn es sowieso alles einen Gang ruhiger läuft. Helmut ist derweil runter zur Raucherurne, mal eine dampfen und so, und ich erzähle Jan, was mir am dritten Tag nichtrauchen so durch den Kopf geht. "Stelle Dir mal vor", beginne ich, "man wäre ein begnadeter Comiczeichner. Dann könnte man erbauliche Bilderstories zeichnen und die zur Motivation überall hinhängen." - Jan stimmt mir zu, kann aber leider auch nicht zeichnen (kann hier jemand zeichnen?). "Wenn man sich mal die Herrschaft des kleinen Biestes mal so vor Augen führen möchte..." - "Schnauze!" - "Ja Schnauze! ... dann fällt mir eine Story ein, die den Raucher hautnah zeigt: Raucher liegt im Bett und schläft. Es läutet an der Wohnungstür und der verschlafene Raucher öffnet. Das kleine Biest sitzt wie immer auf seiner linken Schulter und reibt sich die Augen. - Vor der Tür steht ein grauhaariger Mann und stellt sich vor: 'Guten Tag, Sie kennen mich vielleicht schon, ich bin der Finanzminister Eichel. Für viele Sachen brauche ich Geld und habe dauernd zuwenig davon. Wenn Sie bitte Ihren Beitrag leisten könnten, und tüchtig rauchen würden?' - Der Verschlafene schlägt entsetzt die Tür zu. -'Spinnt der?' - Das Biest hätte dann auch gerne mal sein Frühstück ... - 'Schnauze!' "
" Naja", sagt Jan, "und wie kommt der Pepp in die Story?" - Mit dem zweiten Teil: "Es läutet abermals, und ein kleiner älterer Mann mit Haarkranz steht draußen. 'Guten Morgen, mein Name ist Riester, vielleicht kennen Sie mich ja schon, ich bin der Arbeitsminister und auch für die Renten zuständig.' - 'Ja und?' - 'Na schauen Sie mal, wir können hier nicht jeden endlos durchfüttern, irgendwann muss auch mal Schluss sein, und wie wäre es, wenn Sie tüchtig rauchen würden? Es ist für Deutschland!' - Unser Raucher kriegt die echte Horrorkrise und schlägt die Tür zu. Das kleine Biest hingegen möchte... 'Schnauze!' - Der arme geweckte Raucher setzt sich erstmal hin und resümiert das Erlebte. 'Die wollen mich umbringen! Die wollen alle, dass ich verrecke!' - Das kleine Biest möchte nun aber doch dringend... 'Jahah!' - So sitzt der Raucher am Tisch, entspannt sich erstmal bei einer Fluppe und sagt: 'Die werden mich kennenlernen. Nicht mit mir!' "
Jan ist begeistert und sagt, das trifft es. Wir fühlen uns sehr erhaben, weil wir den Mechanismus durchschaut haben. Als Helmut wieder hereinkommt, bekommt Jan auf einmal ganz schmale Augen . . .
Ich denke mir nichts weiter dabei, weil ich die Ruhe des Nachmittags noch für eine kriminelle Handlung ausersehen habe. Obst aussetzen! Die große Frucht wurde inzwischen eindeutig von einer morgenländischen Krankenschwester identifiziert und als essbar klassifiziert. Nur, das Ding ist so groß und ungeschält, und wie das aufgeschnitten aussieht, weiß ich auch nicht. Ansonsten habe ich die gematschte Birne der Entsorgung zugeführt. Bleiben der Riesenapfel, die Banane und das Paket Backobstmirabellen. Ich gehe dann mal - nein, nicht eine dampfen und so! - mit gelber Kugel und Banane auf den Flur. Hier steht vor der Küchentür ein Wagen mit Tee, Kaffee usw.. Auf der unteren Ablage steht dort auch öfter Obst. So auch heute, Bananen liegen dort. Als erstes lege ich mal die gelbe Riesenfrucht auf die Ablage. Dann nehme ich meine Banane und setze sie behutsam zu den anderen. "Da hast Du Gesellschaft, - vertragt Euch gut!", murmele ich. In dem Moment kommt eine Krankenschwester aus der Küche.
"Das will ich meinen", sagt sie. "Nicht immer nur den Kaffee in sich hineinschütten, auch mal 'n Stück gesundes Obst! - Nehmen Sie doch gleich zwei Bananen, sind doch genug von da!" - "Nein danke, eine reicht, und die anderen wollen ja auch noch etwas!" - "Ach was, was meinen Sie, was der ganze Besuch hier an Obst reinschleppt. Hier, da haben Sie noch eine! - Ja was ist denn das für eine herrenlose Frucht da? - Ausgesetzt! - Das ist schon mindestens der dritte Fall diese Woche. Haben Sie da vielleicht was gesehen?" -"Nein, keine Ahnung", sage ich und trolle mich mit meinen beiden Bananen. Ich hasse Obst !!!
FEN !!



19 - Helmut will nicht !

Als ich ins Zimmer zurückkehre, ist Helmut auch wieder da. "Oh, toll", sagt er, "gibt es Bananen?" - "Nein,Helmut, das sind schwarzafrikanische Handys, die haben jetzt auch welche. Oben das lange ist die Antenne, und unten der schwarze Puschel ist das Mikrofon. Dann haben die genialen Schwarzen das Ding noch gelb gemacht, damit sie es im grünen Urwald nicht verlegen," will ich ihm weismachen, ohne rot zu werden. Jan läuft vor Lachen blau an, und ich verschenke die Bananen großmütig an Helmut.
Nun will Jan auch mal. "Helmut, kennst Du eigentlich Herrn Eichel?" fragt er. "Nö, unten an der Raucherurne habe ich den noch nicht getroffen. Da duzen wie uns aber auch." erwidert Helmut. "Nee, das ist unser Finanzminister, und der braucht dringend Geld. Weil Mike und ich jetzt aber nicht mehr rauchen, bist Du in unserer Krankenstube der Quotenraucher. Du musst für uns mitrauchen." - Damit ist Helmut nun gar nicht einverstanden. Mal eine mehr, wenn man sowieso an der Raucherurne ist, eine dampfen und so, da wäre er ja noch dabei, aber alle von uns ... -- Nun schalte ich mich ein und frage Helmut: "Kennst Du denn den Herrn Riester, unseren Arbeitsminister?" - "Nö", sagt Helmut, "ich bin schon so lange arbeitslos, den Minister kenne ich nicht, muss ich?" - "Ja, Helmut, der ist auch für die Renten zuständig, und da hat er natürlich auch nix auffe Naht. Jedenfalls würde der viel Geld sparen, wenn die Raucher rechtzeitig an ihrem Qualm draufgehen würden." erkläre ich ihm. "Und Jan und ich wollen ja nicht mehr rauchen. Wenn Du nun für uns ..." - "Wisst Ihr was", sagt Helmut da zu uns, "das seht Ihr ganz falsch. Wenn Ihr nämlich so weiter quatscht, und immer mich zum Rauchen schicken wollt, dann bring ich Euch nachts mal schnell um. Und dann braucht Euer Arbeitsheini für Euch gar kein Rentengeld mehr. Und nun gehe ich mal eine dampfen und so, auf die Aufregung, und die ist nicht für einen von Euch!!!" --- Da sitzen wir nun und schauen bedröppelt.
Jan will gleich los, nach Hause und ich überlege, wie ich den Nachmittag gestalten könnte. Dann bekomme ich noch Besuch. Da ist aber nichts Berichtenswertes bei, außer dass ich mein Paket Mirabellen verschenkt habe. Jetzt sitze ich nur noch auf dem 3-Personen-Haushaltsapfel und dann wars das mit Obst.
FEN!!



20 - Hinaus in die Welt

Als mein Besuch sich verabschiedet hat, ziehe ich mir die Jacke an und entfliehe aus dem Klinikbereich. Gibt zwar immer Palaver, von wegen nicht versichert und so, aber ich muss einfach mal raus hier. Innenstadt, Hauptbahnhof, alles ist nicht weit weg, und vielleicht ein Stückchen Pizza bei Hut, oder ein Burger, oder beides...
Irgendwie fühlt man sich etwas anders, wenn man nach einer Woche (und illegal?) mal wieder im echten Leben herumläuft. Das Wetter ist zwar nicht so doll, ja in Hamburg regnet es eben bei jedem Wetter, aber mal durchlüften ist schon gut. Und da sehe ich, gleich vor dem Krankenhaus, an der nächsten Bushaltestelle ein Werbeplakat. Die Rentnerwelle vom NDR, die WHO und der Landesbetrieb Krankenhäuser haben eine Aktionswoche für das Entwöhnen vom Rauchen ins Leben gerufen. WHO, weiß ich nicht, wo die wohnen, die Rentnerwelle hören kommt auch nicht in Frage, da gehste kaputt. Aber auch die Krankenhäuser, da muss man ja hier an erbauliches Schriftmaterial herankommen, das einem hilft, durchzuhalten. Das muss ich nachher mal mit Jan bekakeln, mal sehen, wen wir damit morgen verrückt machen können.
Beim Herumflanieren fällt mir auf, dass hier bald jeder zweite Laden in morgenländischer Hand ist. Das ist in dieser Gegend nicht ungewöhnlich, aber als ich näher hinsehe, muss ich feststellen, dass die meisten der Geschäfte OBST verkaufen. Auf 100 Metern fünf Obstgeschäfte, wer braucht das alles? Leise murrt meine Darmflora ob dieses Angebotes, war das mit den Krämpfen wirklich erst gestern? Ich kann das Zeug jedenfalls nicht mehr sehen. Interessant ist, dass am Samstagnachmittag, kurz vor Ladenschluss (15.59 Uhr, ich will ja die Jungs nicht in die Pfanne hauen) in den Geschäften nicht mehr viele Kunden sind. Dafür sitzen immer drei, vier Männer zusammen, trinken was und qualmen !!! Rauchen nicht nur ihre Lungen, sondern auch Geschäfte und die ausgelegten Waren dicht, ohne Ende ! - Das muss ja lecker schmecken: Ein Apfel von den grünen. - Soll ich ihn einpacken? - Nein, ich rauche ihn gleich! - ÄBÄÄÄBÄÄÄH !!! - Habe ich vorher nie drauf geachtet.
Im Bahnhof fange ich dann mit dem Stückchen Pizza an und genehmige mir danach einen Burger. Als ich die Treppe vom Burgerschmied hinuntergehe und nach draußen auf den regennassen Vorplatz schauen kann, fährt meine Hand in die Jackentasche. - Was ist nun? - Ich wollte mir die Zigaretten herausholen und eine anstecken. Das war so eine Situation, in der ich wohl sonst immer geraucht habe. Da war also mal das große Biest zu sehen! Aber glücklicherweise habe ich keine Zigaretten dabei, und auch die Tabakgeschäfte hier sind mir ziemlich egal. Ich will wohl einfach nicht rauchen!
FEN !!

--- Ende Teil 2 ---




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