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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fruchtbare Unterhaltung
Eingestellt am 14. 09. 2008 13:05


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Dancingdet
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2008

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„Ich glaube, er hat Recht,“ murmelt Boreslavski, während er eine Fliege mit dem Zeigefinger am Fenster verfolgt.
„Wie kommst du denn darauf? Der hat doch nur im besoffenen Kopf geredet. Sonst nimmt den doch keiner für voll!“ Rybszcinski musste wegen der Doppelbedeutung lachen.
„Tortzdem,“ widerspricht Borelavski. Sein Finger verfolgt die Fliege, die sich wild summend zu retten versucht und dabei ständig am schmierigen Glas des Fensters abprallt. „Stell dir vor, dass das eintritt, was er uns gestern vorgelallt hat! Und im Grunde gebe ich ihm Recht. Wozu noch mehr Raketen aufstellen? Man stirb nur einmal. Außerdem braucht es höchstens noch 20 Jahre, bis der Planet sich selbst vernichtet hat. Ich kann Cicero nur zustimmen, wenn er sagt: 'Der ungerechteste Frieden ist besser als der gerechteste Krieg.' „Da irrst du dich aber gewaltig! Ohne Raketen gebe es keinen Frieden! Schließlich können doch nicht sämtliche Politiker und Generäle auf der Welt den selben Denkfehler begehen!“ Rybsczinski nimmt einen tiefen Schluck aus der Wodkaflasche.
Boreslavski tippt mit seinem Finger ins Leere, obwohl die Fliege schon langsamer geworden ist. „Aber wie war das damals in der Schule, erinnerst du dich? Fünfzig Schüler hatten bei der Rechenaufgabe das gleiche Ergebnis...und es war falsch. Nur Jakob Rosenthal hatte sie richtig gelöst. Dadurch, dass die Masse meint etwas richtig zu tun, muss es noch lange nicht so sein! Millionen Deutsche glaubten sich im Recht, als sie uns damals überfielen, Hundertausende glaubten es noch, als sie Rosenthal vergasten.....und heute, heute glauben wieder Millionen an die Bombe!“
Rybsczinski schüttelt heftig und unkontrolliert den Kopf. „Nein, nein....wir müssen verteidigungsfähig bleiben. Denke nur an den amerikanischen Einmarsch in Grenada....“ „...und den russischen in Afghanistan,“ wirft Boreslavski ein.
Rybsczinski überlegt kurz. „Ach, man sollte den Großmächten in den Arsch treten. Sollen die doch ihre Konflikte auf dem Mond austragen,“ meint er unwirsch. „Damit ist es nicht getan, Bogumil. Gestern sprach Andreji von einer Auseinandersetzung, die noch lange dauern kann und alle Staaten der Erde betrifft. Er nannte sie eine Zeitbombe, die schon für uns tickt, die wir aber nicht hören, weil wir alle auf dem Ohr taub sind.“ Rybsczinski versuchte, sich daran zu erinnern. „Ich weiß nicht, was du meinst. Bis auf einen möglichen Atomkrieg geht es uns doch ganz gut. Na ja, die üblichen Versorgungsschwierigkeiten sind wir ja gewöhnt, und denen im Westen geht es besonders gut. Was meinst du denn ?“ „Na, die Zerstörung der Umwelt durch Industrieabgase, Auspuffdämpfe und so weiter. Denk mal, was diese Umweltschützer immer auf ihren Plakaten stehen haben !“ „Ach, du meinst das mit dem letzten Baum und dem Fisch, und das Geld nicht schmeckt, oder so !“ „Genau. Denkt man die Sache zuende, stellt man fest, dass Andreji recht hat.“
„Vielleicht ist es besser im Atomchaos zu sterben,“ zuckte Rybsczinski resigniert die Schultern und nimmt noch einen Schluck aus der Flasche, ohne sich zu schütteln. „Wahrscheinlich wäre es besser,“ resümiert Boreslavski nachdenklich und zerdrückt die erschöpfte Fliege am Glas.
__________________
Tanzen ist Bewegung zur Musik; aber nicht jede Bewegung zur Musik ist Tanz.

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