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Leselupe.de > Humor und Satire
Frühe Erinnerungen - Glücksmomente
Eingestellt am 25. 10. 2005 15:02


Autor
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Kalidasha
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2005

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Frühe Erinnerungen - Glücksmomente

Er war zuckersüß! Blond, volles gelocktes Haar, groß, hatte breite Schultern und kräftige, zugleich aber wundervoll zärtliche Hände. Das faszinierendste an ihm waren jedoch seine Augen! Türkisblaue Augen! Man hatte das Gefühl, als blickte man auf das Wasser einer Lagune irgendwo in der Südsee...und die langen, elegant geschwungenen Wimpern warfen sanfte Schatten von Palmenfächern auf dieses Paradies. In seinen aufgekrempelten Jeans mit den breiten Hosenträgern und dem achtlos heraushängendem T-Shirt wirkte er auf mich gleichwohl lässig und jungenhaft, als auch souverän und männlich ... er sah einfach zum Anbeißen aus!

Es war auf einer Geburtstagsparty meiner besten Freundin. Ein lauer Spätsommerabend. Wir saßen auf dem Rasen, etwas abseits von den Anderen, unter einem zauberhaften Sternenhimmel und die Musik drang leise zu uns hinüber. Toni Braxton...unbreak my heart... wie passend! Ich wusste gar nicht wieso ich hier bei ihm war. Eigentlich wollte (sollte?) ich jetzt bei meiner Freundin sein. Die Geschenke wurden gerade ausgepackt und das war ja schliesslich mit das Beste an einer Geburtstagsparty - oder nicht? Ausserdem hatte ich mit Jungs überhaupt nichts am Hut, Jungs waren blöd! Aber aus irgendeinem, unerklärlichem, Grund bin ich ihm einfach hinterher getapst und jetzt taten die Drinks und die Songs langsam ihre Wirkung. Die Stimmung war aufgeheizt. In diesem Augenblick der Romantik machte sich bei mir eine seltsame Melancholie breit...nicht still und nachdenklich, sondern eher aufgeregt und erwartungsvoll.

Gebannt hing ich an seinen Lippen und verschlang förmlich jedes Wort das er sprach. Seine Stimme hatte diesen angenehmen, weichen und sanften Ton und mir war, als ob sein Klang exakt im Rythmus der Musik schwang...don\'t leave me in all this pain...(ach, du meine Güte!). Wir hielten uns dabei an den Händen und bei jeder Berührung stellten sich mir die feinen Härchen im Nacken auf. Gleichzeitig rieselte ein Kribbeln den Rücken hinunter, das mich fast um den Verstand brachte. Ich hatte das unbändige Verlangen mich fallen zu lassen, mit all meinen Sinnen zu genießen und ringsherum rückte alles in weite Ferne. Wir waren allein im Universum, es gab nur mehr ihn und mich und wir waren umgeben von Unendlichkeit und......Magie! In diesen wunderbaren Zauber gehüllt, unfähig jeglicher Kontrolle meiner Gefühle, passierte es und vollkommen losgelöst, wie in Trance, ließ ich es einfach geschehen…

Irgendwann, ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war, hoben mich zwei kräftige Arme liebevoll hoch. Meine Augen fest geschlossen, als sollte dieser Traum niemals enden, schwebte ich wie auf Wolken über den Rasen ins Haus und sank sanft auf ein weiches Bett. Immer noch umnebelt von diesen animalischen Sinnen spürte ich, wie mein dünnes, fast durchsichtiges Kleidchen zärtlich hochgeschoben wurde und warme Hände zogen mir mein völlig durchnässtes Höschen aus. Ich hatte nur einen Gedanken...jetzt passiert es...wonach ich mich so lange gesehnt hatte...endlich!

Ich öffnete ganz vorsichtig meine Augen und als sich der Schleier langsam senkte, blickte ich in das lächelnde Gesicht meiner Mutter und ich lächelte dankbar zurück.

Endlich...endlich wurden mir die Windeln gewechselt!

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

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Konsistenz

Zuerst mal herzlich willkommen in der Leselupe. Lesen muss man lernen, und auch das Schreiben, und genau dazu dienen diese Foren hier. Selbst ich bin blutiger Anfänger.

Nun aber zum Text:
Was ich generell gut finde, ist dass Du ein Gefühl hast, wie ein humoristischer Text sein kann. Im vorliegenden Fall hältst Du den Leser sehr lange im Unklaren, sprich Du baust langsam auf, und dann kommt die Pointe. So kann ein Text sein. Es gibt viele Varianten und Techniken. Insofern mal ein guter Start.

Was mir am konkreten Text aber ein bisserl fehlt, ist die Konsistenz. Damit meine ich, dass der Text sehr durchgängig den Eindruck der Schilderung aus der Sicht eines Erwachsenen vermittelt, aber mehr oder weniger erst im letzten Satz klar wird, dass es sich um ein Baby oder zumindest noch sehr kleines Kind handelt. Das ist ja an sich mal nicht so schlecht, allerdings schildert das Baby/Kind Dinge in einer Form, die nur Erwachsene lebenserfahren haben können, wie z.B. der Vergleich mit der Südseelagune, oder die Beherrschung zweier Sprachen (der englische Songtitel weisst auf Englisch hin, und Deutsch) etc.

Insofern wirkt die Pointe zum Schluss irgendwie als Bruch und Täuschung, auch wenn ich sie humoristisch finde, das allerdings mit ein bisserl Bauchweh. Mancheinen könnte diese Pointe enttäuschen und nur ein gequältes Lächeln hervorrufen.

Wenn man das konsistent halten will, müsstest Du z.B. die Sprache/Wortwahl/Vergleiche dem Protagonisten gemäss anpassen, ohne die Pointe zu verraten. Das ist natürlich schwierig, stellt aber genau die Kunst dar.

Als Beispiel möchte ich Dir diesen Text, der mit einer vergleichbaren Technik (allerdings in Reimform) arbeitet: Eine Frau und ihre Leidenschaft. Ähnlicher Aufbau, und zum Schluss aber nicht die allgemein erwartete Offensichtlichkeit, sondern was völlig anderes.

Mit Konsistenz meine ich aber nicht, dass der Text nur reale Begebenheiten beinhalten soll, ganz im Gegenteil. Ein Text kann durch Absurdität auch konsistent sein. Allerdings musst Du dem Leser die Chance geben, die Sprünge mitzumachen. Die Leser sind generell mal dazu bereit, aber Du darfst es ihnen nicht zu inkonsistent machen.

Marius

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Kalidasha
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2005

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Konsistenz

Hallo Marius, ich hab mich sehr über Deine Antwort gefreut! Der Umfang Deiner Rezension zeigt, wie intensiv Du Dich mit dem Text auseinandergesetzt hast, wofür ich Dir sehr dankbar bin.

Nun aber zu Deiner Kritik:
Die Erzählung ist aus der Sicht einer Erwachsenen - es sind frühe Erinnerungen!

Der Leser soll ja erst glauben er befindet sich inmitten einer leicht erotischen Geschichte, geschildert aus der Sicht einer Frau. Sie erinnert sich mit einem Augenzwinkern an diese erste Begegnung und interpretiert gegenwärtig Fantasien hinein, zu denen sie damals im zarten Alter natürlich niemals imstande gewesen wäre. Nur - solange der Leser denkt, es handelt sich um eine Begegnung zweier Erwachsener, ist es eine vielleicht nette, aber nicht besonders außergewöhnliche Geschichte - oder? Erst dann, wenn diese Fantasien am Schluss in eine Dreijährige hinein interpretiert werden, wird die Story originell. Der Leser wird plötzlich gezwungen, die Geschichte aus einer völlig anderen Sichtweise zu betrachten (der Sprung) und der Umstand, diese Fantasien jetzt plötzlich einer Dreijährigen zuordnen zu müssen, ist gerade der Witz an der Geschichte. Ist wie in der Auto-Werbung. Wenn ein Mann bei der Eroberung einer Frau seine Nebenbuhler mit Hilfe eines neuen Mittelklassewagens aussticht, ist das zwar nett, aber nicht weiter originell. Das wird es erst, wenn die ganze Szene von Babies gespielt wird.

Wie also kann ich dem Leser den richtigen Eindruck vermitteln, ihn auf meine Spur locken ohne die Pointe zu versauen? Vielleicht ist es nicht notwendig in die Geschichte einzugreifen, indem ich eine kurze Einleitung hinzufüge? Etwa im Sinne von:

Ich erinnere mich besonders gerne an den Tag, als mein Mann und ich uns das erste Mal trafen. Ist lange her, aber mir ist, als wär´s erst gestern gewesen...

Was hältst Du davon?

Die Idee zu diesem Text entstammt übrigens einer lustigen Silvesterfeier. Jedes Pärchen erzählte, unter welchen Umständen man sich kennen lernte und ich gab damals diese Geschichte spontan in ähnlicher Form zum Besten, allerdings aus meiner Sicht, also aus der Sicht eines Mannes. Natürlich war die Begebenheit frei erfunden aber doch mit dem Hintergrund, das meine Frau und ich gemeinsam, Tür an Tür, aufgewachsen waren, auch wenn wir uns danach lange Jahre aus den Augen verloren hatten. Niedergeschrieben habe ich sie erst viel später und da mir meine Sichtweise irgendwann zu banal wurde, erhöhte ich den eigenen Anspruch indem ich versuchte, es aus weiblicher Sicht darzustellen.

LG - Helmut

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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nun,

nach meiner meinung kommt die weibliche sicht nicht rüber, ich hatte von anfang bis ende ein männliches geschöpf vor augen. insgesamt finde ich die geschichte reichlich verworren und ein dreijähriger mensch ist gewöhnlich trocken, braucht keine windeln mehr, sagt aa wenn er muss. es sei denn, er ist krank.
lg
__________________
Old Icke

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Anhalli
Hobbydichter
Registriert: Sep 2005

Werke: 6
Kommentare: 14
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Glücksmomente

Hallo Kalidasha

mach doch aus der Geschichte - bis aufs Ende ist ja alles gar nicht übel - was ganz Anderes. Marius und flammarion haben Recht: das Ende stimmt absolut nicht. Ein Baby kann sich niemals auf diese Weise in die Zukunft denken. Rückblicke sind möglich, aber Vorblicke? Es sei denn, dieses Baby ist mit magischen Fähigkeiten ausgestattet oder wird durch irgendwas verwandelt in ein Baby, wenn es vorher erwachsen war. (wie bei Kafkas Text Verwandlung, obwohl Kafka damit etwas anderes bezweckte als du.)
Insofern denke ich, dass der Text "Eine Frau und ihre Leidenschaft" gut aufzeigt, wie eine solche Irreführung des Lesers aussehen kann.

LG Anhalli

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Kalidasha
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2005

Werke: 3
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Hallo flammarion,
hört sich an, als hättest Du erst die Kommentare und dann die Geschichte gelesen. Denn in der Geschichte bleibt es jedem selbst überlassen, das Alter der Protagonistin zu bestimmen. Windel-Alter eben.

Verworren - gut, daran kann ich arbeiten. Aber...

quote:
Zitat
...ich hatte von anfang bis ende ein männliches geschöpf vor augen.

...das ist mir völlig unverständlich?

Jedenfalls danke für Deine Kritik!

LG Kalidasa

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