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Leselupe.de > Kurzprosa
Frühlingswagnis
Eingestellt am 26. 05. 2011 22:30


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iphigenie
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2011

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Frühlingswagnis

„Für heute ist Schluss“, verkündet er und fügt hinzu: „Morgen ist auch noch ein Tag“. ‚Und am morgigen Heute ist auch wieder Schluss - für heute‘, denkt sie ein wenig resigniert und innerlich seufzend. Sie schiebt ihren Bürostuhl wie immer akkurat in die Mitte unter ihren Schreibtisch. Dann hält sie einen Moment inne, indem sie nochmal einen Blick auf ihre Unterlagen wirft, und überlegt, ob sie auch alles ordentlich vorbereitet hat. Nur zögerlich tritt sie vom Schreibtisch zurück. Endlich nimmt sie ihre Jacke, in unauffälligem Grau-Beige gehalten, wie ihre übrige Kleidung, und verlässt Zimmer und Gebäude, ausnahmsweise schnellen, festen Schrittes. Ihr ist eingefallen, dass sie sich ja heute nicht zu Hause auf dem Sofa in ihrer Einsamkeit bemitleiden will. Sie hat vor, an diesem ersten lauen Frühlingsabend noch am Rhein entlang spazieren zu gehen. So beginnt sie, sich sogar ein wenig auf den Feierabend zu freuen. Sie liebt es, das Wasser an sich vorüberziehen zu sehen, in eine unbestimmte geheimnisvolle Ferne. Eine beunruhigende Sehnsucht überkommt sie dann bisweilen, und es keimt ein Gefühl in ihr auf, als ob sie vom Strom des Lebens unberührt bliebe. Manchmal steigert sich dieser Zustand, so sehr, dass sie sich dann mit schmerzhafter Intensität wünscht, jemand käme und reiße sie mit wie eine starke Welle und sie würde in einen Zustand des wunderbaren, großen, aufregenden Glücks entführt.

Es beginnt zu dämmern, die Frühlingsblüher in den Vorgärten haben ihre Blütenkelche schon geschlossen. Sie fröstelt ein wenig, bleibt unschlüssig stehen und überlegt, ob sie noch ein Stückchen weiter gehen soll, vielleicht bis zum großen Biergarten, der schon einige Tische draußen stehen hat. Von dort schallt ausgelassenes Lachen in Wellen herüber. Ihr physischer Zustand ebenso wie ihre Sorge, dass sie wieder eine Erkältung bekommen könnte, lassen sie entscheiden, nach Hause zu gehen und sich dort einen heißen Tee zu bereiten.


__________________
Die Natur hat nur eine Regel für die Schriftsteller, und die lässt sich in zwei Worten fassen: Lassts laufen.
(G. Chr. Lichtenberg)

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