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Leselupe.de > Gereimtes
Führen und Vertrauen
Eingestellt am 14. 01. 2004 18:29


Autor
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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
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"Schön, dass Sie unverzüglich meinem Rufe,
mein lieber Schmidt, gefolgt sind, ich hab´s eilig,
Sie seh´n es ist nach Drei, ich muss mich sputen,
mein Golftermin, sie wissen, ist mir heilig

Zur Sache, Schmidt, gefragt ist rasches Handeln,
beherztes Tun und Härte, nicht zuletzt,
denn gestern hab ich leider, im Vertrauen,
eine Million glatt in den Sand gesetzt

Das gibt´s nicht oft, das kann ich Ihnen sagen,
das geht dir nah, das sitzt dir auf der Seele,
doch war der Fall echt schwierig zu entscheiden,
komplex, verwirrend, was ich nicht verhehle

Da musste richtig schnell entschieden werden,
und gestern war nun wirklich wenig Zeit,
denn schließlich war punkt Vier der junge Müller
endlich zu der Revanche beim Golf bereit

Ist klar? Der Müller? von den Müllerwerken,
der nächstes Jahr den Laden übernimmt?
Ein harter Bursche, will die Preise drücken,
kann ein Gerücht sein, kann auch sein, es stimmt

Seit Jahren meldet der uns wirklich jeden
der sich von unser´n Leuten dort bewirbt,
und ich gedenke hier dafür zu sorgen,
dass das so bleibt, wenn Müller senior stirbt

Doch nun zurück zu dieser dummen Sache,
da liegst du für Sekunden mal daneben,
unglaublich, Mann, verzeih´n Sie, wenn ich lache,
doch gibt es durchaus schlimmeres im Leben

Nun gut, um was es geht: es muss die Kohle
in möglichst kurzer Frist wieder herein,
und das, mein Lieber, das wird Ihre Sache,
ein Ziel, das wir nun gleich vereinbar´n, sein

Es sind in Ihrem Werk dreihundert Leute,
ich hielt das immer schon für reichlich viel,
und deshalb, Fritz, entscheiden wir jetzt heute:
es gehen Zehn. Zehn Mann. Das ist Ihr Ziel.

Zehn Leute, Friedrich, zehne von dreihundert,
ermittelt nach den üblichen Verfahren,
ich hab an Sie gedacht, falls Sie das wundert,
weil Sie mir immer gern gefällig waren

Zwei Fliegen schlagen wir mit einer Klappe:
wir holen schnell die Gelder wieder ´rein
und Ihre Bude wird mit einem Schlage
ein Vorbild für die ander´n Werke sein

Ach, Friedrich, komm, jetzt guck nicht so bekümmert,
hol mich da ´raus, Du schielst nach meinen Schuh´n,
doch wenn der Trend sich gegen mich verschlimmert,
was kann ich dann für Deinen Aufstieg tun?"

"Mein Mann denkt gern an´s Werk und seinen Leiter",
so sprach mit stolzer Rührung leis Frau Kern,
"er hat noch nichts, doch sucht er fleißig weiter,
den Schmidt? Den mag er immer noch sehr gern."

"Der war so mutig, hat in klaren Worten
uns mit der harten Wahrheit konfrontiert.
Denk ich an die da oben, diese Sorten,
dann dank ich Gott, dass Friedrich Schmidt uns führt!

'Das Werk galt es zu halten, oder Euch!'
hat er gesagt, mit festem, klarem Blick,
'Ihr heute, Männer, oder alle morgen!
Es gibt von der Entscheidung kein Zurück!'"

Herr Kern blickt auf, vom Wirtschaftsteil der Zeitung,
die hat er sich bei Michelbachs geliehen,
"In schlechten Zeiten", spricht er, "muss die Leitung
wo´s nötig ist, die Konsequenzen ziehen!"

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Herr Müller
Häufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 168
Kommentare: 1409
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Werk

Donnerwetter, was für ein Werk von diesem Werk.
Sehr lang aber spannend bis zum Schluß. Allein schon der Fleiß. Authentisch?

Herr Müller
__________________
Wer das Wort sucht, wird den Reim ernten.

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alfi
???
Registriert: Dec 2003

Werke: 0
Kommentare: 197
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Vertrauen?

mhhm gareth wenn hinter der rubrik humor nicht auch noch satire gestanden hätte, würde ich sagen in der falschen rubrik. aber messerscharf beobachtet und leider wahr. hoffe es ist nicht authentisch. naja ein echter gareth halt.was soll man noch dazu sagen? jedes deiner werke einfach ein genuss.
__________________
alles was sich reimt ist nicht-
automatisch ein Gedicht. (alfi)

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DeGie
Guest
Registriert: Not Yet

Handwerklich alle Achtung!

Mir kommt es übrinx auch wie eine Satire auf den Rilke-Rhythmus (oder wie man ihn nennen mag) vor.

Trotzdem verlangst Du uns ganz schön was an Anstrengung ab...
Da geht man schon extra ins Faxen-Forum, um nicht soviel denken zu müssen...

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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
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Was die Authentizität (uff) betrifft,

Herr Müller, so ist das Gedicht als Ergebnis einer lebenslangen Sammlung von verschiedenen wirklichen Erlebnissen zu sehen, darunter auch recht aktuelle, und die dann kombiniert mit einem (kleinen) Schuss Bösartigkeit, auf ein fiktives Geschehen übertragen und auf ein paar fiktive Figuren projiziert. Fertig :o) Ich hab es sehr bewusst unter Humor und Satire gestellt. Aber es ist auch ziemlich viel Wahres enthalten.
Ich bin froh, dass es euch gefällt, Herr Müller, alfi und DeGie, weil es doch ziemlich lang ist :o)

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DeGie
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber gareth,

es ist sogar so, daß Dein Text in ein "Bewertungsdilemma" führt.

Der Spaß beim Lesen ist vielleicht nur 6 von 10, weil man sich höllisch konzentrieren muß.
"Flüssig und mit Freude zu lesen" ist es weniger als "absolut sauber gemacht und mit Arbeit zu lesen."
"Gut und eine Bereicherung für die LL" allemal.
"Ausgezeichnet" schon, aber man hat "zu meckern", daß es anstrengend wird.
"Zum Besten der LL" gehört es sicher - zumal ich noch nichts in die Richtung - schon gar nichts handwerklich so Perfektes - hier je gelesen habe...


Was mich mal interessiert, lieber gareth:
Hattest du einen Vorsatz?
Wolltest Du mal eine ernstgaft-satirische Abhandlung in dem Rhythmus schreiben, oder kam es Dir einfach durch unbewußte Inspiration?

Reine Neugier nur...

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