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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fünf Minuten noch
Eingestellt am 11. 10. 2002 09:56


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matthias82
Hobbydichter
Registriert: Jul 2002

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Fünf Minuten noch

Fünf Minuten noch


für Hilary



Vielleicht ahnt sie es bereits, ja - vielleicht wartet sie auch schon lange darauf. Ich kann es bei ihr gar nicht richtig einschätzen. Das macht es also noch schwieriger. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, so schwierig ist es heute gar nicht, eher mühsam und irgendwie ermüdend. Ja - ich bin tatsächlich nicht sonderlich aufgeregt oder angespannt… nur sehr, sehr müde.
Mein Verhalten ihr gegenüber in den letzten Wochen hat anscheinend nichts bewirkt, nichts angedeutet und nichts angekündigt. Deshalb muss man - ich meine - muss ich jetzt dasitzen und reden und Dinge aussprechen, die man selber - die ich selber noch gar nicht richtig weiß.
Sie ist heute Abend sogar noch netter als sonst, viel weniger gleichgültig. Ja, die Party ist ziemlich gut verlaufen, wir haben Bier aus Flaschen getrunken, über uns geredet, darüber, dass sie vorhat Kinostar zu werden, und darüber, dass ich selber noch überhaupt nichts weiß von meiner Zukunft. Je mehr wir tranken, desto mehr bewegte sich ihre Nase beim Sprechen auf und ab - das Gefühl hatte ich zumindest. Und mindestens vier Mal an diesem Abend überlegte ich, was wohl passieren würde wenn ich sie jetzt mir nichts, dir nichts, einfach so küssen würde. Kein Zweifel: sie ist wahnsinnig toll und so niedlich wie ein Knopf.
Sie ist so ein Mädchen, dem der Herbst noch viel besser steht als der Sommer. Ich weiß wie sie im Frühjahr, im Sommer und im Herbst aussieht, denn ich kenne sie schon eine ganze Weile. Gebräunte Haut, kurze Röcke, Sonne auf dem Gesicht - diesen ganzen Quatsch braucht sie nicht. Was sie braucht, ist Wind im Haar, einen weichen Pulli, vielleicht einen Schal… und natürlich mich.
Wir haben uns jetzt ein halbes Jahr ausgezeichnet verstanden, haben uns fast jedes Wochenende gesehen, aber das alles nur recht beiläufig. Klar, sie gefällt mir schon länger wirklich gut, aber reicht das? Ich war mir nie sicher und wohl deswegen ihr gegenüber so unbeholfen.


Aber heute ist das anders. Sie ist anders. Oder ich bin anders mit ihr. Ich habe keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, ob sie falsch oder überrascht reagieren könnte, ob sie mich auslachen würde, oder für verrückt erklären könnte, oder für voreilig. Ich weiß nur dass ich mir sicher bin und dass es bei ihr gut aufgehoben ist... das, was ich sagen will.
Ja, ich bin mir heute wirklich sehr, sehr sicher, ich habe überhaupt keine Angst, mir ist nichts peinlich, alles ist normal, hier ist es normal, ich bin normal, und ich kann es ihr sagen. Und weil ich mir so dermaßen sicher bin dass ich es hinkriegen werde, dass es keine große Sache ist, dass ich nicht seltsam bin deswegen, da kann ich den Augenblick, in dem ich es mache, eben auch noch ein bisschen hinauszögern. Ja, es fühlt sich sogar gut an, wie Luxus, den Moment noch ein wenig hinauszuzögern, der mein jetziges Leben wohl verändern wird, und ihres vermutlich auch.


O.k., es ist jetzt Sonntagmorgen, wir sind beide todmüde, aber ja... fünf Minuten warte ich noch. Ich könnte mir eigentlich noch ein Bier holen, wir sind hier immerhin auf einer Party, aber nein - lieber nicht, denn wenn in Punkt fünf Minuten mein neues Leben beginnt, dann will ich nun wirklich nicht betrunken sein.
__________________
matthias hüller

von allen gedanken schätze ich doch am meisten die interessanten!

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Hallo Matthias,
was für eine süße Geschichte!
Und auf den Punkt genau an der richtigen Stelle beendet - man möchte garnicht wissen, wie's nun ausgeht, es soll so bleiben wie es ist - noch fünf Minuten...
Herrlich.

Paar kleine Fehlerlein :
>Ja, die Party war ziemlich gut verlaufen, wir hatten Bier aus Flaschen getrunken, <
... müßte es nicht "ist ziemlich gut verlaufen" und "haben Bier getrunken" heißen, da die Party noch andauert?

>Sie ist so ein Mädchen, der der Herbst noch viel besser steht<
... das Mädchen - dem der Herbst besser steht. Und nicht "wie der Sommer", sondern "als der Sommer".

Den Halbsatz "viel weniger gleichgültig" im dritten Absatz würde ich noch mal überdenken, ggf. streichen: Wenn sie "sogar noch netter als sonst" ist, dann war sie vorher also auch schon nett und nicht gleichgültig!

So, Kümmelspalterin ab, das ist ein wunderbarer Text zwischen Tür und Angel!

Strahlend
Zefira



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matthias82
Hobbydichter
Registriert: Jul 2002

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hallo zefira!

danke für dein lob! und vor allem danke, dass du mich auf die fehler hingewiesen hast. ich hab' sie jetzt alle (bis auf den letzten) verbessert. nur das "viel weniger gleichgültig" hab' ich gelassen, denn man kann doch gleichzeitg nett und (zumindest ein wenig) gleichgültig sein! oder etwa nicht?
__________________
matthias hüller

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Na ja - jetzt kommt die Kümmelspalterin wieder raus - wo vorher schon "wenig" war, da ist für "viel weniger" einfach kein Platz, meine ich....
Keine weltbewegende Sache.

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