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Leselupe.de > Lange Texte
Fünftes Kapitel
Eingestellt am 15. 04. 2004 03:41


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Marcel Sommerick
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2000

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Fünftes Kapitel



    André erwachte auf seiner Luftmatratze und kratzte sich den Bart. Er war noch etwas benommen von der Feier am vorangegangenen Tag und entschloss sich, eine kleine Ruhepause einzulegen. Er kochte sich eine Kanne Kaffee und überdachte seine Situation. Er war 25 Jahre alt und bei guter Gesundheit. Er hatte genügend Geld in der Hinterhand und hätte einen neuen Start wagen können. Aber da war dieser schwarze Schatten, der sich über seine Seele legte. Sein Blick war getrübt und seine Gedanken verschleiert. Er kam immer nur bis zu dem einen Punkt: dem Suizid. Eine Zukunft konnte er sich nicht vorstellen. Er wollte seiner Seele keinen Frieden gönnen, es sei denn die ewige Ruhe in einem kühlen Grab. Manchmal weinte er nachts ein bisschen, wenn er an seine Freunde und an seine Familie dachte.
    In seinem Leben hatte es zwei Vaterfiguren gegeben. Der eine, Gerd, zog ihn groß und gab der Familie finanziellen Rückhalt. Der andere, Jascho, war der Freund seiner Mutter und zeigte ihm alles, was in seiner Kindheit gut und wissenswerte war. Er wusste selber nicht so genau, welcher der beiden sein biologischer Vater war. Er fühlte sich als Kind mehr zu Jascho hingezogen, der immer Zeit für ihn hatte und viel mit ihm bastelte. Gerd brachte weniger Verständnis für ihn auf, und sie lachten niemals über die gleichen Dinge. Seine Mutter stand zwischen den beiden Männern und konnte sich nicht für einen entscheiden. Es war eine Art Experiment, das damit endete, dass Jascho zu Drogen Zuflucht nahm und schließlich an einer Überdosis Äther starb. Seitdem klaffte ein schrecklicher Riss in André´s Kindheit.
    Manchmal wünschte André sich, es Jascho gleichzutun und ihn im Jenseits wiederzusehen. Er wusste nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gab. Das Einzige, was er wusste, war, dass er so nicht weiterleben wollte, inmitten von Leuten, die ihn nicht verstanden und keine Rücksicht nahmen auf das, was ihm wichtig war. Er wollte niemandem zur Last fallen und es seiner zerstrittenen Verwandtschaft nicht zumuten, seinen Besitz aufzulösen. Daher wählte er den Tod in der Fremde, fern von allen Freunden und Bekannten. Gleichzeitig wollte er nicht dahinscheiden, ohne der Nachwelt ein Zeichen zu setzen. Sein Grab sollte seinem Tod einen letzten Sinn geben, und was dann kam, wusste allein der Wind.
    Zwei Jahre lang hatte André Zeitungsausschnitte gesammelt, die die politischen Ereignisse und die geistigen Strömungen seiner Zeit wiedergaben. Jeden Tag verbrachte er Zeit damit, Texte in den PC einzuspeisen, den er mit sich führte. Er wusste nicht, wie lange der Computer noch funktionieren würde, aber er hoffte, dass dieser das kommende Jahrtausend überstehen würde. Er fühlte sich wie ein unbedeutender Chronist, der eines Tages ganz groß herauskommen würde. Oft kam er sich klein und wertlos vor, und das Grab gab seinem Leben einen neuen Sinn.
    Wenn ihn jemand gefragt hätte, so hätte André sich als Versager bezeichnet. Gewiss, er hatte einiges gelernt in seinem kurzen Leben. Aber er hatte keinen beruflichen Abschluss erreicht, hatte keine Familie gegründet, und auch das Geld war knapp. Der Suizid versprach eine tröstliche Linderung seiner Probleme. Zwei Packungen Schlaftabletten hatte er sich schon daheim besorgt. Alle drängenden Fragen vergessen, einfach einschlafen, das schien ihm eine befriedigende Lösung zu sein. Schon Jascho musste es damals so empfunden haben: „Wenn es nicht mehr geht, mach ich Schluss. Wer sollte schon groß nach mir fragen.“ Daheim würden die Angehörigen vermuten, er sein von Terroristen über den Haufen geschossen worden. Er selbst würde in dem Jahrtausendgrab vermodern, und seine Seele wäre endlich frei.
    Er trank den letzten Schluck Kaffee und rauchte noch eine Zigarette, bevor er sich auf den Weg zu der Quelle machte, um frisches Wasser zu holen. Die Luft flimmerte über dem Asphalt, und in der Ferne konnte er eine Fata Morgana beobachten. Dort wo der Sand den Horizont erreichte, flackerte grünes Licht wie von zahlreichen Palmen. Das Licht wurde von der heißen Luft reflektiert. Er füllte den Kanister und machte sich auf den Rückweg zu seinem Versteck. Dabei verließ er seine übliche Route und nahm einen Umweg in Kauf, um sich die Landschaft genauer anzusehen.
    Die Honda Dax wühlte sich durch den Sand. Schwarzes Gestein säumte den Weg. André wollte schon wieder umkehren, da stieß er mitten im Gelände auf eine Erdhütte. Sie war halb in den Boden gegraben, halb aufgemauert mit Feldsteinen. Das Dach aus Palmenrippen, mit Erde gedeckt. Niemand wohnte dort. Vor der Türe ein kleiner Steinkranz, die Feuerstelle. Zwei zerbrochene Hakenpflüge, Wasserkrüge – das schien zuerst alles zu sein, was dort war. Als er dann das Häckselstroh durchwühlte, verschlug es ihm die Sprache. Kleine Leinen und Lederbeutel mit getrockneten Kröten, Skorpionen, Kräutern und – besonders verpackt – ein menschliches Herz von einem Säugling. Dazu Fläschchen mit Ölen und Aromastoffen. Steinmörser, Holzlöffel und Schalen aus Ton. Er hatte die Hütte einer Beduinenzauberin gefunden. Er räumte die Sachen wieder ein, einen Lederbeutel und einen Holzlöffel sowie Teile von den getrockneten Skorpionen nahm er mit.
    Es war früher Nachmittag, als er zu seiner Lagerstelle zurückkehrte. Er entschloss sich, an diesem Tag eine Ruhepause einzulegen und machte zunächst ein kleines Nickerchen im Schatten des Hängers. Am Abend holte er dann das Satellitentelefon hervor und wählte die Nummer seines Freundes Wolfgang. Er war auch gleich am Apparat, und sein Tonfall war diesmal etwas freundlicher.
    „André! Was machst du?“
    „Ich habe mich hier in der Wüste häuslich eingerichtet.“
    „Mach keine Witze. Jeder sucht dich, und deine Angehörigen verzweifeln.“
    „Und die Polizei?“
    „Sie schauen jeden Tag bei deiner Mutter vorbei. Wenn du zurückkommst, erwartet dich eine längere Haftstrafe.“
    „Dann bleibe ich eben hier.“
    „Ja, aber...“
    „Hier ist es auch schön, und ich fühl mich wohl.“
    „Aber was machst du, wenn du kein Geld mehr hast?“
    „Mach dir keine Sorgen. Ich habe genug.“
    „Denk doch mal an deine Zukunft. Willst du nie mehr nach Deutschland zurückkehren?“
    „Genau das.“
    „Deine Bank hat auch angerufen. Du hast deinen Dispokredit hoffnungslos überzogen.“
    „Ich weiß.“
    „Du redest, als ob du nichts zu verlieren hättest.“
    „Vielleicht ist das so.“
    „Aber das ist doch Wahnsinn. Wenn du jetzt zurückkommst und alle gestohlenen Sachen zurückgibst, kommst du vielleicht noch mit zwei Jahren davon.“
    „Ich geh nicht in den Knast.“
    „Glaub mir, da wirst du landen. Die ägyptische Polizei hat dich sicher auch schon im Visier.“
    „Das wird sich zeigen.“
    „Ich werde versuchen, eine Lösung zu finden, aber viel tun kann ich nicht. Hast du noch eine Nachricht an deine Angehörigen?“
    „Eigentlich nicht.“
    „Überleg dir das. Es ist immerhin deine Familie.“
    „Sie haben sich nie um mich gekümmert. Jetzt ist es zu spät.“
    „Wie du willst. Ich werde alle von dir grüßen. Wann rufst du wieder an?“
    „In ein paar Tagen.“
    „Also dann Hals- und Beinbruch.“
    „Bis dann.“
    André lag noch lange wach und dachte an seine Heimat, die Freunde, die Wohnung in Köln. Alles schien so weit entfernt, und er hatte sich fast schon an den Alltag in Ägypten gewöhnt. Er lag auf seinem Lagerplatz und blickte in den Sternenhimmel. Man konnte deutlich die Milchstraße sehen. Manchmal fand er tatsächlich Gefallen an seiner Expedition, und neben all der Schinderei gab es auch ein paar schöne Momente. So ging die Nacht vorüber, und er fand keinen Schlaf. Am nächsten Morgen aß er ein paar Datteln, dazu eine Tasse Kaffee, dann machte er sich auf den Weg in den Ort.
    Nuri empfing ihn breit lächelnd und inspizierte die Honda Dax. „Good motorcycle, my friend. You won´t need it any longer.“
    „Was ist denn los“, fragte André auf Englisch.
    „Man hat deinen Lkw gesichtet.“
    „Wo?“
    „In Assiut.“
    André wollte sofort los, aber Nuri hielt ihn zurück. „Come, have a cup of tea.“
    Sie tranken Tee, und Nuri erinnerte ihn daran, dass er vor wenigen Tagen fast ein kleines Mädchen überfahren hätte. „Ihr Schicksal wird für immer mit deinem verbunden sein“, meinte er. André rechtfertigte sich und erklärte, dass man mit einem Mokick wohl kaum jemandem großen Schaden zufügen könnte. Aber Nuri ließ das nicht gelten. „Be careful, my friend. You will get into trouble with the police.“ André lachte und sagte, er werde sich gehörig in Acht nehmen. Nuri telefonierte ein bisschen herum und sagte dann, er habe jemanden gefunden, der ihn mitnehmen würde nach Assiut. Er solle jedoch vorsichtig sein, da dort Touristen nicht gern gesehen wären. Der Fahrer kam vorbei, und André bezahlte im Voraus. Dann stieg er ein in den klapprigen Landcruiser und versank bald in bleiernen Schlaf.
    Als er erwachte, waren sie schon kurz vor Dakhla. Der Fahrer hielt an für eine Pinkelpause. André fragte ihn, wie er denn vorgehen sollte, wenn er den Lkw sähe. „No problem, my friend. You see lorry, you get in and go away. No police, no problem. Everything in order.“
    André dachte sich seinen Teil, sagte aber nichts. Sie stiegen wieder ein und setzten die Fahrt fort. Monotone arabische Musik dudelte aus dem Lautsprecher. Sie passierten Kharga. Andrés Kopf brummte. Er hatte nichts zu trinken dabei. Links und rechts der Straße zog sich eine öde Mondlandschaft elend lange hin. Der Verkehr nahm zu. Sie passierten die Außenviertel von Assiut. Der Fahrer hielt im Zentrum. „You stay here, my friend. Tomorrow we will look for lorry.“
    André nahm sich ein Zimmer in einem schäbigen Hotel und starrte an die Decke. Ein riesiges Insekt ließ sich an der Wand nieder, das André mit einem Buch zerklatschte. Die Dusche auf dem Flur war dreckig und schäbig. Er wollte auf sein Zimmer zurückgehen, da begegnete er einem anderen Touristen. Es war ein Deutscher namens Florian. Er lud ihn ein. „Komm mit auf die Dachterrasse, dann lernst du meine Freundin Petra kennen. Wir können uns zusammen die Stadt ansehen.“
    Seine Freundin saß mit nacktem Oberkörper auf einer Liege und genoss die letzten Sonnenstrahlen. Sie war hübsch anzusehen, aber André merkte bald, dass sie Haare auf den Zähnen hatte. Es wurde gekifft. André freute sich, endlich wieder deutsch reden zu können und verabredete sich mit den beiden für den folgenden Tag. Dann ging er in sein schäbiges Zimmer zurück, schwitzte unter seiner Decke, nicht zuletzt weil er fürchtete, von irgendwelchen Wanzen gebissen zu werden.
    Am nächsten Vormittag strolchte André endlos lange in den Gassen herum und hielt nach dem Lkw Ausschau. Überall Autos in allen Stadien des Zerfalls, nur die Zugmaschine war nicht in Sicht. Eine Bettlerin kreuzte seinen Weg. Er sah sie an, und sie grinste. „Want to fuck?“
    Entgeistert wandte André sich ab und bog in eine Nebenstraße ein. Nichts. Er ging zu dem Hotel zurück, wo der Fahrer auf ihn wartete, der ihn nach Assiut gebracht hatte. „Better look together. Tomorrow we will see.“
    André besuchte seine neuen Bekannten und erfuhr, dass sie ihn auf dem Rückweg mitnehmen könnten bis nach Bahariya. Er sagte seinem Fahrer Bescheid, der daraufhin das Weite suchte, nicht ohne noch ein saftiges Bakschisch einzustreichen. Das Mädchen recherchierte für einen Reiseführer und tat den ganzen Tag nichts anderes, als sich sämtliche Hotels und Restaurants der Stadt anzusehen und diese zu klassifizieren. Ihr Freund begleitete sie. Sie waren zwei erfahrene Traveller mit Leib und Seele und hatten genügend Geld, da Petra gerade eine Erbschaft angetreten hatte. In einem Restaurant gingen sie zusammen Couscous essen. Florian versuchte ihn auszuhorchen, was er in Ägypten mache, aber André stellte sich stur und blockte alle neugierigen Fragen ab. Die beiden waren gut ausgerüstet, wiewohl sie nur mit einem alten VW-Bulli unterwegs waren, und André gelang es, ihnen einen Greifzug abzukaufen. Damit könnte er den Hänger zur Not auch ohne die Zugmaschine in die Grube hieven. Florian war neugierig, warum er nicht zur Polizei ging wegen des Diebstahls. André antwortete lapidar, er habe schon genug Probleme, da suche er keinen Ärger mit den Behörden. Am Abend kifften sich die beiden wieder zu, und André zog sich auf sein Zimmer zurück. Spät in der Nacht hörte er, wie sie nebenan Sex hatten. Er holte seinen Walkman aus dem Gepäck und drehte ihn voll auf. Mit einem Mal wurde ihm wieder bewusst, wie einsam er war. Das Mädchen hätte ihm schon gefallen, aber nun war sie ja vergeben, und außerdem hatte sie so eine biestige Art, die schwer zu ertragen war. Er zog sich die Decke über den Kopf, und nachdem er die Kassette zu Ende gehört hatte, versank er tatsächlich wieder in Schlaf.
    Am anderen Tag berichtete ihm Florian, er habe den Lkw in der Stadt gesehen. André war Feuer und Flamme und begleitete ihn auf dem Weg in die Innenstadt. Ein kleiner Junge hängte sich an ihre Fersen und redete ununterbrochen auf sie ein. Ob sie dieses oder jenes Hotel besuchen wollten, wo man etwas essen könne oder einen Teppich kaufen sollte. André riss schließlich der Geduldsfaden, und er schrie den Kleinen an: „Hau ab!“ Der hielt den Ausdruck wohl für ein deutsches Schimpfwort und wiederholte beständig „hau ab, hau ab“, bis er sich schließlich doch aus dem Staub machte. Sie kamen zu der Gasse, wo Florian den Lkw gesehen hatte, aber André kam die Sache nicht geheuer vor. Der Lkw parkte vor einer Moschee, doch direkt daneben stand unübersehbar eine Polizeistreife. André gestand Florian schließlich ein, dass er den Lkw selber gestohlen hatte, woraufhin der sich halb tot lachte und ihm empfahl, in diesem Fall auf eine Anzeige zu verzichten. Möglicherweise hatten die ägyptischen Behörden mittlerweile Lunte gerochen. Sie gingen ins Hotel zurück und besprachen die Lage mit Petra. Sie kamen überein, am folgenden Tag die Stadt zu verlassen. Petra hatte ihre Recherchen auch abgeschlossen und war neugierig auf die Landschaft der westlichen Wüste, von der André so begeistert erzählte. Sie tranken eine Flasche Wein. Im Suff spielte André auf sein Projekt an, aber sie waren alle drei stoned, und am anderen Tag machte er sich keine großen Sorgen, dass die beiden seine Pläne durchkreuzen könnten.
    Der Fahrer des Landcruisers hatte sich schon vor Tagen aus dem Staub gemacht, und André war im Grunde froh, die Stadt verlassen zu können. Assiut war eine Hochburg des islamischen Fundamentalismus, und die Bewohner waren weniger freundlich als im Westen Ägyptens. Hätte er den Lkw einfach gekapert, so wären tatsächlich immense Schwierigkeiten auf ihn zugekommen. Er begnügte sich mit der einstweiligen Lösung, die er gefunden hatte. Zu seinem Grab konnte er mit dem Mokick hinausfahren, und nun hatte er ja noch den Greifzug zur Verfügung, mit dessen Hilfe er vielleicht auch den Hänger bewegen konnte. Nach Bahariya wollten ihn Petra und Florian zurückfahren, und Geld hatte er immer noch genügend zur Verfügung.
    André hatte einen mächtigen Brummschädel, als sie am nächsten Tag ihre Siebensachen zusammenpackten und sie in den Bulli hievten. Petra und Florian hatten viel Gepäck, bald war der Kofferraum voll. Sie bezahlten die Rechnung an der Rezeption und fuhren dann los. André dachte sich nichts dabei, als sie in eine Polizeikontrolle kamen und der Polizist ihre Papiere sehen wollte. Aber dann mussten sie alle drei aussteigen, und seine Fragen wurden aggressiver. Der Polizist öffnete den Kofferraum. „Haben Sie Haschisch dabei?“
    André verneinte, aber dem Beamte ging gar nicht darauf ein und fragte erneut, diesmal schärfer. André verneinte nochmals. Der Polizist fragte ein drittes Mal, und André hätte am liebsten die Frage bejaht, nur um endlich Ruhe zu haben, aber natürlich wäre er dann in Teufels Küche gekommen. Sie mussten ihre Gepäckstücke aus dem Kofferraum holen und der Reihe nach auf dem Asphalt anordnen. Der Beamte deutete auf eine Reisetasche. „Wem gehört die?“
    André meldete sich zu Wort. „Das ist meine Tasche.“
    Der Beamte lachte verächtlich, zog den Reißverschluss auf. Er durchwühlte den Inhalt und zog triumphierend eine Tafel Haschisch hervor, in Aluminiumfolie verpackt. André wurde flau. Seine Begleiter hatten ihn übers Ohr gehauen und den Stoff in seinem Gepäck verstaut. Wie sollte er das dem Beamten begreiflich machen? Der machte wenig Federlesen und lud die Tasche in den Streifenwagen. Handschellen klickten. Fassungslos starrte André Florian und Petra an. „Wir holen dich da wieder raus“, murmelte Florian noch, dann schubste der Polizist André in den Wagen. Mit Blaulicht fuhren sie auf die Wache. André kam erst wieder zu sich, als er in einem kleinen dunklen Loch mit Steinpritsche und ohne WC abgeladen wurde. So gingen seine Pläne zunichte, fern der Heimat und ohne juristischen Beistand. Er warf sich auf die Pritsche und wurde ohnmächtig.


© 2004 by Marcel Sommerick



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Schakim

Wird mal Schriftsteller

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Hallo, Marcel!

Ich habe Dein fünftes Kapitel gelesen. Klingt sehr authentisch, muss es aber nicht sein. Jedenfalls pures Abenteuer und ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht!

Schön wäre es, wenn Du vielleicht auch die kleinen Alltagsgewohnheiten der Ägypter in Szene setzen könntest. Vielleicht mal auf einen Suk hinweisen würdest usw. Ich denke, damit wurde der Protagonist auch berührt. Oder wie die Teezubereitung in der Wüste erfolgt ... Auch wenn das vielleicht bekannt ist, es ist immer wieder spannend darüber zu lesen, wenn es zum Konzept passt. Vielleicht dort an der Stelle, wo er Tee bekommt?

Dummerweise habe ich die vorangehenden Kapitel noch nicht gelesen - ich vermute, sie existieren -, vielleicht steht dort etwas mehr, was ich jetzt gerade bemängle ...

Schöne Träume!
Schakim
__________________
§§§> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufblühen <§§§

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Marcel Sommerick
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2000

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Hallo Schakim,

schöne Träume, na ja, am liebsten schreib ich nachts, da ist es hier so schön ruhig. In Ägypten war ich zuletzt vor drei Jahren, da muss ich mühsam alles aus der Erinnerung kramen und ärgere mich manchmal, hättest du dir dies oder jenes in den drei Wochen doch noch angeguckt. Teetrinken in der Wüste ist natürlich etwas ganz Besonderes und verdient noch eine Erwähnung. Die Souks fand ich ehrlich gesagt in Tunesien schöner, wo es mich auch dieses Jahr wieder hinzieht, mal sehen, ob das klappt. Viel Spaß bei der Lektüre der übrigen Kapitel und bis bald,

Marcel

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