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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Für Hamburg
Eingestellt am 07. 03. 2002 15:13


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niniane
Hobbydichter
Registriert: Feb 2002

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In der ersten Nacht nach ihrer Ankunft in München lag er, ihr den Rücken zugewandt, auf der Seite und atmete ruhig. Es war dunkel, sie hatte sich hingesetzt, angelehnt an die Gitterstäbe des Bettgestells . Das kleine Fenster hatte keine Gardinen oder Jalousien. Am Nachmittag hatte sie ihre rote Tasche mit dem Fuss unter sein Bett geschoben , weil sie fand dass sie dort wohl am wenigsten stören würde. Glücklich gleich etwas sinnvolles sagen zu können, fragte sie ob man denn so ungestört ausschlafen könne.
Er hatte ihr kurz vor ihrer Abreise in einer Mail geschrieben, sie solle beim „Penthouse“ klingeln. Die Wohnung war einfach ein ausgebautes Dachgeschoss im 5. Stock.
Jetzt sah sie durch das Fenster die zackigen Umrisse eines Dachfirstes, dahinter den schwarz-blauen Himmel mit seinen vielen kleinen Lichtern. Irgendwo hatte sie mal gelesen, wie alt das Licht der Sterne erst werden musste, bis es sich im Auge desjenigen brach, der sie anschaute.
Gerne hätte sie jetzt geraucht, aber sie wollte nicht aufstehen, dafür hätte sie umständlich über ihn steigen müssen. Das Risiko, dass er aufwachte war ihr zu gross, sofort hätte sie sich wieder so unangenehm falsch und störend gefühlt.
Vor einem Jahr war er aus ihrer WG in Hamburg ausgezogen, vor zweieinhalb Jahren hatte sie sich bei seinem Einzug in ihn verliebt, bis heute hatte sie ihm nichts gesagt.
Manchmal weiss man etwas, ohne es in Worte fassen zu können, man wartet einfach ab, bis die Zeit etwas passieren lässt was der Grund für alles ist, was man schon immer ahnte. Auf dem Bahnhof in Hamburg gab es eine grosse Neonreklame der Spielbank. Der ICE nach München war schon auf der Anzeigentafel eingeblendet, der Bahnsteig war richtig, dessen hatte sie sich mehrmals versichert. Auf der Tasche sitzend holte sie sich Sicherheit von der sich alle paar Augenblicke erneut kreisenden Roulettekugel an derWand der Bahnhofshalle. Jetzt landet sie unten schräg rechts, dann bringt dieses Wochenende eine Entscheidung. Und wenn sie jetzt genau auf der Zwölf landet liebt er mich doch. Ja.Ja.
Früher hatte er sie ein paar Mal geküsst oder angefasst, wenn er betrunken war. Nachdem sie auch aus der Wohngemeinschaft ausgezogen war, hatte er sie besucht und versucht mit ihr zu schlafen. Ich will nichts Halbes hatte sie gesagt und ihm den Rücken massiert.
Es hatte ihr nicht geholfen die Sehnsucht zu nach ihm zu überwinden.
Sie lag jetzt in seinem Bett, wie oft hatte sie sich das gewünscht. Am Sonntag ist es vorbei, sagte er nach dem ersten Kuss. Ich hoffe du hast kein Problem damit? Nein, natürlich nicht.
Schau mich an, freust du dich, dass ich gekommen bin? Hm.
Am Morgen konnte sie durch das Fenster die Alpen sehen. Das gehört zum Service sagte er. Sie freute sich für ihn, weil es so gut zu seiner Rolle passte. Auf der Toilette konnte sie weinen. Er liess ihr den Schlüssel da, damit sie Putzfrau reinliess, während noch für ein paar Stunden zu einem Sondermeeting musste.
Er war ganz wichtig, bei einer grossen Medienfirma.
Das mochte sie noch immer:
Seine Möbel. Die Art wie er sich kleidete, sein Parfum, seine Arbeit, dass er solange im Ausland gelebt hatte. Zehn Jahre war er älter, „kleines Mädchen“ nannte er sie. Im Bett „ du junges Ding“.
Abends, in einer Bar angekommen wollte sie die Arme um ihn legen, als er am Tresen Cocktails bestellte. Werde jetzt bitte nicht albern, ich habe keinen Bock auf dieses Pseudo-Beziehungsgetue.Kurz dachte sie daran, dass in seiner Küche alle Karten die sie ihm jemals geschickt hatte an einer Pinnwand hingen. Auch ihr Abschiedsgeschenk für ihn, als er wegen des neuen Jobs aus Hamburg wegzog, war in der Wohnung, für jeden Gast ersichtlich drapiert: Eine alte Teekiste mit Gedichten, selbstgemachten Tapes, ein "Munich-Survival-Kit" mit Stadtplan, Schokolade und einer Krümelmonster Figur. Trophäen einer Idiotin, 4.0 Promille im liebeskranken Vollrausch.
Später, im Versuch sich noch zu retten, sagte sie "Ich bin müde, lass mich schlafen.". Stell dich nicht so an, seine Hand hatte ihr schon Decke und Nachthemd genommen.
Ist es dir eigentlich so egal, welche Frau hier mit dir liegt? Er drehte sich um. Man, du nervst. Sie bekam Angst. Bitte, sei nicht böse auf mich. Bitte. -Ok. Er stemmte sich hoch und kam ganz nah an ihr Ohr. Eine zärtliche Pose.
Du bist hergekommen um dich ficken zu lassen und jetzt redest du zuviel.
Sie schaute durch das Fenster währenddessen. Jetzt darfst du mich küssen, er lächelte sie an, bin ich nicht gut zu dir? In achtundvierzig Stunden können die Träume von zwei Jahren an lebendigem Fleisch abgerieben werden, der Dreck der dabei bleibt, fällt dann auch noch von einem ab. Was bin ich für dich Hendrik? Na du gehörst für mich zu meiner Hamburger Zeit. Hamburg ist doch meine Lieblingsstadt.
Sie schauten sich das Nymphenburger Schloss an, das Olympiastadion, er schenkte ihr Pralinen von Dallmayer. „Wie immer?“ Eine der ätzendsten Werbungen im Fernsehen überhaupt wie sie fand. Er nahm sie mit in eine Monet- Ausstellung, blieb vor jedem Bild etwa eineinhalb Minuten stehen und sagte er freue sich jetzt sagen zu können, er sei auch dort gewesen. Um ihn nicht verärgern sagte sie auch „Ja schön, genau, wie in echt“ oder „Naja, ich versteh eben nichts davon“ und bat insgeheim Monet um Verzeihung als sie vor seinem Foto stand um sich eine Kurzbiografie durchzulesen. Sie tat so, als nähme sie einen Faden von seinem Pullover, um ihn berühren zu können.
In der letzten Nacht war sie selbst wie das Licht der Sterne, die ihr durch das Viereck des Fensters zublinzelten, alles was er sich nahm und was seine Hände sich aneigneten war uralt, vor langer Zeit auf die Reise geschickt und jetzt erst angekommen. Der Gruss einer längst verlöschten Glut. Die letzten Stunden, bevor ihr Zug nach Hause abfuhr, brachte sie nur noch Schweigen zustande. Er wunderte sich, wie er es so schnell vergessen konnte, dass ihm mit ihr immer so wohlig sei. Das war als sie das Geschirr abtrocknete und er im Radio Fussball live hörte.
Wieder zurück in Hamburg ging sie rauchend die Landungsbrücken des Hafens entlang. Bei einem kleinen Touristenkiosk kaufte sie eine grosse Muschel, sicher aus der Südsee, zartrosa mit gewellten Rändern. Darauf war ein goldener Anker gemalt und in blauen Buchstaben „Hamburg“.
Die würde sie ihm schicken, jetzt wo er es nach Wochen auch aufgegeben hatte sie anzurufen. Sie hatte immer gleich aufgelegt oder nicht abgenommen, wenn sie auf dem Display des Handys sah, dass er es war.
Jeder Stoss für Hamburg hatte er währenddessen einmal gesagt und gelacht.
Wo ihm doch an Hamburg doch soviel lag, sollte er wenigstens einen Ersatz haben dachte sie und bezahlte.





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Im Meer der Fraun
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ingridmaus
Hobbydichter
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Unklar...

Hi Niniane,
nicht boese sein, aber ich finde die Geschichte ein bisschen unklar.
Sind sie jetzt in Muenchen oder in Hamburg?
Oder sind sie getrennt und sie denkt zurueck?
Und warum ausgerechnet ein Muschel? Ich haette ihm eher einen Seemannsknoten geschenkt, damit er sich aufhaengen kann...
Koennen die zwei nicht vielleicht Namen kriegen? Es wuerde persoenlicher werden, nicht so monoton.
Und meine grosse Frage: Ist irgendwas mit ihr passiert oder ist sie noch genauso doof wie vorher? Ich denke, Du willst mit "der Gruss laengst verloschener Glut" andeuten, dass etwas anders ist, aber das muesste schon klarer werden.
Insgesamt erfaehrt man zu wenig von den beiden und den Umstaenden ihrer Verbindung, um mitzufuehlen.
Liebe Gruesse
Ingrid
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niniane
Hobbydichter
Registriert: Feb 2002

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Re: Unklar...

als erstmal danke für die kritik, sind ja noch meine ,äh, ersten schritte*g*. sie sind in münchen(alpen, olympiastadion etc.) da wohnt er jetzt, sie kommt aus hamburg und besucht ihn. warum muschel? hm, also wenn alles was ihn an ihr interessiert sich auf geschlechtsorgane und dass sie aus hamburg kommt beschränkt, dann ist diese Muschel wohl genau das richtige. was auch zeigt, dass sie schon lange nicht mehr so blöd ist wie früher( wenn sie solch eine zynische symbolik benutzt), sich dieses wochenende aber nochmal geben musste, um zu einem ende zu kommen...
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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

liebe niniane,

ingrid ist gut, was, die merkt alles.

du musst dringendst eine struktur in das ding bringen. ganz einfach könntest du das ganze durch absätze voneinander abgrenzen und nur hamburg. bzw. münchen. davorschreiben, fertig.
der text ist kurz, es bietet sich geradezu an, einen schönen absatzrhytmus reinzubringen, also entweder einen Dreier München-Hamburg-München, oder einen Fünfer, wieder angefangen mit München, oder du machst was kontrapunktisches daraus, dann kommst du auf zwei oder vier absätze, also münchen-hamburg-münchen-hamburg. so könntest du spannung und eine schöne komposition hineinspringen.
sie finde ich interessant, ihn überhaupt nicht, ich lasse ihn weder positiv noch negativ gelten, du musst ihn emotionaler besetzen.
einen neuen schluss auch, vielleicht noch einmal das motiv des störens aufnehmen; jetzt stört sie ihn nicht mehr.
und die FEHLER, niniane, du machst eine mischung aus neuer und alter deutscher rechtschreibung, alles was kurz ist wie "fass" mit zwei "s", alles was kurz ist wie "fuß" mit sz.
ciao, ein schönes wochenende nach hamburg, du machst nicht zufällig IMMER, wie ALLE norddeutsche urlaub in amrum?
annabelle

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niniane
Hobbydichter
Registriert: Feb 2002

Werke: 12
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Re: liebe niniane,

ich denke wohl, dazu muss ich nichts mehr sagen. nein, ich mache nicht urlaub auf amrum wie es ALLE und IMMER tun. ausserdem ist deutsch nicht meine muttersprache und ich lerne noch immer, nicht nur neue deutsche rechtschreibung, vielen dank aber für die nette hilfe.

Qué clara pasión de un labio dice el gorjeo de vuestro pecho puro!

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