Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92236
Momentan online:
407 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Für Regentage
Eingestellt am 23. 07. 2008 10:08


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Joh
Häufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2008

Werke: 58
Kommentare: 545
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Joh eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

.


Für Regentage


Noch schlaftrunken
erinnere ich dein Lächeln
pflanze es für Regentage
in meine Augen
und sehe hinter Wolken
Wärme



Johanna Pless
7.2008

.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


mori
Häufig gelesener Autor
Registriert: Oct 2005

Werke: 21
Kommentare: 163
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um mori eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Johanna,

deine hübsche kleine Miniatur "erinnert mich an" eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt.

Es geht um die Formulierung "erinnere ich (dein Lächeln)".
Sollte es nicht korrekt heißen: "erinnere ich mich an dein Lächeln"? Englisch- I remember- ja, natürlich.
Aber diese Übertragung ins Deutsche hört man immer häufiger.
Was sagen die anwesenden Sprachexperten dazu? Das würde mich wirklich interessieren.

Bin ich am Thema vorbei? Verzeih mir!
Liebe Grüße
Annette

Bearbeiten/Löschen    


Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Guten Tag, Ihr Lieben,

am einfachste wäre es vermutlich "unseren" ausgewiesenen Germanisten zu fragen (ist das nicht Carlo?), aber als eine, die zuweilen als Deutschlehrerin arbeitet, möchte ich meine Sichtweise künden:

Die Formulierung "ich erinnere" ist keineswegs neu, vielmehr von der moderneren Version "ich erinnere mich" abgelöst worden. Schon Thomas Mann erinnert dieses oder jenes (lächelt).

Wenn wir also diese schöne (ältere) Fassung nutzen, setzen wir uns gleichzeitig für die Rettung sterbender, wenn nun auch auferstandener, Wörter / Wendungen ein (dielinkefaustmalindiehöhereckt).

Ähnlich verhält es sich mit: Ich versichere Sie, statt ich versicheren Ihnen ... aber die "Allianz" wird hier ja nicht so oft besungen ...

meint
nurdieh

P.S. Das Gedicht finde ich super!

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Johanna,

"Hinter Wolken Wärme sehen" ist es, was für mich die Aussage in diesem Text macht. Denn normalerweise fühlt man Wärme. Da spricht jemand, der hinter die Dinge schauen kann und einen Lebensreichtum verbuchen kann auf diese Weise.

Ein schöner kleiner Schatz, Dein Text!

Liebe Grüße von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 200
Kommentare: 1762
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um presque_rien eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hi Joh,

ich find dein Gedicht auch schön, nur das Wort "pflanze" stört mich. Ich finde die vorstellung, sich irgendwas in die Augen zu pflangen, irgendwie eklig. ich würde "säe" schreiben - das ergäbe einen interessanten Effekt im Kombination mit dem "sehe" im übernächsten Vers. Aber da es keinen außer meiner Wenigkeit zu stören scheint, ist's ja auch egal.

Zum Thema "Sprachverfall": Es ist sicherlich berechtigt, ältere Sprache zu mögen. Auch ich mag die Sprache von Goethe, Thomas Mann usw. Aber ich mag sie bei Goethe und Mann, eben da, wo sie ihre Berechtigung hat. Nicht in der heutigen Literatur. Denn es ist sicherlich unberechtigt, älteren Sprachstufen und -konventionen nachzutrauern. Wer das heute tut und die arme, verarmte deutsche Sprache beklagt, die von den bösen, bösen neuen Sprech"trends" unterwandert wird, sollte sich darüber im klaren sein, dass er damit selbst äußerst "trendy" ist. Sprachverfallsdebatten gab es schon immer (ja, auch schon zu Goethes Zeiten) und wird es immer geben - und wir sind im Moment eben wieder einmal auf einem Wellenkamm dieses Trends angelangt. Insofern ist mir klar, dass ich mit meiner Ansicht, dass die deutsche Sprache heute so quicklebendig, aussagekräftig und (facetten)reich ist, wie noch nie zuvor, wohl nicht auf Wohlgefallen stoßen werde. Diese Sichtweise ist gerade nicht "in". Meine Ansicht entspricht aber nicht nur der Ansicht der Linguisten, sondern auch jener führender Germanisten. Und Bastian Sick gehören einmal kräftig die Ohren langgezogen. Wer sich mit diesem Thema ernsthaft auseinander setzen will, dem empfehle ich diese Artikel bekannter moderner Germanisten

Hier klicken
Hier klicken

sowie zahlreiche Artikel Peter Eisenbergs (eines der Herausgeber des Dudens übrigens).

Zu "etw. erinnern": Diese Form ist tatsächlich ursprünglich älteres Deutsch, und es gibt die Theorie, dass sie eben durch den Einfluss des Englischen "revitalisiert" wurde. Das ist aber nicht bewiesen. Es könnte sich auch um eine anders herleitbare selbstständige Entwicklung des deutschen Sprachsystems handeln. Wie Peter Eisenberg bei einem Vortrag 2007 eben zu diesem Verb so schön sagte (wörtlich!!): "Dazu brauchen wir Englisch nicht, das können wir uns auch selber machen!" Ich finde übrigens Monis Interpretation von "etw. erinnern" vs. "sich an etw. erinnern" sehr schön. Naturgemäß zieht ein Unterschied in der Form auch immer einen Unterschied in der Bedeutung nach sich, echte Synonymie gibt es nicht. Übrigens verdanken wir es nur der furchtbaren jahrzehntelangen Verlotterung der deutschen Sprache, dass "verschroben" heute etwas anderes bedeutet als die ehemals falsche Form "verschraubt". Es gibt so viele Beispiele!

Das musste ich einmal gesagt haben als großer Fan der deutschen Sprache. Nur noch ein Gedanke: Englisch ist heute die Sprache mit dem differenziertesten Wortschatz und DIE Lingua Franca. Warum wohl? Weil Englisch sich nie gegen Einflüsse von Außen gesträubt hat und alles an Keltischem, Germanischem, Lateinischem, Nordischen, Französischen usw. gierig und dankbar aufsog. So sollte es sein!

Lg presque

Bearbeiten/Löschen    


Joh
Häufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2008

Werke: 58
Kommentare: 545
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Joh eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Moni deine Ausführung trifft den Unterschied zwischen den beiden Formen sehr gut, da stimme ich presque gern zu.

Danke Vera-Lena! Genau so ist auch mein empfinden gewesen, als ich merkte, daß Licht etwas von einem strahlenden Lächeln hat, doch Wärme ist für mich eine viel tiefere emotionale Ebene, und auf die kam es mir an.



Hallo presque

Für mich ist pflanzen so etwas wie tief einwurzeln lassen, damit kann weiteres Wachstum, in diesem Fall der Gefühle stattfinden, aus diesem Grund ist das Wort für mich wichtig.

Deine Ausführung über die Sprache finde ich sehr interessant, die Links werde ich auf jeden Fall ansehen.
In den letzten Jahren hat sich in unserer Sprache viel getan, das kann man ja allein schon im Literatur-Betrieb schön nachvollziehen, Genauso bin ich aber auch der Meinung, daß eine Sprache um so reicher ist, je mehr sie erhält, und eben nicht nur modernisiert. Gerade wir Schriftsteller haben die Möglichkeit immer genau das zu wählen, was dem eigenen Empfinden und der eigenen Sprache am besten Ausdruck verleihen kann. Das hat, so weit ich informiert bin, zum Beispiel auch Shakespeare ähnlich gehandhabt.

Danke euch Allen noch einmal für die intensive Auseinandersetzung mit dem Text, das hat mich sehr gefreut! Noch einen tollen Sonntag, Johanna

Bearbeiten/Löschen    


35 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!