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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Für Träume sind die Nächte meist zu kurz
Eingestellt am 22. 09. 2008 23:09


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jf
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Registriert: Sep 2008

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Ich öffne die Augen. Etwas will aus meinem Kopf ausbrechen und hämmert von innen gegen die Schädeldecke. Kalt bricht Licht durch die kleinen Ritzen der Jalousien. Langsam setze ich mich auf. Mein Genick schmerzt, als ich den Kopf zur Seite drehe. Angelika liegt neben mir.

In den letzten Monaten war sie meistens vor mir wach. Fünf Minuten Vorsprung, um ins Bad flüchten zu können und nicht reden zu müssen. Einmal war ich ausnahmsweise früher wach. Ich stellte mich schlafend, bis sie weg war.

In meinen Händen kribbelt es. Ameisenkolonnen machen sich auf den Weg durch meine Blutbahnen, wollen mich aushöhlen. Sie kommen zu spät, ich bin bereits vollkommen leer. Ich empfinde nichts, wenn ich die Frau neben mir betrachte. Eine Schicht aus morphiumgetränkter Watte umgibt mich.

In meiner Welt gibt es kein Lachen. Der Boden ist unter meinen Füßen weggebrochen, ich befinde mich im freien Fall. Ich lebe einen Albtraum und träume das Leben.

Angelika, Nina und ich waren am Strand. Stundenlang konnte sich Nina bemühen, meine Füße möglichst tief im Sand einzugraben und sie gluckste vor Freude, wenn ich vorgab, nicht mehr herauszukommen. Angelika nahm mich dann bei der Hand und tat so, als ob sie mit ganzer Kraft ziehen würde. Je roter ihr Kopf dabei wurde, desto mehr freute sich Nina. Manchmal plumpste die Kleine rückwärts in den Sand und hielt sich den Bauch vor Lachen.

Ninas Lachen klingt in meinen Träumen weiter, bis der Morgen wieder da ist und ich aufwache.

Angelika geht es genau so. Vermutet hatte ich das immer, gestern Abend sprachen wir darüber. Über den Unfall redeten wir nicht. Wir sahen uns nicht an. Wir legten fest, wie es nun weitergehen sollte.

Ich lasse mich ins Bett zurückfallen, will mich nicht mehr anstrengen. Um weiter träumen zu können, schließe ich die Augen. Die Realität hält mich noch fest. Ich werde ihr entwischen. Die Nächte sind zu kurz für unsere Träume, darin waren wir uns einig.

Wir wussten nicht, wie schnell es wirken würde. Wahrscheinlich bin ich noch wach, weil ich viel mehr wiege als Angelika. Sie sieht aus, als ob sie nur schlafen würde. Wir werden beide schlafen und Nina wird in uns weiterlachen. Für immer.

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Retep
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Hi jf,

deine Kurzgeschichte hat mich beeindruckt.
Unmittelbarer Einstieg, kaum Handlung, einfache, nüchterne Sprache, ohne Sentimenaliät, Andeutungen, nichts wird weiter ausgeführt und doch wird die tragische Situation sofort klar.
Die Ich-Perspektive macht die Geschichte authentisch, zieht den Leser in die Geschichte hinein, lässt ihn mit dem Protagonisten mitfühlen.

quote:
Wir werden beide schlafen und Nina wird in uns weiterlachen. Für immer.

Ein gelungener Schluss!

Gruß

Retep

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