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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ganz weit weg
Eingestellt am 19. 08. 2003 12:54


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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

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Ganz weit weg

Kurz vor Mitternacht ist das Kind so mĂŒde, dass es freiwillig ins Bett will - ein Augenblick des Triumphes fĂŒr die Eltern. Der Vater nimmt die fast fĂŒnfjĂ€hrige Tochter auf den Arm und lĂ€uft langsam mit ihr durch das feuchte Gras dieser Sommernacht. Sie darf natĂŒrlich mit der Taschenlampe den Weg zum Wohnmobil leuchten.
Dunkelblau breitet sich der mit Sternen ĂŒbersĂ€te Nachthimmel ĂŒber die Szene und selbst das Kind muss zugeben, dass man so viele Sterne nicht zĂ€hlen kann. Sie einigen sich auf zwei Fantastillionen und die drei Einzelnen dort hinten.
„Papa, warum leuchten die Sterne?“
Au Backe, jetzt heißt es wachsam sein fĂŒr den Vater.
Mit den Gedanken schon wieder bei dem kleinen Feuer im Garten des Freundes und dem Rotwein, der die Flammen im Glas funkeln lĂ€sst, soll er nun aus dem Stegreif mit kindgerechten Worten eine Sache erklĂ€ren, die ihm eigentlich selbst unerklĂ€rlich ist. Und das Ganze möglichst auf eine Art und Weise, die ein weiteres „Warum?“ ausschließt.
„Weißt du, Schatz, wenn ich jetzt selbst ganz weit da oben wĂ€re und ich wĂŒrde herunterschauen auf dich und deine Taschenlampe, ich wĂŒrde nur einen Lichtpunkt sehen. Genau wie einen Stern.
Wer weiß“ sagt er zum Himmel zeigend „vielleicht sind dort ĂŒberall kleine MĂ€dchen und Jungen, die mit einer Taschenlampe spielen, bis die Batterien alle sind.“
„So wie ich?“
„So wie du.“
„Da ganz oben?“
„Da ganz oben.“
Sie legt den Kopf weit in den Nacken und zwei weitere Sterne beginnen zu funkeln.
„Schlaft schön, hihi“ kichert sie und „TrĂ€umt was Schönes!“ ruft sie.
Dann klettert sie ins Wohnmobil, kriecht unter alle vorhandenen Decken, nimmt das WĂ€scheschild des Kopfkissens in die eine Hand, stöpselt den Daumen der Anderen in den Mund, schließt die Augen und ist schon ganz weit weg- fantastillionen Kilometer weit.

__________________
kny

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
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Eine schöne, amĂŒsante Geschichte, die mir gut gefallen hat; sprachlich habe ich nur wenig zu mosern (s.u.), und inhaltlich werde ich mir in ferner Zukunft diese ErklĂ€rung vielleicht mal klauen, um der grauenvollen Warum-Kette zu entgehen.


Kurz vor Mitternacht ist das Kind so mĂŒde, dass es freiwillig ins Bett will - ein Augenblick des Triumphes fĂŒr die Eltern. Der Vater nimmt die fast fĂŒnfjĂ€hrige Tochter auf den Arm und lĂ€uft langsam mit ihr durch das feuchte Gras dieser Sommernacht. NatĂŒrlich darf sie mit der Taschenlampe den Weg zum Wohnmobil leuchten. (So liegt m.E. mehr Betonung auf dem „sie“)
Dunkelblau breitet sich der mit Sternen ĂŒbersĂ€te Nachthimmel ĂŒber die Szene (Wort finde ich unpassend; vielleicht „den Weg“?) und selbst das Kind muss zugeben, dass man so viele Sterne nicht zĂ€hlen kann. (vielleicht die Sterne im ersten Teil des Satzes weiter nach hinten, damit der Bezug zum zweiten Satz dichter ist; Vorschlag: Der dunkelblaue Nachthimmel ist mit Sternen ĂŒbersĂ€t, und selbst das Kind muss zugeben, dass man so viele nicht zĂ€hlen kann.) Sie einigen sich auf zwei Fantastillionen und die drei Einzelnen dort hinten. (wunderbare Formulierung)
„Papa, warum leuchten die Sterne?“
Au Backe, jetzt heißt es wachsam sein fĂŒr den Vater. (Absatz muß nicht unbedingt sein)
(Obwohl?; wegen des stĂ€rkeren Kontrastes) Mit den Gedanken schon wieder bei dem kleinen Feuer im Garten (eventuell streichen, das Wohnmobil vorher suggeriert Campingplatz, ebenso der Weg mit der Taschenlampe; daß das Lagerfeuer dann im Garten ist, erscheint mir etwas unpassend) des Freundes und dem Rotwein, der die Flammen im Glas funkeln lĂ€sst, soll er nun aus dem Stegreif mit kindgerechten Worten eine Sache erklĂ€ren, die ihm eigentlich selbst unerklĂ€rlich ist. Und das Ganze möglichst auf eine Art und Weise, die ein weiteres „Warum?“ ausschließt. (hier bekomme ich Mitleid mit dem Mann; tiefes, ehrliches Mitleid)
„Weißt du, Schatz, wenn ich jetzt selbst ganz weit da oben wĂ€re und ich wĂŒrde herunterschauen auf dich und deine Taschenlampe, ich wĂŒrde nur einen Lichtpunkt sehen. (Der Satzbau ist zwar sehr „mundgerecht“, aber ich wĂŒrde mehr Schriftsprache begrĂŒĂŸen, also: .. und auf dich und deine TL herunterschauen wĂŒrde, wĂŒrde ich nur..) Genau wie einen Stern.
Wer weiß“, sagt er zum Himmel zeigend (mĂŒĂŸte er nicht schon beim „ganz weit da oben“ zum Himmel zeigen? Empfinde ich hier als unpassend und verzögernd), „vielleicht sind dort ĂŒberall kleine MĂ€dchen und Jungen, die mit einer Taschenlampe spielen, bis die Batterien alle sind.“ (Jetzt hat der Mann statt meines Mitleids meinen Respekt!)
„So wie ich?“
„So wie du.“
„Da ganz oben?“
„Da ganz oben.“
Sie legt den Kopf weit in den Nacken und zwei weitere Sterne beginnen zu funkeln.
„Schlaft schön, hihi“, kichert sie und „TrĂ€umt was Schönes!“ ruft sie. (wieder stört mich der Satzbau; ...“, kichert sie und ruft: „..)
Dann klettert sie ins Wohnmobil, kriecht unter alle vorhandenen Decken (ziemlich viel fĂŒr ein 5jĂ€hriges MĂ€dchen, wirkt ĂŒbertrieben), nimmt das WĂ€scheschild des Kopfkissens in die eine Hand, stöpselt den Daumen der anderen in den Mund, schließt die Augen und ist schon ganz weit weg – Fantastillionen Kilometer weit. (prinzipiell schönes Ende, aber irgendwie fehlt mir der Vater. Vielleicht nach den Augen schon einen Punkt machen und so etwas wie als der Vater mit sich selbst zufrieden auf dem Weg zum Wein ist, ist sie schon ganz weit weg... einfĂŒgen; etwas Eigenlob hat der Mann verdient!)

__________________
Andrea Rohmert

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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

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gute vorschlÀge

erstmal danke fĂŒr deine mĂŒhe. einiges werde ich ĂŒbernehmen, nur fehlt mir heute und jetzt die zeit. der lkw steht vor der tĂŒr und die ladung wodka muß morgen um sechs in mainz stehen.
sicher hĂ€tte man den garten weglassen können. ursprĂŒnglich wollte ich sĂ€mtliche ortsbeschreibung weglassen, denn als letzter satz sollte stehen: muß ja schließlich nicht alles auf der erde passieren.
aber die "szene" stand mir noch so bildlich vor augen, daß sich der garten einfach eingeschlichen hat.
am wochenende beschÀftige ich mich mit erneut damit, hoffe ich. denn sicher kennst du das desinteresse an einer abgeschlossenen geschichte. aber deine vorschlÀge sind zu konstruktiv, um sie nicht zu beachten.
also danke und gruß aus berlin von knychen
__________________
kny

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Omar Chajjam
???
Registriert: Feb 2001

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Großes Lob, Supertext. Die Kritik ist nicht zu schlagen. Aber so viel, die Vaterfigur ist mir zu pĂ€dagogisch angelegt. Dies ganzen VorĂŒberlegungen mit kindgerecht irritieren etwas.

Omar

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