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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gastarbeiter
Eingestellt am 14. 12. 2001 11:38


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Es war nicht unbedingt ihre Welt in der sie sich bewegte. In Wahrheit stammte sie aus Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen, doch sie hatte sich sozusagen „hochgearbeitet“.

Es war eine Ă€rmliche Gegend in Polen, dort wo ihr zu Hause war. Schon frĂŒh, sobald ihr Bruder das 18. Lebensjahr erreicht hatte sparte die ganze Familie darauf, damit er einen FĂŒhrerschein erhielt und ab da war es zu Ende mit der Armut.

Er fand Arbeit in Deutschland, zwar illegal, doch das war nur das kleinere Übel bei der Sache. An jedem Wochenende fuhr er mit Freunden von daheim aus ĂŒber die Grenze um dort in GĂ€rtnereien zu arbeiten. Sie war nicht sehr schwer, die Arbeit. Dort gab es fĂŒr alles Maschinen. Es war eine stumpfsinnige TĂ€tigkeit, aber sie wurde gut bezahlt. Sie ĂŒbernachteten in seinem Wagen, schliefen auf ParkplĂ€tzen. Miroslav gewöhnte sich an die Fahrten.

Eine GĂ€rtnerei war sehr zufrieden mit ihnen und stellte einige BlockhĂ€user auf ihr GewerbegrundstĂŒck. Miro und seine Freunde gaben ihre Arbeit in Polen auf und richteten sich dort hĂ€uslich ein.

So kam auch seine Schwester Ilonka eines Tages auf die Idee, ihn eine lĂ€ngere Zeit zu besuchen. Sie war 18 und bildhĂŒbsch.

NatĂŒrlich wohnte Miro nicht allein, er teilte sich die BlockhĂŒtte mit noch zwei Kollegen und durch Ilonka mussten sie jetz alle zusammenrĂŒcken. Doch fĂŒr sie taten die Burschen das gerne. Sie waren sogar alle bemĂŒht, fĂŒr Ilonka eine Arbeit zu finden. Doch das Interesse an Arbeit war bei Ilonka nicht sehr groß, hatte sie doch lĂ€ngst schon herausgefunden, welche positive Wirkung sie auf das mĂ€nnliche Geschlecht ausĂŒbte.

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anemone
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2. Teil

Jacek, der sich ein wenig in Ilonka verliebt hatte kam immer wieder mit VorschlĂ€gen, denn er suchte wirklich intensiv eine Stelle fĂŒr sie, ganz in der NĂ€he am Besten, damit sie bei ihnen wohnen blieb.

Den Job als Kellnerin nahm Ilonka dann auch an und Jacek gab ihr Tipps, lieh sich Miros Wagen aus und kaufte mit ihr ein. Ilonka machte sich keine Gedanken darĂŒber. Immerhin war Jacek der beste Freund ihres Bruders. Sie kannte ihn schon sehr lange und es war fĂŒr sie wie selbstverstĂ€ndlich, dass er einfach immer in ihrer NĂ€he war.

Auch Dragoslaw mochte sie, aber er wusste um die GefĂŒhle seines Kumpels und er verhielt sich Ilonka gegenĂŒber Ă€ußerst zurĂŒckhaltend.

So waren sie plötzlich sehr verwundert, als Ilonka ihnen eröffnete, dass sie das Angebot des GaststĂ€ttenbesitzers annehmen wĂŒrde, dort ein Zimmer zu bewohnen. Sie bekam die Kosten dafĂŒr natĂŒrlich vom Lohn abgebucht und hĂ€tte bei ihnen weiterhin kostenlos wohnen können.

Doch Ilonka wollte in die Stadt um dort aus den Augen ihres Bruders zu sein. Er hatte sich inzwischen angewöhnt hier im fremden Land die Vaterrolle fĂŒr sie zu ĂŒbernehmen und das gefiel ihr ĂŒberhaupt nicht.

Ilonka hatte in der Heimat schon die deutsche Sprache erlernt und redete mit einem niedlichen Akzent, den die GĂ€ste sehr mochten. Oft ließen sie die Kellnerin nur fĂŒr Kleinigkeiten kommen, nur um ihre netten AusdrĂŒcke zu vernehmen um sich dabei zu amĂŒsieren.

Ilonka fiel stets darauf herein. Sie brauchte etwas lÀnger, um zu begreifen, dass in diesem Land nicht alles so ernst gemeint war, wie sie es gewohnt war.

So erschienen neuerdings GĂ€ste, die der Wirt in seinem Lokal vorher nie gesehen hatte.
Der junge Graf FĂŒrstenfeld kehrte bei ihm ein und brachte stĂ€ndig Freunde mit, die Leben in das sonst so ruhige Wirtshaus am Rande der Stadt brachten.

Ihm war schon gleich beim ersten Besuch die Schönheit des MÀdchens aufgefallen und es zog ihn ihretwegen immer wieder hierher.

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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3. Teil

Der Wirt freute sich ĂŒber die neuen GĂ€ste, denn sie verzehrten viel und sein Geldbeutel klingelte unentwegt, wenn Besuch aus dem nahegelegenen Gutshof anwesend war. Er rief sofort nach Ilonka, sobald seine GĂ€ste eintraten.

Der Graf hatte sich schon nach ihr erkundigt und der Wirt gab bereitwillig Auskunft ĂŒber sie.
Er wusste, wann ihr freier Tag war, dass sie noch einen Bruder in der NĂ€he hatte und hier eine Kammer bewohnte.

An diesem Tag hatte sich Ilonka wieder ihre langen Haare blondiert und sie sah ausgesprochen reizend aus. Der Graf war ihr nicht unsympathisch, denn er belĂ€stigte sie nicht mit diesen Blondinenwitzen, die manchen GĂ€sten sofort einfielen, wenn sie Ilonka sahen. In seiner Anwesenheit ließen auch seine Freunde keinen derartigen Witz los.

An diesem verheißungsvollen Tag schob der Graf ihr ein winzig kleines PĂ€ckchen zu. Sie solle es aber erst in ihrem Zimmer öffnen, es wĂ€re eine kleine Anerkennung fĂŒr ihre gute Bedienung, meinte der Graf. Ilonka bedankte sich und ließ es gleich unbemerkt in ihre KellnerschĂŒrze verschwinden.

Da an diesem Tag sehr viel zu tun war, hatte sie das Geschenk lĂ€ngst vergessen und zu allem Überfluss erschien auch noch ihr Bruder, der auf Anraten von Jacek mit seinen Freunden hier auf ein Bier vorbei kam. Ihm fiel diese MĂ€nnerrunde auf, die sich vornehmlich von ihr bedienen ließ und er erkundigte sich nach ihnen.

Als er von Ilonka erfuhr, dass es sich um einen Grafen handelte, vergaß er seine Vaterrolle und wollte bald wieder das Lokal verlassen, doch nicht so Jacek. Er sehnte sich nach ihr, war froh, dass er sie endlich sah. Dragoslaw sah ihn mitleidig an. Er wusste, jetzt war es zu spĂ€t fĂŒr ihn. Sie befand sich lĂ€ngst in den Klauen dieses Grafen, wenn es ihr auch noch nicht bewußt war.

Jacek versuchte mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, doch Ilonka hatte nur Augen und Ohren fĂŒr die Gesellschaft am runden Tisch. Sobald von denen jemand etwas benötigte, unterbrach sie jedes GesprĂ€ch und flitzte hinĂŒber. Sie sah nicht die Liebe in seinen Augen, spĂŒrte nicht seinen Wunsch, sie berĂŒhren zu wollen und bemerkte nicht, wie er dahinschmolz, wenn sie sich mit ihm unterhielt.

Nun gab es in den GĂ€rtnereien inzwischen weniger Arbeit, das war auch der Grund, weshalb sie mitten in der Woche am hellichten Tage schon Zeit hatten, sie zu besuchen. Wenn der Herbst jetzt bald zu Ende sei, wollten sie wieder in die Heimat zurĂŒck und ihr Bruder fragte auch sie, ob sie wieder mitfahren wollte.

NatĂŒrlich freute sich Ilonka, sie alle wiederzusehen, denn sie war immer sehr glĂŒcklich gewesen in ihrer NĂ€he, doch heute achtete der Wirt darauf, dass sie ihre Bedienung nicht vernachlĂ€ssigte und plötzlich fiel ihr wieder das kleine PĂ€ckchen ein.

Sie gab ihnen zu verstehen, dass der Donnerstag ein sehr ungĂŒnstiger Tag fĂŒr Besuche war und wandte sich wieder ihren GĂ€sten zu. Das mit dem Mitfahren wolle sie sich ĂŒberlegen.
Miroslaw hielt den Tag fĂŒr ungĂŒnstig und machte Anstalten zu gehen, doch Jacek hielt ihn zurĂŒck.

„Lass uns noch ein wenig bleiben!“ schlug er seinem Freund vor.



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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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so weit, so gut.

aber das kann doch noch nicht alles sein, oder? ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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scheint lÀnger zu werden, Marion,

als ich dachte, geht bald weiter

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Rote Socke
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Registriert: Not Yet

Die Geschichte könnte recht interessant werden. Zumindest der Titel und der Anfang klingen vielversprechend. Ich wĂŒrde aber vorschlagen die Geschichte in einem StĂŒck hier oder unter ErzĂ€hlungen zu posten. Dann macht das Lesen mehr Spass, als es nur hĂ€ppchenweise serviert zu bekommen.

Schönen Gruss
Volkmar

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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hallo rote Socke

habe es gleich befolgt und ihr findet jetzt die ersten Teile unter ErzÀhlungen

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