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Leselupe.de > Kurzprosa
Geboren um zu Sterben?!
Eingestellt am 23. 01. 2002 10:19


Autor
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unicorn
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jan 2002

Werke: 2
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Nie mehr



Der Raum war kalt und die Schl├Ąuche f├╝hrten in ihren K├Ârper. Man h├Ârte jeden einzelnen Atemzug und sie z├Ąhlte sie, denn sie wusste, dass es bald ihr Letzter sein w├╝rde. Sie hatte schon viel in ihrem kurzen Leben erlebt, doch musste es wirklich so enden?
Ihr war immer klar gewesen, dass sie nicht alt werden w├╝rde, dass es irgendwann so kommen w├╝rde. Aber warum musste sie noch so bei Verstand sein, so dass sie genau wusste, dass ihr Ende nahte.
Mit jedem Atemzug wurde es schwerer die Luft in ihre Lungen zu saugen und immer n├Ąher kam der Tod. Dieses unausweichliche Etwas, dem sie sich entgegenstellen wollte, jedoch nicht wusste wie. Sie fr├Âstelte leicht und starrte die wei├čen W├Ąnde an. Ach, w├Ąre es nur Sommer, wo sie sterben musste, aber selbst das hatte man ihr verwehrt. Sie sollte sterben, wenn der Schnee noch einige Zentimeter den Boden bedeckte und wenn man aus dem Fenster blickte, sah man nur den von Wolken bedeckten Himmel. Sie h├Ątte es sich so sehr gew├╝nscht, dass sie noch einmal den blauen Himmel sehen k├Ânnte. Den blauen Himmel, als sie noch ein kleines M├Ądchen gewesen war, aber nun war es zu sp├Ąt...
Sie wusste, dass sie dieses Zimmer nie wieder verlassen w├╝rde; zumindest nicht lebend. Ihr wurde es, zum ersten Mal in ihrem Leben bewusst, wie sinnlos dieses Leben war. Denn am Ende musste jeder sterben, egal was er im Leben erreicht hatte oder was nicht... komisch, dar├╝ber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht...
Sie hatte sich nie gefragt, warum man immer Pl├Ąne f├╝r die Zukunft machte, obwohl man nie wusste, ob man sie irgendwann ├╝berhaupt realisieren konnte. Sie hatte nie an ihr Ende gedacht. Wahrscheinlich war sie noch zu jung und naiv gewesen und hatte geglaubt, sie w├╝rde ewig leben, f├╝r sie gab es niemals ein Ende. Nun lag sie da und mit jedem Atemzug, der aus ihrem K├Ârper wich, war sie ein St├╝ck n├Ąher, an ihrem letzten Atem.
Sie war allein; so hatte sie es gewollt.
Alleinsein war immer noch besser als falsches Mitleid oder Trauer. Nat├╝rlich wurde sie geliebt und nat├╝rlich hatte auch irgendjemand f├╝r sie Gef├╝hle gepflegt; das war ihr klar, denn das war ja normal. Doch sie wusste, dass wenn eine Weile ├╝ber ihren Tod hinweggegangen war, sie in Vergessenheit geraten w├╝rde. An ihrem Todestag w├╝rde man vielleicht jedes Mal Blumen auf ihr Grab legen und vielleicht sogar eine Tr├Ąne irgendwo herbeizaubern. Doch ihr war jetzt v├Âllig bewusst, dass alles verg├Ąnglich war, warum also sie nicht????
Von daher konnten die anderen auch schon vor ihrem Tod wegbleiben, der innerliche Schmerz w├Ąre derselbe und zu lauschen, wie jemand den letzten Atemzug machte, das wollte sie niemand zumuten. Es war schon genug, dass sie dies ertragen musste. Es war schon schwer genug dem Unausweichlichem entgegen zutreten.
Vorsichtig versuchte sie sich aufzusetzen, um noch einmal, vielleicht das letzte Mal, aus dem Fenster zu guckten. Es begann zu schneien und die h├╝bschen Schneeflocken tanzten dem Erdboden entgegen. Vielleicht war es sch├Âner im Winter zu sterben... Denn wenn die frisch aufgeworfene Erde mit Schnee bedeckt war, so war dies ein sch├Âner Anblick; ein trauriger, aber auch sch├Ân. Sie hatte niemals geglaubt, dass sie so kaltbl├╝tig mit ihrem eigenen Grab sein konnte, so als ob es das Nat├╝rlichste der Welt w├Ąre. Doch jetzt, wo ihre letzte Ruhe immer n├Ąher r├╝ckte, konnte sie nichts mehr aus der Fassung bringen. Sie war v├Âllig ruhig, schon ein wenig gleichg├╝ltig... andererseits, was sollte sie auch tun?
Ihr K├Ârper konnte ihr keine Dienste mehr leisten. Sie schaute auf ihren K├Ârper hinab. Sie war so stolz auf ihren K├Ârper gewesen und nun war er nicht mehr ihr. Er war nur noch eine leblose H├╝lle, nur noch ihre Arme konnte sie bewegen, alles darunter war so gut wie tot... Nur ihr Verstand, der lief auf Hochtouren, da dieser wollte nicht sterben, jedoch es war eine aussichtsloser Kampf den ihr Herz und ihr Gehirn austrugen, denn viele Organe waren durch den Vorfall in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Arzt hatte ihr gesagt, dass alles wieder gut werden w├╝rde. Allerdings wusste sie es besser und in dem Moment beneidete sie ein wenig die alten Leute, die an Alzheimer erkrankt waren und starben, denn die waren so vergesslich, dass sie selbst ihren eigenen Tod vergessen w├╝rden. Sie l├Ąchelte ├╝ber ihren eigenen Sarkasmus, es war das Letzte, was ihr blieb. Sie hustete und schaute unbeirrt aus dem Fenster, immer mehr Schneeflocken t├Ąnzelten an ihrem Fenster vorbei. Die Welt war schon paradox! Sie lag hier im Sterben und unten auf der Stra├če freuten sich die Kinder, dass es schneite und machten eine Schneeballschlacht. Sie hatte immer gedacht, dass auch mal ihre Kinder im Schnee spielen w├╝rden, doch dies w├╝rde nie geschehen, eine Tr├Ąne bahnte sich ├╝ber ihre Wangen, sie wischte sie barsch ab. Warum die letzten Minuten mit Tr├╝bsal vergeuden. Es sollte nun mal nicht sein, wer wusste schon wof├╝r es gut war, dass sie sich nicht biologisch profiliert hatte. Tja, das Leben w├╝rde weiter gehe, so wie es immer weiter gegangen war, auch ohne sie...

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Silvi Degree
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 0
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Im Anfang liegt das Ende

Unicorn,du hast dir ein schwieriges Thema ausgew├Ąhlt,es aber dem Leser recht anschaulich und gef├╝hlvoll nahe gebracht.
Vor jener beschriebenen Situation f├╝rchtet sich wohl eine jeder von uns und jeder von uns schiebt auch den Gedanken an eine solche irgendwie weg...
Gut gemacht!
Mich interessiert sehr ,welcher Altersgruppe du zugeh├Ârst -leider findet man im Profil nichts .Schade-
Anmerkung :nicht so viel W├Ârter ,wie :wusste- bewusst -musste verwenden (nur ein kleiner Tipp)
Liebe Gr├╝├če
Silvi Degree

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heidekind
???
Registriert: Jan 2002

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Geboren um zu sterben

Geboren um zu sterben

Guten abend Unicorn. Ich bin sehr beeindruckt von Deinen Worten. Es ist wohl so, man wird geboren, um zu sterben. Als ich Deine Zeilen las, dachte ich an meine Mutter (Jahrgang 1914), die nach einem langen Leidensweg im Jahre 1995 erl├Âst wurde. L├Ąngere Zeit hatte sie im Koma gelegen, wurde doch noch wieder wach und war dar├╝ber emp├Ârt, da├č wir die Ger├Ąte nicht haben abstellen lassen. Aber die M├Âglichkeit dazu hatten wir nicht, man besch├Ąftigt sich manchmal zu wenig mit dem, was ist wenn.....
So "lebte" sie anschlie├čend noch einige Jahre in einem Pflegheim, sie lag ├╝ber 5 Jahre rund um die Uhr im Bett, klaglos. Bis zu ihrem Heimaufenthalt hatte mein Papa (Jahrgang 1900) sie gepflegt, aber nachdem er ├╝ber 90 war, konnte ihm eine Vollpflege meiner Mama nicht mehr zugemutet werden. Im hohen Alter lernte er vieles, was sonst immer "unser Mama" gemacht hatte: Mit dem Geld auskommen, kochen, pflegen usw. Sp├Ąter ging er auch zu ihr ins Pflegeheim, aber es war ihnen nicht verg├Ânnt, ein gemeinsames Zimmer zu haben wegen unterschiedlicher Pflegebed├╝rftigkeit. Aber treu und brav sa├č er den ganzen Tag bei ihr und ging erst abends in sein Zimmer zur├╝ck. Nach ihrem Tode lebte er noch 5 Jahre, er verstarb am 17.12.200 im Altern von 100 Jahren. Und wir trugen ihn zu Grabe am 23.12.2000, an einem herrlichen kalten Wintertag in seiner geliebten Heimat Gro├čburgwedel/Nieders., und noch am Abend der Beisetzung begann es zu schneien und der Schnee deckte sanft den Grabh├╝gel zu.
Schneeflocken......so wie Du sie beschreibst......
Kennst du das Buch von Julia Tavalora mit Richard Tayson: Bis auf den Grund des Ozeans ?
Mit freundlichem Gru├č - Heidemarie-Heidekind
__________________
Heidekind-Heidemarie
(e-mail-Adr.: Rh95@aol.com)

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