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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Geburtstagsgedanken
Eingestellt am 19. 12. 2006 08:21


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Astrid
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

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Um 6.15 Uhr habe ich eine Kerze angez├╝ndet. Sie steht jetzt am Fenster, unter dem Morgenhimmel, den ich heute nicht verpassen wollte.

So fr├╝h stehe ich nicht immer auf. Aber heute habe ich Geburtstag. Und war einfach ausgeschlafen.
Es ist der erste Geburtstag, an dem ich mir fr├╝h nur selbst gratulieren kann, denn ich wohne seit ein paar Wochen allein, mein Sohn ist ausgezogen. Doch er kommt am Abend und ├╝berhaupt kommen heute viele G├Ąste, ├╝ber den Tag verteilt und einige bringen ihre Kinder mit und dann ist hier Leben in der BudeÔÇŽ

In der vorletzten Nacht habe ich lange wach gelegen. In meinem Kopf ratterte es, es war, als w├╝rde das letzte Jahr an mir vorbeiziehen. Und da war verdammt viel Gutes dabei!

W├╝rde ich nun doch in meine ├╝bliche Geburtstagsdepri reinrutschen, wo ich noch so laut verk├╝ndet habe, wie entspannt ich in diesem Jahr alles angehe.

Geburtstagsdepri? Was ist denn das? Hat mir eine gute Freundin den Kopf wieder gerade ger├╝ckt. Sei doch froh, dass du schon so alt geworden bist.

Ich werde 45. Nicht zum dritten Mal 39, sondern 45 und ich habe damit ├╝berhaupt kein Problem, weil ich mich immer noch irgendwie wie das kleine M├Ądchen f├╝hle.
Aber es ist ja doch ein gutes St├╝ck Leben und ich denke f├╝r einen Moment an meine Mutter, wie es ihr heute geht, ob sie in Gedanken bei dem Tag im Dezember ist.

Wie Recht meine Freundin hat, daran wurde ich gestern erinnert, als ich erfuhr, dass der Bruder einer Bekannten gestorben ist, das Herz. Er wurde 43. Hinterl├Ąsst zwei Kinder.
Und pl├Âtzlich ist der Gedanke an Yvonne wieder da, die mich schon 1994 verlassen hat, Leuk├Ąmie. Und diese Freundin, die mir ab und an mal den ÔÇ×Kopf w├Ąscht und in den Hintern trittÔÇť, ist an Krebs erkrankt.
Und hat nun eine ungeheure Lebensenergie, von der sie mir abgibt.

Ich bin ja gern so ein Aufschieber. Na ja, ich k├Ânnte ja den und den mal anrufen, das und das mal tun, selbst beim Schreiben, was mir ja die meiste Freude bringt im Leben, ist das so. Weil mich mein hoher Anspruch oft bremst, ich zuviel denke, anstatt es einfach zu tun.

Das w├Ąre ein guter Vorsatz f├╝rs neue Jahr? So richtig halte ich von diesen Vors├Ątzen nichts, aber an meinem Geburtstag, da denke ich auch schon daran, was ich im n├Ąchsten Jahr will, was es bringen wird.

Leben. Und nicht erwachsen werden!
Und den Tag heute einfach entspannt genie├čen.
┬┤
Mein R├╝cken schmerzt. Habe gestern geputzt, gebackenÔÇŽ
Meine Schultern schmerzen, die Muskeln haben sich verk├╝rzt, alles ist verh├Ąrtet. Vom vielen Tippen, von meiner schlechten Haltung. Vom sich Kleinmachen.

Der R├╝cken, die Schultern, das bin ja auch ich, und wer das ist, das bin ich immer noch dabei, zu erkunden. Wie viel Platz nehme ich mir in dieser Welt, in meinem Leben?
Ich muss nun ├ťbungen machen f├╝r die Schultern, es f├Ąllt schon schwer, die Arme auszubreiten. Hey, hier bin ich!
Vielleicht wird es ja auch besser, wenn ich mehr umarme?

Alles im Leben hat seinen Sinn. Sage ich immer, glaube ich daran. Denn Vieles hat sich in meinem auch einfach gef├╝gt, kam scheinbar von allein, wenn ich loslie├č. Oder wenn ich die T├╝r angelehnt lie├č, um neuen Dingen den Eintritt zu erm├Âglichen. Wie 2005, als ich mit dem Theaterspielen anfing.
In diesem Jahr bin ich wieder ausgestiegen, auch aus gesundheitlichen Gr├╝nden, aber seitdem geht es mir nicht besser, denn das ist auch so etwas, was ich vor mir herschiebe und was ich wieder will: Theater spielen.
Und gesund werden.

Meine kleine Kerze brennt noch und ich sehe vom meinem Fenster aus zu, wie die Wolkendecke aufrei├čt. Es k├Ânnte heute Sonne geben. Dieser Morgen geh├Ârt mir!

Gestern Abend erhielt ich ├╝berraschend einen Anruf von einem Bekannten aus dem Amateurtheaterverein. Er nannte mir zwei, drei B├╝hnen, die Mitstreiter suchen, wo die Darsteller auch in meinem Alter w├Ąren.
Vielleicht eine Chance? Ein Fingerzeig. Bewege deinen Arsch!

Alles entspannt angehen. Es ist noch Zeit. Muss noch Br├Âtchen holen, Zwiebeln an den Kartoffelsalat geben, Staub saugen, den Tisch decken.
Gemach, gemach.

Und warum werde ich pl├Âtzlich doch kribbelig, suche ich nach einem geeigneten Platz f├╝r den Geburtstagstisch, freue mich auf Geschenke, frage mich, wer vielleicht ├╝berraschend kommen k├Ânnte, sp├╝re mein Herzklopfen? Ich m├Âchte tanzen und wie ein Kind in die H├Ąnde klatschen: Geschenke, Geschenke!

Ich werde tanzen und in die H├Ąnde klatschen, denn heute habe ich Geburtstag!

Und eben kam ein erster Gl├╝ckwunsch-Anruf, mein Gro├čer!

Per Mail kam eine Gru├čkarte mit vielen bunten Luftballons. Und ich dachte daran, wie ich fr├╝her immer das Zimmer geschm├╝ckt habe, wenn eines meiner Kinder Geburtstag hatte. Und mit einemmal tut es mir leid, dass ich keine Luftballons im Haus habe, ich werde mal schauen, wieviel Geld ich noch zusammenkratzen kann, dann kaufe ich mir einfach welche. Passt doch zum
45. Kindergeburtstag, oder?

__________________
Astrid

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inken
Guest
Registriert: Not Yet


Hallo Astrid,

ich kann mich mit diesem Text nicht anfreunden.
Ich finde den Grundgedanken - in der Seele ein Kind zu bleiben - sehr sch├Ân. Aber in der Seele ein Kind zu sein und dennoch Erwachsen zu werden, das ist wohl die eigentliche Kunst. Menschen, die nur das eine wollen ohne das andere,
erscheinen mir manchmal kindisch.

Ich lese in diesem Text auch etwas heraus von "Nicht erwachsen Werden wollen", von einer Freundin, die der Protagonistin ab und zu in den Hintern treten mu├č, damit
sie sich bewegt, ich lese von Dingen heraus, die sie st├Ąndig vor sioh her schiebt. Von ihrer Kreativit├Ąt, die sie vor sich herschiebt.

Und dann lese ich - und das ist mir richtig unsympatisch, dass die Freundin, die an Krebs erkrankt ist, der Protagonistin auch noch etwas von ihrer Energie abgibt,
weil die ja nicht erwachsen werden will.

Na, bravo!

Das Sch├Âne und Optimistische an disem Text, finde ich, ist die Ehrlichkeit und die Lebendigkeit, man hat das Gef├╝hl, solche Frauen zu kennen, und man erkennt auch ein St├╝ck weit sich selbst. Ein St├╝ck noch Kind bleiben - das ist ein sch├Ânes Ziel. Viele Erwachsene sind ja leider meist zu erwachsen, als dass sie das Kreative zulassen k├Ânnen.
Aber wenn dieses "Ein St├╝ckchen noch Kind bleiben" immer damit einhergeht, dass man an die Hand genommen werden will und ein bi├čchen mit Jammern, wie krank man ist und ja eigentlich will und doch nicht so richtig kann,
dann ist es mir nicht sehr symphatisch

Gru├č Ingrid

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icheben
???
Registriert: Dec 2006

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Hallo Astrid!
Ich gratuliere - ich finde den Text sehr ehrlich und so wunderbar wenig ausgerichtet auf einen positiven Helden!
Zeigt einen Menschen, mit seinen Schw├Ąchen, seinem ├ťberlegen und der Suche nach einem Weg.
Viele Erwachsene sind in der Seele alt geworden, engstirnig, haben das Tr├Ąumen verlernt und wollen nur noch positiven Realismus. Wo w├Ąre die Weltliteratur, wenn wir die zerrissenen Helden nicht zulassen w├╝rden? Einen Werther w├╝rde niemand kennen, sogar der Faust steckt in diesem Konflikt.
Heldenepos, ok, das gibt es auch.
Und wenn jemand mit einem Text nichts anfangen kann, hei├čt es dann, der Text ist doof? Wobei ich vieles, was "Inken" herausliest, nicht finden kann. Meiner Meinung nach ├╝berintepretiert sie eine kleine, lebensechte Geschichte, eine Momentaufnahme eines Tages.
Kennt Inken nicht das Gef├╝hl, wieder ├Ąlter geworden? So alt f├╝hle ich mich nicht! Also ich kenne es sehr sehr gut!

Da gibt es den ber├╝hmten Roman "Die Blechtrommel", da h├Ârte wer auf sogar zu wachsen, weil er nicht erwachsen werden will.
In einer Zeit, in der Jugendlichkeit, ├äu├čerlichkeit usw. viel Wichtiger ist, wo es unm├Âglich ist, ├Ąlter zu werden - in einer Zeit des Jugendwahns zu sagen: Hei, ich bin 45. Dazu geh├Ârt schon Mut! Ich m├Âchte gern einige Luftballons zum Geburtstag vorbei bringen. Vielleicht lassen wir sie gemeinsam zerplatzen?

├ťbrigens Inken, die Bemerkung zur Krebskranken l├Ą├čt bei mir eine Wut-g├Ąnsehaut aufstehen. Wie ist das gemeint? Hei├čt Krebskrankzusein automatisch, der geh├Ârt in Watte oder kann nicht mehr an andere etwas weitergeben oder verstehe ich es als unverantwortlich von der Ich-Figur, von einem Kranken Kraft anzunehmen. Kraft, die man weiter reichen kann, w├Ąchst in einem um ein vielfaches nach.

Ich m├Âchte eines bemerken, mir erscheint diese Rezension von Inken zu sehr eine VER-urteilung als eine BE-urteilung zu sein. Ich finde, man sollte einzig den Text analysieren und darf nicht so unterschwellig den Ich-Erz├Ąhler mit dem Autor auf eine Stufe stellen.
"ich kann mich mit diesem Text <b> nicht anfreunden</b>......Das Sch├Âne und Optimistische an disem Text, finde ich, ist die Ehrlichkeit und die Lebendigkeit, man hat das Gef├╝hl, solche Frauen zu kennen, und <b>man erkennt auch ein St├╝ck weit sich selbst</b>.....Aber wenn dieses "Ein St├╝ckchen noch Kind bleiben" immer damit einhergeht, dass man an die Hand genommen werden will und ein bi├čchen mit Jammern, wie krank man ist und ja eigentlich will und doch nicht so richtig kann,
dann ist es mir nicht sehr symphatisch " ??? Das scheint mir keinesfalls schl├╝ssig - und das Jammern finde ich nirgends in Astrids Text.


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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
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M O D E R A T I O N

Die Ausblendung des Beitrags wegen Netiquettenversto├čes ist im Zusammenhang mit der vorangegangenen L├Âschung eines Beitrags der Kommentatorin zu verstehen. Ich empfehle HFleiss endg├╝ltig, pers├Ânlich (unter Ausschluss der ├ľffentlichkeit) mit der Autorin zu kommunizieren, wenn ihr weiter daran gelegen ist.

ENachtigall
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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