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Leselupe.de > Kurzprosa
Gedanken im Flugzeug
Eingestellt am 04. 11. 2001 16:22


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rabi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2001

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„Achtung Achtung, hier spricht Ihr Kapitän. Unser Flugzeug wird beträchtlich an Höhe verlieren. Bitte schnallen Sie sich an. Wir bitten Sie, Ruhe zu bewahren.“ – Plötzlich wird es ganz still in der Kabine. Eben noch war ein Lachen und Gejohle einige Reihen vor mir zu vernehmen. Und jetzt herrscht Totenstille. Neben mir faltet eine Frau die Hände.

Ich blicke aus dem Fenster. Nichts Außergewöhnliches ist zu sehen. Kein anderes Flugzeug. Die Wolken sind tief unter uns. Ich spüre auch nichts von einem Höhenverlust. Und trotzdem: da ist dieses mulmige Gefühl in der Magengegend. Ich blicke auf die Uhr. In zwei Stunden werden wir in Frankfurt sein. Oder werden wir Frankfurt niemals erreichen???

„Runter kommt man immer“, hab ich mal gehört, und „Langfristig sind wir alle tot“. Aber das zählt jetzt nicht. Wie war mein bisheriges Leben? Was habe ich mir für die Zukunft vorgenommen? Worauf freue ich mich eigentlich??

Immer noch herrscht Totenstille. Es war nur diese Durchsage da. Sonst nichts. REAL ist nichts geschehen. Vielleicht hat es wirklich einen Höhenverlust gegeben. Das merkt man doch gar nicht. Meinem Gefühl nach gleitet das Flugzeug genauso weiter wie vorher. Warum macht man sich immer über alles so viele Gedanken. Warum will man jetzt schon wissen, was im nächsten Augenblick passiert???

Man lebt doch jetzt, j e t z t.
Und j e t z t geht es mir gut. Ich hatte einen schönen Urlaub in der Karibik und bin auf dem Heimflug in Richtung Frankfurt. Gerade hatte ich das Mittagessen zu mir genommen, und jetzt lese ich hier in einem schönen Buch. Was will man eigentlich mehr? – Aber nein, dann kam da diese Durchsage, dass man an Höhe verliert und schon macht man sich Sorgen, denkt gleich an das Schlimmste, an einen Absturz!?!?

Ist es nicht ganz normal, auch mal an Höhe zu verlieren. Muss es denn immer nur aufwärts gehen? – Sind wir denn wirklich schon so programmiert?

Immer noch herrscht Totenstille im Flugzeug. Soll das denn die nächsten zwei Stunden so bleiben? Muss erst „Entwarnung“ kommen, damit die Menschen wieder normal reagieren können? - Nein, ich will das nicht so. Ich blicke aus dem Flugzeug. Wir sind immer noch über den Wolken, und draußen scheint die Sonne.

Nein, jetzt fĂĽhle ich mich richtig gut, sogar besser als vorher. Mir wird bewusst: es geht mir gut. Ich l e b e. Es wird vielleicht Turbulenzen geben. Aber das ist doch normal. Ich freue mich: ĂĽber das was gewesen war, und auf das was kommen wird. Warum aber bedurfte es erst dieser Durchsage, um mich aus dem Alltagstrott rauszureiĂźen. Um meine Gedanken neu zu ordnen.

Gleichzeitig spüre ich aber auch, wie unwichtig viele Dinge sind, über die man sich sonst so Gedanken macht. Über wie viele Dinge echauffiert man sich, die kurze Zeit später wieder vergessen sind, die einen aber unnötigerweise nur Nerven gekostet haben.

. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Es gab keine Entwarnung mehr. Vielleicht hat der Captain es einfach nur vergessen. Es war auch gar nicht nötig, denn wir sind zwei Stunden später ganz normal in Frankfurt gelandet.

__________________
rabi

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cain
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das leben ist nur die unendliche aneinanderreihung von augenblicken, von hier und jetzts.

schöner text.
mehr davon!

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo rabi,

an der Oberfläche des Textes schreibst Du eine nette unterhaltsame Geschichte. Liest man zwischen den Zeilen, dann ist da viel tiefsinniges zu finden. Auch der Einstieg ist Dir sehr direkt, also gut gelungen.
Fazit: Eine sehr lesenswerte Geschichte.

Gruss
Volkmar

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