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Leselupe.de > Anonymus
Gedanken über den Tod
Eingestellt am 13. 04. 2017 13:32


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Gedanken über den Tod

Was ist der Tod? Ich weiß keine rechte Antwort, daher stelle ich, im Sinne des Versuchs einer systematischen Antwortfindung, hier einmal ein paar Thesen und mögliche Antworten zusammen.

1. Ist der Tod der Vorgesetzte des Lebens?

Das klingt fast plausibel, dürfte aber bei genauerer Betrachtung doch nicht ganz stimmen: Der Tod thront – oder, von mir aus: schwebt – möglicherweise über dem Lebenden, und er lauert, wer weiß schon Genaues, vielleicht auch in den finsteren, undurchdringlichen Tiefen unter oder im Nichtsahnenden.
Und gewiss auch kommt er zu oder entfaltet sich in diesem, gleich auf welchem Wege: ob er sich nun vom hohen Throne auf sein Opfer herabstürzt; ob er sanft und mählich, mit viel Zeit beim Zielanflug, sich diesem nähert, indem er zum Beispiel in den inneren Organen seiner Zielperson diverse karzinogene Exzesse unbemerkt vom Stapel lässt oder die Schleusen einer vergifteten Seele öffnet, auf dass die üblen Gedanken ihr zersetzendes Werk für ihn tun und allen blöden, vergeblichen Mühen und illusorischen Hoffnungen ein endgültiges Ende bereiten –: stets gibt er seine Rolle als Vorgesetzter bei Erreichen seines Zieles auf!
Wie kann also einer Vorgesetzter sein, wenn er sich dem Untertanen gleich macht?
Außerdem: Nach dem Tod kommt in der Regel neues Leben. Da hätte sich die Rolle umgekehrt, das Leben wäre nun der Vorgesetzte des Todes.
Fazit: Der Tod, er kann nicht der Vorgesetzte des Lebens sein. Dafür besitzt er zu wenig Stil und Distinktion. Er wechselt zu häufig seine Rolle.


2. Ist der Tod ein lebendiges Wesen?

Wäre der Tod ein lebendiges Wesen – und die in der ersten Frage bemühten Bilder legen das nahe, man denkt unweigerlich an Geschöpfe wie Aasgeier, Hyänen, Löwen, Viren –, müsste er eine Körperlichkeit und einen Geist haben. Seltsamerweise lässt sich genau das nicht nachweisen. Oder hat mal jemand den Sensenmann livehaftig vor seiner Türe gesehen? Wer das behauptet, denkt vielleicht unbewusst an Udo L. in seinen schlechteren Jahren (zum Glück überwand er sich).
Einen Geist hat beim Tod auch noch niemand bemerkt, es sind zumindest keine besonderen Schriften, Werke, Bonmots oder sonstige Sentenzen aus seinem Munde bekannt geworden, von der Frage, ob man mitkommen wolle, einmal abgesehen (dämliche Frage übrigens, denn wenn er sich zeigte, bedürfte es wohl kaum noch umständlicher Erläuterungen).
Fazit: der Tod ist kein lebendiges Wesen, da er keine Körperlichkeit besitzt und noch kein geistiges Werk verfasst hat; weder einen Roman noch ein Gedicht, nicht mal ein Zehn-Punkte-Abwicklungsprogramm sind bekannt.

3. Wenn der Tod kein lebendiges Wesen ist, ist er damit nicht zwangsläufig ein Nichts?

Leider trifft auch das nicht zu: Wäre der Tod ein reines Nichts, könnte er seiner Aufgabe nicht nachkommen und seine Lieblingsbeschäftigung ausüben, und die besteht zuvörderst darin, die Lebenden zu einem mal schnellen, mal schönen, häufiger aber quälend-langsamen und meist auch noch schmerzhaften Ende zu bringen.
Fazit: der Tod ist keinesfalls ein Nichts.

4. Ist der Tod eine Krankheit des Lebens?

Vielleicht. Aber man kann es auch umgekehrt sehen: Das Leben als Krankheit des Todes.

5. Wo wohnt der Tod?

Die Frage lässt sich beantworten: Der Tod wohnt immer in Nähe der Lebenden. Dicht bei oder sogar mittendrin.

6. Ist der Tod sterblich?

Bisher meinte man, er sei unsterblich in Ewigkeit. Neuere Forschungen haben sich allerdings das Ziel gesetzt, da etwas zu ändern: Vielleicht gibt es ja wirklich einmal das ewige Leben, man arbeitet jedenfalls dran – ein grausiger Gedanke. Sollte es einmal so kommen und ein Menschenleben unendlich währen, so prophezeie ich schon heute: Einst werden die Betroffenen um den guten, alten, unsterblichen Tod betteln. Sie werden nächtens und auch am Tage die Türen ihrer Häuser aufreißen und nach ihm schreien.

7. Was passiert, wenn der Tod gestorben ist und die Menschen unsterblich sind?

Ich glaube, die Regierung wird irgendwann das qualvolle Schreien und inbrünstige Rufen all ihrer hoch- und höchstbetagten Bürger nach einem baldigen Ende von Steuerungerechtigkeit, Ehegattensplittung, Cybermobbing und Spammails erhören und ein größeres Forschungsprogramm zur Wiedereinführung des Todes auflegen, anders gesagt: man wird herauskriegen müssen, wie man den verblichenen Tod wieder lebendig machen kann, um die Wünsche der Bürger zu erfüllen. Führt die Forschung nicht zum Erfolg, wird das Wehklagen nach einem schönen Tod durch alle Ewigkeiten hallen.

8. Brauchen wir den Tod?

Eindeutig ja: ohne ihn wäre das Leben unendlich – wertlos.

9. Ist der Tod also ein guter Freund des Menschen?

Nein, soweit würde ich nicht gehen, obwohl ich ihn mit großem Behagen als guten Freund am Halse meiner Feinde sähe. Der Tod ist kein Freund, aber auch kein Feind des Menschen (womit ich gleichzeitig ausdrücken möchte, dass meine Feinde nicht unbedingt zu den Menschen zu rechnen sind). Er ist unser notwendiger Begleiter, den wir bei guter Gesundheit und in sicheren Verhältnissen nicht wahrnehmen.

10. Kann man dem Tod begegnen?

Kaum, denn dazu müsste man lebendig tot sein.

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