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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gedanken zum Scheitern der Schulmathematik
Eingestellt am 02. 06. 2007 12:27


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collecteur
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Ich kenne keinen Berufsstand, der so beharrlich ├╝ber sein eigenes Scheitern hinweg sieht wie die Mathematiklehrer an (deutschen?) Schulen. Es gibt akribische Untersuchungen dar├╝ber, dass viele Sch├╝ler nach der Behandlung eines Themas im Mathematikunterricht die entsprechenden Aufgaben schlechter bew├Ąltigen konnten als vorher.
Allein die Reaktionen, die ich bekomme, wenn ich erz├Ąhle, fast sollte ich sagen gestehe, dass ich Mathematiklehrerin war und bin, sind eigentlich niederschmetternd. 9 von 10 Menschen berichten sofort von der Gei├čel ihrer Kindheit und Jugend. Der 10. ist allerdings ein mehr oder weniger begeisterter Anh├Ąnger der Mathematik und schw├Ąrmt von seinem Lehrer, der "so gut erkl├Ąren" konnte.

Ich glaube nicht, dass es besonders gute Erkl├Ąrungen gibt.
Ich glaube, dass es Lehrer gibt, die die Sch├╝ler verstehen (wenige) und Lehrer, die die Sch├╝ler nicht verstehen und das auch gar nicht f├╝r n├Âtig halten.

Sie sind der ├ťberzeugung, die Mathematik als perfektes vom einzelnen v├Âllig unabh├Ąngiges Geb├Ąude habe eine absolut g├╝ltige Form, die man - zwar in Schuljahrsh├Ąppchen zers├Ągt aber steinhart gebacken im Didaktikofen - fressen oder sterben muss.

Dabei hat zun├Ąchst mal jedes Kind Spa├č an der Mathematik. Oder kennt jemand ein Kind, das nicht begeistert z├Ąhlen lernt, nicht nachfragt, wie es weitergeht und stolz auf seine ersten F├Ąhigkeiten ist? Dabei haben die Kleinen ├╝brigens kaum Anwendungen im Sinn.
Was im Unterricht fast nie auftaucht, ist die Sch├Ânheit der Mathematik, und dieser Begriff scheint geradezu ungeheuerlich angesichts des Rufs der Mathematik. Der Ruf nach Anwendungen hat nat├╝rlich seine Berechtigung, aber eigentlich geh├Âren diese Probleme in die F├Ącher, die eben diese Anwendungen zum Thema haben.....

Meine Tochter galt als behindert, sie besuchte eine Nobel-Integrationsschule in M├╝nchen. Dort ging es etwas lockerer zu. Das kleine Einmaleins bereitete ihr allerdings schon Schwierigkeiten. Nur die Neuner Reihe, die gefiel ihr, die konnte sie ganz schnell behalten, denn sie hatte selbst (!) gesehen, dass dabei die Zehnerzahl immer um Eins gr├Â├čer wurde und gleichzeitig die Einerzahl immer um Eins kleiner.

Solche Sichtweisen sind f├╝r viele Mathematiklehrer ungewohnt - ÔÇ×keine MathematikÔÇť - und allzu leicht kommt ihnen das Wort FALSCH ├╝ber die Lippen, oft l├Ącherlicherweise, denn sie selber haben nicht begriffen, wo die Mathematik in den Sch├╝lergedanken liegt. F├╝r die Probleme, die in der Schulmathematik behandelt werden, gibt es viel mehr verschiedene L├Âsungsarten und -wege, als die Lehrer sich tr├Ąumen lassen. Sich darauf
einzulassen w├╝rde allerdings ein breiteres Wissen und ein angstfreies Herangehen an das eigene Studienfach bedeuten.
Manchmal m├Âchte ich so richtig loslegen und vielen meiner Freunde zeigen, wie viel Spa├č Mathematik machen kann, wenn man anders herangeht und vor allem, dass jeder - JEDER - das kann.
Vielleicht richte ich einen Geheimzirkel ein mit dem Motto, was ich schon immer ├╝ber Zahlen sagen oder wissen wollte. Ich wei├č bis heute ├╝brigens vieles nicht, und manches habe ich mit Sch├╝lern gemeinsam erst begriffen.

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collecteur
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antwort auf arthrys

danke, lieber arthrys, f├╝r deine ausf├╝hrliche antwort auf meinen text.
das thema enth├Ąlt ja wirklich so viele aspekte, ├╝ber die es jeweils wiederum viel zu sagen gibt, so dass man kaum weiss wie anfangen und vor allem wohin?
ich m├Âchte vorerst nur auf eine deiner ├Ąu├čerungen eingehen.
keine der drei schulen, an denen ich l├Ąnger gearbeitet habe - zwei davon im ruhrgebiet - ├Ąhnelte auch nur im entferntsten einem tollhaus. sicher gibt es an vereinzelten schulen schlimme zust├Ąnde, aber ich finde dass man die berichterstattung in den medien und vielleicht auch einzelner gestresster lehrer nicht zu schnell ├╝bernehmen sollte. diese katastrophenmeldungen ├╝ber die schulen tragen allerdings langsfristig zu einer unguten erwartungshaltung von sch├╝lern vor allem aber von den eltern bei. die sch├╝ler erleben ja t├Ąglich auch die positiven seiten der schule, die eltern nicht.
..und wenn ich den kollegen etwas g├Ânne, dann nicht den vorzeitigen ruhestand (wahrhaftig ein zweischneidiges etwas),
sondern eine bessere ausbildung, berufsbegleitende supervision (!!) und respekt f├╝r ihre bem├╝hungen. das sollte allerdings erg├Ąnzt werden durch eine sinnvolle kontrolle und die m├Âglichkeit der k├╝ndigung f├╝r wirklich unf├Ąhige lehrer, wie in jedem anderen berufsstand auch.

in meinem text habe ich ja ein spezielles problem der mathematik angesprochen. auch dazu gibt es nat├╝rlich schon einige bem├╝hungen, aus dem alten trott auszusteigen, zb die lehrergruppe um andelfinger die ihr vorhaben sinnig und leicht provokativ "sanfte mathematik" genannt hat.

wie gesagt ein weites feld und vieles zusagen bleibt noch

mit lieben gr├╝├čen
collecteur

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