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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gedanken zum ersten Gebot
Eingestellt am 10. 08. 2011 08:50


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Man kann vom christlichen Glauben an Gott zwei S├Ątze sagen, die sich widersprechen. Der eine Satz lautet: der Glaube entwirft Bilder von Gott, weil er ohne sie nicht leben kann.

Und der andere behauptet: der Glaube ├╝berholt die vorhandenen Bilder. Oft rei├čt er sie auch nieder und zerst├Ârt sie, wie etwa Mose den goldenen Stier am Sinai niedergerissen hat, in dem das Volk die Kraft seines Gottes verehrte.
Der Glaube entwirft Bilder. Bilder k├Ânnen tr├Âsten, sie weisen ├╝ber uns selbst hinaus. Denn in den Grundsituationen des Lebens kommen wir Menschen mit unserer einfachen Sprache nicht aus. Die Sprache selbst dr├Ąngt sozusagen ins Bild. Sie verliert ihren bestimmenden Charakter und f├Ąngt quasi an zu fliegen, und keine Definition kann sie dann mehr einholen.

So reden wir, wenn wir lieben. So reden wir im Schmerz, in der Trauer, in der Sehnsucht. Wir fliehen in die Bilder, weil unsere normale Sprache zu eng ist. Aber, und das ist wichtig: diese Bilder, die wir da machen und benutzen sind keine Fotos; sie wollen niemand einfangen und festhalten. Es sind Bilder, die auf jemanden zueilen und ihn umarmen m├Âchten. In der Liebe, in der Trauer, in der Sehnsucht sp├╝ren wir das Ungen├╝gen unserer eigenen Sprache. Wie eine Welle die andere bricht und ├╝berholt, so ├╝berpurzeln sich die Bilder und man versucht immer neue. Das Bild selber bricht das Bild und ist somit bilderst├╝rmerisch.

Aber, zum zweiten: der Glaube rei├čt auch Bilder nieder. Der Prophet Habakuk sagt an einer Stelle: ÔÇ×Das Bild lehrt l├╝gen.ÔÇť Die Geschichte vom Goldenen Kalb ist sozusagen die Grundgeschichte des Bildersturzes.
Das Volk ist in der W├╝ste, Mose oben auf dem Berg; er scheint nicht wieder zu kommen. Woran sollen sie sich halten, wenn sie ihren F├╝hrer verloren haben? Sie sammeln ihren Schmuck und gie├čen das Bild eines goldenen Kalbs, ein Abbild der St├Ąrke ihres Gottes. Keines fremden Gottes, sondern des Gottes, der sie kraftvoll und m├Ąchtig aus ├ägypten befreit hat. Was war also so falsch daran?

Das Volk wollte die Garantie eines anwesenden Gottes haben. Seine Kraft sollte gefangen werden im kostbaren Bild des m├Ąchtigen Stieres. Er sollte dem Volk jederzeit zur Verf├╝gung stehen in dem sichtbaren Bild. Und so wurde das Bild zum G├Âtzenbild. Das war dann nicht mehr der Gott der Freiheit. Aus ihm war ein nach Menschenma├č berechenbarer und handhabbarer Gott geworden. Das Volk hat sich einen G├Âtzen gemacht, indem es mehr haben wollte als das unangreifbare Versprechen seines Gottes, indem es also sich selber den Gott garantieren wollte.

├ťberall, wo die Bilder und die Namen Gottes nicht mehr Sprachversuche und Ann├Ąherungen sind, wo die Namen und Bilder nicht mehr gro├če und z├Ąrtliche Liebesspiele sind, sondern als endg├╝ltige Feststellungen und Klarlegungen begriffen werden, sicher oft auch um unsere Angst und Unsicherheit zu binden, da besteht die Gefahr einen G├Âtzen zu haben, statt einen Gott.




Version vom 10. 08. 2011 08:50
Version vom 25. 08. 2011 12:14

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